{"id":1770,"date":"2017-06-04T23:47:58","date_gmt":"2017-06-04T21:47:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albanien.ch\/une\/?p=1770"},"modified":"2017-06-05T12:30:10","modified_gmt":"2017-06-05T10:30:10","slug":"wenig-erfolgreiche-planwirtschaftliche-stadtgruendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770","title":{"rendered":"Wenig erfolgreiche planwirtschaftliche Stadtgr\u00fcndungen"},"content":{"rendered":"<p>Die Kommunisten haben Albaniens Landschaft ver\u00e4ndert: S\u00fcmpfe wurden trocken gelegt, die Landwirtschaft grundlegend ver\u00e4ndert, \u00fcberall wurden Seen zur Bew\u00e4sserung und Energiegewinnung aufgestaut \u2013 und das ganze Land wurde industrialisiert. F\u00fcr die neuen Fabriken und Bergwerke brauchte es Arbeiter, die Unterk\u00fcnfte brauchten, weshalb im ganzen Land zwischen 1945 und den sp\u00e4ten 70er Jahren neue St\u00e4dte angelegt wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_1787\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/kukes\" rel=\"attachment wp-att-1787\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1787\" class=\"size-medium wp-image-1787\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kukes-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kukes-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kukes-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kukes.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1787\" class=\"wp-caption-text\">Kuk\u00ebs, Hauptplatz \u2013 planerische \u00d6dnis<\/p><\/div>\n<p>Mehr als 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes lohnt sich ein Blick zur\u00fcck, wie erfolgreich diese Stadtgr\u00fcndungen waren.<\/p>\n<h3>Das stadtlose Land<\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es in Albanien prosperierende St\u00e4dte und zahlreiche Ort, deren Geschichte oftmals bis in die Antike reichte. Neben den beiden grossen St\u00e4dten Shkodra und Kor\u00e7a sowie weiteren lokalen Zentren wie Berat, Elbasan, Tirana und Gjirokastra gab es bis weit ins 20. Jahrhundert hinein aber keine Orte, die an eine richtige Stadt erinnerten. Selbst die wichtigsten H\u00e4fen waren klein: Sh\u00ebngjin hatte nach dem Ersten Weltkrieg keine 100, Saranda weniger als 1000 Einwohner. Vlora, etwa zwei Kilometer vom Ufer entfernt, hatte zwar deutlich mehr Einwohner, aber kaum etwas, das st\u00e4dtisch wirkte: ein paar Moscheen, einige wenige enge Gassen und einen Marktplatz. Durr\u00ebs hatte um 1900 kaum mehr als 1000 Einwohner, aber immerhin etwas st\u00e4dtisches Leben in den engen Gassen innerhalb der Stadtmauern. Der bedeutendste Hafen des Landes sollte sich in der Folge jedoch rasch entwickeln. Noch viel schneller wuchs Tirana, das 1920 Hauptstadt geworden war, aber schon 1917 knapp \u00fcber 10&#8217;000 und zehn Jahre sp\u00e4ter schon fast doppelt so viele Einwohner hatte.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen war das junge Albanien aber sehr l\u00e4ndlich gepr\u00e4gt: 1926 lebten nur 16 % der Albaner in St\u00e4dten. An einigen Verwaltungszentren und Marktpl\u00e4tzen hatten sich zum Teil ein paar Hundert Personen niedergelassen. Auch lokale Machtzentren und Wohnsitze von Beys wie Kruja, Kavaja, Fier, Lushnja, Leskovik, P\u00ebrmet, Delvina, Libahova, Peqin oder Pogradec hatten h\u00f6chstens ein paar Tausend Einwohner, aber abgesehen von Gottesh\u00e4usern und M\u00e4rkten kaum st\u00e4dtische Infrastruktur. Besonders die gebirgigen Gebiete des Landes waren komplett frei von St\u00e4dten. Noch 1945 gab es in einem Drittel der Kreise keine Stadt.