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Privatisierung von Kulturdenkmälern?

Verfasst: Mo, 10. Mär 2014, 20:18
von GjergjD
In Albanien stellt sich momentan wieder die Frage, ob Kulturdenkmäler zu gastronomischen Zwecken "missbraucht" werden dürfen. Viele kennen die Burgen von Petrela und Preza bei Tirana, die umgestaltet und gastronomisch genutzt werden. Dieses Schicksal könnte auch die Burg von Lezha ereilen, Entwürfe im Film.
Im Bericht wird dann erörtert, dass eine derartige Verpachtung ein zweischneidiges Schwert darstellt: Einerseits könnte die Staatskasse gefüllt werden, andererseits droht ggf. die irreparable Zerstörung des Kulturgutes durch Aus- und Umbauten.
Ausländische Berater sind der Meinung, dass Albanien hier zunächst klare Kriterien als Entscheidungsgrundlage benötigt. Über Lezha wurde heute beraten. Mal sehen, wie es dort weitergeht. Der Weg zur Burg wurde vor Jahren schon erneuert, auf der Burg laufen Ausgrabungen.
http://youtu.be/X4II-EpOVVQ

Re: Bedrohte Kulturdenkmäler in Albanien

Verfasst: Mo, 10. Mär 2014, 20:47
von volkergrundmann
An solchen Experimenten werden sich immer die Geister scheiden. Für die Vertreter der Reinen Lehre kommt so etwas überhaupt nicht in Frage. Nur, wem nützt es, wenn die Ruinen weiter verkommen, Geld zum Erhalt ist ja kaum da, nicht mal zur Sauberhaltung. Es kommt ja auch darauf an, wie die gastronomischen Einrichtungen gestaltet werden. Für Lezha wäre ich entschieden dafür, dass man einer der Ruinen einigermaßen original wieder aufbaut und dort eine gastronomische Einrichtung rein bringt. Bei Petrele mag das nicht stilgerecht geglückt sein (oder gab es diesen komischen Wasserkopf wirklich?), aber bei Rozafa funktioniert es und bei Lekurzi auch.

Projekt auf der Burg Lezha gestoppt

Verfasst: Di, 11. Mär 2014, 21:00
von GjergjD
Die Entscheidung des albanischen Kultur-Ministeriums zur geplanten gastronomischen Nutzung der Burg Lezha lautet: Das Projekt wird auf Eis gelegt.

Es gab im Vorfeld Verfahrensfehler, begleitet von Straftatbeständen. So wurde keine ordnungsgemäße Ausschreibung und kein Wettbewerb vorgenommen, es gab keinerlei Konkurrenzentwürfe. Die Entscheidung der Vorgänger-Regierung wurde für null und nichtig erklärt.
http://youtu.be/3CmhHkvFzjQ

Re: Privatisierung von Kulturdenkmälern?

Verfasst: So, 16. Mär 2014, 23:12
von Lars
GjergjD hat geschrieben:In Albanien stellt sich momentan wieder die Frage, ob Kulturdenkmäler zu gastronomischen Zwecken "missbraucht" werden dürfen. Viele kennen die Burgen von Petrela und Preza bei Tirana, die umgestaltet und gastronomisch genutzt werden.
Burg von Petrela ist eines der grösseren Verbrechen von Edi Rama …
Preza ist besser gelungen: dort gab es schon ein Café seit den 30er Jahren und es zerstört nicht den ursprünglichen Charakter der Anlage

Brücken bei Milot und Lezha

Verfasst: Sa, 12. Apr 2014, 18:36
von GjergjD
volkergrundmann hat geschrieben:Hoffnungslos, der Fall, so, wie die Pfeiler aussehen. Dasselbe Schicksal wird aber bald die Zogu-Brücke Bei Milot ereilen, da sind auch die Pfeiler unterspült. Und um die ist es eigentlich noch mehr schade.
Über die Situation der "Zogu Brücke" mit ihren Unterspülungen informierte sich jetzt auch der Enkel Leka II. Ob sich die Familie für den Erhalt der Brücke, ein Symbol für die Errungenschaften des Königreiches, einsetzen wird?

