Albanien hat eine neue Fluggesellschaft

Edi Rama zelebriert den Erstflug von »Air Albania«, der neuen nationalen Fluggesellschaft, die keine richtige Airline ist

Die Luftfahrtindustrie Albaniens ist geprägt von Wirrungen – und jetzt ist eine neue Episode hinzugekommen. Durch den Konkurs von »Belle Air«, die zuletzt mehr als 40 Prozent der Passagiere am Flughafen Tirana transportierte, ist im albanischen Flugmarkt eine grosse Lücke entstanden. Diese konnte bis jetzt weder durch die Billigfluggesellschaft »Albawings« noch durch die virtuelle Fluggesellschaft »Fly Ernest« gefüllt werden, die beide eng mit italienischen Fluggesellschaften kooperieren und über lediglich zwei Flugzeuge verfügen. Auch die bereits 2015 angekündigte »Albanian Airways« ist bis heute nicht abgehoben.

Jungefernflug von »Air Albania«
Air Albania

Edi Rama an der Feier in Rinas (Foto: Website der albanischen Regierung)

Dank staatlicher Unterstützung konnte gestern »Air Albania« ihren Jungfernflug feiern. Die von »Turkish Airlines« geleaste Maschine kam aus Istanbul in Tirana an und wurde mit Wasserspielen der Feuerwehr willkommen geheissen. Später kehrte sie mit »80 erfolgreichen [albanischen] Studenten an Bord«, wie die türkische Rundfunk- und Fernsehanstalt TRT schreibt, wieder in die türkische Metropole zurück.

Obwohl auch dieses Airline-Projekt mit nur einem Airbus A319 noch in den Kinderschuhen steckt, wurde es gross in Rinas gefeiert. Edi Rama inszenierte sich als Initiator der »nationalen Fluggesellschaft«, die den Albanern neue Flugverbindungen und günstigere Flüge beschere. Er sprach auch von ersten Direktflügen nach New York – und den neuen Flughäfen in Kukës, Saranda und Vlora, wo zumindest bei letzterem auch türkische Investoren zum Zuge kommen sollen.

Albanisch-türkische Kooperation

Die neue Airline, die zu 49 Prozent im Besitz von »Turkish Airlines« ist, stärkt den türkischen Einfluss in Albanien. Zu einer Zeit, wo die meisten Staaten eher auf Distanz gehen zum Autokraten Erdogan, ist Rama die grosse Investition aus der Türkei sehr willkommen. Entsprechend wohlwollend äusserte sich Rama gegenüber dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der den Deal mit »Turkish Airlines« einfädelte und sich über den wachsenden Einfluss in Tirana freuen dürfte.

Die überigen Anteile der neuen Airline gehören zu zehn Prozent »Albcontrol«, der staatlichen Flugaufsicht, und zu 41 Prozent einer Investmentgesellschaft unter der Kontrolle eines Geschäftsmanns aus Vlora.

Die neue Airline ist aber vor allem ein Lieblingsprojekt des albanischen Ministerpräsidenten Rama. Er spricht von einer neuen Epoche. Kritiker werfen ihm vor, das Projekt intransparent im Alleingang im stillen Kämmerchen und ohne Einhaltung der politischen Prozesse geplant zu haben. Die Finanzierung und Kosten für den Staat seien unklar. Auch die Nähe zu Erdogan wird nicht überall gerne gesehen.

Neue Airline lässt Professionalität vermissen

Die Beteiligungen der Mutterfirma »Turkish Airlines« und des albanischen Staats lassen darauf hoffen, dass »Air Albania« sich nicht gleich in die lange Reihe von albanischen Fluggesellschaften einfügt, die wieder aufgeben mussten, und einigermassen professionell arbeiten wird – immerhin zählten die Türken bis vor Kurzem zu den erfolgreichsten Fluggesellschaften überhaupt.

Der Start der neue albanischen Fluggesellschaft erzeugt aber alles andere als einen professionellen Eindruck: Eine funktionierende Website gibt es nicht. Auch der Facebook-Auftritt ist sehr spärlich. Auf der Website des Flughafens Tirana ist »Air Albania« noch nicht aufgetaucht. Und das Flugzeug ist noch immer in der Türkei registriert und fliegt mit Flugnummern von »Turkish Airlines«. Eine richtige Airilne ist das somit noch nicht.

Aktuell bedient »Air Albania« täglich die Strecke Tirana–Istanbul und zurück . Damit steht der Flieger vor allem am Boden und bedient zwischendurch eine Strecke, die durch »Turkish Airlines« und »Pegasus Air« schon gut abgedeckt ist und auf der man sich im eigenen Haus konkurriert. Auch die Wahl der weiteren Destinationen, die angekündigt worden sind, scheinen primär auf politischem Willen zu beruhen: Die grossen italienischen Städte haben bereits gute Verbindungen nach Tirana und für die Hauptstädte der Nachbarländer gibt es kaum einen grossen Markt.

Wir sind gespannt, ob »Air Albania« ein politisches Strohfeuer bleibt oder sich im albanischen Luftmarkt zu etablieren weiss.

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