{"id":895,"date":"2012-10-08T19:18:07","date_gmt":"2012-10-08T17:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albanien.ch\/une\/?p=895"},"modified":"2012-10-08T19:18:07","modified_gmt":"2012-10-08T17:18:07","slug":"heute-vor-100-jahren-ausbruch-des-balkankriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/895","title":{"rendered":"Heute vor 100 Jahren: Ausbruch des Balkankriegs"},"content":{"rendered":"<p>Als am 8. Oktober 1912 Montenegro dem Osmanischen Reich den Krieg erkl\u00e4rte, war dies auch ein schicksalhafter Tag f\u00fcr die Nation der Albaner. Damals lebten die Albaner mehrheitlich noch in einem Staat vereint \u2013 nur in Montenegro und im S\u00fcden waren bereits albanisch besiedelte Gebiete separiert. Die T\u00fcrken waren vielen Albanern zwar verhasste Herrscher, aber boten ihnen doch eine Art Heimat. Obwohl die Albaner immwer wieder f\u00fcr Autonomie, weniger Steuern\u00c2\u00a0und mehr Rechte wie Schulbildung in albanischer Sprache k\u00e4mpften und albanische Aufst\u00e4nde schon fast zur Tagesordnung geh\u00f6rten, war ihnen die\u00c2\u00a0Forderungen der Nachbarl\u00e4nder auf\u00c2\u00a0 Teile des Osmanischen Reichs die gr\u00f6ssere Bedrohung.<\/p>\n<p>Innerhalb des Osmanischen Reichs waren die Albaner vereint und hatten dadurch eine nicht zu untersch\u00e4tzende Machtstellung: Sie waren im T\u00fcrkenstaat gut integriert und besetzten viele wichtige Rollen. Und vor allem war die muslimische Mehrheit unter den Albanern in ihrer Religion unbedroht. Gegen eine Abtretung albanisch bewohnter Gebiete an christliche Staaten\u00c2\u00a0k\u00e4mpften die in der \u00bbLiga von Prizren\u00ab vereinigten Albaner schon seit 1878 \u2013 nicht immer erfolgreich. Einen eigenen Staat konnten sich aber auch 30 Jahre sp\u00e4ter nur die wenigsten Albaner vorstellen.<\/p>\n<p>Am 9. Oktober 1912 traten auch Serbien, Bulgarien und Griechenland gegen die Osmanen in den Krieg ein. Albanische Aufst\u00e4ndische, die zuvor noch regelm\u00e4ssig gegen die T\u00fcrken k\u00e4mpften, mussten jetzt mit diesen gegen die einfallenden fremden\u00c2\u00a0Armeen antreten \u2013 ohne Erfolg. Montenegro, Serbien und Griechenland wollten Albanien unter sich aufteilen und machten schnell Boden gut: In weniger als zwei Monaten beherrschten sie fast ganz Albanien, nur ein kleines Gebiet rund um Vlora wurde noch von albanischen\u00c2\u00a0Verb\u00e4nden kontrolliert.<\/p>\n<p>Als sich abzeichnete, dass die T\u00fcrken sich geschlagen geben mussten, ergriffen diverse Vertreter der albanischen Nationalbewegung die Offensive und riefen in Vlora am 28. November 1912 einen unabh\u00e4ngigen Staat aus. Es war wohl grosses Gl\u00fcck, dass dieser Staat nicht nur seine ersten Monate \u00fcberlebte, sondern auch die Jungendphase mit landesunkundigem deutschen F\u00fcrsten,\u00c2\u00a0Erstem Weltkrieg und den vielen Turbulenzen danach \u00fcberstand. Sogar nach dem Zweiten Weltkrieg drohte\u00c2\u00a0noch die Eingliederung durch die Jugoslawen \u2013 wohlm\u00f6glich ein Ausl\u00f6ser\u00c2\u00a0f\u00fcr die sp\u00e4ter immer st\u00e4rker werdende Isolationspolitik von Hoxha.\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Als der Erste Balkankrieg im Mai 1913 ein Ende fand, anerkannten die Grossm\u00e4chte Albanien als eigenen Staat an. Dieser Erfolg war\u00c2\u00a0kaum albanischer Kriegsf\u00fchrung oder albanischer Diplomatie zu verdanken, sondern vor allem den \u00d6sterreichern, die ein zu m\u00e4chtiges \u2013 also grosses \u2013 Serbien mit\u00c2\u00a0direktem Zugang zur Adria\u00c2\u00a0verhindern wollten. Unterst\u00fctzer fand Wien in den Italienern, die damals wohl schon etwas machthungrig \u00fcber die Adria gierten, und in der indifferenten Haltung der Deutschen und Briten. Der albanische Staat war also beschlossene Sache, nur die Grenzen waren noch zu kl\u00e4ren. Grosse Siedlungsgebiete der Albaner gingen damals an die Nachbarstaaten, die\u00c2\u00a0dank Russland und Frankreich ihre Interessen\u00c2\u00a0sehr weit\u00c2\u00a0durchsetzen konnten. Nur etwa die H\u00e4lfte der Albaner waren im neuen Staat vereint.<\/p>\n<p>Als Folge des Balkankriegs verliessen Hundertausende Muslime Europa und fl\u00fcchteten in die T\u00fcrkei. Darunter waren auch viele Albaner, die von den Slawen aus ihrer Heimat\u00c2\u00a0vertrieben wurden. Nur gerechte L\u00f6sungen gibt es wohl nicht, wenn durch ein multiethnisches Gebiet pl\u00f6tzlich Grenzen gezogen werden m\u00fcssen. Die vereinbarte L\u00f6sung war aber deutlich zu Ungunsten der Albaner und bereitete auch der Weltpolitik immer wieder Sorgen \u2013 bis heute. Zwar ist Kosova nach den Kriegen der 1990er Jahre heute ein eigener Staat, in dem nicht mehr die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung unterdr\u00fcckt wird. Aber noch immer gibt es zahlreiche ungel\u00f6ste Probleme mit den Serben, was eine internationale vollst\u00e4ndige Akzeptanz verhindert. Und eine Vereinigung Kosovas mit Albanien oder weitergehende grossalbanische Forderungen sind noch immer nicht ganz vom Tisch.<\/p>\n<p>Der Balkankrieg vor 100 Jahren hatte also nicht nur die Gr\u00fcndung des albanischen Staats zur Folge, sondern l\u00f6ste\u00c2\u00a0andererseits auch viel\u00c2\u00a0Not\u00c2\u00a0insbesondere unter der muslimischen und albanischen Bev\u00f6lkerung des Balkans aus.\u00c2\u00a0Die Folgen sind noch heute nicht wirklich verdaut, auch wenn das gr\u00f6sste Ungemach endlich vor\u00fcber zu sein scheint.<\/p>\n<p>&gt;&gt; Deutschlandfunk zum Jahrestag: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/kalenderblatt\/1881770\/\" target=\"_blank\">\u00bbGanze albanische D\u00f6rfer hatten sich in Feuers\u00e4ulen verwandelt\u00ab<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als am 8. Oktober 1912 Montenegro dem Osmanischen Reich den Krieg erkl\u00e4rte, war dies auch ein schicksalhafter Tag f\u00fcr die Nation der Albaner. 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