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traurig077
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arbeiten bis zum umfallen

Mi, 04. Aug 2010, 22:16

sagt mal, ist das nur ein einzelbeispiel oder arbeiten alle albaner bis sie tot umfallen? ich finde es erstaunlich was ein einzelner mensch sich so auflädt und dass da niemand drauf zu achten scheint. ist burnout eine europäische krankheit?

und sind die frauen genauso unermüdlich wenn sie denn arbeiten gehen?
te jetosh do te thote te luftosh

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saloni
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Mi, 04. Aug 2010, 22:31

Kann man so nicht sagen, gibt auch das Gegenteil, mein Schwager...schnarcher :mrgreen:

Dafür sind mein Mann und ich so nervige Menschen, arbeite arbeite bist de nimme kasch :? :lol:
Meine Oma ist noch schlimmer! :shock: Kommt ausm Spital raus und...ab an die Arbeit :? :shock: :roll: Seine Oma?? Albanerin, fehlanzeige, sie lässt arbeiten :wink:

Was mir persönlich bei Albaner aufgefallen ist, wenige sind ausgeglichen, entweder arbeiten bis zum umfallen oder faulenzen bis der Baum von selber fällt.

lg
stolz bin, auf meine Schwiegereltern :)

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Koby Phoenix
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Mi, 04. Aug 2010, 22:37

Es kommt natürlich drauf an.Aber die meisten Albaner die ich
kenne sind sehr belastbar und wollen der Familie auch was
bieten.

Man will sich durch die Arbeit finanziell absichern aber gleichzeitig
auch die Arbeit richtig machen um den Job auch behalten zu können
bzw. das man alles Wert in Zufriedenheit legt.

Irgendwie habe ich das Gefühl, das sie sich nicht allzu viele Gedanken
während der Arbeit machen sondern alles automatisch geht und
der Kopf einfach ausgeschaltet ist und nur auf die Arbeit an sich
konzentriert wird. Und je schneller man ist, desto schneller ist man
fertig.

Außerdem gab es früher kein "Stundengeld" sondern einfach ein
festen Gehalt oder ein "Arbeitsgeld". Egal wieviel Tage du brauchst,
du machst das jetzt für so und so viel. So war das zumindest
in den Dörfern.

In Kosova zum Beispiel ist es im Dorf so das Jugendliche und auch Kinder
mitarbeiten. Sie lernen also schon recht früh mit der
Belastbarkeit und Verantwortung umzugehen. In dem Dorf mütterlicher Seits
wird ganztägig gearbeitet..

"Arbeite umsonst, aber verweile nicht umsonst."
Original: "Badihava puno,badihava mos rri."
"Arbeite wie ein Sklave und iss wie ein Lord!"

http://de.wikiquote.org/wiki/Albanische ... %C3%B6rter

Kurz gesagt, da es in Kosova/Albanien/ Mazedonien kein Arbeitslosengeld
gab, haben sie sich gewöhnt zu sparen und auch dafür hart zu arbeiten.
Es gilt der nächsten Generation was bieten zu können, deswegen
wird immerwieder Feld gekauft und dann weiter vererbt,
damit sogar die Enkel was davon haben. Man träumt
das die Kinder und die Familie irgendwann ein leichteres
Leben haben werden und deswegen arbeitet man hart.

Und falls es keine Arbeit gibt, wird halt Geldwechsel betrieben
oder in einer "Çajtore" (Teehaus) über mögliche Geldeinnahmen
gequatscht.

Außerdem muss man sehen, das es früher auch keine Rente
gab und alles was man im Leben verdient hat plus das Geld
was das Nachkommen verdient hat, war praktisch die Rente.

Heute gibt es eine Rente von 45 Euro (Kosovo).
Zuletzt geändert von Koby Phoenix am Mi, 04. Aug 2010, 22:39, insgesamt 3-mal geändert.

