Garda e Republikës: Hüter der Unrechtsstaatlichkeit?

Die albanische »Republikanische Garde« (Garda e Republikës) hat in den letzten Wochen nur negative Schlagzeilen gemacht. Die dem Innenministerium unterstellte militärische Sondereinheit, die nebst Ehrenwachen vor allem den Auftrag hat, Regierungs- und Parlamentsgebäude zu schützen, kam während der Demonstration vom 21. Januar heftig unter Druck. Die Todesopfer, die während dieser Demonstration ums Leben kamen, dürften von Gardisten erschossen worden sein, wie Videobilder zeigen – und das in nicht wirklich bedrohlichen Situationen. Die Staatsanwaltschaft leitete sofort eine Untersuchung gegen führden Kader der Garde ein. Diese entzogen sich aber erst den Aufklärungen der Untersuchungsbehörden: Geschützt vom Ministerpräsidenten Sali Berisha ingorierten sie die Staatsanwältin, die zudem vom Ministerpräsidenten arg beschimpft wurde.

Als der Präsident der Garde, Ndrea Prendi, sich dann doch bei der Staatsanwaltschaft zur Befragung einfand, war er in seinem Porsche Cayenne unterwegs. Wie albanische Medien jetzt berichten, wurde der Luxuswagen vor Kurzem beschlagnahmt. Der dicke Porsche ist gestohlen und die Papiere sind gefälscht, das Nummernschild gehört zu einem anderen Wagen.

Seinen Stellvertreter Ilir Meta liess Berisha nach den Protesten fallen, an der Garde hielt er fest. Ob ihm das noch lange gelingen wird, wird allmählich fraglich. Fragt sich nur, welche anderen unrechten Machenschaften der Garde auch noch gedeckt werden sollen. Ist nur der Präsidentengardepräsident ein faules Ei, oder sind seine Spezialtruppen noch in andere schlimme Dinge verwickelt?

»Der Staatsanwalt von damals ist Richter von heute«

Heinz Eggert schreibt in SUPERillu über seine Erfahrungen in Albanien, wo der einstige DDR-Oppositionelle und spätere Innenminister von Sachsen derzeit als Berater in Sachen Vergangenheitsbewältigung aktiv ist.

>> Aufarbeitung auf albanisch

Room With A View: Tirana Webcam

Vor langer Zeit gab es mal eine verpixelte, schiefe Webcam, die durch eine verdreckte Scheibe Bilder vom Skanderbeg-Platz aufnahm und in die Welt hinaus verbreitete. Danach blieb es – zumindest so weit ich weiss – lange stumm, was Webcams aus Albanien anbelangt.

Kürzlich habe ich mal wieder im WWW auf die Suche gemacht, ob es da einen Nachfolger gibt. Schau an! Ich wurde fündig: Eine Webcam liefert alle paar Minuten ein Bild aus dem »Sheraton Hotel« beim Hauptgebäude der Universität mit Blick auf den Amtssitz des Präsidenten.

>> www.sheratontiranaview.com

(Solltest du gerade nur ein schwarzes Rechteck sehen, dann liegt das wohl daran, dass in Tirana Nacht ist.)

No comment …

Wenn man diese Bilder sieht, hat man nicht das Gefühl, als ob das eine politische Kundgebung war.

Es scheint viel mehr einer dieser Gewaltexzesse zu sein, die gerade in Westeuropa so häufig wurden rund um den 1. Mai oder Veranstaltungen der globalen Weltwirtschaft (G7, WEF etc.): Viele gelangweilte Jungendliche nutzten die Gelegenheit, um sinnlos und blind drauflos schlagen zu können – ohne wirkliche politische Motivation, sondern allein an der Freude an der Gewalt. Dass die albanischen Polizei mit solchen Situationen noch weniger umzugehen versteht als die Polizei bei uns, erstaunt wenig.

Dass dabei aber drei Menschen ums Leben kommen mussten, ist noch immer nicht zu verstehen. Unverständlich vor allem wenn man sieht, wie sich das zugetragen hat.

Top-Reiseland zum 2.

Schon bei meinem ersten Beitrag zur Auszeichnung von Albanien als »Top-Reiseland 2011« stellten wir die Frage, ob sich Albanien wirklich zur In-Destination entwickeln würde. Die Skepsis scheint nach wie vor weit verbreitet zu sein.

Eine Umfrage von T-Online auf ihrem Internet-Portal liefert jetzt Zahlenmaterial hierzu. Die Vorbehalte gegenüber Albanien scheinen gar nicht so gross zu sein. Mehr als zwei Fünftel können sich vorstellen, nach Albanien zu reisen. Die meisten werden es trotzdem nicht machen. Aber das wäre ja auch nicht gut, wenn die Massen das Land überrollen würden.

Screenshot von t-online.de, Umfrage

Screenshot von t-online.de, Umfrage

Interessant auch die Kommentare: Natürlich sind die, die abschätzige Bemerkungen machen über den Balkan als Reisedestination machen, noch nie dort gewesen.

Albaniens Elite ist ein Produkt der Hoxha-Zeit

Die mangelnde Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Albanien war vor bald zwei Jahren auch schon in diesem Blog ein Thema (Wie war das damals?). Heute – rund 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Albanien – diskutiert Daniel Ursprung in der NZZ die Thematik sehr zutreffend:

>> Albaniens blockierte Aufarbeitung der Geschichte

Palmen im Schnee

Der Winter ist auch über Albanien eingebrochen, zuerst mit reichlich Niederschlägen, die schlimme Überschwemmungen zur Folge hatten, dann mit ungewöhlichem Schneefall. Hier ein Bild der Strandpromenade von Durrës.

Schnee in Durrës

Schnee in Durrës

Wo die Albaner tanzen

Aus dem Tages-Anzeiger:

Wo die Albaner tanzen
Das Rinora in Rümlang ist die grösste Albaner-Disco der Schweiz. Der «Problemclub» sorgt regelmässig für negative Schlagzeilen. Weshalb eigentlich?
>> Ganzer Artikel

Als ich das erste Mal das Rinora besuchte, ging es mir etwa ähnlich wie dem Autoren: Die bange Frage, wie mich die Albaner empfangen werden, wenn ich als Schweizer ihren Club besuche. Das ich dort positiv überrascht sein werde wie immer, wenn man bei Albanern zu Gast ist, hatte ich eigentlich schon fast vermutet: gute Party, gute Stimmung, tolles Konzert, überraschend gute Musik. Tatsächlich war ich dann nicht einmal der einzige Brillenträger im Rinora – aber wohl trotzdem aufgefallen.

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