<\/p>\n<h3>Die kommunistischen Stadtgr\u00fcndungen<\/h3>\n<div id=\"attachment_1784\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/kucova_industrie\" rel=\"attachment wp-att-1784\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1784\" class=\"size-medium wp-image-1784\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Industrie-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Industrie-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Industrie-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Industrie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1784\" class=\"wp-caption-text\">Alt und Neu in Ku\u00e7ova<\/p><\/div>\n<p>Die sozialen Reformen und die rasch einsetzende Industrialisierung der Nachkriegszeit zogen eine rasche Urbanisierung des Landes mit sich. Bis 1969 nahm die st\u00e4dtische Bev\u00f6lkerung pro Jahr um 4,5 % zu. Vielerorts wurden aus kleinen D\u00f6rfern st\u00e4dtische Zentren, mancherorts wurden neue Siedlungen g\u00e4nzlich auf dem Reissbrett geplant.<\/p>\n<p>Im Norden entstanden Verwaltungszentren wie Rr\u00ebshen, Burr\u00ebl und Bajram Curri sowie viele Bergwerkst\u00e4tte (Kruma, Rubik, Kurbnesh, Krasta in Martanesh, Bulqiza). Im S\u00fcden waren Kohle (Memaliaj), Erd\u00f6l (Ballsh, Patos, Ku\u00e7ova als Qytet Stalin, Roskovec und C\u00ebrrik) und die Waffenproduktion (Poli\u00e7an und \u00c7orovoda in Skrapar) die treibenden Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Die neuen Grossfabriken wurden meist bei bestehenden Grossst\u00e4dten gebaut, wobei im Falle von Tirana etwas ausserhalb ein ganzer Stadtteil (\u00bbKombinati\u00ab) gegr\u00fcndet wurde, der den Arbeitern der in den 50er Jahren gegr\u00fcndeten \u00bbStalin-Fabrik\u00ab ein Zuhause bot. Manchmal wurden Industrien aber auch abseits der grossen Zentren angelegt, so bei La\u00e7 oder C\u00ebrrik. Im S\u00fcdosten entstanden mit Maliq ein Zentrum des Zuckerrohranbaus und -verarbeitung<\/p>\n<p>Vielerorts entwickelten sich kleine D\u00f6rfer, die meist historisch schon als Treffpunkt oder Marktplatz der Region dienten, zu lokalen Verwaltungszentren (Tepelena, Gramsh, Librazhd, Klos (Mat), Vau-Deja, Puka, Kuk\u00ebs). Etwas Bedeutung und betr\u00e4chtliche Einwohnerzahlen erlangte auch manches Dorf, in dem die Verwaltung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft untergebracht wurde. Ein besonderes Beispiel hierf\u00fcr ist Kamza, wo neben der Genossenschaft noch die Faktoren Kohlebergwerk und N\u00e4he zu Tirana in Form der Landwirtschaftsuniversit\u00e4t beg\u00fcnstigend hinzukamen. Heute ist Kamza eine der gr\u00f6ssten St\u00e4dte des Landes.<\/p>\n<p>Aufgrund der Aufstauung des Fierza-Sees musste in den 70er Jahren die Stadt Kuk\u00ebs verlegt werden. \u00bbNeu-Kuk\u00ebs\u00ab entstand als Planstadt etwas \u00f6stlich auf einem windigen Plateau.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend entwickelten sich die wenigsten dieser Planst\u00e4dte zu richtigen St\u00e4dten: Zwar verliehen ein paar h\u00e4ssliche Plattenbauten den Orten etwas Urbanit\u00e4t, aber die Einwohnerzahlen blieben meist im tiefen vierstelligen Bereich. In Albanien reichte dies schon, um das Pr\u00e4dikat \u00bbStadt\u00ab oder \u00bbBashkia\u00ab verliehen zu kriegen.<\/p>\n<h3>Die Schwierigkeiten der Landst\u00e4dte im Post-Kommunismus<\/h3>\n<div id=\"attachment_1776\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/rubik\" rel=\"attachment wp-att-1776\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1776\" class=\"size-medium wp-image-1776\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Rubik-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Rubik-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Rubik-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Rubik.