Beispiel Albanien

»Die Worte, die der Pontifex in Albanien sprach, sind an die ganze Welt adressiert,« erklärt der ZDF-Nachrichtensprecher letzten Sonntag: »Religion und Glaube dürften nirgendwo als Vorwand für Gewalt und Krieg gelten.« Das Bild von Albanien, wo Muslime und Christen friedlich zusammenleben, wird in die ganze Welt hinausgetragen.

Dass Albanien der ganzen Welt als Vorbild vorgehalten wird, ist doch eher ungewöhnlich. Schön, dass der Papst am Image der Albaner arbeitet. Und schön, dass er mit offenen Armen auf Vertreter anderer Religionen zuging, als er sie in Tirana traf.

Ein kurzer, aber rührender Bericht über das Zusammenleben der Religionen in Albanien:
>> ZDF – Papst besucht Albanien

Sazan oder: das Ende Envers Paranoia

Enver Hoxhas Furcht vor allem aus dem Ausland – und auch vor vielem im Inland – war einzigartig und vielleicht nicht ganz unbegründet. Sie fand ihren Ausdruck zum Beispiel in den abertausende von Bunkern, die er zur Verteidigung der Heimat im ganzen Land bauen liess. Und es gelang Hoxha, auch seine Landsleute nachhaltig mit der Paranoia zu infizieren, zum Teil bis heute, 30 Jahre über seinen Tod hinaus.

Wie in vielen anderen kommunistischen Ländern wurden auch in Albanien grossräumig Sperrgebiete um jeden fürs Militär strategischen Punkt herum errichtet. So kam es, dass viele der schönsten Ecken des Landes lange kaum zugänglich waren und zum Teil noch heute Militärgebiet sind. Zwei Gebiete sind die Halbinsel Karaburun und die Insel Sazan bei Vlora. Vielleicht war es gut, dass diese beiden schönen Küstenstriche von der albanischen Bauwut verschont geblieben sind. Aber sie haben sicherlich grosses touristisches Potenzial.

Gerade für die Insel Sazan, wo aktuell nur ein paar albanische und italienische Soldaten die Zeit totschlagen, gab es schon viele Pläne, wie sich dieses Potenzial nutzen liesse. Man wollte grosse Ressorts anlegen, Casinos bauen und sogar Museen über die Militärgeschichte der Insel waren geplant. Aber die Planspiele wurden nie umgesetzt – wohl auch wegen des Widerstands der Betonköpfe im albanischen Militär, die in ihrer althergebrachten Paranoia die Insel noch immer gegen jeden Ausländer verteidigen wollten.

Zur Zeit reist auf Einladung der staatlichen nationalen Tourismusagentur eine Gruppe von Journalisten und Reisefachleuten durch Albanien. Ihnen werden die Schönheiten Albaniens gezeigt. Und zur grossen Überraschung wurde diese Gruppe mit einem Schiff der Marine auch nach Sazan gebracht – schöne Bilder von diesem Ausflug wurden auf Facebook publiziert. Wäre schön, wenn Sazan für Touristen zugänglich gemacht würde, ohne dass die landschaftlichen Reize zerstört würden. Mal schauen, was die Zukunft noch bringt.

 

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Gömer Kosovo, Mann?

Ausschnitt aus einem Artikel mit dem Titel »Gömer Kosovo, Mann?« in der »NZZ am Sonntag« vom letzten Wochenende über Albaner, die ihre Sommerferien im Kosovo verbringen:

Aus »NZZ am Sonntag« vom 17. August 2014

Aus »NZZ am Sonntag« vom 17. August 2014

Das grosse Aufräumen geht weiter

An der albanischen Riviera am Strand – über Verantwortungsgefühl und fehlendes Verantwortungsgefühl …

Ende der Ausbildung für Korruption

Das albanische Bildungswesen gehört wohl zu den korruptesten Bereichen des ganzen Landes. Seit Jahren war bekannt, dass jeder mit etwas Geld sich eine Ausbildung inklusive Universitätsabschluss kaufen konnte. Besonders berüchtigt sind die privaten Universitäten, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen.

Faulheit belohnt

Entsprechend wenig Mühe geben sich viele Jugendliche heute – weshalb lernen, wenn Papa einem den Abschluss auch kaufen kann? Zumindest wusste das Bildungs(un)system zu vermitteln, wie man schmiert und korrumpiert.

Damit will jetzt die albanische Regierung Schluss machen. Zum ersten Mal seien die privaten und die staatlichen Universitäten überprüft worden. Dabei wurde bei über 70 Prozent der geprüften Institute Mängel entdeckt, was wohl kaum jemanden überrascht hat.

Regierung greift durch

Bemängelt wird natürlich, dass Abschlüsse gegen Geld verkauft wurden. »Einige Studenten bezahlten mit Kühen, Schafen, Reis oder sogar Feuerholz,« erlkärte Edi Rama und ergänzte, dass  sogar die Handwerker, die die Unis bauten, mit Diplomen statt mit Geld bezahlt wurden. Gerügt wird aber auch, dass viele Universitäten auch sonst das Gesetz missachtet hätten, zum Beispiel keine Verzeichnisse ihrer Absolventen führten.

