Von Faustschlägen und Masken auf Halbmast: Corona-Alltag in Albanien

Frau auf einer Strasse in Albanien schützt sich mit Maske vor COVID-19 und mit einem Schirm vor der Sonne

Im Juni haben die Corna-Neuinfektionen in Albanien sprunghaft zugenommen und steigen seither laufend. Die Entwicklung war weniger dramatisch als in den Nachbarländern, aber auch nicht erfreulich. Wie in anderen Ländern ist eine Corona-Müdigkeit und eine Zurückhaltung gegenüber den Gesichtsmasken erkennbar. Der Umgang mit der aussergewöhnlichen Situation prägt den albanischen Alltag unterschiedlich.

Trubel am Strand

Weit weg schien das Coronavirus am Strand zu sein. Diesen August nahm das Leben an der Albanischen Riviera beinahe seinen gewohnten Lauf. Zehntausende von sonnenhungrigen Albanern strömten in langen Kolonnen an die Küsten des Landes. Da die Wirtschaft wiederbelebt werden sollte, waren Touristen grundsätzlich willkommen. Sie kamen aber fast ausschliesslich aus den Nachbarländern.

Trubel am Strand von Himara, Albanien, im Sommer 2020
Strand von Himara im August 2020

Am Strand gab es wohl an den meisten Orten genügend Abstand zwischen den Badenden. Nach wie vor eng gestuhlt waren aber die meisten Cafés und Restaurants in den Badeorten. Der abendliche »Xhiro« erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit – hier wurde es mitunter schon recht eng. Nur vereinzelt trug ein älteres Paar Gesichtskmasken beim Spaziergang entlang den Uferpromenaden.

Unbeliebte Masken

Die Albaner sind keine Fans dieser Masken. Bei der sommerlichen Hitze ist das Maskentragen auch wahrlich keine Freude. Die Regierung hat – nebst weitere Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus – eine weitgehende Maskenpflicht für sämtliche Verkehrsmittel und gemeinschaftlich genutzten Innenräume wie Läden erlassen. Trotzdem sieht man die Gesichtsmasken ausserhalb von Tirana eher selten.

Masken werden meist getragen, weil man muss – nicht aus Einsicht. Gerade im Süden des Landes habe ich tagelang kaum eine Maske gesehen – und schon gar nicht dort, wo sie Pflicht wäre. Kaum ein Kellner, kaum ein Verkäufer war mit Maske unterwegs. Obwohl die Schilder allgegenwärtig sind. Und wenn Masken getragen werden, dann in der Regel auf »Halbmast«: unter der Nase oder unter dem Kinn. So kann man sich immer noch rausreden, sollte ein Polizist reklamieren. Dabei zeigten sich auch die Gesetzeshüter nicht immer vorbildlich …

Mann mit Schutzmaske in einem Café in Tirana
Maske auf »Halbmast« – dabei wäre sie im Café natürlich nicht nötig

Auch andere Bestimmungen werden gerne ignoriert. Bars an Orten, wo kaum je ein Polizist vorbeikommt, spielen trotz Verbot die ganze Nacht lang Musik. Oder aber man lässt die Gäste aus dem Gebäude nebenan beschallen. Auf Social Media machten auch Videos von wilden Beach Partys die Runde: laute Musik, viele junge Menschen beim Tanzen und hemmungslosen Feiern. Und Abstandregelungen beim Schlangestehen sind den Albanern sowieso fremd.

Begrüssung auf Distanz

Positiv überrascht war ich hingegen von der verbreiteten Disziplin bei Begrüssungen. Das obligate Küssen entfiel meist, und auch Händeschütteln wurde von Vielen vermieden. In Albanien ist jetzt Begrüssung per Faustschlag angesagt!

Eine Gastgeberin hiess mich an der Wohnungstür willkommen mit den Worten: »Willst du dir die Hände waschen?« Eine nette Art, die einfachste Hygienemassnahme durchzusetzen. Händedesinfektionsmittel waren hingen nur selten zu sehen. Dafür galt es am Flughafen ein »Desinfektionstunnel« zu passieren – was wiederum wenig bringen dürfte.

