Mal wieder Bunker

Zum Anschauen:
>> NZZ Foto-Tableau »David Galjaard: Bunker in Albanien«

Zum Lesen:
>> Wikipedia: Bunker in Albanien

Schwanger, aber wie?

Wenn eine junge Albanerin schwanger wird, aber angibt, sich nicht zu erinnern, wie es geschehen ist, liegt die Vermutung nahe, dass sie nicht zugeben will, dass sie mit einem Mann ins Bett ist. Denn unehelicher Geschlechtsverkehr ist eine Schande für die ganze Familie. Die junge Frau droht, aus der Familie ausgeschlossen zu werden.

Florije war Opfer eines Unglücks, das ganz Albanien erschüttert hatte. Im Mai 2012 war bei Himara ein Bus verunglückt und in eine tiefe Schlucht gestürzt. Mindestens zwölf Studentinnen und Begleiter sind damals ums Leben gekommen. Florije wurde bewusstlos zur Behandlung nach Österreich gebracht und soll sich bis heute nicht ganz von den Verletzungen erholt haben, noch immer an Erinnerungslücken leiden.

In Albanien glaubt ihre Familie, dass Florije während ihres Klinikaufenthalts sexuell missbraucht worden ist. Die albanischen Behörden ermitteln.

>> Mehr zum Fall im Standard: Reha in Österreich: Missbrauchsverdacht bei albanischer Studentin

Sterne Albaniens

Einst hatten in Albanien die roten Sterne überhand, heute sind es die silbrigen, die vorne auf Kühlhauben thronen. Allgegenwärtig beherrschen sie das Strassenbild und bereiten sicherlich jedem Mercedes-Liebhaber grosse Freude. Ihre grosse Dichte in einem solch armen Land hat schon manchen Ausländer erstaunt.

»Sterne Albaniens« – Buch-Cover

Kaum Probleme dürfte so der Fotograf Matthias Aschauer gehabt haben, Motive für sein Buch zu finden. Im neuen Bildband »Sterne Albaniens« hat er auf über hundert Seiten schwarzweisse Aufnahmen deutscher Luxuskarossen in Albanien zusammengetragen.

Obwohl sich das Buch primär an Mercedes-Fanatiker richten dürfte (in den Bildlegenden und im Inhaltsverzeichnis sind nur die Typen vermerkt), dürften auch an Albanien Interessierte Freude daran haben. Denn oft fahren oder stehen die Mercedesse an Orten, die sonst kaum von Kameras ins Visir genommen werden: ungewohnte Orte, ungewohnte Blickwinkel, ungewohnte Einblicke in den albanischen Alltag.

Gangnam Style Tirana

Adaptierte Version für Albanien – hier als Werbevideo von LSI ”¦

>> Gangnam Style Tirana (YouTube)

100 Jahre Unabhängigkeit – keine Selbstverständlichkeit

Albanien feiert 100 Jahre Unabhängigkeit – die Festlichkeiten sind ausgelassen, das Land versinkt in Rot-Schwarz und alles, das irgendeinen Kontext zu den Albanern hat, wird patriotisch hochgejubelt. Etwas weniger euphorisch sind die Kommentare ausländischer Beobachter und Journalisten, die feststellen, dass nicht alles glänzt, das mit dem albanischen Staat zu tun hat: Nicht nur die schwierige Geschichte werden erwähnt, sondern auch auf die aktuellen politischen Missstände, wirtschaftliche Probleme, fehlende Aufarbeitung der Geschichte und grassierende Korruption wird hingewiesen.

Klar haben sie nicht Unrecht: Die letzten 100 Jahre albanische Geschichte waren vor allem ein Leidensweg, und die aktuellen Verhältnisse in beiden albanischen Staaten, in der Republik Albanien wie auch in der Republik Kosova, bergen viel Kritikpotenzial. Trotzdem ist das heutige Jubiläum wohl ein Tag, an dem man durchaus mit Stolz feiern kann. Denn der Weg war wie erwähnt nicht einfach, und es gehört viel Glück dazu, dass die Albaner heute trotz grosser Verluste überhaupt feiern können.

Als Ismail Qemali Bey Vlora am 28. Dezember 1912 mit ein paar Dutzend Verbündeten aus dem ganzen albanischen Siedlungsgebiet in Vlora einen unabhängigen Staat ausrief, war das eine aus der Not geborene Idee. Bis auf ein kleines Gebiet rund um Vlora war ganz Albanien von ausländischen Truppen besetzt und das Osmanische Reich, zudem man sich zugehörig fühlte – auch wenn immer wieder mehr Autonomie für die Albaner gefordert wurde – war am Auseinanderfallen. Die albanische Zukunft bot plötzlich nur noch zwei Optionen: Minderheit werden in den Nachbarstaaten Griechenland, Serbien, Bulgarien und Montengro oder einen eigenen Staat gründen. Bis anhin hatten nur sehr wenige revolutionäre Geister unter den Albanern überhaupt mit diesem Gedanken gespielt, aber jetzt war es die letzte Option.