http://youtu.be/qkEKwTnubfA


Eine historische Brücke, deren Situation besser ist, die alte Stadtbrücke von Lezha über den Drin (von 1929) wird im folgenden Beitrag gezeigt. Noch vor wenigen Jahren war der Belag der Brücke absolut desolat. Inzwischen kann man sie wieder gefahrlos überqueren, aber nur als Fußgänger und Radler.

http://youtu.be/Xxa9briMuVE

zum Vergleich ein Bild von vor 1-2 Jahren:
Bild

Re: Bedrohte Kulturdenkmäler in Albanien

Verfasst: So, 13. Apr 2014, 11:00
von volkergrundmann
Vorsicht, ich habe mir mit dem Video eine Schadsoftware eingefangen, die die Anmeldung zum Forum löschte und verhinderte, dass ich hier auf diesen Beitrag antworten konnte.

Re: Bedrohte Kulturdenkmäler in Albanien

Verfasst: So, 13. Apr 2014, 14:36
von GjergjD
volkergrundmann hat geschrieben:Vorsicht, ich habe mir mit dem Video eine Schadsoftware eingefangen, die die Anmeldung zum Forum löschte und verhinderte, dass ich hier auf diesen Beitrag antworten konnte.
Hallo Volker, habe heute noch mal beide Links mit chrome angeklickt und hatte keine Probleme. Möglicherweise nutzt du einen anderen Browser? Im Februar gab es mal Probleme mit Maleware in manipulierter Flash-Werbung der Videos, die war nur im Internet Explorer kritisch.

Re: Bedrohte Kulturdenkmäler in Albanien

Verfasst: So, 13. Apr 2014, 22:41
von volkergrundmann
Nutze den Internet Explorer, habe noch keine Idee, wie ich das Schadprogramm wieder von meinem Laptop runter kriege, auf dem Hauptcomputer habe ich es nicht und werde mich auch hüten, das Video nochmal von hier aus anzuklicken.

Was ich aber gestern eigentlich sagen wollte, bevor mich der Schädling verhinderte: Diese Brücke sollten sich automobile Individualtouristen, insbesondere Wohnmobilisten gut vormerken. Am Zugang zum Skanderbeg Memorial in Lezha herrscht nämlich zumindest am Vormittag (am Nachmittag kaum noch) die Parkkatastrofe, weil sich das Memorial den Parkplatz mit der Präfekturverwaltung teilen muss. Wenn man um die Existenz dieser überaus unscheinbaren Brücke weiß, kann man kann sein Wohnmobil am anderen Flussufer an der Ausfallstraße in Richtung Shkodra parken und über diese Brücke mit ungefähr 800 m Fußmarsch recht unproblematisch das Memorial erreichen.

Durres

Verfasst: Di, 20. Mai 2014, 23:59
von GjergjD
Ein Blick auf die historischen Schätze von Durres, oder was davon sichtbar ist, denn der überwiegende Teil ist unter der Stadt verborgen. Vieles macht leider einen desolaten Eindruck, wie Teile der Stadtmauer, das Forum und das Badehaus. Das Archäologische Museum ist seit Jahren geschlossen...
http://youtu.be/gmX0_SJPvvI

Re: Durres

Verfasst: So, 06. Jul 2014, 20:43
von Lars
GjergjD hat geschrieben:Das Archäologische Museum ist seit Jahren geschlossen...
eine Schande – das war mal eine der besten Ausstellungen im Land

Re: Durres

Verfasst: So, 06. Jul 2014, 21:06
von volkergrundmann
Lars hat geschrieben:
GjergjD hat geschrieben:Das Archäologische Museum ist seit Jahren geschlossen...
eine Schande – das war mal eine der besten Ausstellungen im Land
Bis auf den verkrampften Versuch, anhand dubioser Illyrer-Graffiti nachzuweisen, wie hochgradig die Stadt doch von den Illyrern beeinflusst gewesen ist...
Aber in der Tat, es gibt ganze Themenkomplexe, die einst von diesem Museum zumindest angerissen wurden, etwa Unterwasserarchäologie oder Amforenkunde, die sind in Albanien völlig unterrepräsentiert. Irgendwann hörte ich sogar mal von der Idee, die Ali-Pasha-Festung von Palermos zum Museum für Unterwasserarchäologie auszubauen. Wer weiß, was die Türken diesbezüglich in Boddrum hingestellt haben, weiß auch, welche Attraktivität die Umsetzung dieser Idee entfalten könnte. Aber am Ende wird es wohl nur zu einem Casino reichen.