Ansonsten würde man sich aber schon etwas mehr Unterstützung im Kampf gegen die »Zweite Welle« wünschen. Mehr Masken an Orten, wo Abstände nicht immer eingehalten werdene können, und weniger Gedränge in kleinen Geschäften. Vielleicht wird es ja wieder ruhiger, wenn der Sommer vorüber ist und die Menschen wieder mehr Zeit mit alltäglichen Tätigkeiten verbringen. Vielleicht wird es aber gerade dann noch schlimmer, wenn die Menschen wieder mehr Zeit in engen Räumen verbringen.

Flughafen Tirana während Corona-Pandemie: alle tragen Masken
Am Flughafen Tirana: alle Tragen Masken

Hinweis auf Corona-Massnahmen in Tirana, Albanien: Händewaschen, Handschuhe, Masken, Distanz halten
Hinweis auf Corona-Massnahmen in Tirana

Der Alltag hat Albanien zurück: Treffen in den Cafés, Ausflüge ans Meer, Stau in Tirana. Die Veränderungen sind marginal. Der einzige Ort in Albanien, der wegen Corona wirklich vollkommen anders scheint, ist der Flughafen. Der Terminal wurde zur Geisterstadt: Geschäfte und Cafés waren mehrheitlich geschlossen, Zugang hatten nur Passagiere und die Hallen waren zum Teil menschenleer. Auch ein paar Hostels, denen die ausländische Gäste fehlen, scheinen gar nicht erst geöffnet zu haben.

Aber natürlich haben viel mehr Leute Schwierigkeiten, weil sie zum Beispiel wegen der Corona-Pandemie die Arbeit verloren haben. Nur diese sind im Alltag weniger sichtbar.

Umso wichtiger ist es jetzt, sich weiterhin an die Massnahmen gegen die Pandemie zu halten – damit das Leben wieder in die verlassenen Orte einziehen kann, damit die Verlierer der Krise wieder Hoffnung kriegen, damit möglichst wenig weitere Menschen am Virus erkranken.

Flughafen Tirana während der COVID-19-Pandemie
Im Flughafen Tirana

Stillstand in Tirana

Der Coronavirus-bedingte Stillstand erreicht allmählich ganz Europa. Tirana hat schon ein Wochenende Leblosigkeit hinter sich. Ein paar Bilder und Videos aus einer Stadt im Stillstand.

An sehr heissen August-Sonntagen sind die Strassen von Tirana manchmal ähnlich leer – aber jetzt ist März und am Samstag hätte man Dita e verës feiern wollen.

Bilder und Videos: Martin Lerch

Fahrradfahrt durch eine verkehrsfrei Innenstadt
Ein vom Corona-Virus geprägter Sonntagnachmittag im März 2020 auf dem Skanderbegplatz

20 Jahre »albanien.ch«

Logo albanien.ch 20 Jahre Jubiläum

Die Website albanien.ch feiert 2019 ihr 20-jähriges Bestehen. Im Frühjahr 1999, noch in den Anfangszeiten des Webs, haben wir begonnen, kostenlose Informationen, Nachrichten und Hilfe rund um Albanien anzubieten. Damit gehört die Website zu den Oldtimern, gerade wenn man bedenkt, dass sie nicht kommerziell ist und privat von Freiwilligen betrieben wird.

Wie damals ist es noch heute unser Ziel, Ratsuchenden mit Informationen den Zugang zu Albanien zu erleichtern. Wir glauben, dass es Albanien nützt, wenn Interessierte sich nicht ganz so vielen Hürden gegenübersehen. Und wir sind überzeugt, dass mit guten Informationen Unwissen und Vorurteile beseitigt werden können: Die Menschen sollen sich ein positives Bild von Albanien machen können.

1999 war das Jahr des Kosovokriegs. Auch Columbine und Galtür blieben uns in Erinnerung. Ein Handy hatten wohl die wenigsten von uns und auch das Internet gehörte noch nicht für jedermann zu Alltag. Man surfte im Web mit »Netscape« und durchsuchte es mit »Yahoo!« und »AltaVista«. Der heutige Branchenprimus »Google« bezog 1999 sein erstes Büro.

Altes Logo
Altes Logo

albanien.ch ist aus der Zeitschrift »newsletter Albanien« entstanden – ein anfangs von der DEZA unterstütztes Medienprojekt, das versuchte, Informationslücken zu Albanien zu schliessen und Albanien-Projekte zusammenzubringen. Anfangs der 90er Jahre gab es kaum Informationen über Albanien. Gegen Ende des Jahrtausends hatte sich das noch nicht gross geändert: Die Medienberichterstattung über die Pyramidenkrise, politische Krisen, den Kosovokrieg und die Blutrache vermittelten ein einseitiges Bild. Das neue Internet bot sich natürlich an, günstig breit noch andere Informationen zu vermitteln. So haben wir uns schon im Januar 1999 die Domain ergattert.