Eigentlich war auch die Ausrufung der Unabhängigkeit eine aussichtslose Mission. Denn einerseits waren die Nachbarvölker bereit, sich mit Waffengewalt möglichst viel albanisches Siedlungsgebiet einzuverleiben, andererseits hatten die Albaner keine wichtigen Freunde, die sich für sie stark machen würden. So war wohl vor allem die Angst vor einem allzu mächtigen Serbien, dem die Italiener und Österreicher keinen Zugang zur Adria gönnen wollten, der Nährboden für den albanischen Staat. Wien und Rom setzten gegen die Interessen der Russen und Franzosen durch, dass Albanien als Pufferstaat zwischen Serbien und ihren eigenen Einflussbereichen international anerkannt wurde. Dementsprechend klein fielen die Grenzen des neuen albanischen Staats aus: Knapp gross genug für einen überlebenstauglichen Staat, aber ohne viele wichtige Zentren – das Siedlungsgebiet von rund der Hälfte der Albaner ging an die Nachbarstaaten und sorgte noch für die fast nächsten 100 Jahre für ungelöste Probleme, Vertreibung und Gewalt.

Auch wenn der junge albanische Staat die erste Hürde nahm und von der internationalen Gemeinschaft mit dem Ende des Ersten Balkankriegs anerkannt wurde, gab es noch zahlreiche weitere Hürden zu nehmen. Es sollte viele Monate dauern, bis sich die ausländischen Armeen aus albanischem Territorium zurückgezogen hatten. Der von den Grossmächten eingesetzte deutsche Prinz, der Albanien regieren sollte, erwies sich als recht unfähig und machtlos. Auch viele mächtige Albaner versuchten oft und zum Teil auch mit Gewalt, mehr ihre eigenen Interessen durchzusetzen als der noch fremden Idee eines geeinten Albaniens zu folgen. Im Ersten Weltkrieg war Albanien gleich wieder Tummelplatz ausländischer Soldaten. Nach dem Krieg sollte Albanien oder Teile davon unter den Besatzungsmächten aufgeteilt werden – sie waren aber wohl zu kriegsmüde, um sich in Albanien festzubeissen. Die für einmal geeinten Albaner schafften es, die fremden Truppen aus dem Land zu jagen und eine eigenständige Staatlichkeit zu etablieren. In der Folge anerkannte der Völkerbund Albaniens Unabhängigkeit, die Albaner konnten die Eigenstaatlichkeit für ein paar weitere Jahrzehnte retten. In Kosova litten die Albaner aber schwer: Hundertausende Muslime wurden vertrieben.

Die Zwischenkriegszeit war zuerst geprägt von sich laufend abwechselnden Regierungen, die sich zum Teil gewaltsam ablösten, bis sich der junge Ahmet Zogu mit geringer Rücksichtnahme auf Verluste etablieren konnte. Er liess sich erst zum Präsidenten, später zum König ausrufen und setzte seine Interessen vehement durch, aber schaffte allmählich stabile Verhältnisse, ein Staatsverständnis unter seinen Untergebenen und einen einigermassen funktionierenden Staatsapparat. Er führte das Land aber auch in eine gefährliche Abhängigkeit zu den Italienern. Mussolini überfiel dann auch im April 1939 Albanien und gliederte es dem Italienischen Königreich ein. Die albanische Unabhängigkeit wurde mal wieder zu Grabe getragen. Wiederum meinte es das Schicksal recht gütig mit den Albanern. Als Italien kapitulierte, mussten die Deutschen diese Flanke sichern. Ihnen fehlten aber die Soldaten, um Albanien zu unterwerfen. Also wurde ein grossalbanischer Staat ausgerufen, und die Wehrmacht kümmerte sich nur um die allerdringlichsten Angelegenheiten. Nach dem Krieg, als die meisten Albaner aus Griechenland vertrieben wurden, entstand in den alten Grenzen die Sozialistische Volksrepublik Albanien. Das Land entwickelte sich rasch, als Hoxha noch Hilfe von den Sowjets annahm, verfiel aber immer mehr, je mehr der paranoide Diktator das Land von der Aussenwelt isolierte. Auch zu den Albanern in den jugoslawischen Grenzgebieten bestand kein Kontakt mehr.

1991, als das nationalistisch-diktatorische Regime kommunistischer Couleur in Albanien aufgab und die Demokratie eingeführt wurde, war das Land am Boden. Die Bewohner hätten es alle am liebsten verlassen und für die Nachbarn wäre es leichte Beute gewesen – aber die wollten nicht mehr. Mit internationaler Hilfe wurde Albanien wieder aufgepäppelt und die Albaner in ihrem Land zurückgehalten. Eine Pseudo-Demokratie mit viel Korruption und gefälschten Wahlen etablierte sich, die Menschen waren aber mehr mit dem Überleben beschäftigt. Als man langsam einen Silberstreifen am Horizont sah, kam der nächste Schlag: ein grosses System von Pyramidenfirmen stürzte Land und Leute in den Ruin. Danach stabilisierte sich Albanien aber deutlich dank verstärkter ausländischer Einflussnahme, verstärkter ausländischer Hilfe und sich verbessernder politischer Verhältnisse.

