Do, 06. Nov 2008, 13:04
Genci, ich habe ja deswegen diese Fragen aufgepflanzt, weil ich wissen wollte, was jeder einzelne von euch darunter versteht, ob es Leute gibt, die sich an solchen Werten noch stützen beziehungsweise daran halten, weil ich heute oftmals das Gefühl habe, es gibt Leute unter uns, die solche Werte erst zu Profilierungszwecken hervorkramen, sie geradezu missbrauchen oder sie so umkneten, dass diese Werte zu ihren Lebensführungen dann passen, worauf man sich dann als „stolzer Albaner“ herauszustechen versucht.
In deinem Beitrag ist es mir zu allgemein gehalten, deine subjektive Wahrnehmung von diesen Werten fehlt. Du zielst mit deinen Beispielen auf die albanische Gesellschaft hin, und folglich machen nicht ein paar Wenige das Gesellschaftsdenken aus, soll das jetzt bedeuten dass die Meisten von uns solche Werte zurechtlegen und das falsche Verständnis dieser Werte dann bei Argumentationsmangel hervorwühlen, um der Tochter das Ausgangsverbot schleierhaft zu erklären und begreiflicher zu machen, um einem Unwissenden sein Stolz vorzugaukeln oder um die Handlungsweise unserer Politiker vor einem Ausländer krampfhaft zu verteidigen?!
Besa e Shqipëtarit: Mir persönlich sind Versprechen heilig. Ein Versprechen basiert normalerweise schon darauf, dass man sich unter allen widrigen Umständen auf das Wort derjenigen Person verlassen kann. Aber da ein Versprechen sogar in unseren albanischen Werten fest verankert ist und auch mein Name eine gewichtige Rolle dazu spielt, stellt es für mich eine klare unüberwindbare Grenze dar, die ich nie wagen würde, zu übertreten. Ich gebe demnach keine Versprechen ab, von dem ich nicht von vornherein weiss, dass ich sie nicht in jedem Falle halten kann und halten werde, ganz gleich was auf mich zukommt.
Burrnimi: Ich verbinde damit persönliche Werte und Ansichten, für die man jederzeit einsteht und dafür bürgen würde. Das man den Pfad der Wahrheit und Gerechtigkeit begeht, Hilfe ohne Gegenleistung anbietet, bereitwillig ist, von seinem Reichtum abzugeben, nicht von oben herunterspottet, nicht vulgäre Ausdrücke mit der Mutter in Verbindung bringt, Anstand besitzt. Auch verbinde ich damit, dass man Respekt den Älteren zollt, sich bei entsprechenden Situationen weiss wie anzupassen (z.B. welches Gesprächsthema, Provokationen auslässt, nicht infantile und unüberlegte Antworten und Fragestellungen in den Raum wirft, sich bescheiden und nicht besserwisserisch gibt, lieber schweigt, als das man nicht zu Ende gedachte Sachen daherquaselt). Das man so was wie Respekt und Hochachtung vor der eigenen Mutter, Schwester, Freundin oder Frau kennt, sie schätzt und für sie mit Herz und Seele einsteht, ihre Meinung und Ansichten ebenbürtig behandelt und ihr die gleichen Rechte zugesteht, die man sich selber auch gibt.
Ehre: Damit meine ich nicht diese von den halbstarken Ghetto-hood Türken und Orientalisten übernommene Ehre, die Schwester auf Schritt und Tritt zu verfolgen, dafür zu sorgen, dass sie „brav“ bleibt, ihr die Rechte wie beispielsweise Liebe abzusprechen und die selbstgerechte und selbsternannte Ehre mit Pistolenkugeln wieder herzustellen, auch nicht diese von ein paar Eltern zurechtgelegte Ehre, dass die Kinder nur dann empfinden können, wenn sie willenlos und still die Forderungen der Eltern ausführen und übernehmen, und sind es noch so falsche und ungerechte Forderungen, sondern diese Ehre, die einen persönlich anpreist und den eigenen Charakter widerspiegelt. Anderes Wort dafür; Niveau oder Seelengrösse. Wenn man sich nicht vor aller Öffentlichkeit bis zum Abwinken betrinkt und blamiert, nicht die Frauen und sein Genital als eine Komponente wahrnimmt, sich nicht mit Bettgeschichten rühmt, keine intime Details der Freundin oder der Frau vor Freunden genüsslich herausplaudert, so was wie eine Schamgrenze kennt.
Eine Kursleiterin hatte einmal zu mir gesagt, dass viele verhaltensauffällige Albaner mit einer Selbstverständlichkeit „auffallen“ und sich diesen Bedarf schönreden und vor Anderen damit gerne begründen oder damit prallen, dass sie nun mal „Albaner“ seien, dass das nunmal „unsere Kultur“ sei und deswegen brauche man sich als Aussenstehender auch gar nicht davor zu wundern. Bei mir hatte sie eben nicht das Gefühl, dass sich Albaner herkunfts- und kulturbedingt mit Fäusten wissen zu helfen und das ganze Anmach- und Flucharsenal in und auswendig kennen. Was ich damit sagen möchte ist, dass eine Du-hast-vor-mir-hinzuknien-und-vor-Gnade-in-die-Hose-zu-pinkeln-weil-ich-Albaner-bin-man- oder ich-bin-albaner-man-und-es-liegt-in-meinen-Genen-jede-Frau-haben-zu-können-und-im-Bett-gut-zu-sein- Mentalität solche und andere Werte schlicht und einfach nur verschandeln und unsere Kultur untergraben.
