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Archiv für die Kategorie „aufwärts – Projekte und Wirtschaft“

Orikum, auch bald Opfer des Tourismus-Booms?

Samstag, 20. Oktober 2012

Das südliche Ende der Bucht von Vlora ist noch nicht von verschandelt von unzähligen Hotelbauten wie andere Küstenabschnitte Albaniens. Zwar hat sich auch das Städtchen Orikum entwickelt, und es sind dort zahlreiche Hotels entstanden, ohne aber dass die Landschaft zerstört worden ist. Zum Teil ist dies dem Militär zu verdanken, das noch immer Teile der Küste “besetzt”.

An der Universität Genf, die auch bei archäologischen Ausgrabungen in Orikum beteiligt war, wurden Pläne für einen Archäologie- und Naturpark entwickelt. Einen Archäologie-Park haben die Behörden zwar schon 2005 auf dem Papier geschaffen, aber passiert ist wenig und der Zugang zu den Ausgrabungen im Militärgelände ist schwierig. Mit ihrem Konzept wollen die Schweizer, die eng mit albanischen Partern zusammenarbeiten, durch klare
Strukturen der Zerstörung der Küste zuvorkommen. Es sind Museen und weitere touristische Infrastruktur geplant.

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Müllcontainer

Freitag, 29. Juni 2012

Tirana Dumpsters ist ein Blog, der Bilder von Müllcontainern in Tirana zeigt. Der Blog soll wohl mit kontrastreichen Fotos provozieren, die die Gegensätze zwischen Ordnung und Chaos, Reichtum und Armut, Entwicklung und Stagnation zeigen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass es noch nicht lange her ist, dass Tirana nicht über eine eingermassen funktionierende Müllentsorgung verfügte. Auch wenn der Anblick nicht immer super toll ist: Auch Müllcontainer können Fortschritt sein.

Chinesisch? Kommt mir Spanisch vor!

Mittwoch, 7. März 2012

Eigentlich dürfte man ja vom NZZ-Korrespondenten erwarten, dass er weiss, dass man nicht jede von Berishas Äusserungen für bare Münze nehmen darf.

Neue Zürcher Zeitung, 7. März 2012

Neue Zürcher Zeitung, 7. März 2012, Seite 2

 

Altmetall »made in Albania«

Dienstag, 6. März 2012

In einem armen Land wie Albanien muss man oft erfinderisch sein, um sich eine Einnahmequelle zu verschaffen. Altmetall bietet vielen verschiedenste Möglichkeiten, sich ein informelles Einkommen zu verschaffen.

In Tirana und anderen Städten zum Alltagsbild gehören die Roma, die tagtäglich die Mülltonnen nach Verwertbarem durchsuchen. Neben guten Lebensmitteln stehen metallische Abfälle ganz oben auf ihrer Sammelliste. Das gesammelte Material verkaufen sie dann an Zwischenhändler weiter, die das Altmetall der Wiederverwertung zuführen. Wenn es Geld abwirft, funktioniert Recylcing auch in Albanien.

Wer über längere Zeit eine Mülltonne beobachtet, erkennt bald, wie viel Energie und Kreativität diese Sammler aufwenden müssen, um sich ein klein wenig Geld zu verdienen. Für ihre harte Arbeit, die aber kaum was abwirft, zoll ich diesen Menschen viel Respekt und Bewunderung – im Gegensatz zu denjenigen, die Kleinkinder missbrauchen, um beim Betteln mehr Mitleid zu erhaschen. Um den Sammlern ihre Arbeit etwas zu erleichtern, stell ich leere Aludosen jeweils neben die Mülltonne. So können sich die Sammler einfacher bedienen.

