beshkim hat geschrieben:Ich würde gerne von euch wissen was ihr über die albanisch gesellschaft denk. Wenn ihr dazu Stellung nehmen würdet, würde mich freuen eure Meinungen zu lesen. Ich selber bin Kosovo-albaner ich kann zwar rellativ gut albanisch sprechen, schreiben jedoch kaum. In meiner Umgebung gibt es keine Albaner desegen würde ich gerne eine solche Diskussion anfangen.
hallo Beshkim
Meiner Meinung nach existieren Unterschiede unter den Albanern in Albanien, Kosovo und Mazedonien, wobei die Gemeinsammkeiten bei weitem überwiegen. Vor allem das letzte Jahrhundert führte zu einer Entfremdung. Der Austausch wurde Während dieser Zeit von aussen abrubt gestoppt und die Albaner in ihren Gebieten gingen für etwa 90. Jahre ihre eigenen Wege.
Albanien
In Albanien zermürbte der Kommunismus die Gesellschft, von der sie sich langsam wieder zu erholen beginnt. Angst und Unterdrückung der letzten Jahrzehnte haben den Albanern in Albanien auch das Vertrauen an den Staat geraubt, deswegen auch die Krisen nach dem Fall des kommunismus. Die Demokratie ist sicherlich die beste Gesellschaftsform, aber ihr Aufbau und die totale Durchsetzung in den Köpfen der Gesellschaft benötigt eine gewisse Zeit, vor allem bei den Albanern, die von der Aussenwelt total abgeschottet waren und wie erwähnt vom Staat unterdrückt wurden und diesem sehr kritisch gegenüber gesinnt sind.
Aus dieser Zeit entstand auch der wohl erwähnenswerteste Unterschied zu den Restalbanern auf dem Balkan, nämlich, dass die Albaner nicht nationalistisch gesinnt sind, also nicht in dem Masse wie die Kosovoalbaner oder auch die Albaner in Mazedonien. Die letzten Jahre können aber durchaus positiv bewertet werden, weil Albanien, samt Gesellschaft festgeschriebene Ziele verfolgt. Nämlich den EU- und Nato-Beitritt, und dies ist nur dann erreichbar, wenn Albanien die bestehenden demokratischen Institutionen weiterhin stärkt und wehement sich gegen die organisierte Kriminalität einsetzt. So gesehen kann man die Zukunft Albaniens als rosig bezeichnen.
Kosovo,Mazedonien
Kosovoalbaner und die Albaner aus Mazedonien dagegen wurden vom Mutterland abgetrennt und kämpften weiterhin für ihre Freiheit. Eine kulturelle und intellektuelle Weiterentwicklung war hier, wie in Albanien auch nicht möglich, hinzu kam eben die zuvor erwähnte Fremdherrschaft.
Dies erklärt auch den Nationalismus, der vor allem in Kosovo weit verbreitet ist. Diese Sachlage führte auch während und nach dem Kosovo-Krieg, als viele Kosovaren in Albanien Zuflucht suchten und fanden, zu gegenseitigem Unverständnis. Die Kosovaren von Vaterland- und Albanienliebe geprägt, stiessen auf ein Volk, dass weder ihren Nationalismus verstand, noch die Liebe zu Albanien selbst. Die "romantische" nationalistische Gesinnung der Kosovaren erzeugte bei den Albanern eine leise Abwehrreaktion, die auch auf kosovarischer Seite auszumachen war. Kosovaren fühlten sich enttäuscht und verstanden die albanische Gesellschaft nicht und umgekehrt verstanden Albaner die Liebe der Kosovaren zu Albanien nicht.
Wenn es unter den Kosovaren und den Albanern aus Mazedonien einen Unterschied gibt, dann ist er in der Religion auszumachen. (Kann meine Aussagen auf nichts stützen, ist einzig meine subjektive Wahrnehmung.)
Albaner aus Mazedonien scheinen der Religion und dem Islam allgemein aufgeschlossener zu sein. Hingegen in Kosovo fand vor allem in den letzten Jahrzehnten eine europäische Orientierung statt, welche die Religion allgemein klar in den Hintergrund stellte. Sicherlich bedingt durch die Entstehung der intellektuellen Elite ab den 60-er Jahren.
Das albanische Volk auf dem Balkan kämpft immernoch mit der Anerkennung der Identität durch seine Nachbarn. Dass, dies bald erreicht ist, kann man bereits jetzt sagen. Wir Albaner müssen nun untereinander den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch stärken, uns der Unterschiede bewusst sein und diese zu unserem Nutzen einsetzten. Etwas Nationalismus, etwas Religion und ein kritischer Blick auf die Führungsorgane sind doch Werte, die sich wunderbar vereinen lassen oder?
Dass, wir Albaner "Shqiptar"sind, wissen wir alle und dass wir unsere Identität durch unsere gemeinsame Sprache,Kampf und Kultur (nicht Religion) erklärten und erklären, schweisst uns für die Ewigkeit zusammen.
Und eines kann die Welt von uns lernen, nämlich, dass verschiedene Religionesgemeinschaften wunderbar miteinander und nebeneinander auskommen können, nur wenn sie sich ihrer Identität im Klaren sind.
Und ich als Albaner bin der Meinung, dass Religion und nationale Identität zwei verschiedene Paar Schuhe sind und nicht vermischt werden sollten.
Zürich ist die schönste Stadt und ich lebe da.