Re: Durres

Verfasst: Di, 08. Jul 2014, 20:20
von Trim
Lars hat geschrieben:
GjergjD hat geschrieben:Das Archäologische Museum ist seit Jahren geschlossen...
eine Schande – das war mal eine der besten Ausstellungen im Land
Weil es saniert wird.

Re: Bedrohte Kulturdenkmäler in Albanien

Verfasst: Di, 08. Jul 2014, 20:45
von GjergjD
Trim hat geschrieben:
Lars hat geschrieben:
GjergjD hat geschrieben:Das Archäologische Museum ist seit Jahren geschlossen...
eine Schande – das war mal eine der besten Ausstellungen im Land
Weil es saniert wird.
na vielleicht profitiert die nächste Generation von dieser Sanierung :P

Altes Haus Zekajve in Lezha

Verfasst: Sa, 13. Sep 2014, 21:41
von GjergjD
Über das Kulturdenkmal der ersten Kategorie Shtepia e Zekajve in Lezha nicht weit von der Burg wurde schon im vorletzten Winter berichtet, dass es vom Einsturz bedroht ist, weil das Dach erhebliche Schäden aufweist. Die wertvollen Schnitzereien verrotten. Nun wurde zumindest damit begonnen, etwas an der verwilderten Ruine aufzuräumen. Da man sich immer noch streitet, wer die Kosten für eine Sanierung zu tragen hat, wird das Gebäude aber wohl nicht mehr zu retten sein.

http://youtu.be/vk-ZDkYp5H4
http://youtu.be/KddeQFe1dvM

Bild

Kirchen in Vithkuq werden restauriert

Verfasst: Mo, 06. Okt 2014, 21:35
von GjergjD
Die Kirchen in Vithkuq befinden sich derzeit in der Restaurierung, davon konnte ich mich im September auch selber überzeugen.
In der Klosterkirche St. Peter sind die Wände rissig und die Wandmalereien bedroht. Nun wird die Ikonostase wiederhergestellt.

Bild

Zuvor wurde bereits mit Erfolg an der Kirche Shën Mërisë gearbeitet, wo die Wände und das Dach großflächig beschädigt waren.

http://youtu.be/t2cVfVi-JN0

Raubgräbern am Ende der Welt das Handwerk gelegt

Verfasst: Mi, 08. Okt 2014, 20:32
von GjergjD
Ich vermute, dass sich nie ein Tourist in das Dorf Trebicka, Gemeinde Vithkuq, Kreis Korça verirrt hat, es liegt im Bermudadreieck der Kreise Korça, Skrapar, Permet und Kolonja in einer Sackgasse förmlich am Ende der Welt.

Am Friedhof des Dorfes gab es offenbar schon seit geraumer Zeit Raubgrabungen mit schwerer Technik, dort wurde Gold vermutet.
Heute wurden zwei Personen, die aus Erseka stammen, von der Polizei Korça verhaftet. Offenbar hatten die Kriminellen nicht angenommen, dass sich die Polizei über mehr als 60 km (meist Holperpisten) bis zu ihnen begeben würde.
Endlich mal ein Zugriff !
http://youtu.be/IvPFvpaZ0e8

Südlich von Orikum

Verfasst: Di, 14. Okt 2014, 0:06
von GjergjD
Südlich von Orikum befinden sich einige interessante Monumente, die in der jüngsten Reportage von Marin Mema beleuchtet werden:
http://youtu.be/t1TX1Hzn05A

