Das Hotel Dajti war einst das gesellschaftliche Zentrum Tiranas – zumindest für Ausländer, die dort abstiegen, als Albanien kommunistisch war. Das von Italienern in den 1930er Jahren erbaute Hotel an bester Lage strahlte mit seinem eindrucksvolle Esssaal im Erdgeschoss einen für Albanien ungewohnten Luxus aus. Die oberen Stockwerke erinnerten hingegen schon mehr an Bauhaus-Architektur. Das in die Jahre gekommene Hotel sollte verkauft werden – aber bis jetzt hat es niemand renoviert. So steht es geschlossen und dunkel an einer der verkehrsreichsten Ecken der Stadt.
Nach Jahren des Leerstehens kommt jetzt wieder Leben in die alten Mauern. Das im Oktober stattfindende Kulturfestival »Tirana International Contemporary Art Biannual« hat sich das alte Haus als Hauptveranstaltungsort ausgewählt.
Wir sind gespannt, wie das Hotel während des Festivals aussehen wird.
Jeder kann einen Blog betreiben – ob was sinnvolles dabei herauskommt, darf man dem Urteil der Leser überlassen. Manch guter Blog über Albanien ist in den letzten Jahren leider auch wieder verschwunden. Mancher Blog oder zumindest Blog-Beitrag scheint hingegen eher unnötig zu sein.
Im »Blog über Politik und Demokratie« wurde Politik in Albanien zum Thema gemacht: ein paar belanglose einführende Sätze angereichert mit einer nicht nachvollziehbaren Liste von Politikern, die in wenigen Worten vorgestellt werden. Das Ganze wurde von anderen Websites herüberkopiert, ist mehrheitlich veraltet und schlecht übersetzt. Einen Mehrwert für den Leser kann ich in dieser Zusammenstellung nicht erkennen.
Ironie des Schicksals: Der Blog-Eintrag wurde wenige Studen vor der Bekanntgabe der neuen albanischen Regierung erstellt. Seither stimmt schon fast gar nichts mehr, was dort zu lesen ist.
Schrebergärten scheinen etwas sehr typisch-schweizerisches zu sein. Zumindest prägen diese Kleingärten die Einfahrten in so manche Schweizer Stadt. Ein besonders grosser Schrebergarten liegt am westlichen Stadtrand von Zürich und wird von der Autobahn entzweigeschnitten. Muss wohl schon ein Weilchen her sein, dass ich da das letzte Mal bei Tageslicht entlang gekommen bin. Gestern jedenfalls habe ich nicht schlecht gestaunt. Nebst Schrebergärten ist das Hissen von Fahnen eine zweite typische schweizerische Eigenart. In Schrebergärten besonders beliebt sind die Schweizerfahne und schweizerische Kantonswappen. Ab und zu sieht man auch die italienische Trikolore, die spanischen oder die portugiesischen Farben.
Bei diesem grossen Schrebergarten im Westen von Zürich ist mir gestern jedenfalls immer wieder die albanische Fahne ins Auge gestochen. Schwarzer Adler auf rotem Grund hier, schwarzer Adler auf rotem Grund dort. Meist flatterte der albanische Adler mit einem Schweizerkreuz am gleichen Mast – ein Mal war auch die neue kosovarische Fahne zu sehen. Aber immer gehörten diese Masten zu den höchsten weit und breit – und die albanische Fahne wehte zu oberst.
Da scheinen ein paar Albaner typisch schweizerische Eigenarten übernommen zu haben.
Der britische Geheimagent James Bond war bekanntlich im Film For Your Eyes Only kurz zu Besuch in Albanien – dunkle Szenen in Sarandas Gassen oder etwas änliches sollte die Sequenz darstellen. Weniger bekannt ist, dass 007 später nochmals auf Badeurlaub an der Albanischen Riviera weilte. Dieser Eindruck entsteht zumindest beim Betrachten der folgenden Postkarte aus dem Jahr 1989.
Das Bild erinnert zwar eher an die 60er Jahre – Mode und Technik wollen nicht ganz in die 80er passen. Aber wären im Hintergrund nicht ganz deutlich die Kurven der Llogara-Passstrase zu erkennen, niemand würde wohl dieses Bild ins kommunistische Albanien erwarten. Die hier dargestellten dekadenten Badevergnügen passen so gar nicht zur Sozialistischen Volksrepublik Albanien. Dass sich dieses, damals noch stalinistische Land mit solchen Bilder präsentiert, ist für mich jedes Mal aufs Neue eine Überraschung. Wer weiss, vielleicht verbrachte Roger Moor 1980 eben doch ein paar Tage in Albanien.
Viele weitere interessante Bilder aus dem kommunistischen Albanien finden sich im Blog »Albania During Communism«. Nur schade, dass der nicht mehr unterhalten wird.
1914, in der kurzen »friedvollen« Zeit zwischen Balkankriege und dem Ersten Weltkrieg, machte sich der Zürcher Dr. C. Täuber auf, den westlichen Balkan zu erkunden. Auf albanisches Territorium stiess er leider nicht vor, aber seine Erkundigung des Gebiets zwischen den »Straßen den großen Weltverkehrs« (die Dampferlinie in der Adria und die macedonische Bahnlinie zwischen Belgrad und Skopje) in den Albanischen Alpen und Kosova (das er Oberalbanien nennt) zeigen ein eindrückliches Bild des von 500 Jahren türkischer Herrschaft geprägten rückständigen Balkans. Es zeigt uns vor allem auch das Bild, das Europa im Jahr 1 des unabhängigen albanischen Staats von den Albanern hatte.