Tirana – Müllsammler

Beim Durchsuchen des Mülls

»Sich einfach bedienen« ist auch das Motto vieler anderer Altmetallsammler, die sich aber auf Gegenstände spezialisiert haben, die noch eine Funktion zu erfüllen hätten. 1997 und in den folgenden Jahren verschwanden unzählige Kilometer Eisenbahnschienen in Nordalbanien. Später mussten diese wieder neu beschaffen und gelegt werden, um das albanische wieder ans internationale Eisenbahnnetz anschliessen zu können.

Die Bewohner von Dhërmi an der Albanischen Riviera beklagen sich gerade, dass bei ihnen innerhalb eines Jahres schon zum vierten Mal vier Kilometer Stromleitung gestohlen worden sei. Das Entfernen von mehreren Kilometer Leitung, die unter Hochspannung steht, ist natürlich nicht ganz einfach. So ist man sich auch einig, dass bei einem solchen, schon fast filmreifen Projekt nicht nur Fachleute für Elektrik involviert sind, sondern auch die Polizei bestochen werden muss.

Schwierig mit dem »Sich-Bedien« wird es bei einer weiteren Kategorie von Altmetall, die in Albanien vielerorts herumliegt: In jedem Bunker stecken mindestens sechs Meter Stahlstäbe, nur kommt man nicht so einfach an sie heran, weil der Beton rundherum besonders robust ist. Grundsätzlich wäre es ja nicht schlecht, wenn die Bunker wieder aus der Landschaft entfernt würden, jedoch sollte das ohne grossen Schaden geschehen. Zwischenzeitlich haben findige »Altmetallhändler« einen Weg gefunden, die Bunker effizient zu sprengen. Da heutzutage auch in Albanien nicht einfach so mit Sprengstoff hantiert werden kann, findet diese Altmetallbeschaffung meist an sehr abgelegenen Orten statt – umso verwunderter ist dann der Passant, der die abgeschiedenen Natur geniessen möchte, wenn plötzlich Explosionen das Gebiet erschüttern.

Explosion: Sprengung eines Bunkers

Explosion: Sprengung eines Bunkers

Zerstören von Burgen mit System

Sonntag, 19. Februar 2012

In Albanien gibt es viele Burgen, und diese scheinen dem Staat zur Last zur Fallen. Ihm fehlt es an Geld, um all die alten Gemäuer zu unterhalten.

Im Ministerium für Toursimus, Kultur, Jugend und Sport habe man jetzt eine Lösung hierfür gefunden, berichten albanische Medien. Man wolle die rund 40 alten Gemäuer langfristig verpachten, damit Private diese nach eigenem Gusto nutzen, Gewinn daraus ziehen und zumindest in der Theorie auch unterhalten.

Diese Idee stiess bei vielen Historikern und Journalisten auf heftige Kritik. Es gibt auch schon Beispiele, wie so etwas enden kann, wenn die antiken und mittelalterlichen Zeugnisse plötzlich Rendite erzielen müssen. Die Burg Lëkurs bei Saranda bietet in historischen Gemäuern Getränke und Essen mit schönster Aussicht über die südalbanische Küste und Korfu. Das luxuriöse Restaurant wurde mitten im Hof der alten Burg gebaut. Die Anlage ist schön gestaltet und bietet viel Gemütlichkeit, wurde aber sicherlich nicht ohne Schäden an den historischen Steinen so gebaut.

Noch viel schlimmer ist die Burg Petrela südlich von Tirana, für deren Missgestaltung die Behörden selber verantwortlich sind. Hier wurden von Weitem sichtbare Aufbauten aus Holz ergänzt, die heute als Bar dienen und das Aussehen der Burg deutlich verändern. Entstanden ist ein Mini-Disneyland.

Burg Petrela, Tirana, Albanien

Burg Petrela, Tirana, Albanien (Foto: Ilir Kullolli)

Einerseits dienen solche Investitionen sicherlich der Entwicklung des Tourismus in Albanien und vieler abgelegener Regionen. Auf der anderen Seite ist die Empörung über diese Pläne des Ministeriums gut zu verstehen: Es droht die Zerstörung und die Privatisierung von historischem Kulturgut.