»Mit den verschiedenen Mitteln, die das neue Medium bietet, versucht die Redaktion des newsletter Albanien jetzt auch online zu koordinieren und zu helfen.«

newsletter Albanien, #21 April 1999

Natürlich sah damals alles noch ganz anders aus – unsere Möglichkeiten waren beschränkt. Wir gehörten nicht zu den Start-ups des Web-Booms, überlebten dafür die Dot-com-Blase unbeschadet. Nur die Zeitschrift gibt es nicht mehr.

Kopie der Website vom Oktober 1999 auf archive.org
Artikel zur Lancierung der Website (in unverändertem Layout)

Newsletter Artikel vom April 1999 zur neuen Website
Artikel im newsletter Albanien vom März 1999 zur Lancierung der neuen Website

Die Angebote auf der Website haben sich nicht grundlegend verändert, wurden aber laufend ausgebaut, verfeinert, modernisiert. Schon damals gab es neben dem Archiv der Zeitschrift einen Bereich mit Nachrichten (damals noch Schwarzes Brett genannt), die Informationsseiten – wie heute unter dem Titel AlbInfo. Damals gab es noch einen »Mitgliederbereich«: eine einfache Möglichkeit für Organisationen und Privatpersonen, ihre eigenen Projekte auf einer Unterseite zu präsentieren.

Das Forum ist eine besondere Erfolgsgeschichte. Hier sind in den letzten 17 Jahren (die ältesten Beiträge wurden nicht auf das neue Sytem transferiert) über 238’000 Beiträge geschrieben worden. Mehr als 8’000 angemeldete Benutzer haben sich in über 15’700 Themen ausgetauscht.

Früher wurde viel diskutiert, manchmal auch gestritten. Heute ist es etwas ruhiger – die politischen Hitzköpfe haben sich in andere Bereiche des Webs verzogen. Aber noch immer kommen täglich neue Beiträge hinzu. Ratsuchende erhalten zu ihren Fragen von einer kleinen Gruppe stark engagierter User meist rasch eine Antwort, vor allem, wenn es um Reiseprobleme geht. Viele Fragen müssen aber gar nicht mehr gestellt werden: Die aktivsten User tragen täglich neue wertvolle Informationen zu den Entwicklungen in Albanien zusammen.

Steigendes Interesse an der Tourismus-Destination Albanien spiegelt sich auch in den Besucherzahle auf der Website wider. Die Statistiken zeigen deutlich nach oben. Dabei ist es nicht immer einfach, die Surfenden auch auf die eigene Website zu bringen. In den Anfangsjahren genügte ein guter Domain und gute Inhalte, um bei Google zuoberstes in den Suchresultaten aufzutauchen. Heute konkurrieren wir mit vielen professionellen Suchmaschinen-Optimierern, Wikipedia und Buchungsportalen um die forderen Ränge, sind aber aufgrund unserer beschränkten Mittel oft abgeschlagen.

Auch sonst hat sich das Internet gewandelt. Social Media ist dazugekommen: Auch wir haben viele Kommunikationen auf Facebook und Instagram verlagert – und freuen uns natürlich über jeden Like dort. Der Blog »S’ka problem« gehört schon wieder zu den eher veralteten Kommunikationsformen, aber bietet noch immer eine gute Möglichkeit, einen anderen Blick auf Albanien zu werfen. Ein Kommen und Gehen gab es in den letzten 20 Jahren natürlich auch bei der Technik. Zu Beginn starteten wir mit HTML, schrieben allen Code von Hand. Heute gibt es zum Glück fast für jedes Bedürfnis eine kostenlose Open-Source-Software, die sich mit wenig Programmier-Kenntnissen anpassen lässt.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Welt verändert. Die Informationstechnologie prägt heute das Leben fast aller Menschen dieser Erde. In Albanien waren die Entwicklungen und Veränderungen noch ein grosses Stück deutlicher als bei uns.

