Real ist käuflich

Dass in Albanien alles möglich ist und dieser Blog zu recht seinen Namen trägt, beweisen jüngste Absurditäten aus der Fussballwelt. Der Fussballverein »KS Gramoz Erseka«, der vor zwei Jahren noch in der dritthöchsten Liga spielte und jetzt Tabellenletzter in Albaniens höchster Liga »Kategoria Superiore« ist, hat »Real Madrid«, zur Zeit Tabellenzweiter in der »Primera División«, zu einem Freundschaftsspiel nach Albanien eingeladen.

Möglich gemacht hat dies natürlich nicht das grosse Interesse der Spanier an albanischem Fussball, sondern der stolze »Kaufpreis« von € 2,5 Millionen, die für 90 Minuten Spiel nach Madrid überwiesen werden. Bezahlen kann der Provinz-Fussballclub diesen Betrag natürlich nicht selbst. Der albanische »Ölmagnat« und Fussballfanatiker Rezart Taçi bringt die Summe auf. Taçi hatte im Sommer auf sich aufmerksam gemacht, als er für € 20 Millionen den »FC Bologna« erwerben wollte (aber dann nicht zur Vertragsunterzeichnung erschien). Und im Oktober verkündete er, er hätte Berlusconi angeboten, ihm die »AC Milan« abzukaufen, deren Wert auf rund € 700 Millionen geschätzt wird, was er problemlos bezahlen könne. Reich geworden ist Taçi, der noch vor etwas mehr als zehn Jahren Student in Italien war und als Kelner jobte, durch seine albanische Tankstellenkette »Taçi Oil«.

Schon zwei Mal hat Taçi die »AC Milan«für Freundschaftsspiele nach Albanien gebracht. Das letzte Mal im Mai haben die Weltstars aus Italien nur knapp gewonnen. Die AC Milan hatte aber als Gegner die albanische Nationalmannschaft und einen Spitzenverein aus der Hauptstadt. Jetzt kommt Erseka aus der abgelegensten Provoinz zum Zug. »KS Gramozi Erseka« ist Taçis eigener Verein, den er in kürzester Zeit in die erste Liga gebracht hat, wo sie sich aber zur Zeit nicht zu behaupten vermögen.

Eine Reise ins abgelegene Erseka ist den Spaniern nicht zuzumuten. Das kleine Städtchen in den südalbanischen Bergen ist zu abgelegen und zu sehr »am Ende der Welt«, als dass die Fussballwelt dort vorbeikommen würde. Das kleine Stadion wird einfach »Sportplatz« genannt und wurde anlässlich des Aufstiegs in die erste Liga auf 2000 Sitzp- und 4000 Stehplätze ausgebaut. Das Spiel wird am 20. Januar in Tirana stattfinden und wohl in einer hohen Nierderlage der Albaner enden, auch wenn die grössten Stars nicht auf dem Platz stehen werden.

Das Ende – Fatos Lubonja über die Wende

Albanien vor der Wende ist für viele ein schwarzes Loch – kaum einer war dort, kaum etwas drang nach Aussen. In einem Interview mit kulturama.org gibt uns Fatos Lubonja einen Einblick, wie er vor 20 Jahren das Ende des Kommunismus wahrgenommen hatte: Die verordnete Wende

Aufräumen fürs 2010

Zum Jahresstart räum ich mal ein paar Links beiseite, die sich angesammelt haben.

Im »Around the World Blog« wird die Frage «Is Albania A Safe Country For Tourists?« gestellt und sogleich mit einem deutlichen »yes, very safe« beantwortet. Das ist natürlich für alle, die immer wieder mit Vorurteilen gegenüber Albanien zu tun haben, eine erfreuliche Mitteilung. Auch die ersten Eindrücke von Albanien, die Howie, der Autor dieser Beiträge erlebte, sind durchaus positiv: Die Taxifahrer verlangen ohne zu verhandeln weniger vom Flughafen in die Stadt, als im Reiseführer steht, die Leute sind modisch gekleidet, freundlich und hilfsbereit, das Essen ist köstlich (und das sagt einer, der in Rom lebt) und alles ist recht günstig.

Ein weiterer Link, den ich noch erwähnt haben möchte, handelt mal wieder von einer Ausstellung im Hotel Dajti (vgl. auch Wieder Leben im Hotel Dajti). n-ost berichtete unter dem Titel »Der letzte Dominostein« vor einem Monat ausführlich über den »Deutschen Oktober«, eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen und Diskussionsrunden organisiert von der deutschen Botschaft in Tirana, die den Mauerfall in Deutschland und das Ende des Kommunismus in Albanien zum Thema hatte.

Mit diesem Lesestoff bewappnet wünsche ich allen einen guten Start ins neue Jahr.

