Tepelenas Siegeszug jenseits der Adria

Man kennt die Szene aus Filmen und Büchern: Es öffnet sich eine Tür und dahinter erscheint eine völlig andere Welt. So erging es mir vor Kurzem auf Sizilien, als ich den Kühlschrank im Hotelzimmer öffnete – zumindest im ersten Moment: »Da stehen doch zwei Flaschen albanisches Mineralwasser! Bin ich im falschen Land?«

Hotelkühlschrank mit zwei Flaschen Wasser

In den nächsten Tagen sollte ich noch ein paar Mal die Flaschen mit Ali Paschas Konterfei auf der Etikette in den Händen halten. Wie kommt es, dass Wasser aus Südalbanien in Süditalien so verbreitet ist?

Coca-Cola sei schuld, meinte eine Barbesitzerin.

Eine kurze Internetsuche zeigt: Die Frage, wie albanisches Wasser nach Sizilien gelangt, hat auch die lokalen Medien beschäftigt. In Italien gäbe es doch so viele Mineralwasserquelllen? Weshalb wird hier albanisches Wasser angeboten? Eine Antwort liefern die Journalisten auch:

Die Wasserabfüllanlage in Tepelena gehört dem albanischen Coca-Cola-Ableger. Dieser wiederum ist im Besitz der Familie, die auch in Sizilien fürs Abfüllen von Coca-Cola verantwortlich ist. Die Firma »Sibeg srl« vertreibt in Sizilien nicht nur amerikanisches Süssgetränk, sondern auch diverse andere Getränke. Das albanische Wasser sieht zwar edel aus, ist aber im Verkauf etwas günstiger, was den Restaurantbetreibern eine grössere Marge verspricht. Und »Sibeg srl.« wird auch seinen zusätzlichen Gewinn machen.

Etiketten des in Sizilien vertriebenen Ujë Tepelena
Etiketten des in Sizilien vertriebenen Ujë Tepelena – auf Italienisch

Über Sinn und Unsinn solcher Vertriebsgeschäfte, um ein paar Euro mehr Gewinn zu machen, kann man streiten. Zu bedenken ist aber, dass die Italiener zu den Nationen mit dem grössten Flaschenwasserkonsum in Europa zählen. Und dass Tepelena weniger weit entfernt von Catania ist als Rom. Der Transport von Durrës nach Sizilien könnte umweltfreundlicher sein als ein Lastwagentransport von norditalienischen Quellen, wenn das Wasser direkt per Schiff transportiert wird.

Wie nachhaltig Tepelenas Eroberung auf Sizilien ist, wird sich noch zeigen müssen. Zwar leben Albaner seit über 500 Jahren auf der Mittelmeerinsel. Aber ob das albanisch Wasser sich auf Dauer wird halten können? Ujë Tepelena gehört zum meistverkauften Wasser Albaniens und wird auch in andere Länder exportiert. In der Schweiz gab es auch schon Versuche, Tepelena-Wasser zu vertreiben – ohne durchschlagenden Erfolg.

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