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1776\" class=\"wp-caption-text\">Das Leben zieht an Rubik vorbei<\/p><\/div>\n<p>Die meisten dieser Planst\u00e4dte machten in den letzten 25 Jahren eine schwierige Transformation durch. Fast \u00fcberall gingen die wichtigen Arbeitgeber verloren. Insbesondere in der Industrie und im Bergbau gab es lange keine Besch\u00e4ftigung mehr. Auch der Staat hatte kaum Finanzen, so dass gerade die kulturellen Angebote schnell eingstellt wurden. Im Gegensatz zu den Grossst\u00e4dten, wo eine kleine Mittelschicht und Oberschicht heranwuchs, ist die Bev\u00f6lkerung dieser Planst\u00e4dte und ihrer Umgebung meist sehr arm, so dass auch der Dienstleistungssektor sehr bescheiden blieb. Zum Teil findet die Bev\u00f6lkerung der Landst\u00e4dte auch heute noch ein \u2013 zumal erg\u00e4nzendes \u2013 Einkommen in der Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Trotz aller Probleme haben die Landst\u00e4dte aber auch Einwohner aus den umliegenden D\u00f6rfern angezogen, da die Infrastruktur im urbanen Raum etwas besser ist. Andernorts sind die Bauernd\u00f6rfer der Umgebung heute zum Teil bev\u00f6lkerungsreicher als das lokale st\u00e4dtische Zentrum, das von Arbeitslosigkeit geplagt wird.<\/p>\n<h3>Niedergang der Bergwerks- und Industriest\u00e4dte und krisenfestere Verwaltungsst\u00e4dte<\/h3>\n<div id=\"attachment_1786\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/cerrik_zentrum\" rel=\"attachment wp-att-1786\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1786\" class=\"size-medium wp-image-1786\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Cerrik_Zentrum-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Cerrik_Zentrum-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Cerrik_Zentrum-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Cerrik_Zentrum.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1786\" class=\"wp-caption-text\">Im Zentrum von C\u00ebrrik \u2013 menschenleer<\/p><\/div>\n<p>Die meisten Bergwerksbetriebe haben in den 90er Jahren rasch ihren Betrieb einstellen m\u00fcssen, was unmittelbaren Einfluss hatte auf die St\u00e4dte, die von ihnen abh\u00e4ngig waren. Gerade die junge Bev\u00f6lkerung ist rasch ausgewandert \u2013 meist illegal nach Griechenland oder Italien, um dort etwas Geld zu verdienen und die Familie in der Heimat zu unterst\u00fctzen. Im Verlauf der letzten 25 Jahre haben viele Einwohner diese St\u00e4dte verlassen, insbesondere wenn sie abgelegen oder in sehr gebirgigem Gebiet gelegen sind. Etwas weniger stark betroffen sind meist Bergwerksorte, die noch lokale Verwaltungszentren sind oder an Durchgangsstrassen liegen. Die zur\u00fcckgebliebene Bev\u00f6lkerung in diesen Bergwerksregionen ist meist von der Landwirtschaft und \u00dcberweisungen von Verwandten im Ausland abh\u00e4ngig.<\/p>\n<div id=\"attachment_1781\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/kurbnesh_2\" rel=\"attachment wp-att-1781\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1781\" class=\"size-medium wp-image-1781\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kurbnesh_2-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kurbnesh_2-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kurbnesh_2-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kurbnesh_2.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1781\" class=\"wp-caption-text\">Kurbnesh fast ausgestorben<\/p><\/div>\n<p>Einige dieser Bergwerksorte wurden praktisch komplett entv\u00f6lkert, so das abgelegene Kurbnesh in der Mirdita. In Kruma, dem Zentrum der Region Has im Nordosten, ist die Einwohnerzahl um rund einen Drittel zur\u00fcckgegangen. Auch Memaliaj im S\u00fcden hat rund die H\u00e4lfte der Einwohner verloren \u2013 ein starker Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang ist aber im ganzen S\u00fcden des Landes zu verzeichnen.<\/p>\n<p>Auch die Erd\u00f6lindustrie war in Albanien kein Garant f\u00fcr Arbeit und Reichtum: Diese St\u00e4dte sind allesamt von Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang betroffen, wenn auch nicht \u00fcberall gleich stark.<\/p>\n<p>Die Verwaltungszentren verzeichnen hingegen meist keine solch grosse Abwanderung. Burr\u00ebl konnte seine Einwohnerzahl halten und Rresh\u00ebn, Kuk\u00ebs sowie Puka haben zwischen 1989 und 2011 sogar einen Zuwachs verzeichnet.