Die Ruinen von Tragjasi i Vjetër, vielleicht irgendwann ein Anziehungspunkt als albanisches „Stari Bar“ (Tivari i Vjetër).
Tragjasi i Vjetër hingegen ist touristisch erst wenig erschlossen, aber in den Reiseführern zu finden.
Nach Erkenntnissen der Historiker geht der Ort zurück auf das 4.-7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Er hatte einmal 1300 Einwohner, im zweiten Weltkrieg zerstörten Deutsche Truppen den Ort.
Nicht weit vom neuen Dorf findet man die Festung von Gjon Boçari (Kalaja e Gjon Boçarit), einem Verbündeten von Skanderbeg aus dem 14. Jahrhundert, man kann sie leider nicht besuchen, das Gelände befindet sich in Privatbesitz. Ein Bild gibt es aus anderer Quelle:
Bild
http://adrijon.lag-al.net/about/monument
Kalaja e Gjon Bocarit.jpg
Ein anderer beachtenswerter Ort ist Dukati
In einem alten Gemäuer, dass fast an ein Schloss erinnert, befand sich früher ein Museum, heute verfällt der wertvolle Bau Kullat e Dervish Aliut leider zusehends.

Re: Bedrohte Kulturdenkmäler in Albanien

Verfasst: Di, 14. Okt 2014, 10:46
von volkergrundmann
Du träumst mal wieder in eine ferne, wahrscheinlich nie kommende Zukunft. Tragjasi i Vjetër ist tatsächlich wegen der Menge der Ruinen beeindruckend, aber ich glaube nicht, dass man daraus noch einen Platz wie Stari Bar machen kann. Dazu ist die Substanz schon zu weit runter. Gjon Boçari ist eine der typisierten Dutzend-Festungen aus der Ali-Pascha-Zeit, ähnelt etwa der Festung in Libohova. Innen ist sie leer und wird als Schafstall benutzt. Hoch Kraxeln ist extrem schwierig, es gibt keinen Weg. Am besten geht es über die Südseite, da läuft eine breite Steinzunge hinauf.
Das interessanteste an Tragjas ist der enorme, mächtige Quellausfluss, der mitten im Dorf in Flussbreite und -stärke aus dem ebenen Platz quillt. Leider wird dieser einzigartige Naturplatz nicht gewürdigt, die Einheimischen haben ihn zur Müllkippe gemacht.

Kisha e Shën Premtes Lukova

Verfasst: Sa, 18. Okt 2014, 11:47
von GjergjD
Die albanische Presse schrieb im letzten Jahr über den kritischen Zustand der Kirche Shën Premtes in Lukova

Dass man auch durch Bürgerinitiative etwas bewegen kann, zeigen der Dorflehrer und Priester, die die schiefergedeckte dreischiffige Kuppel-Basilika zusammen mit der Dorfjugend vom Bewuchs befreit haben. Umgeben von Olivenbäumen am dem Hang des Hügels und total überwuchert war das bisher ein geradezu verwunschener Ort, der nicht einfach gefunden werden konnte. Auch die Koordinate ist auf Luftbildern nicht eindeutig auszumachen. Die Kirche aus dem 17. Jahrhundert überdauerte den Kommunismus als Kulturdenkmal.

Bild 1
Bild 2

Quelle: Ody Pappas auf facebook

Re: Fishta

Verfasst: Di, 21. Okt 2014, 20:57
von GjergjD
GjergjD hat geschrieben:Der Franziskaner, Literat und Übersetzer Gjergj Fishta wurde am 23. Oktober 1871 im Dorf Fishta (Zadrima) geboren, das ist südlich von Shkodra, gehört zur Kommune Blinisht und zählt heute 700 Einwohner.

Leider ist sein Haus verfallen, die Reste der Innenausstattung wurden gestohlen, obwohl nur von ideellem Wert. Sehr trostlos ist dies alles.
Ob hier irgendwann mal eine Gedenkstätte :X: enstehen wird?

http://youtu.be/WQs8VNOigF8
Kurz vor dem 143. Geburtstag von Gjergj Fishta hört man hoffnungsvolle Nachrichten zum Anwesen im Dorf Fishta. Es gibt privat finanzierte Planungen für die Rekonstruktion des Gebäudes und die Einrichtung einer Gedenkstätte.

aktueller Zustand:
Bild

Quelle: Monumentet E'Kultures Lezhe