Zum Tod von Nexhmije Hoxha

Wohl kaum eine Frau hat die albanische Geschichte dermassen geprägt wie Envers Gattin, die heute 99-jährig gestorben ist.

Nexhmije Xhuglini wurde im Februar 1921 in Bitola im heutigen Nordmazedonien geboren. Die Familie zog 1928 nach Tirana, wo Nexhmije als Jugendliche das Lehrerinnenseminar besuchte – damals die einzige weiterführende Bildungseinrichtung für Mädchen in Albanien. Die junge Lehrerin, im zogistischen Albanien gross geworden, schloss sich mit 20 Jahren den Kommunisten an. Im Untergrund agierten diese gegen die italienischen Besatzer. Nexhmije, die rasch in die Führung der Partei aufgestiegen war, wurde schon bald in Abwesenheit zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Kämpferin im Krieg, Führerin im Frieden

Nexhmije und Enver Hoxha
Nexhmije und Enver Hoxha in jungen Jahren

Enver Hoxha hatte bereits im Sommer 1942 um ihre Hand angehalten. Aber erst im Januar 1945, nach dem Krieg, während dem beide als Partisanen gekämpft hatten, wurde geheiratet. Nexhmije war bei sämtlichen wichtigen Anlässen rund um die Machtübernahme Albaniens durch die Kommunisten dabei: in Peza, in Labinot, in Përmet und in Berat. Und auch in der Führung des Staates übernahm sie wichtige Rollen: Sie leitete die nationale (kommunistische) Frauenorganisation und gehörte schon bald dem Parlament an. Seit 1966 leitete sie das »Institut für Marxistisch-Leninistische Studien« in Tirana – eine Schule und Art Think-Tank der Partei.

Gefährtin von Enver, starke Frau im Land

Die Beziehung zwischen Enver und Nexhmije wurde immer als herzlich und konstruktiv dargestellt. Sie hatten drei Kinder: Ilir (* 1949), Pranvera (* 1954) und Sokol (* 1957).

Oft wird behauptet, dass Nexhmije nicht nur Stütze für Enver war, sondern im Hintergrund waltete und lenkte. Sie hatte sicherlich mehr Einfluss auf die Geschehnisse im Land als irgendeine andere Frau. Gerade in den letzten Lebensjahren Hoxhas, als dessen Gesundheit immer stärker angeschlagen war, dürfte sie ihn wohl in mancher Angelegenheit entlastet und viele Entscheide ohne ihn gefällt haben.

Aber auch nach Envers Tod 1985 blieb sie im Hintergrund. Die Führung im kleinen Balkanland überliess sie wiederum einen Mann. Immerhin leitete Nexhmije ab 1986 offiziell die Massenorganisation »Demokraitsche Front«.

Fehlende Reue

Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes in Albanien wurde Nexhmije ein fragwürdiger Prozess gemacht. Wegen Veruntreuung von Staatsgeldern sass sie für kurze Zeit im Gefängnis.

Einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Hoxha-Regimes konnte sie zeitlebens ausweichen – die Vergangenheit ist in Albanien nie breit aufgearbeitet worden. Die Verfolgung von Kritikern und Gläubigen, die allzu oft den Tod fanden, und die anderen Gräuel des stalinistischen Staatsterrors rechtfertigte Nexhmije auch noch nach der Jahrtausendwende als »gesetzeskonform«. Ihr Mann habe unter Gewalt gelitten, habe sich aber aus der Arbeit der Staatsorgane rausgehalten, versuchte sie zu rechtfertigen. Nur einmal soll sie kleinlaut eingestanden haben, dass sie vielleicht doch ein paar Fehler gemacht hätten.

Und so blieb die mächtige Frau aus Tirana bis zu ihrem Tod eine gefürchtete und auch verhasste Dame. Macht hatte sie zwar keine mehr – lebte bescheiden in einem kleinen Haus in Lapraka, (lange) ein Aussenquartier von Tirana. Aber trotzdem hatte man den Eindruck, dass ihr Einfluss nicht ganz geschwunden war. Und so scheint mit ihrem Tod das Kapitel »Kommunismus« für Albanien nun endgültig geschlossen zu sein.

(nlA)

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