Wir hoffen aber, dass wir auch in 20 Jahren Ihnen – mit unseren bescheidenen Mitteln – noch hilfreiche Informationen rund um Albanien liefern können. Um Ihnen und Menschen in Albanien wie den beiden Jungs unten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, ein Aha-Erlebnis zu verschaffen oder mit schlechten Nachrichten auch mal ein unzufriedenes Murren zu entlocken.

Gerne können Sie unsere Arbeit via patreon.com unterstützen:

Diskussion zu 20 Jahren albanien.ch in unserem Forum

Albanische Alpen – Jungs auf der Alp
Jungs auf der Alp in den Albanischen Alpen

Was ist aus meinem Albanien geworden?

Ein Reiz Albaniens waren immer die Freiheiten gewesen, die man hier im Gegensatz zu anderen Länden hat. Hier ist nicht alles reglementiert, die Regeln werden etwas laxer ausgelegt, der Alltag ist nicht bis ins kleinste Detail vorbestimmt und geregelt.

Diese Freiheiten gaben etwas Luft zum Atmen, forderten aber auch die Spontanität in einem. Insofern war Albanien immer eine bereichernde Abwechslung, um aus dem Alltagstrott herauszukommen und um Überraschungen zu erleben. Oft musste man aus neuen Situation das Beste machen, erlebte aber auch Positives.

Etwas enttäuscht war ich deshalb, als ich vor Kurzem in Tirana über ein Schild gestolpert – nicht wortwörtlich – bin, das mir verbieten wollte, einen Rasen zu betreten.

Tirana Pyramide: Schild «Keep off the gras»
Schild in Tirana bei der Pyramide

Ich fragte mich, was denn aus meinem Albanien geworden ist? Darf man sich in dem Land jetzt auch nicht mehr frei bewegen? Nicht mehr am Polizisten vorbei mit dem Fahrrad in die Einbahnstrasse? Nicht mehr bei den antiken Sehenswürdigkeiten alles erleben anstatt nur von weitem über Abschrankungen hinweg betrachten? Nicht mehr ins Meer springen, wo es einem gefällt?

Keine kleinen Freiheiten mehr im Alltag? Keine grosszügige Auslegung von Verboten, die keinen Sinn machen?

Umso erlöster war ich, als ich dann am nächsten Tag sah, dass die Schilder zwar auch anderswo stehen, aber von den Albanern komplett ignoriert werden. Das Betreten-Verboten-Schild am Skanderbegplatz konnte niemanden davon abhalten, es sich auf dem Grün bequem zu machen.

Also alles noch beim Alten: Es gibt zwar Regeln, und ab und zu erhält ein Schildermaler einen lukrativen Auftrag von der Bashkia. Aber die Albaner legen die Regeln zum Glück immer noch weit aus. Sie lassen sich von sinnlosen Verboten nichts vorschreiben: Man geniesst die Wiese, die zum Geniessen ausgesät wurde. Das Verbot wird eher auf einzelne Grashalme bezogen als auf den ganzen Rasen.

Tirana Skanderbegplatz: Schild «Keep off the gras»
Schild am Skanderbegplatz

Und nein: Ich bin nicht für Anarchie und hirnlose Raserei oder sonstigem »Wildwest« auf Strassen oder Hinterhöfen. Ich bin für die Einhaltung von Recht und Ordnung, gegen Gewalt in der Familie und gegen Korruption. Natürlich bin ich für Respekt gegenüber der Natur und den Mitmenschen. Aber die – mitunter kreative – Dehnung von Regeln, wo sie niemandem schadet, sondern eher ein Schmunzeln hervorruft, hat schon immer zum guten Lebensgefühl in Albanien beigetragen.

Die Mär von den unberührten Stränden

Die neue Ausgabe des »Konsumentenmagazins Saldo« enthält einen Artikel zu Badeurlaub in Albanien und anderen südosteuropäischen Ländern. Und gleich zu Beginn findet sie sich wieder – die abgedroschene Floskel der »letzten unverbauten Küste am europäischen Mittelmeer«.