<\/p>\n<div id=\"attachment_1780\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/burrel_haeuser\" rel=\"attachment wp-att-1780\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1780\" class=\"size-medium wp-image-1780\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Burrel_Haeuser-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Burrel_Haeuser-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Burrel_Haeuser-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Burrel_Haeuser.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1780\" class=\"wp-caption-text\">Neues Leben in Burr\u00ebl<\/p><\/div>\n<p>Aus der Reihe tanzt auch die Bergwerkstadt Bulqiza, wo die Einwohnerzalh seit 1989 deutlich zugenommen hat. Aufgrund der besseren Erzvorkommen besteht hier noch heute eine Industrie, wie sonst kaum wo in Albanien. Hinzu die Funktion als Verwaltungszentrum, was ebenfalls stabilisierend wirkte.<\/p>\n<p>Es gibt viele weitere St\u00e4dte in der K\u00fcstenebene zwischen Vlora und Shkodra und besonders im Grossraum Tirana, die betr\u00e4chtlich an Einwohner zugenommen haben. Dazu geh\u00f6ren auch ein paar Planst\u00e4dte wie Kamza als Vorort von Tirana oder La\u00e7. In diesem F\u00e4llen scheint aber mehr die Landflucht und die Lage als die Attraktivit\u00e4t der geplanten St\u00e4dte von Bedeutung f\u00fcr das Wachstum gewesen sein.<\/p>\n<h3>Erfolg und Misserfolg der Planst\u00e4dte<\/h3>\n<div id=\"attachment_1790\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/krasta\" rel=\"attachment wp-att-1790\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1790\" class=\"size-medium wp-image-1790\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Krasta-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Krasta-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Krasta-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Krasta.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1790\" class=\"wp-caption-text\">Dunkle Fensterh\u00f6hlen in Krasta, Martanesh<\/p><\/div>\n<p>Die planwirtschaftlichen Stadtgr\u00fcndungen scheinen sich in ihrem Schicksal nicht gross von anderen St\u00e4dten zu unterscheiden \u2013 leider ist eine detaillierte Analyse aufgrund des schlechten Datenmaterials nicht wirklich m\u00f6glich. Im Gegensatz zu vielen anderen, im Umland traditionell verwurzelten St\u00e4dte Albaniens sind die Industriest\u00e4dte heute aber doch in den meisten F\u00e4llen sehr trostlos und unbelebt. Kaum eine Planstadt hat mehr als 10&#8217;000 Einwohner erreicht \u2013 und wie die ganze Stadtentwicklung Albaniens erleben auch die Planst\u00e4dte mit Bev\u00f6lkerungswachstum heute eine Phase der chaotisch-wilden Entwicklung weitab der urspr\u00fcnglichen planerischen Vorgaben.<\/p>\n<p>Die im Kommunismus entwickelten Verwaltungszentren haben mehrheitlich ihren Platz als wichtige Drehscheibe der Umgebung gefunden \u2013 ihre Gr\u00fcndung war ein bedeutender Schritt in der Entwicklung des Landes, auch wenn in der post-kommunistischen Zeit in vielen F\u00e4llen ein Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang zu verzeichnen war. Es sind zwar vielfach reizlose kleine Provinznester, aber doch kommen hier die Menschen des Umlands zusammen und sorgen f\u00fcr Ver\u00e4nderung und Treiben. Man kauft ein paar notwendige Sachen ein, erledigt Beh\u00f6rdeng\u00e4nge, geht hier in die weiterf\u00fchrende Schule oder wartet auf den Bus nach Tirana. Die Stagnation der 90er Jahre ist in den Verwaltungszentren vorbei \u2013 es gibt Ver\u00e4nderung, w\u00e4hrend die Industrieorte leblos wirken, vieles zu Zerfallen droht, der R\u00fcckgang deutlich sp\u00fcrbar ist .<\/p>\n<div id=\"attachment_1783\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\/kucova_zentrum\" rel=\"attachment wp-att-1783\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1783\" class=\"size-medium wp-image-1783\" src=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Zentrum-350x219.