>> EurasiaReview: »Privatizing Albanian Castles Worries Heritage Experts«
>> TemA Online: »SKANDALI: Pse 40 kala dhe monumente të Shqipërisë do të “shiten” nga Instituti i Monumenteve?«

 

Sauber, aber gefährlich

Sonntag, 29. Januar 2012

Ein Journalist fragte Sali Berisha kürzlich bei einem Besuch in der montenegrinischen Hauptstadt, was denn aus den nuklearen Träumen des albanischen Präsidenten geworden sei. Berisha zeigte, dass er entweder erkannt hat, dass Atomenergie in Albanien wirklich gefährlich sein könnte oder dass er damit zumindest derzeit nirgendswo punkten kann. Seine Antwort bereitete den atomaren Plänen ein Ende:

I believe nuclear energy is the cleanest and of low cost. But, Fukushima pushes us to review our approach as the area is tectonic. Thus, the project is put on hold until science clarifies all risks related to the use of technology. (Sali Berisha)

Wir lernen, dass Sali Berisha durchaus fähig ist, einen neuen Standpunkt einzunehmen, wenn es der Wählergunst dient, und können fürs Erste ja mal wieder aufatmen: Die Pläne für ein Bau eines Atomkraftwerks bei Shkodra sind begraben.

Halbe Brücke

Dienstag, 26. Juli 2011

Brückenbau in Albanien kann überraschend schnell gehen. Manch Reisender staunt über all die vielen neuen Brücken zwischen Durrës und Kukës und der albanischen Grenze oder die neue achtspurige Brücke in Tirana an der Kamza-Kreuzung. Brückenbau in Albanien kann aber auch lange, sehr lange dauern. Ein bekanntes Bild für viele Albanientouristen aus den späten Achzigern oder frühen Neunzigern waren die alleinstehenden Brückenpfeiler in Vora an der Abzweigung zum Flughafen. Aber auch da ging es dann plötzlich schnell – auch wenn die Brücke über die Eisenbahngleise schon sehr schnell sehr holprig wurde.

Weniger bekannt ist die Brücke bei Gjergjovina, die angeblich schon seit 1984 auf ihre Vollendung wartet. Ein paar Pfeiler im Flusstal des Holti, zwei davon schon verbunden durch ein kurzes Brückenstück.

Brücke von Gjergjovina: Google-Screenshot

Brücke von Gjergjovina – Screenshot von Google

Bei Google ist das Werk gut zu erkennen. Im Internet finden sich auch noch mehr Bilder.

Brücke von Gjergjovina – Bild von qfwfq-2

Brücke von Gjergjovina – Bild von qfwfq-2

Brücke von Gjergjovina – Bild von qfwfq-2

Brücke von Gjergjovina – Bild von qfwfq-2

Brücke von Gjergjovina – Bild von berjan

Brücke von Gjergjovina – Bild von berjan

Der Anlass für den Brückenbau war der Plan, den Fuss Devoll zu einem grossen See zu stauen. Deswegen musste eine neue Strasse nach Gramsh geplant werden. Der Banja-Stausee wurde aber auch nie vollendet, weshalb der Brückenbau plötzlich nicht mehr so dringend war.

Zur Zeit wird aber wieder gebaut. Ein österreichisch-norwegisches Joint-Venture wird bald mit den Bauarbeiten für drei Wasserkraftwerke am Devoll-Fluss beginnen. Dann kriegen wohl auch die Brückenpfeiler im Bett des Holti, ein Nebenfluss des Devoll, nasse Füsse. Eine fertige Brücke werden sie nach bald dreissig Jahren Dasein als Bauruine aber kaum tragen.

»Die albanische Tomate ist nicht gerade eine Schönheit«

Sonntag, 12. Juni 2011

Lesenswerter Artikel im Tagesspiegel über alte Tomatensorten und Mikrofinanz: »Kleinkredite: Das Geld der kleinen Leute«