Endlose Häuserzeilen – endlose Baustelle

Kaum Menschen, aber nicht unberührt: Strand auf der Halbinsel Karaburun vor der Hochsaison

Aber nur, weil Albanien lange in den Katalogen der westeuropäischen Reisebürose fehlte, ist es nicht so, dass dort alles unberührt, unverbaut und unerschlossen ist. Vor 20 Jahren hat ein regelrechter Bauboom eingesetzt, zuerst in Durrës und schnell entlang fast der ganzen albanischen Küste. Immer mehr Küstenabschnitte wurden verkehrsmässig erschlossen und überbaut. In Durrës-Plazh reihen sich endlos Hotelblocks und Appartmenthäuser aneinander. Saranda schreckte Touristen mit unfertigen Häusern – typisch albanischen Endlosbaustellen – ab. In Ksamil trübten von den Behörden zerstörte illegal errichtete Bauten das Bild. Andernorts ist die »Betonisierung« noch nicht ganz so flächendeckend, die Häuser stehen weiter auseinander und haben weniger Etagen. Im Hochsommer sind die Strände Albaniens aber überall meist übervoll – die Sonnenanbeter haben jedoch mehrheitlich albanische Wurzeln.

Deshalb muss man von den Begriffen »unberührt«, »unverbaut« und »unerschlossen« Abstand nehmen, wie wir es in unserem Albanischen Strand-Guide schon lange tun.

Die abgeschiedenen und einsamen Strände

Strand von Livadh bei Himara
Nicht wie vor 20 Jahren menschenleer und unverbaut: Strand von Livadh bei Himara

Vor 20 Jahren entstanden in Himara gerade die ersten Unterkünfte. Die Uferpromenade war noch unasphaltiert, das kulinarische Angebot sehr limitiert. Und ein nicht allzu langer Spaziergang oder eine kurze Autofahrt entlang der Küste führte rasch zu menschenleeren Stränden.

Heute sieht es ganz anders aus. Auch in Himara reiht sich sommers Liegestuhl an Liegestuhl, im Ortszentrum an der hübsch gestalteten, vom Verkehr befreiten Uferpromenade Restaurant an Restaurant. Viele Strände in der Region sind mit Asphaltstrassen erschlossen, so dass jetzt auch dort Hotels und Campingplätze zu finden sind.

Wer in Albanien im Hochsommer noch einen abgeschiedenen, unberührten Strand geniessen möchte, muss meist eine längere Wanderung auf sich nehmen oder sich von einem Boot absetzen lassen. Und immer wieder erwartet einen leider auch an diesen abgeschiedenen Orten viel Müll.

Ausserhalb der Hochsaison sieht es etwas anders aus. Da hat man auch die gut erschlossenen Strände oft für sich alleine – zum Teil kommt auch etwas bedrückende Geisterstadt-Feeling auf.

Geheimtipp?

Der Autor des Saldo-Artikels, der vermutlich nicht alle Urlaubsdestinationen selber getestet hat, hat nicht ganz unrecht: Albanien ist in unseren Breiten noch immer ein Geheimtipp. Man kann schönen Urlaub in Ruhe erleben, kann Sommer und sauberes Wasser geniessen, eine neue Kultur entdecken und tolle Landschaften geniessen – definitiv eine Alternative zu Italien und andere populären Reisezielen. Man darf die Destination jedoch nur mit Vorbehalt anpreisen: Der Geheimtipp ist unter Albanern aber schon lange bekannt und beliebt. Im Hochsommer übervoll mit Einheimischen und recht laut, viele Strände recht verbaut, das ausserordentliche Natuerlebnis nur mit Aufwand zu erreichen.

Blick vom 8. Juni 2019: »Balkanland Albanien ist die neue Trend-Destination«

Da ist das Boulevard-Blatt »Blick« schon etwas ehrlicher. Im neusten Artikel über Albanien ist keine Rede von »unverbauter Küste« oder »unberührter Natur« – wahrheitsgetreu wird geschrieben von »hoher Nachfrage«, viel »unberührter Natur« und »Albanien gehört bei den Badeferien zu unseren gefragtesten Destinationen mit dem grössten Zuwachs«. Nur das Bild, überschrieben mit »Traumstrand«, zeigt den kaum erreichbaren Grama-Strand auf der Karaburun-Halbinsel.

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Albanischer Strand-Guide

Viel zu kurze Saison an albanischen Stränden

25 Jahre: 1994 in Albanien

Heute vor 25 Jahren bin ich von meiner ersten Albanienreise heimgekehrt. Damals war ich noch kein grosser Albanien-Fan – das sollte sich aber rasch ändern. Noch im gleichen Jahr bin ich wieder nach Albanien gereist und seither jedes Jahr mindestens ein Mal. Schnell habe ich Albanien und die Albaner schätzen und lieben gelernt und zwischenzeitlich das ganze Land erkundigt.