Albaniens Beitrage für Eurovision 2010

Am letzten Wochenende hat Albanien seinen Beitrag für den Eurovision Song Contest 2010 bestimmt.

Beim Ausscheidungswettbewerb »Festivali i Këngës« gewann Juliana Pasha mit dem Titel »Nuk mundem pa ty«. Juliana stammt aus Tirana, wo sie 1980 geboren wurde.

>> Weitere Informationen: Eurovision Windmaschine

Heimwerker aus Deutschland

Es ist zwar schon ein paar Wochen her, dass die Filiale von Praktiker in Tirana (Kamza) eröffnet hat und Albanien somit jetzt auch über einen richtigen Heimwerker-Baumarkt resp. Do-it-Yourself-Laden (Tregu i materialëve të ndërtimit) verfügt.

Die schönen Bilder von Fiona wollte ich euch natürlich nicht vorenthalten:
>> Fiona’s Blog: Praktiker – the future of DIY in Albania

>> Noch mehr zu Praktiker in Albanien

Serbische Idylle mit albanischen Frauen

Gestern berichtete die Welt unter dem Titel »Bauer sucht Frau. Zur Not auch in Albanien« über serbische Bauern, die in Albanien Frauen gefunden haben. Ein Leben im bergigen Südwesten Serbiens wollten sich die jungen serbischen Frauen heute nicht mehr antun. Das Beispiel habe schnell Schule gemacht und in kurzer Zeit hätten deswegen viele verzweifelte Serben diesen eher ungewöhnlichen Weg gewählt. Und albanische Frauen haben den abgelegenen Dörfern eine neue Zukunft geben. So sei es in drei Jahren in nur einer Gemeinde – rund 30 Kilometer von der Grenze zu Montenegro und rund 75 Kilometer von Kosova entfernt – zu rund 30 Eheschliessungen zwischen serbischen Männern und albanischen Frauen gekommen; im ganzen Sandschak wird ihre Zahl auf rund 150 geschätzt.

Familie Djokovic: albanische Frau, serbischer Mann

Familie Djokovic: albanische Frau, serbischer Mann

Die albanischen Frauen kommen meist aus dem Norden des Landes, wo vereinbarte Ehen noch heute zum Alltag gehören. Ihr zukünftiger Mann habe sie drei Mal in Albanien besucht, worauf sie dann zur Ehe zugestimmt habe, berichtete eine der Albanerinnen im Artikel. Der Anfang sei sehr schwer gewesen, da sie kein Serbisch konnte. Für ihren Mann fand sie aber nur lobende Worte – wie auch ihr Fleiss von allen Seiten gelobt wird. Eine solche Hochzeit sei wohl für viele eine Flucht aus der extremen Armut im Norden, erklärt ein Beobachter. Und anscheinend passen die Traditionen Nordalbaniens, wo eine Frau wenig zu sagen und viel zu arbeiten hat, besser zum Bauernleben in Serbien als die serbische Realität.

Auch serbische Zeitungen loben diese Zusammenkünfte als »Eine der schönsten Geschichten des Westbalkans«. Der portraitierte Bauer meint, dass eine solche Ehe noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen sei. Die jungen Familien beweisen hingegen, dass ein friedliches Zusammenleben von Serben und Albanern doch möglich ist, »in wenigen jahren normal« sei.

Wo einmal ein Tunnel war

Ist es typisch albanisch, wenn man in höchster Eile einen Tunnel graben lässt, diesen wenige Tage vor den Wahlen feierlich eröffnet, bald darauf aber wegen Unterhaltsarbeiten schliessen muss, worauf es dann zu einem Einbruch der Röhre kommt?

Kalimash-Tunnel: Eingestürzter Bereich im November 2009 (Bild: balkanweb.com)

Kalimash-Tunnel: Eingestürzter Bereich im November 2009 (Bild: balkanweb.com)

Die Autobahn zwischen Rrëshen und Kukës ist jedenfalls zur Zeit nicht mehr befahrbar.

Wir sind Weltmeister!

Der Erfolg der Schweizer Nationalmannschaft an der U-17-Weltmeisterschaft in Nigeria ist sicherlich in erster Linie eine Mannschaftsleistung.

Da viele Schweizer noch immer grosse Vorurteile gegenüber den Albanern haben, seien hier trotzdem drei Spieler speziell erwähnt. Zu den 21 tollen Spielern gehören auch drei Albaner-Schweizer: Frédéric Veseli, der jahrelange Captain der Mannschaft, Pajtim Kasami, der einen Treffer erzielte, und Granit Xhaka, der bei allen sieben Spielen dabei war und ebenfalls ein Tor schoss.

Ich freue mich über den tollen Sieg, die herausragende Leistung der Schweizer und die tolle Integration dieser Albaner.

Frédéric Veseli

Frédéric Veseli

Pajtim Kasami

Pajtim Kasami

Granit Xhaka

Granit Xhaka

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