Die nordalbanische Stadt Shkodra hat sich in den letzten Jahren sehr positive entwickelt: früher ein Ort, der vor allem berüchtigt war und als unssicher galt – heute eine angenehme »Oase« unter den albanischen Städten. Denn in Shkodra ist noch alles etwas ruhiger und geruhsamer als anderswo. Es gibt eine hübsch herausgeputzte Füssgängerzone in der Altstadt und eine weitere am Ufer der Buna. Und auch der Verkehr ist ruhiger als anderswo. Auffallend ist auch, dass sehr viel Rad gefahren wird. Fahrräder sind allgegenwärtig in Shkodra. Beliebt ist dieses Verkehrsmittel vor allem bei Frauen und alten Männern.
Ausländischen Besuchern fällt in Shkodra immer wieder auf, dass niemand sein Fahrrad abschliesst. Natürlich ist darunter kein neues, teures Rad. Aber diese Beobachtung versetzt die Ausländer, die meist vom Vorurteil geprägt sind, dass in Albanien nichts vor Diebstahl sicher sei, doch immer wieder in Erstaunen. Ich schliesse mein Rad zwar auch immer ab. Aber Albaner erachten dies nicht als notwendig – s’ka problem!
Gerne empfehle ich auch den »Biçiklist« in der Rruga B. Kadia – der hat noch jeden unserer Schäden erfolgreich behoben. Auch hier: S’k a problem!
Im Eingang der Schule in Theth steht auf einer grossen Tafel: »Diese Schule wurde 2006 teilrenoviert mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Tirana.« Das Renovieren von Schulen ist schön und gut – das Problem ist nur, dass in Theth nicht mehr unterrichtet wird.
Nur jeweils im Sommer organisierte hier in den letzten Jahren ein britisches Entwicklungsprojekt eine Sommerschule mit Unterricht für die Kinder aus dem Tal. Auch dieses Projekt ist gut gemeint, soll die Jungend doch auf die künftige touristische Entwicklung in Theth vorbereitet und für die Zukunft gerüstet werden. Aber auch dieses Projekt schlägt – zumindest teilweise – fehl. Denn die allermeisten Kinder verbringen nur den Sommerurlaub in Theth – ihre Familien sind nach Tirana oder Shkodra gezogen, die Kinder besuchen dort die Schule und werden wohl kaum je in die Berge zurückkehren.
Das Tal von Theth hat trotz seiner abgeschiedenen Lage eine grosses touristisches Potential. Eine wunderschöne Bergwelt umgibt das Dorf. Daneben gibt es ein paar Sehenswürdigkeiten zu besichtigen wie Wasserfälle, eine eindrückliche Schlucht, ein kleines Museum, Höhlen. Alles ist Teil des Theth-Nationalparks. Dank Geldern der GTZ hat der Tourismus in Theth in den letzten Jahren auch einen deutlichen Aufschwung erlebt. Es gibt ordentliche Unterkünfte in Privathäusern, markierte Wanderwege und gedruckte Wanderführer, Wegweiser, Cafés und im Sommer vor allem auch immer mehr Touristen – meist Deutsche, die gerne über Schotterpisten fahren, tschechische Berggänger und Albaner, die Lust auf die entlegendsten Winkel ihres Landes haben.
Die Hilfe kommt aber etwas spät. Denn in den letzten Jahren haben bis auf wenige Familien alle Theth verlassen. Zu hart war das Leben im Tal, das im Winter über Monate von der Umwelt abgeschnitten ist, wo es keine Läden, oft kein Strom, keine Schulen und Ärzte und kein Einkommen gab. Viele Bewohner kehren zwar im Sommer zurück, um ihre Felder und Gärten zu bewirtschaften. Aber im Winter ist Theth fast ein Geisterdorf. Mit Förderung des Tourismus soll diese Entwicklung aufgehalten werden – und es scheint zu funktionieren.
In Theth gibt es diverse Projekte. Der Ort ist im ganzen Land bekannt, kommt in jedem Reiseführer vor. Dank seiner »Popularität« gelingt es Theth, viel Hilfe anzuziehen. Dass sich so viel Hilfe auf dieses Dorf konzentriert, ist aber oft unsinnig, wie das Beispiel mit der Renovation der Schule zeigt, die nur während sechs Wochen im Jahr gebraucht wird.
Denn noch immer gibt es in den albansichen Bergen viele Dörfer, wo kaum Hilfe hinkommt, obwohl viele Menschen dort ums Überleben kämpfen. Es gibt in den albanischen Bergen noch viele Schulen, die noch in Betrieb sind, aber kaum besser aussehen als der halb verfallene Viehstall nebenan. Manche Kinder sind anderthalb oder zwei Stunden zu Fuss unterwegs, um zur Schule zu gelangen. Manch anderes bewohntes Tal hätten noch touristisches Potential, aber niemand findet den Weg dorthin, um diesen Menschen zu helfen.
Natürlich sind die Gelder oft knapp und reichen nicht, um überall zu helfen. Gerade deswegen sollte man gut überlegen, ob es nicht dringlichere Projekte gäbe.