Auch ich habe schon einige Gruselgeschichten gehört…
Leider habe ich so gut wie alle vergessen

(Alzheimer lässt grüssen)
Während der Winterferien sind wir einige Male nach Kosovo geflogen, der Schnee lag hoch und es war sehr kalt, so dass wir uns oft vor dem Kamin setzten und uns aneinanderkuschelten und uns die Gruselgeschichten anhörten, die eine Tante erzählte.
Ich hatte nicht wirklich Angst, weil es ja nur Geschichten waren, die sie erfunden hatte, obwohl sie hoch und :-) versprach, dass diese Geschichten tatsächlich passiert seien.
Tagelang danach, konnte ich nur noch an diese Geschichten denken und versuchte mich selbst davon zu überzeugen, dass es Lügenmärchen waren.
Hier eine kleine Geschichte, die ist aber nicht so gruselig, aber sie ist mir im Gedächtnis geblieben, weil meine Tante sie mir damals erzählt hatte und beim erzählen geweint hat und ich somit annehmen muss, dass sie wohl wahr ist.
Ich war noch ziemlich jung, gerade mal in der fünften Klasse und liebte die Schule, da ich da mit all meinen Freunden zusammen sein konnte. Wir hatten ein Mädchen in der Klasse, die nie mit den anderen reden wollte, sie lief alleine, redete mit keinem von uns und wenn der Lehrer sie was fragte, hat sie sehr selten was gesagt, woraufhin der Lehrer sie geschlagen hat.
Sie tat mir so leid, weil sie jeden Tag von diesem Tyrann geschlagen wurde, sie hörte nicht auf uns, als wir ihr sagten, sie solle doch einfach antworten. Jedes Mal, wenn der Lehrer sie schlug, kriegte sie Nasenbluten, so dass ihre Kleider immer mit Blut verschmiert waren. Aber nie hat sie geweint, sie hat ihn lange angesehen und ist still an ihrem Platz geblieben. Das hat den Lehrer noch wütender gemacht, so dass sie wieder aufstehen musste und wieder geschlagen wurde. Ihr Vater kam dann eines Tages in unsere Klasse und wollte sich selbst davon überzeugen, dass sie auch in der Schule so stur und dumm war, wie zuhause.
Sie hatte dunkelblondes Haar und die schönsten blauen Augen, die ich jemals gesehen habe.
Als ihr Vater an der Tür stand und zuhörte, füllten sich ihre Augen mit Tränen. Die Tränen liefen einfach über ihr Gesicht, aber kein Ton kam aus ihrem Mund, kein schluchzen, nichts!
Mir tat es in der Seele weh, sie so zu sehen, denn ich hatte Gott sei dank, noch nie Gewalt am eigenen Körper erfahren dürfen und umso schlimmer fand ich dass sie so was jeden Tag zu spüren bekam. Während dem ganzen Vormittag sagte sie kein Wort, der Vater sah sie an, als würde er sie am liebsten umbringen und der Lehrer schüttelte so oft er konnte den Kopf.
Dann sagte der Vater zu ihr, sie könne die Schule ab heute für immer vergessen, sie würde nie mehr die Schule besuchen dürfen, nicht mal in ihrer Nähe gehen, sie sei selber Schuld daran.
Sie ist aufgestanden, hat uns alle angesehen und geseufzt, diesen Seufzer werde ich nie in meinem Leben vergessen, weil der so traurig war. Plötzlich hatte sie wieder Nasenbluten, so stark wie noch nie, weißer Schaum kam aus ihrem Mund und ihre Augenlieder zuckten ganz schnell und wir waren alle verwirrt und sehr erschrocken. Sie klappte zusammen und spuckte Blut und diesen weißen Schaum aus und ihre Pupillen waren riesig. Sie versuchte Luft zu kriegen, ganz schnell atmete sie ein und aus und fiel in Ohnmacht. Wir alle hatten riesige Angst, wir dachten sie wäre gestorben. Ihr Vater und der Lehrer standen noch geschockt vor der Schwarzen Tafel (Wandtafel) und kamen dann schnell zu ihr, nahmen sie und gingen.
Am nächsten Tag hieß es, sie wäre gestorben.
Die ganze Schule ging zu dem Begräbnis und ich konnte nur noch an diesen tieftraurigen Seufzer von ihr denken, nur noch daran denken, dass sie nie mehr bei uns sein würde, dass ich nie mehr diese wunderschönen Augen sehen konnte. Auch wenn wir nie viel miteinander geredet haben, so vermisse ich sie noch heute und muss ständig an sie denken.
Die Häuser die in der Nähe ihres Grabes sind, sind alle eingestürzt, aber es gab kein Erdbeben oder sonst was. Nachts – so heißt es- hört man ihre Seufzer und das Wort „Nane“ (Mutter)