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Zentrum-350x219.jpg 350w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Zentrum-800x500.jpg 800w, https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Kucova_Zentrum.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1783\" class=\"wp-caption-text\">Breite Strassen aus kommunistischer Zeit im Zentrum von Ku\u00e7ova<\/p><\/div>\n<p>Eine interessante Mischung ist Ku\u00e7ova, die gr\u00f6sste albanische Planstadt, die einst \u00fcber 20&#8217;000 Einwohner hatte. Auch hier sind viele Bewohner abgewandert, die Erd\u00f6l-Metropole hat aber eine Gr\u00f6sse entwickelt, die ein gewisses Eigenleben garantiert. Und trotz der wirtschaftlichen Misere ist die Erd\u00f6lproduktion nie ganz\u00c2\u00a0 zum Erliegen gekommen, so dass heute noch ein Duft von \u00d6l durch die kommunistischen Prachtsstrassen zieht. Die post-kommunistische Entwicklung hat Ku\u00e7ova nur zaghaft erfasst \u2013 weite Teile des Stadtzentrums werden noch immer von der kommunistischen Architektur, dem roten Stern und Industrieanlagen dominiert. Ku\u00e7ova gleicht deshalb eher einer Reise durch die Geschichte um 30 Jahre zur\u00fcck als einer lebendigen albanischen Stadt der Gegenwart.<\/p>\n<p>An vielen anderen Orten ist aber meist tote Hose: Im einzigen Caf\u00e9 sitzen ein paar M\u00e4nner, der zentrale Platz wirkt \u00fcberdimensioniert und meist auch sehr trostlos heruntergekommen. In den Hintergassen rennen noch ein paar H\u00fchner rum. Aber es fehlen die Investitionen, die kleinen Gesch\u00e4fte und der Trubel, der vielerorts Ausdruck der albanischen Lebensfreude ist.<\/p>\n<pre><strong>Quellen:<\/strong> u.a. T. Selenica: \u00bbShqip\u00ebroa m\u00eb 1927\u00ab, Tirana 1928;\r\nArqile B\u00ebrxholi, Dhimit\u00ebr Doka, Hartmut Asche (Hrsg.): \u00bbAltasi Gjeografik i Popullis\u00eb s\u00eb Shqip\u00ebris\u00eb\u00ab, Tirana 2003;\r\nFranz  Seiner: \u00bbErgebnisse der Volksz\u00e4hlung in Albanien in dem von den \u00f6sterr.-ungar. Truppen 1916 - 1918 besetzten Gebiete\u00ab, Wien 1922, <a href=\"http:\/\/opacplus.bsb-muenchen.de\/title\/BV022058557\/ft\/bsb00096082?page=5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">online<\/a>;\r\nCay Lienau, G\u00fcnter Prinzing (Hrsg.): \u00bbAlbanien \u2013 Beitr\u00e4ge zu Geographie und Geschichte\u00ab, M\u00fcnster 1986;\r\n<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kommunisten haben Albaniens Landschaft ver\u00e4ndert: S\u00fcmpfe wurden trocken gelegt, die Landwirtschaft grundlegend ver\u00e4ndert, \u00fcberall wurden Seen zur Bew\u00e4sserung und Energiegewinnung aufgestaut \u2013 und das ganze Land wurde industrialisiert. F\u00fcr die neuen Fabriken und Bergwerke brauchte es Arbeiter, die Unterk\u00fcnfte brauchten, weshalb im ganzen Land zwischen 1945 und den sp\u00e4ten 70er Jahren neue St\u00e4dte angelegt &#8230; <\/p>\n<p class=\"moree\"><a class=\"btn btn-inverse btn-normal btn-primary \" href=\"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/blog\/1770\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1774,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[3,8],"tags":[63,327,32,742,741,743],"class_list":["post-1770","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-history","tag-entwicklung","tag-geschichte","tag-kommunismus","tag-stadt","tag-stadtplanung","tag-staedte"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Rubik_cropped.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1770","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1770"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1770\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2559,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1770\/revisions\/2559"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albanien.ch\/une\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}