Den Albanern in Kosova ging es aber bald wieder sehr schlecht. Die serbische Repression war schlimm und provozierte bewaffneten Widerstand. Nur die späte Intervention der NATO konnte noch Abhilfe schaffen. Nach dem Kosovokrieg erlangten auch die Albaner in Kosova ihre Selbstbestimmung und konnten 2008 einen eigenen Staat ausrufen. Zwar gibt es in Südserbien, in Mazedonien und in Montenegro auch noch albanische Minderheiten, die Konflikte der letzten Jahre haben aber auch hier nachgelassen.

Die Eigenstaatlichkeit, von der die Albaner heute zwei haben, war also während der letzten Jahre von vielen glücklichen Umständen begleitet. Dass die Albaner unter diesen Umständen immer noch in Unabhängigkeit leben können, ist somit alles andere als selbstverständlich und durchaus ein Grund zum Feiern!

Blicke zurück

Immer wieder muss ich mich entschuldigen, wenn ich in Albanien unterwegs bin, weil ich ständig erzähle, was sich hier gerade alles verändert hat im Vergleich zu früher. Das ständige Vergleichen mag vielleicht manchen Zuhörer nerven, aber andererseits ist die rasante Entwicklung schon immer wieder faszinierend. Nicht jede Veränderung der letzten 20 Jahre war positiv, was wohl auch nicht zu vermeiden ist, wenn diese so schnell von statten gehen.

Wo heute ganze Hochhausquartiere stehen, gab es früher nur Buschland. Wo man früher über ein löchriges Strässchen holperte, gibt es heute breite Asphaltpisten. In früher kaum erschlossenen Tälern rast man heute über breite Autobahnen. Verstopfte Kreuzungen wurden durch sechsspurige Überführungen entschärft. Hotelburgen ziehen sich fast lückenlos Stränden entlang, wo früher nur Pinienbäume zum Himmel strebten. Abgelegene Dörfer ohne Infrastruktur haben heute eine Zufahrtsstrasse, Läden und Bars – aber vielleicht nur noch eine zerfallene Schule und sicher keine Krankentstation mehr. Auch Müllhalden in der Landschaft sind Zeugen eines veränderten Lebensstils. Und in manchem Viertel mit alten Häusern finden sich fast nur noch Hochhäuser.

Auch auf dieser Website hatte ich schon die alten Zeiten wieder aufleben lassen, wie mit Luftaufnahmen von 1995 oder mit einem Fotovergleich aus Tirana.

Ich scheine aber nicht der einzige zu sein, der von den sich ändernden Dingen in Albanien beeindruckt ist. So stellte der Albanienreisende Klaus Wehr ein Büchlein zusammen mit Fotovergleichen von 1996 und 2006. Bei einer seiner Besuche in Albanien ist er an Orte zurückgekehrt, wo er 1996 Fotos geschossen hat. Aufnahmen von Alt und Neu stehen im Buch nebeneinander. Die Unterschiede sind zum Teil unterhaltsam, zum Teil ermutigend, manchmal auch schockierend: »Bilder aus Albanien: 1996 und 2006«

In zwei weiteren Büchlein berichtet er von früheren Reisen durchs Land, so von schönen Erlebnissen auf einer Wanderung von Durrës an die griechische Grenze im Südosten im Jahr 1996: »Zu Fuß in Albanien: 1996«

Orikum, auch bald Opfer des Tourismus-Booms?

Das südliche Ende der Bucht von Vlora ist noch nicht von verschandelt von unzähligen Hotelbauten wie andere Küstenabschnitte Albaniens. Zwar hat sich auch das Städtchen Orikum entwickelt, und es sind dort zahlreiche Hotels entstanden, ohne aber dass die Landschaft zerstört worden ist. Zum Teil ist dies dem Militär zu verdanken, das noch immer Teile der Küste „besetzt“.

An der Universität Genf, die auch bei archäologischen Ausgrabungen in Orikum beteiligt war, wurden Pläne für einen Archäologie- und Naturpark entwickelt. Einen Archäologie-Park haben die Behörden zwar schon 2005 auf dem Papier geschaffen, aber passiert ist wenig und der Zugang zu den Ausgrabungen im Militärgelände ist schwierig. Mit ihrem Konzept wollen die Schweizer, die eng mit albanischen Partern zusammenarbeiten, durch klare
Strukturen der Zerstörung der Küste zuvorkommen. Es sind Museen und weitere touristische Infrastruktur geplant.

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Jubiläum

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