Verfasst: Sa, 03. Mai 2008, 14:51
ich bin immer wieder überrascht, was hier so über den kanun geschrieben wird. durch ein paar zitate aus dem kanun ist es jedenfalls nicht möglich, sich ein bild von der damaligen gesellschaft zu machen. der kanun kann man aber nur verstehen, wenn man weiß, wie diese ungefähr aussah.Eleonora87 hat geschrieben:Das Recht des Mädchens:
Wenn das Mädchen auch keine Eltern hat, so hat es doch
kein Recht, sich mit der eigenen Heirat zu befassen; das Recht ist
in der Hand der Brüder oder Vettern;
Das Mädchen hat kein Recht:
i) den eigenen Gefährten zu wählen; sie wird zu dem gehen,
mit dem sie sie verloben;
ii) sich weder in Vermittlung noch Verlöbnis einzumengen;
iii) noch auch in die Sache der Schuhe oder Kleider.)
.“Die albanische Frau hat kein Erbteil der Eltern, weder
Grund noch Haus.” Der Kanun hält die Frau als einen Überschluß,
ein Anhängsel im Hause. Die Eltern haben keine Aussteuer, kein
Heiratsgut für die Tochter zu bedenken; er, der sie nimmt, wird für
sie sorgen.
Schlägt der Mann die Frau, so fällt er nach dem Gesetz
nicht in Schuld, und ihre Eltern können ihn für dieses Schlagen
nicht zur Rechenschaft ziehen.
Der Mann hat das Recht:
a) die Frau zu tadeln und zu beraten;
b) die eigene Frau zu schlagen und zu binden, wenn sie
seinen Anordnungen Spott bietet.
b) zu schlagen, zu binden, gefangen zu setzen und zu töten,
Sohn wie Tochter; der Kanun zieht ihn nicht zur
Rechenschaft, vor ihm gilt dies so, als töte er sich selbst.
“Wer sich selbst tötet, der verliert sein Blut”87;
b) Die Frau hat keinerlei Recht, weder über die Kinder noch
über das Haus.MH
So und jetzt erzähl mir mal was die FRAU für ein "RECHT" laut Kanun hat????[/b]
was die situation heutzutage betrifft:
der kanun war vorallem dazu da besitztümer zu regeln. da es sich um eine stammesgesellschaft handelte, bei der alle von einem urahn abstammten, ging der besitz immer auf die söhne über. die frauen durften deshalb nichts erben, da sie sie später mit einem stammesfremden verheiratet wurden und dadurch diese fremden, die als feinde galten, da alle stämme mehr oder weniger verfeindet waren, ein stück land innerhalb des stammesterritoriums bekommen hätten. deshalb war es auch so schlimm, wenn eine frau ihren mann betrug, da deren kinder dann "fremde" wären.
heutzutage kann jeder mann eine frau, die ihn betrügt einfach rausschmeißen, es gibt keinen ökonomischen grund mehr sie zu töten, wie früher, als das überleben eines ganzen stammes dadurch in gefahr kam. er kann zu der frau einfach sagen,m dass er sie nie mehr sehen will und für die heutige gesellschaft hätte das keinerlei konsequenzen. wenn ein mann heute so eine frau tötet, dann tut er das nicht, um jemanden zu beschützen, sondern weil er sich verletzt und betrogen fühlt.
genauso ist es bei den eltern, die einen mann töten wollen, der ihre tochter nicht mehr haben will. früher hätte die frau probleme gehabt, einen anderen zufinden (war aber möglich) und alleine konnte sie nicht leben, da sie ja jemand ernähren mußte. heute kann sich jede frau eine arbeit suchen, eine wohnung mieten, ... keine frau geht zu grunde, weil sie alleine lebt.
die frauen wurden zwar durch heiraten hin- und hergeschoben aber andererseits waren aber der kostbarste besitz der männer, da sie durch ihre fähigkeit zu gebären das überleben der gruppe sicherten (der mangel an jungen frauen hätte zur folge gehabt, dass ein anderer stärkerer stamm diese gruppe assimiliert und überlagert hätte). kein mann hatte früher ein interesse daran eine frau einfachso zu töten, oder sie so zu schlagen, dass sie keine kinder mehr bekommen konnte.
natürlich war das leben für die frauen früher nicht besonders toll, das denke ich auch, aber mann sollte sich das ganze doch bitte in einer bäuerlichen gesellschaft vorstellen, in der die männer ein halbes jahr lang mit den tieren in die berge ziehen (oft auch die ganzen familien) und in der jeder schritt vor die haustür eine gefahr für das leben darstellte und die männer die frauen versuchten zu schützen (mit negativen folgen für die freiheit der frau) um ihr stammeserbe fortzusetzen.
heute gibt es keine stammesterritorien mehr, von der das überleben einiger menschen abhängig ist. aufgrund dieser geänderten besitzverhältnisse hat auch der kanun seine funktion weitgehend verloren. er regelt dinge, die es nicht mehr gibt.
wenn jemand sagt, ich bringe xy um, weil das so im kanun steht, dann ist das wohl mehr eine rechtfertigung für seine tat, denn eine gesetzesgrundlage.
so, das ist meine meinung, ich wollte eigentlich keinen ganzen roman schreiben und auch das verhalten keines mannes rechtfertigen, aber es gibt eben immer nur wenige menschen, die über das wissen ihrer eigenen gesellschaft herauskommen. was ich damit sagen will ist, früher war es "normal" seine frau einzusperren (nicht nur in albanien) heute denke ich, dass jeder mann, der sowas macht eigentlich weiß, dass er kein recht dazu hat.