{"id":78,"date":"2009-04-17T11:02:50","date_gmt":"2009-04-17T10:02:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albanien.ch\/une\/?p=78"},"modified":"2009-04-18T13:31:47","modified_gmt":"2009-04-18T11:31:47","slug":"berisha-traumt-radioaktiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/78","title":{"rendered":"Berisha tr\u00e4umt radioaktiv"},"content":{"rendered":"<p>Wie viele L\u00e4nder auf dem Balkan hat auch Albanien ein schwerwiegendes Energieproblem. Stromausf\u00e4lle geh\u00f6ren in manchen Jahreszeiten zur Tagesordnung. Die Politik verspricht seit Jahren, Abhilfe zu schaffen. Die L\u00f6sung ist aber nicht so einfach. Importe sind teuer und schwierig, die Stauseen der Wasserkraftwerke meist bedenklick leer, neue Kraftwerke brauchen lange Bauzeiten und sind teuer.<\/p>\n<p>Berisha scheint gerade f\u00fcr das Finanzierungsproblem eine besondere L\u00f6sung gefunden zu haben. Ausl\u00e4nder sollen in Albanien bauen, was sie zu Hause nicht k\u00f6nnen: Atomkraftwerke. Albanien erm\u00f6glicht den Bau auf eigenem Gebiet und kriegt daf\u00fcr sein Stromproblem gel\u00f6st, die ausl\u00e4ndischen Investoren verf\u00fcgen \u00fcber eine weiteres lukratives Kraftwerk. Schon im November 2007 pr\u00e4sentierte Berisha einen Plan, bei Durr\u00ebs mit ausl\u00e4ndischer Hilfe ein KKW zu bauen (<a title=\"News KKW in Durr\u00ebs\" href=\"http:\/\/www.albanien.ch\/bb\/article.php?article_file=1194870549.txt\" target=\"_self\">News vom 12. November 2007<\/a>).<\/p>\n<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Durr\u00ebs Atomkrafwerk\" src=\"http:\/\/www.albanien.ch\/bb\/data\/images\/durres_kkw.jpg\" alt=\"Bildmontage von albanien.ch: Atomkraftwerk in Durr\u00ebs\" width=\"300\" height=\"139\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Bildmontage von albanien.ch: Atomkraftwerk in Durr\u00ebs<\/p><\/div>\n<p>Berisha berichtete damals von mehreren ausl\u00e4ndischen Firmen, die Interesse bekundet h\u00e4tten, in Albanien Atomstrom zu produzieren und nach Italien zu exportieren, wo neue Atomkraftwerke gesetzlich verboten sind. Schnell wurde es wieder still um das Projekt, und man h\u00e4tte glauben k\u00f6nnen, dies sei nur ein PR-Gag der Regierung gewesen, um vom Stromproblem abzulenken.<\/p>\n<p>Jetzt scheint Berisha aber einen interessierten Investor gefunden zu haben. Mit seinem kroatischen Amtskollegen Ivo Sanader hat er das Thema besprochen und eine Expertengruppe eingesetzt. Geplant ist das Atomkraftwerk jetzt in Nordalbanien bei Shkodra am Ufer der Buna. Den KKW-Bau durchf\u00fchren und das Kraftwerk betreiben w\u00e4re Aufgabe des kroatischen Versorgers HEP. Kosten w\u00fcrde der Atommeiler rund 4 Milliarden Euro. Noch diesen Monat m\u00f6chte man eine Vereinbarung unterzeichnen.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick mag das eine gute L\u00f6sung f\u00fcr ein chronisches Problem sein. Ob die nordalbanische Provinz aber wirklich der geeignete Ort f\u00fcr ein Atomkraftwerk ist, bezweifeln nicht nur diejenigen, die grunds\u00e4tzlich etwas gegen den Bau neuer Anlagen haben, solange wenigstens nicht das Problem der Entsorgung atomaren Abfalls gel\u00f6st ist. Probleme mit giftigen industriellen und milit\u00e4rischen Abf\u00e4llen und Altlasten hat Albanien ja schon genug \u2013 und sich oft unf\u00e4hig gezeigt, diese Probleme alleine in den Griff zu kriegen und die \u00dcberreste ohne grosse Explosionen aus der Welt zu schaffen.<\/p>\n<p>Wenig Freude an den albanischen Atompl\u00e4nen haben auch die Nachbarn. 2007 sprach Griechenland den Albanern die F\u00e4higkeit ab, ein Atomkraftwerk sicher zu betreiben. Schon das einfache bestehende albanische Stromnetz ist mangels Unterhalt verrufen \u2013 Fachpersonal f\u00fcr Nuklearenergie fehlt wohl komplett. Jetzt hat vor allem Montenegro Bedenken angemeldet. Das Atomkraftwerk w\u00fcrde in unmittelbarer Nachbarschaft zu Montenegro am Grenzfluss Buna gebaut, wo seit 1995 Atomanlagen gesetzlich verboten sind. In Podgorica sieht man das Tourismuspotenzial des Landes bedroht und hofft, dass Tirana die Pl\u00e4ne nicht ohne bilaterale Einigung umsetzt. Die kaum ber\u00fchrte Buna mit einer reichen Artenvielfalt ist in Albanien seit 2005 Naturschutzgebiet \u2013 aber wohl der einzige Fluss im Land, der ganzj\u00e4hrig ausreichend Wasser f\u00fchrt, um den Reaktor zu k\u00fchlen.<\/p>\n<p>Bedenken werden auch wegen der drohenden Erdbebengefahr angemeldet. Albanien ist ein Land mit hoher seismischer Aktivit\u00e4t. Interessant ist insofern, dass in unmittelbarer N\u00e4he zum geplanten Bauort 1979 bei einem Erdbeben ein ganzes Dorf zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>Berisha scheint eine L\u00f6sung f\u00fcr seine Probleme gefunden zu haben. Dass Albanien in diesem Spiel den Drecks-Job \u00fcbernimmt und einen Bauplatz f\u00fcr ein Kernkraftwerk zur Verf\u00fcgung stellt, das niemand im eigenen Land bauen m\u00f6chte, stimmt wenig zuversichtlich. In Albanien ist noch kein grosser Protest entstanden \u2013 die Anti-Atomstrom-Bewegung ist hier leider noch nicht angekommen. Nur <a title=\"Facebook: Stopp KKW in Albanien\" href=\"http:\/\/www.facebook.com\/topic.php?uid=14555622783&amp;topic=10070\" target=\"_blank\">auf Facebook formiert sich Widerstand<\/a>.<\/p>\n<p><a title=\"Albanisch-Kroatische KKW-Pl\u00e4ne\" href=\"http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/article\/0,,4183561,00.html\" target=\"_blank\">&gt;&gt; Bericht Deutsche Welle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viele L\u00e4nder auf dem Balkan hat auch Albanien ein schwerwiegendes Energieproblem. Stromausf\u00e4lle geh\u00f6ren in manchen Jahreszeiten zur Tagesordnung. Die Politik verspricht seit Jahren, Abhilfe zu schaffen. Die L\u00f6sung ist aber nicht so einfach. Importe sind teuer und schwierig, die Stauseen der Wasserkraftwerke meist bedenklick leer, neue Kraftwerke brauchen lange Bauzeiten und sind teuer. Berisha &#8230; <\/p>\n<p class=\"moree\"><a class=\"btn btn-inverse btn-normal btn-primary \" href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/78\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[11],"tags":[52,54,51,55,53],"class_list":["post-78","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-economy","tag-atomkraftwerk","tag-energie","tag-kernkraftwerk","tag-kroatien","tag-strom"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78\/revisions\/83"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}