Mo, 24. Jul 2006, 11:30
Also bezüglich der These, dass unsere Agressivität auf die jahrelange Unterdrückung zurückzuführen ist, hat er meiner Meinung nach nicht ganz Unrecht.
Schließlich geht es hier nicht nur um den Urgroßvater, den Großvater und den Vater, sondern auch um einen selbst.
Wenn wir über unsere Geschichte, die Kosovas speziell, sprechen, dann klingt es immer so, als liegen die Kriege viele Jahre zurück und man dessen Folgen und Auswirkungen nur noch schwach zu spüren kriegt. Dem ist aber nicht so.
Viele der Albaner heute haben die Morde an eigenen Familienmitgliedern mitangesehen, miterlebt.
Ich kenne eine Familie, bei denen sind 15 Familienmitglieder seit dem Krieg verschwunden, aller Wahrscheinlichkeit nach tot.
Ganz abgesehen von der heutigen Lage dort, wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich ist alles auf einem nichtzufriedenstellenden Stand, welcher die Menschen auf der einen Seite dazu antreiben sollte aus ihrer Situation herauszukommen, sie aber stattdessen daran hindert weiterzumachen.
Unsere Unterdrückung ist nicht Jahrhunderte her, sondern ging so lang. Und es ist grad mal 7 Jahre her, nicht 700. Wir wurden zu unseren Lebzeiten noch unterdrückt. Wir haben selbst was von dieser Unetrdrückung mitbekommen, sie betraf auch uns persönlich.
Und auch wenn nur die Großväter, die Väter darunter gelitten hätten und wir alle in Freiheit geboren wären, könnte dies dennoch Auswirkungen auf uns haben, auch wenn Qualen der Unetrdrückung, Erinnerungen nicht genetisch vererbar sind.
Ich befürworte dieses Getue genauso wenig wie du, und auch ich weiß, dass man am aller wenigsten mit Gewalt zu einer Lösung findet, aber manche haben es einfach nicht anders gelernt.
Es ist doch so, dass man, wenn man immer schlecht behandelt wurde, daraus lernt und das Leid kennt und deswegen andere niemals selbst schlecht behandeln würde, aber es kann auch sein, dass man eben grade weil man immer schlecht behandelt wurde, zu einem derartigen Verhalten gegenüber anderer tendiert.
Ich weiß, es liegt nicht nur daran. Vielleicht ist der Bezug auf die Geschehnisse in der Vergangenheit zu weit hergeholt.
Aber wenn man so viele Sachen gesehen hat, die man lieber sofort vergessen würde, weil sie dein ganzen Leben lang deine Gedanken prägen, dann kann ich es verstehen, wenn man mit der Faust Dinge regelt, statt diplomatisch.
Ist aber wie gesagt nicht bei jedem so. Und nicht jeder hat vom Krieg sehr viel mitgekriegt.
Achja...ich finde irgendwie nicht, dass wir sehr viel agressiver als andere Nationen sind. Vielleicht sind wir agressiver als Schweizer, Deutsche und so, aber ich würde nicht sagen, dass wir mehr zu einem agressiven Verhalten neigen, als Türken, Italiener...Südländer halt.
... Jeder Gewinn, der Ehre kostet, ist ein Verlust ...
... Eine handvoll Heimaterde ist mehr wert als zehntausend Pfund fremden Goldes ...
... Nicht wo du die Bäume kennst, sondern wo die Bäume dich kennen, ist deine Heimat ...