Mir ist es egal, wenn jemand sich nicht an solche Werte hält und offen sagt, dass er mit solchen Werten nicht viel anfangen kann. Ich habe persönlich nur Mühe mit Leuten, die sich bei gelegentlichem Bedarf an diesen Werten zu schaffen machen und umkrempeln, damit es mit ihren Ansichten vereinbar ist.
Stolz: Ich definiere Stolz, wenn man so etwas wie Selbstachtung kennt, persönliche Prinzipien, Werte- und Moralvorstellungen besitzt, die man auch bei der äussersten Versuchung (zur Versuchung an sich würde es ja gar nicht erst kommen, wenn man zuvor schon abblockt) nicht mit anderen Dingen umtauscht. Wenn man persönliche Grenzen markiert, die es nicht zu überschreiten gilt. Wenn man einen starken Charakter besitzt, der andere Personen nicht befähigt, diesen Charakter zu erniedrigen oder emotional in die Abhängigkeit zu führen.
Atdhetar: Heimatliebend, stolz auf seine Herkunft, seine Wurzeln und vom flimmernden Gefühl beflügelt, rot und schwarz zu sehen, heimatliche Erde unter den Füssen zu spüren, heimatliche Luft einzuatmen und heimatliche, vertraute Landschaften erblicken zu dürfen. Nicht abgrundtiefer Hass, Rassenwahn und Vergeltungsgefühle gegenüber anderen Nationen sind sein Ansporn um seine Heimat und sein Volk zu lieben und auf ihre Leistungsfähigkeit hin in den oberen Etagen zu sehen, sondern einfach nur auf das eigene Recht pochen zu dürfen zusammenzufügen, was zusammengehört und das Gefühl zu empfinden, zu etwas dazuzugehören und stolz darauf zu sein, was in der Vergangenheit so tapfer gegen Unmenschlichkeit und Hirngespinste gekämpft und unermüdlich die grössten Qualen über sich ergehen lassen hat. Etwas zu sein und die Verbindung innerlich zu spüren, dass andere auch so sind. Genug Heimatliebe und Selbstanklage bei sich zu haben, um bereit zu sein Missstände und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und zu bekämpfen, nicht weil man seine Heimat abwerten will oder hasst, sondern gerade weil man es liebt und Verbesserungen sehen will und nicht bereit ist seine Heimat verfallen zu lassen, wie wenn man eine Selbstkritik zulassen würde um die persönliche Entwicklung nicht zu gefährden sondern frei entfalten zu lassen. Wenn ich heute sehe, wie sich unsere Politiker wegen Ruhm und Geld an sich selber und an ihr Land, ihr Volk verkaufen, Wenn ich sehe, wie sich heute Landsmänner/frauen untereinander begegnen und behandeln, dann kann ich kein Stolz, sondern blankes Entsetzen empfinden. Ich vertröste mich in diesen Zeiten mit der Vergangenheit ab, mit den Momenten ab, wo wir einheitlicher waren und zusammen an einem Strick gezogen haben, wo Männer und Frauen durch ihr Tatendrang und Opfermut für ihr Volk und für ihre Identität herausstachen und nicht wie heute, wo von euroatlantischen Zwängen durchtriebene Versager, sich als unsere Politiker präsentieren, aber ihre eigenen Interessen verfolgen und schlicht und einfach das Sprachrohr von egozentrischen Unmik Leuten bilden – aber wenigstens jene Erinnerungen an längst vergangene Zeiten kann mir niemand mehr wegnehmen.
Modern: Modern heisst für mich, wenn man Mut hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und nicht einfach wie eine abgestimmte Maschine folgt und nach Fremdbestimmung handelt. Modern heisst auch für mich, wenn man sich selbst verwirklichen will, sich selbst Ziele steckt, selbst in Schule und Beruf Erfolg hat und selbstbewusst und mit eigenen Meinungen und Einstellungen durch das Leben stolziert, ohne dabei in’s Extreme abzudriften und diese Dinge zu missbrauchen.
Das waren meine Begriffsbestimmungen von diesen Werten, und ich glaube, man versteht von Selbst ob sie mit meinem Leben vereinbar sind, und ob ich sie noch einhalte oder nicht.
Ich will hier nochmals betonen, dass meine Bestimmungen selbstverständlich nicht die absolute, allgemein gültige Richtigkeit darstellen. Jeder interpretiert hier etwas anderes hinein.
Zuletzt geändert von
Bizza am Fr, 07. Nov 2008, 12:14, insgesamt 1-mal geändert.
Gib deine Träume niemals auf. Wenn du sie verloren hast, existiert noch der Körper, aber innerlich bist du längst tot.
Për të gjithë e në të gjitha pikëpamjet kam qenë e jam njeriu kot, i humbur.
Nostalgie wird durch heimatliche Luft gestillt.