Bruchlandung des Flughafens Vlora?

Streit unter den Eigentümern und Verzögerungen bei der Inbetriebnahme – wird der Flughafen Vlora je in Betrieb gehen?

Albanien hat schon einen Geisterflughafen: Der 2021 eröffnete Flughafen in Kukës wird seit Sommer 2023 nicht mehr von WizzAir angeflogen – der letzten aktiven Airline vor Ort. Und auch die staatliche »Air Albania« ist seit dem Dezember 2025 gegroundet: Der Fluggesellschaft war das Geld ausgegangen. Beides waren Prestigeprojekte von Ministerpräsident Rama – und widersprachen in vielerlei Beziehungen der ökonomischen Vernunft.

Vlora in der Endlosproblemschlaufe

Dem Flughafen Vlora scheint ein ähnliches Schicksal zu drohen. Die Zeichen standen zuletzt nicht auf Sturm, sondern auf Untergang. Aus der geplanten Eröffnung in diesem Sommer mit Direktflügen von »Chair Airlines« ab Zürich wird jedenfalls nicht, wie Travelnews.ch diese Woche berichtete. Die Bauarbeiten sind nicht abgeschlossen, die »erforderlichen Zulassungen werden nicht rechtzeitig kommen«, zitierte das Touristik-Portal die Airline.

Verzögerungen bei den Arbeiten und der Inbetriebnahme sind aber nur eines von vielen Problemen des Projekts, das von Anfang an umstritten war und nicht ganz geschmeidig lief.

Umweltschützer liefen von Beginn an Sturm, weil der neue Flughafen in einer Landschaftsschutzzone zu liegen kam in unmittelbarer Nachbarschaft zur Narta-Lagune – ein Vogelschutzgebiet – und der Vjosa-Mündung, heute ein Nationalpark. Sogar die EU kritisierte das Vorgehen. Im Winter konnten die Umweltschützer vor Gericht einen ersten kleinen Erfolg verbuchen. Auch wenn die Aussichten, dass sie den Flugverkehr verhindern können, weiterhin gering sind, war dies doch ein kleiner Lichtblick für die oft zweifelhafte albanische Justiz.

Blick auf das Flughafengelände in der flachen Küstenebene aus der Distanz
Das Flughafengelände 2025 während Bauarbeiten neben der Lagune von Narta

Kampf der Investoren

Vor Gericht streiten sich auch die Investoren des Flughafens. Auf der einen Seite Behgjet Pacolli, schwerreicher Schweizer Geschäftsmann mit kosovarischen Wurzeln, auf der anderen Seite die kosovarische »2A Group« mit einer Minderheitsbeteiligung. Angedacht war, dass beide Firmen grosse Anteile der Bauarbeiten am Flughafen übernehmen. Die langjährigen Geschäftspartner waren sich aber uneins geworden, was auch zu Verzögerungen bei den Bauarbeiten führte: Die Streithähne versuchten zu verhindern, dass die Gegenpartei die geplanten Arbeiten fortführe.

Am Schluss geht es bei den Auseinandersetzungen über die Verwaltung und Kontrolle des Flughafens und vermutlich um viel Geld. Nebenbei stehen verschiedene Vorwürfe im Raum wie Verschwörung zugunsten Russlands, Betrug, ungültig unterzeichnete Verträgen und Fälschung von Dokumenten. Am Schluss bemühte man die Gerichte zur Klärung der Frage, ob die »2A Group« mehr Anteile an der Flughafengesellschaft übernommen hat oder nicht.

Erstinstanzlich hat ein Gericht Pacollis Firma die Stimmrechte innerhalb der Flughafengesellschaft aberkannt, obwohl er am meisten Anteile hatte. Obwohl kein rechtskräftiges Urteil vorlag, wurden Pacollis Arbeiter, die das Terminal hätten vollenden sollen, am Betreten der Baustelle gehindert. Die Arbeiten standen still.

Stehaufmann Pacolli

Diese Woche entschied ein höheres Gericht zugunsten von Pacolli. Die albanischen Medien jubelten, dass es jetzt doch wieder vorangehe mit dem Grossprojekt. Für dieses Jahr ist der Zug aber abgefahren – Flüge wird es keine geben, im Winter schon gar nicht.

Ursprünglich sollten türkische Investoren den Flughafen realisieren. So hatten es Edi Rama und Recep Erdogan 2018 vereinbart – wie damals auch die Gründung von »Air Albania« mit Hilfe von »Turkish Airlines«. Bald tauchten Unstimmigkeiten zwischen den Türken und der albanischen Regierung zu Vertragsklauseln auf. Rama zauberte dann Pacolli als neuen Investor aus dem Hut. 2023 übernahm Pacollis »Mabatex« 98 Prozent der Anteile.

»Mabatex« ist bekannt für Grossprojekt in Osteuropa, Zentralasien und Russland. Dass sich Pacolli auf eines der grössten Infrastrukturprojekte in Albanien einliess, mag überraschen. Es ist aber davon auszugehen, dass er das Investment gut kalkuliert hat. Es war auch davon auszugehen, dass er sich das Projekt nicht einfach aus der Hand nehmen liesse. Überraschender ist eher, wie schnell der Oberste Gerichtshof jetzt zu einem Urteil kam, nachdem der Streit eskaliert war.

Tower des neuen Flughafens und Stahlgerüst des Terminals während der Bauarbeiten 2025 aus der Distanz
Der Flughafen bringt leben in eine abgeschiedene Region, wenn er denn mal fertig wird – Bauarbeiten 2025

Zukunft offen

Wie die Zusammenarbeit innerhalb der Flughafengesellschaft fortgesetzt werden soll, ist noch unklar. Ebenso ist offen, wann der Flughafen den Betrieb aufnehmen wird. Dass die Schweizer Airline »Chair« dann wirklich mal nach Vlora fliegen wird, hält sie gegenüber Travelnews.ch als Option offen. Gut denkbar, dass auch hier Pacolli seinen Einfluss nutzt und den Deal mit den kosovarischen Betreibern der Airline aufgegleist hat.

Auch wenn Pacolli Anfang Jahr medienwirksam mit seinem Privatjet in Vlora landete. Die Zukunft ist unklar: Wird der Flughafen je abheben oder sich in die lange Reihe albanischer Aviatik-Misserfolge einfügen?

Der Tourismus im Süden boomt. Aber wie viele Flughäfen braucht Albanien wirklich? Vlora liegt nur anderthalb Stunden südlich von Tirana, der sehr erfolgreich läuft. Oder brauchen solche Dinge einfach mehr Zeit?

Lars Haefner

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