GjergjD
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Ein Dorf namens Schweiz in Albanien

Mi, 23. Jan 2019, 0:13

Wir schreiben das Jahr 1927. Nach dem Vertrag von Lausanne werden fast alle Muslime aus Griechenland vertrieben, darunter Albaner, einige von ihnen sollten sich bei Leskovik niederlassen. Die Briten waren verantwortlich, dass beim Dorf Radanj eine Siedlung für 20 Familien errichtet wurde. Wohltätige Damen aus der Schweiz erfuhren davon und sammelten für sie. So beschossen die Neuankömmlinge, dem Dorf den Namen Schweiz zu geben, so berichtet eine Zeitung aus Korca am 03.12.1927 über die offizielle Namensgebung. Wie lange die Siedlung bestanden hat, ist unbekannt, heute ist sie vollkommen vergessen.
https://www.facebook.com/28407205170895 ... 872232199/
Marin Mema hat das Thema wieder aufgegriffen und nach Spuren gesucht
https://youtu.be/jJ4iDvctsEo

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Lars
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Re: Kuriositäten in Albanien

Fr, 25. Jan 2019, 16:11

Im Buch mit Bildern vom berühmten Fotografen in Erseka war ja ein Foto von den wohltätigen Schweizerinnen drin.

Das passt. Und dem Rest müssen wir nachgehen - super spannende Geschichte

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Lars
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Re: Ein Dorf namens Schweiz in Albanien

Sa, 26. Jan 2019, 16:03

Lars hat geschrieben:Im Buch mit Bildern vom berühmten Fotografen in Erseka war ja ein Foto von den wohltätigen Schweizerinnen drin.

Das passt. Und dem Rest müssen wir nachgehen - super spannende Geschichte
Mehr zum Foto mit den Schweizerinnen: http://www.albanien.ch/une/blog/1803
Das Foto passt modisch in die Mitte der 20er Jahre und nicht in die Zeit des Ersten Weltkriegs.

Auf FB schrieb Zef Ahmeti:
das schweizerische Rote Kreuz war in den Balkankriegen und während und nach der Ersten Weltkrieg unterwegs/aktiv in Serbien, Mazedonien... somit solche Einzelfälle gab es auch in Albanien.
In Selenicas Statistik für da Jahr 1927 gibt es kein Dorf mit dieser Schreibweise. Aber das verwundert ja auch nicht weiter …

Keine meiner historischen Karten aus der Zwischenkriegszeit zeigt ein Dorf dort mit diesem Namen. Aber das verwundert ja auch nicht, handelt es sich ja um ein neues kleines Dorf und viele Karten zeichneten bei anderen ab. Aber auch die neue italienische Karte aus den späten 30er Jahren zeigt da nichts. Die 50'000er Karte aus den 1980er Jahren sowieso nicht.

Lustigerweise hatte ich mal genau in dieser Ecke eine Autopanne.
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Lars
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Re: Ein Dorf namens Schweiz in Albanien

Sa, 26. Jan 2019, 17:38

Lars hat geschrieben:In Selenicas Statistik für da Jahr 1927 gibt es kein Dorf mit dieser Schreibweise. Aber das verwundert ja auch nicht weiter …
Nicht in der Statistik der Dörfer im Land, aber in der Statistik über die Unterbringung von Flüchtlingen taucht das Dorf "Schweiz" bei Selenica auf – und mit einer anderen Schreibweise:

In der Auflistung auf Seite CXXIX steht, dass in der »Zone Leskovik« im Dorf »Suisse« 25 Familien mit 150 »Seelen« untergebracht wurden. Eine Anmerkung verweist darauf, dass dieses Dorf von der britischen Mission unter dem Vorsitz von [Herbert William] Sams gegründet worden sei. Damals wurden noch zwei weitere Dörfer für Flüchtlinge gegründet: Xhebba bei Lushnja und Herbert bei Kavaja. Selenica schreibt auf der Folgeseite, dass Zvicër das dritte Dorf war, von Sams 1927 gegründet. Es bestand aus 20 Häsuern gebaut aus den Geldern der Schweizer Damen, weshalb es auf den Namen »Suisse« getauft worden sei.

Sams ist eng verbunden mit der Organisation »Save the Children« (bei Selenica bezeichnet als »For the Save the Children Fund«. Die Hilfsorganisation wurde vor genau 100 Jahren gegründet und war in den Anfangsjahren auch auf dem Balkan aktiv. Die Gründerin der Organisation, die Engländerin Eglantyne Jebb, war schon während des Balkankriegs in der Region aktiv. Auf ihre Aktivitäten geht die Kinderrechtskonvention zurück. Jebb hielt sich in den 20er Jahren viel in Genf auf, wo sie auch starb. Das erklärt wohl die Verbindung zu den Schweizerischen Wohläterinnen, die in Albanien aktiv wurden.

Da müsste man wohl in den Nachlässen von Jebb oder den Archiven von Save the Children graben, um mehr herauszufinden über die Schweizerinnen, die da Geld sammelten.

Gemäss Video von Mema kann sich in Radanj niemand mehr richtig an das Dorf Zvicër und seine Bewohner erinnern. Man weiss nicht, was aus ihnen geworden ist – nach Amerika, von den Kommunisten interniert, weil zu nahe an der Grenze? Vielleicht war es auch mehr ein Ortsteil (Lagja) als wirklich ein eigenständiges Dorf – obwohl: es soll eine Moschee gegeben haben und angegliedert zwei Räume für den Schulunterricht.
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