hallo zusammen
wie ihr sicher wisst, hatte ich ja vor meinen bericht der zeitung zu präsentieren. gedacht, gemacht!!! ich hatte eine kurze mail der "haifaif" - jugendzeitung gesendet. in der hatte ich meinen bericht, den ich hier ins forum gepostet hatte, kurz beschrieben.
es ging knapp 5 tage, so bekam ich ein telefon des redakteur. er erklärte, dass es in der nächsten ausgabe um rassismus ginge. und da die albaner ja auch davon betroffen sind, fand er es für eine gute idee, wenn ich einen 1 seitigen bericht über das leben und die gesellschaft schreibe.
ich war so aufgeregt und fing sofort an zu schreiben. nach laaangem hin und her, löschen und schreiben, dann wieder löschen und wieder schreiben ist folgendes rausgekommen:
Meine Ferien im Kosovo
Mein Name ist Annina Prenner, ich bin 17 Jahre alt, komme aus Scuol und absolviere zurzeit meine Kochlehre in Arosa. Ich will über meinen 2 ½ wöchigen Aufenthalt bei meinem Freund und seiner Familie im Kosovo berichten.
Als ich am 14. Mai 2007 am Flughafen in Zürich stand, konnte ich es immer noch nicht so richtig fassen, das ich in wenigen Stunden im Kosovo sein werde. Unglaublich lange Zeit hatte ich darauf gewartet in dieses Land zu gehen. Ich war nicht nur wegen meinem Freund dahin gegangen, da mit die Leute und das Land selber auch sehr interessierte.
Arber Mulliqi (19) wartete, zusammen mit seinem Vater Nuri und seiner Schwester Gentiana auf mich. Nach unserer herzlichen Begrüssung, stiegen wir direkt ins Auto und fuhren auf der holprigen Hauptstrasse Richtung Gjakova. Auf dem Weg erblickte ich noch ein paar wenige Spuren vom Krieg.
Als wir in Gjakova ankamen, fehlten mir die Worte. Ich war so begeistert und konnte es kaum erwarten alles zu sehen. Wir mussten durch die ganze Stadt fahren bis wir im Stadtviertel „ Konferença e Bunjait“ waren, wo Arber mit seiner (mit ihm) achtköpfigen Familie wohnte.
Zu Hause angekommen, kamen seine weiteren 2 jüngeren Brüder und seine Schwester mit seiner Mutter angerannt und begrüssten mir sehr herzlich. Alle hatten sich sehr auf mich gefreut und waren schon den ganzen Tag sehr aufgeregt. Bei ihnen wurde ich mehr als nur ein Gast behandelt.
Zur Feier meiner Ankunft, stellten sie am Abend die Stereoanlage vors Haus und tanzten Tallava, bis es kühl wurde. Dann tanzten wir einfach im Wohnzimmer weiter…
Im laufe der Woche gingen wir viel Verwandte, Bekannte oder Nachbarn besuchen, denn alle wollten mich sehen und kennen lernen. Das hatte mich sehr gefreut weil ich war ein bischen unsicher, was sie von mir halten. Doch Arber sagte, dass sie mich sehr mochten und uns viel Glück wünschten.
Wenn wir zu jemandem zu Besuch gingen, lief es fast immer gleich ab; zuerst werden alle, entweder mit einem kräftigen Händedruck oder mit zwei oder vier Küsse, begrüsst. Bevor man das Haus betretet, muss man die Schuhe ausziehen. Dann wird im Wohnzimmer platz genommen und Getränk werden angeboten. Manche boten auch Zigaretten und Gebäck an. Zuerst fragten sie sich gegenseitig über das Wohl der Familie aus. Und dann fingen meist immer die Fragen über mich an. Sie fragten meistens das Selbe wie z.B: Wie lange wir uns kennen? Von wo ich bin? Wo und was ich arbeite? Und wie es mir im Kosovo gefällt? Den Gesprächen danach untereinander konnte ich nicht folgen, da mir Arber nicht alles übersetze. Was mir nicht weiter störte. So konnte ich mich im Wohnzimmer umschauen. In jedem Wohnzimmer gab es ein grosses Sofa mit einem tief stehenden Tisch und wenn jemand nicht am Tisch sass, bekam er ein kleines Tischchen, was an einem kleinen Stuhl erinnert. Mir ist besonders aufgefallen, das sie wenige Fotos hängen hatten und wenn, dann nur wenige von der Familie oder von Heiligkeiten.
Die Leute sind sehr Familiär. Ein Nachbar und guter Freund von uns zeigte uns mal sein Elternhaus. Es war ein grosses Haus mit allem was man braucht und eigentlich genug Zimmern um jeden einzelnen unterzubringen. Doch die ganze Familie schlief im gleichen Zimmer.
Der Nachbar, Herr Krasniqi, wurde 2 Monate nach seiner Heirat mit einer Deutschen, abgeschoben. Genaue Gründe für die Abschiebung sind mir nicht bekannt. Er musste 5 Monate auf das Visum warten, bis er wieder zu seiner Geliebten nach Deutschland zurückkehren konnte. In dieser Zeit arbeitete er ein wenig im winzigen Familienladen vor dem Haus. Was anderes konnte er nicht machen.
Die Wirtschaft im Kosovo ist immer noch die schlechteste in ganz Europa. Daher ist es kein Wunder, dass viele Albaner nach Deutschland, Österreich, Italien und vor allem in die Schweiz kommen. Ist ja verständlich, denn sie wünschen sich auch ein gutes Leben und das können sie im Kosovo nicht so ganz verwirklichen.
An meinem vorletzten Tag in Gjakova, zeigte mir Arber noch das Rote Kreuz, wo er als Volontär einige Zeit tätig war. Das Rote Kreuz organisiert viele Aktionen für die ärmsten unter ihnen. Sie sammeln Kleider, kaufen Lebensmitten und organisieren Wohltätigkeitsveranstaltungen. Im Roten Kreuz selber, können die Leute den Nothelferkurs besuchen, welcher am Schluss geprüft wird.
Während des Krieges spielte die Schweiz beim Roten Kreuz in Gjakova eine grosse Rolle, da die Schweiz der grösste Teil der Medikamente und Hilfsmittel gelieferte Auch nach dem Krieg wurden die Hochschulen durch Schweizer Hilfe wieder aufgebaut. Daher stehen heute in der Technischen Hochschule in Gjakova „BERNINA“-Nähmaschinen, wofür die Schüler sehr dankbar sind.
Wenn man in so ein Land reist, sollte man viel Verständnis haben, da es nicht perfekt ist. Wegen dem Krieg glauben noch heute sehr viele Leute, dass es im Kosovo gefährlich seih. Das stimmt nicht! Man sollte nicht über ein Land urteilen, das man nicht kennt! Und schon gar nicht über die Leute. Heutzutage wird zuviel Geredet aber nicht überlegt. Ich hoffe ich kann was ändern. Es ist mein sehnlichster Wunsch und ich bin zuversichtlich, dass ich was ändern und bewegen kann. Davon bin ich sogar überzeugt! Man muss nur genau ein Ziel vor Augen haben, dann erreicht man es. Man muss es nur wollen.
Ich wünsche mir so sehr, wirklich, das mein Bericht in die Zeitung erscheint, weil das ist ein Anfang und gibt mir Hoffnung und Mut weiter zu machen.
Vielen Dank nochmal für dein Verständnis!
Liebe Grüsse
Heute habe ich die Antwort bekommen, dass sie meinen bericht nehmen. ich bin so glücklich und stolz. hoffe es geht so weiter...!!!
lg vivai