Betroffen sind einerseits 17 private Universitäten, darunter auch einige namhafte, die über grosse Campusse verfügen: Universiteti Kristal, Universiteti Vitrina, Universiteti i Lartë Elitë, Universiteti Planetar i Tiranës (UFO), Justiniani i I, Medicadent, Institucioni i Arsimit të Lartë »Gjon Buzuku« (Shkodra), Akademia e Ndërtimit, Akademia e Studimeve të Aplikuara (Durrës), Akademia Pedagogjike Tiranë, Shkolla e Lartë »Nëna mbretëreshë Geraldinë«, Shkolla e Lartë Ndërkombëtare e Tiranës, Shkolla e Lartë Amerikane e Tiranës, Kolegji profesional i Sporteve (Fier), Shkolla e Lartë »Illyrija«, Kolegji profesional »Aldent« (Shkodra), Kolegji profesional »Medicom«.

Daneben werden aber Fakultäten und Zweigstellen staatlicher Hochschulen angeklagt: Kunstakademie Shkodra, Zweigstellen Kukës und Saranda der Universität Tirana, Zweigstellen in Peshkopi, Pogradec, Lushnja und Gjirokastra anderer staatlicher Universitäten, Pädagogische Akademie in Tirana und Sportliche Berufsschule in Fier.

Laut Regierungserklärung müssten alle betroffenen Personen mit einer strafrechtlichen Anklage rechnen.

Dorfschule in den albanischen Bergen

Ofen aus im albanischen Schulsystem oder für die Korruption?

Plagiatsaffären auch in Albanien?

Ob dies der Start für qualitativere Ausbildung in Albanien ist – Edi Rama und Bildungsministerin Lindita Nikolla kündigten weitere Massnahmen an – oder nur ein zusätzlicher Trick, um die Taschen der Politiker zu füllen, wird sich wohl weisen müssen. Interessant ist, dass die Ministeirn selber an einer der genannten Universitäten ihren Master gemacht hat. Auch mehrere Parlamentsabgeordnete der Regierungs- und Oppositionsparteien haben ihren Universitätsabschluss von Privatunis, denen der Lizenzentzug droht, wie albanische Medien berichten.

Exportprodukt Uniabschluss

Zu den Käufern von Diplomen sollen auch Ausländer gehören, die nicht einmal Albanisch verstehen. Auch Renzo Bossi, Sohn des italienischen Lega-Nord-Chef Umberto Bossi, soll sich bei der Kristal-Universität für viel Geld einen Uniabschluss gekauft haben, ohne je einen Fuss auf albanischen Boden gesetzt zu haben, berichten italienische Medien. Der ehemalige Rektor der Universität Kristal meinte hierzu aber, dass das Diplom gefälscht sei und nicht von seiner Universität stamme.

»Ein Kosovo-Albaner als Superstar«

Heute sind die Spieler der Schweizer  Nationalmannschaft aus Brasilien zurückgekehrt. Noch einmal liessen sich Shaqiri und C0. feiern. Zum Abschluss auch hier nochmals ein paar Betrachtungen auf die Wahrnehmung der Albaner in der Schweiz, die sich durch diese WM nochmals deutlich verbessert hat.

Der nichtaufgebende Valon Behrami, der sich in seinem Sturmlauf auch durch Stürze nicht bremsen liess, und Xherdan Shaqiri mit einem Hattrick machten Eindruck und bleiben in Erinnerung. Die albanischstämmigen Spieler der Nationalmannschaft sind jetzt definitiv Superstars, wie »20 Minuten« vorgestern schrieb.

Die Zeitung schliest daraus: »Der Balkan wird plötzlich cool.«

20 Minuten: 1. Juli 2014

20 Minuten: 1. Juli 2014

Auch wenn der Fussball-Hype sich bald wieder abkühlen wird, geht der von der Zeitung zitierte Integrationsexperte davon aus, dass das Image der Albaner auch nachhaltig davon profitieren wird: »Die Leute realisieren, dass sich nicht nur Shaqiri anstrengt in seinem Beruf, sondern auch viele seiner nicht-bekannten Landsleute.«

Zusammengefasst: Für ein Mal wird nicht nur von den »bösen Albanern« gesprochen – und dieses Mal werden sie auch in Erinnerung bleiben.

Kaufte Merkel Facebook-Likes in Albanien?

Einige deutsche Medien beschäftigen sich gerade mit der Frage, ob Merkel Likes gekauft hat.

>> Die einsame Kanzlerin: Musste Merkel Tausende Facebook-Likes im Ausland kaufen?

Deutsche Wirtschafts Nachrichten  

Auch wenn die Albaner sehr fleissig Facebook nutzen und wohl kaum jemand dort eine Abneigung gegenüber Merkel hat, ist es schon recht erstaunlich, dass die Bundeskanzlerin in Albanien »beliebter ist als im Heimatland« (prozentuale Likes an der Gesamtbevölkerung). Wie viele Lek kostet denn ein Like?

Nach links oder nach rechts?

Wegweiser

Wegweiser im Dorf »Kosova e Madhe«, Dumreja, Kreis Elbasan

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