Kinder in Rubik
Kinder in Rubik

Die Welt war eine andere damals, auch bei uns. Aber das lange abgeschlossene und verarmte Albanien war wie von einer anderen Welt. Leider habe ich nur wenige Fotos zurückgebracht – man fotografierte noch anders in der Zeit vor der überhandnehmenden Digitalisierung. Dafür habe ich zum Glück – das Gedächtnis lässt ja nach mit dem Alter – einen mehrseitigen Reisebericht verfasst, der auf Papier die Jahre überdauert hat.

Endlich wieder Direktflüge

Kein Aprilscherz: Seit heute gibt es wieder eine direkte Flugverbindung zwischen Zürich und Tirana. Nach fast zehn Jahren Unterbruch – die albanische »Belle Air« war nicht lange erfolgreich – entfällt für uns Schweizer endlich wieder das lästige Umsteigen, und auch wir können uns am Duty Free wieder mit alkoholischen Spezialitäten eindecken.

Wasserfontäne
Begrüssung des Edelweiss-Fliegers in Tirana

Ungesehene Sehenswürdigkeiten: Kirchenruine in Shirgj

  • 24. Feb 2019
  •  unterwegs
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Kirchen hatten in Albanien immer wieder einen schweren Stand – Bau- und Renovierungsverbote durch die Osmanen, Umnutzung, Vernachlässigung oder Zerstörung durch die Kommunisten. So überrascht es nicht, dass viele Kirchen in Vergessenheit gerieten und jetzt in unserer Artikelfolge »Ungesehene Sehenswürdigkeiten« wieder auftauchen.

Die Ruine am Flussufer

Die Ruinen der Kirche von Shirgj ist ein solches Beispiel – weder das Dorf am Unterlauf der Bune bei Shkodra, noch die Sehenswürdigkeit oder die Geschichte der alten Klosteranlage sind im Land weit bekannt.

Von der ehemals grossen Kirche von Shirgj ist nicht mehr viel übrig. Der Zahn der Zeit hat dem Bau stark zugesetzt. Vor 100 Jahren war die Ruine noch ein Gebäude mit vier Wänden und ohne Dach – heute stehen nur noch ein paar Meter einer Seitenwand und ein Pfeiler aus dem Kirchenschiff.

Die Buna hat zu sehr am Ufer genagt, so dass ein Grossteil der Mauern verschwunden ist.

Ein grosser Rest einer grossen Vergangenheit

Die spärlichen Reste der Kirche

Die Kirchenruinen sind bescheidene Zeugen einer grossen Vergangenheit. Sie stammen aus dem Jahr 1290, sind also älter als die Schweizer Eidgenossenschaft. Stifterin war die serbische Köngin Hélène d’Anjou. Im 14. Jahrhundert war das Kloster um die Kirche einer der wichtigsten Handelsplätze des Westbalkans: Hier wurde verladen, was von den Schiffen in Richtung Land sollte oder was exportiert werden sollte. Bis hier war die Buna befahrbar, weshalb an diesem Ort ein Umschlagsplatz, ein bedeutender Markt und ein kleines Städtchen entstand. Noch vor dem Einfall der Türken hatte das Kloster an Bedeutung verloren – und schnell verschwand es in der Vergessenheit.

Ländliche Idylle

Landschaftsidylle: der Fluss Drin bei Shirq

Das Dorf Shirq ist ein unauffälliges Bauerndorf zwischen Shkodra und Velipoja. Auf guter Strasse ist es nur ein kleiner Abstecher.

Die beiden grössten Neubauten im Ort weisen darauf hin, dass hier Katholiken und Muslime zusammenwohnen. Über Feldwege geht es von der Strasse nach Westen zum Fluss Buna. Die hohen Dämme erinnern daran, dass die Region immer wieder überschwemmt wird. An Bauernhäusern und Feldern vorbei erreicht man nach 15 Minuten das Flussufer mit der Kirchenruine, die sich idyllisch zwischen den Bäumen versteckt.

Auch der markierte Radweg von Shkodra nach Velipoja führt unweit der Kirche vorbei. Ob mit zwei oder vier Rädern unterwegs: Mit einem Abstecher zur Kirchenruine lässt sich ein Besuch in Velipoja am Meer gut mit etwas Kultur und einem Ausflug in die Geschichte des Landes verbinden.

Wikipedia: Informationen zur Geschichte der Kirche

 

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