Die internationale Sportelite verirrt sich selten nach Albanien. Ab und zu kommen Fussball-Weltstars für ein Länderspiel nach Tirana. Internationale Anlässe finden höchstens in Randsportarten statt: Ringer traten in Tirana schon gegeneinander an, und dieses Wochenende finden die Berglauf-Weltmeisterschaften statt.
Das internationale Teilnehmerfeld der Bergläufer, in dem Italiener, einige Schwarzafrikaner, die Amerikaner und weitere Europäer dominieren dürften, hat einen Parcours am Rande von Tirana zu bewältigen. Start ist beim Botanischen Garten undweit des Stausees beim grossen Park. Die Männer müssen drei Runden à 4,5 Kilometer und 285 Höhenmeter bestreiten, die Frauen eine weniger. Die Junioren müssen eine Runde weniger machen als die Elite.
Die Strapazen dürften ordentlich sein, kündigt doch der Wetterbericht Temperaturen über 30 °C an für den Wettkampftag. Dafür können sich die Teilnehmer dann im Adriatischen Meer bei einem frischen Bad erholen – sind sie doch in Hotels in Durrës-Plazh untergebracht.
Letztes Jahr schickte Albanien ein Team von einem halben Dutzend Läufer nach Slowenien an die Weltmeisterschaft. In die Entscheidungen eingreifen dürften sie wohl auch dieses Jahr an der Heim-WM nicht können. Letztes Mal landeten sie in der Nationenwertung auf Platz 22. Auch für die albanischen Organisatoren dürfte das ein grosser Test sein. Vielleicht werden in Zukunft auch andere Sportanlässe an Albanien vergeben, wenn hier alles reibungslos klappt und keine grosse Infrastruktur von Nöten ist.
Der WDR gedenkt des Beginns des grossen Flüchtlingsexodus aus Albanien. Vor 20 Jahren ist im italienischen Bari das Flüchtlingsschiff »Vlora« eingetroffen, auf dem sich rund 10’000 Menschen drängten, die so versuchten, der Not in Albanien zu entfliehen. Seit März waren viele Albaner über die Adria geflohen und wurden in Italien aufgenommen. Nach der Ankunft dieses Frachtschiffs änderte sich der Kurs der italienischen Regierung: Die Flüchtlinge wurden zuerst in ein Fussballstadion gesperrt, dann nach Albanien zurück gebracht. Dafür wird die Hilfe für Albanien verstärkt.
Soeben habe ich einen neuen Blog in der Liste rechts ergänzt:
The Unofficial View of Tirana
Dieser Blog bietet Erlebnisse und Einsichten eines holländischen Doktoranden, der zur Zeit in Albanien lebt, sei es zu den Wahlen, zum albanischen Adler in Blau oder über 1997. Viel interessanter Lesestoff.
Brückenbau in Albanien kann überraschend schnell gehen. Manch Reisender staunt über all die vielen neuen Brücken zwischen Durrës und Kukës und der albanischen Grenze oder die neue achtspurige Brücke in Tirana an der Kamza-Kreuzung. Brückenbau in Albanien kann aber auch lange, sehr lange dauern. Ein bekanntes Bild für viele Albanientouristen aus den späten Achzigern oder frühen Neunzigern waren die alleinstehenden Brückenpfeiler in Vora an der Abzweigung zum Flughafen. Aber auch da ging es dann plötzlich schnell – auch wenn die Brücke über die Eisenbahngleise schon sehr schnell sehr holprig wurde.
Weniger bekannt ist die Brücke bei Gjergjovina, die angeblich schon seit 1984 auf ihre Vollendung wartet. Ein paar Pfeiler im Flusstal des Holti, zwei davon schon verbunden durch ein kurzes Brückenstück.
Bei Google ist das Werk gut zu erkennen. Im Internet finden sich auch noch mehr Bilder.
Der Anlass für den Brückenbau war der Plan, den Fuss Devoll zu einem grossen See zu stauen. Deswegen musste eine neue Strasse nach Gramsh geplant werden. Der Banja-Stausee wurde aber auch nie vollendet, weshalb der Brückenbau plötzlich nicht mehr so dringend war.
Zur Zeit wird aber wieder gebaut. Ein österreichisch-norwegisches Joint-Venture wird bald mit den Bauarbeiten für drei Wasserkraftwerke am Devoll-Fluss beginnen. Dann kriegen wohl auch die Brückenpfeiler im Bett des Holti, ein Nebenfluss des Devoll, nasse Füsse. Eine fertige Brücke werden sie nach bald dreissig Jahren Dasein als Bauruine aber kaum tragen.
Ist es Zufall, wenn sich zwei meiner Begeisterungen vereinen? Ich bin begeistert von Albanien und den Fotos von Martin Parr. Vielleicht musste es so sein, dass auch diese zwei sich zusammenfinden. Denn schliesslich scheinen wir diverse gemeinsame Interessen zu haben – auch noch andere als Albanien, auf die wir hier nicht einzugehen brauchen.
Trotzdem habe ich nicht schlecht gestaunt, dass die Nationale Kunstgalerie in Tirana eine Sonderausstellung mit Fotografien von Martin Parr zeigt. Neu war für mich zudem, dass Martin Parr 1990 Albanien bereist hatte. So waren in der Ausstellung nebst Bildern aus seinen Serien »Small World« und »Common Sense« auch divers Fotos von dieser Albanienreise zu sehen. Es gibt also einen guten Grund, weshalb gerade Parr diesen Sommer in Tirana ausgestellt wird.
Die »Galeria e Arteve« – meines Erachtens wegen ihrer ständigen Sammlung mit vielen Gemälden im Stil des sozialistischen Realismus immer einen Besuch wert – ist somit diesen Sommer ein Muss nicht nur für ausländische Touristen, sondern auch für Einheimische: 21 Jahre später bieten die aussagekräftigen Fotos einen Einblick in eine vergangene Welt, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Der Fotograf, als getarnter Tourist in einer Gruppenreise unterwegs, nutze damals Randstunden morgens und am frühen Abend, wenn die Begleiter sich zurückgezogen hatten, um den albanischen Alltag zu dokumentieren. Ausländische Journalisten waren im kommunistischen Albanien nicht willkommen, machten aber den Grossteil der Teilnehmer bei dieser Rundreise aus. Es handelte sich um die erste Gruppenreise in Albanien nach dem Sturz der Mauer 1989, als das kommunistische Regime in Albanien selbst schon kurz vor dem Zusammenbruch war. Martin Parr brachte eindrückliche Bilder aus diesem damals noch sehr unbekannten und verschlossenen Land zurück.
Parr fragte Sali Berisha bei der Eröffnung, wie er sich fühle beim Betrachten dieser Bilder. Berisha meinte, es sei wie einen amputierten Arm anzuschauen.
Jetzt warte ich nur noch darauf, dass Parr auch ein Albanien-Album publiziert. Vielleicht fänden sich dann in diesem Buch auch Bilder von seinen Albanienreisen 1996 und 2011.
Weitere Informationen zur Ausstellung:
Viel Baustelle, nichts los: Stillstand herrscht nicht nur in der Politik (Opposition blockiert seit Jahren das Parlament und in Tirana hat noch immer keinen offiziellen Bürgermeister), was zur Folge hat, dass die Baustelle auf dem Skanderbeg-Platz nicht wirklich voran kommt.
Stillstand herrscht somit oft auch auf den Strassen in Tiranas Zentrum: der umgeleitete Verkehr quetscht sich durch die Nebenstrassen und so manches Nadelöhr, zu den Stosszeiten geht meist nicht mehr viel.
Lesenswerter Artikel im Tagesspiegel über alte Tomatensorten und Mikrofinanz: »Kleinkredite: Das Geld der kleinen Leute«
Jeder OSZE-Staat kann die Armee eines anderen Mitgliedlands überprüfen. Auf diese vertrauens- und sicherheitsbildenden Massnahmen beruft sich Albanien und schickt zwei Offiziere in die Schweiz, die sich zusammen mit einem dänischen Kollegen über die Schweizer Verteidigung schlau machen. Dies teilte das VBS heute mit.
Die Überprüfung des Truppenteils beinhalte Orientierungen durch die Truppenkommandanten, Besuche bei der Truppe und Überprüfung der im Rahmen der OSZE ausgetauschten Informationen bezüglich Personalbestände sowie Anzahl und Typ der vorhandenen Hauptwaffensysteme, teilte das VBS früher bei einer anderen Inspektion mit. Eine solche Überprüfung dauert zwölf Stunden und beinhaltet keine »sensitiven Objekte«.
Dass gerade Albanien gerade die Schweizer Armee militärisch überprüfen möchte, ist schon eher überraschend. Schon Überprüfungen durch Russen wurden von Schweizer Politikern als »grotesk« bezeichnet. Beide Staaten – Russland und Albanien – haben wohl mit ihren eigenen Armeen genug Probleme, um sich nicht auch noch um kleine, weit entfernte fremde und neutrale Länder kümmern zu müssen.
Was die Albaner damit beabsichtigen, wird wohl Gegenstand von Spekulationen bleiben: Eine schöne Dienstreise ins Alpenland? Besuch bei einem bewunderten Vorbild? Statistische Erhebungen über die Bunkerdichte in Albanien und der Schweiz?