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traurig077
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Mi, 04. Aug 2010, 22:37

das mag sein. immer in extremen irgendwie... ;-)
te jetosh do te thote te luftosh

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Koby Phoenix
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Mi, 04. Aug 2010, 22:47

Hmm klar , wieso hart arbeiten wenn man für die hälfte Arbeit das gleiche bekommt? In einer Kapitalgesellschaft sind Menschen wie Produkte..

Wenn ein MP3 Player 4 GB hat und 35 kostet , aber daneben einer
für 8 GB steht und auch 35 kostet.. Was würdest du nehmen?

Und so ist es auch mit den Menschen, wer mehr leistet, kriegt
auch die Garantie, das seine Arbeit dauerhaft bezahlt wird.

Dieses Denken ist aber ein globales Problem...

Wenn Polen für 2,50 die Stunde 10 km von mir entfernt in einem Spargelfeld arbeiten und das für 10 Stunden,
aber ein Beamter einen Lohn von 12,50 die Stunde hat, dann frage
ich mich was in der hiesigen Gesellschaft los ist und was Fairness
ist?

Außerdem gibt es in Kosova keine Gewerkschaften und wie man
sieht funktionieren hier die Gewerkschaften auch nicht wirklich.
Wer kennt das nicht? Unbezahlte überstunden usw..

Der Chef hat den längeren Hebel.. und falls gemeckert wird gibt
es dann bestimmte wege, den Arbeitsvertrag zu lösen..
Heist dann "Sparmasnahmen" und so weiter..

Ich weiß aber das die meisten Albaner hier in der Diaspora
weniger Lohn bekommen als
ihnen zusteht.Ist wie bei den Frauen so.. 3/4 statt 4/4 Lohn
Zuletzt geändert von Koby Phoenix am Mi, 04. Aug 2010, 22:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Koby Phoenix
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Mi, 04. Aug 2010, 22:54

außerdem gibt es in jeder großstadt in Kosovo/Mazedonien/Albanien "Tagelöhnerplätze".
Das heißt, da treffen sich Arbeitssuchende morgens
und bleiben den ganzen Tag.. bis einer mit einem
Auto vorbei kommt und ihn einsteigen lässt.
Meistens Unternehmer von Baustellen, Agrarwirtschaftler
oder Bergbau.
Meistens verdienen diese Menschen 7-10 Euro am Tag..

Lula
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Mi, 04. Aug 2010, 23:09

Mir sind die Extreme auch oft aufgefallen und die Belastbarkeit wenn es sein muss. Habe ich heute noch drüber nachgedacht anlässlich des Schwanger-Reisethreads, meine Schwägerin ist schwanger mit 3 Kindern von Saudi nach KS mit dem Bus...
Also oft EXTREM belastbar oder aber EXTREM faul... Irgendwie gibt es oft kein Mittelmaß.

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liberte
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Do, 05. Aug 2010, 10:46

ich kann mich nur anschließen.

allerdings entdecke ich die extremen arbeitstiere häufiger im ausland als in ks.

mein mann zählt dazu und ist extremst belastbar. seit ich ihn kennen hat er nicht einen tag auf der arbeit gefehlt wegen krankheit. er war auch noch nie bettlägerig krank!

er ackert wie ein gaul, je mehr desto besser.

und warum? ich denke es ist die doppelbelastung - denn natürlich will er sowohl seiner familie hier als auch der familie gutes tun.

viele sind sehr materiell und empfinden grösstes glück, wenn sie neue möbel, neues auto usw. haben. das ist aber bei uns nicht der fall.

im ks empfinde ich die frauen um vieles fleißiger als die männer (sorry männerwelt :D ). was nicht heißt, das sie nicht fleissig sind, aber die frauen meistern ihre doppelbelastung ohne anerkennung.

fazit: jau, ein sehr sehr fleißiges volk. mein mann hat erst durch mich gelernt mal alle 5e gerde sein zu lassen, einen job auch mal auszuschlagen und das leben einfach nur zu genießen.
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krenari
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Do, 05. Aug 2010, 12:31

meiner arbeitet auch bis zum umfallen und das im KS bzw montenegro. da sind 14 stunden gar nichts. und das für nen lohn von 250 euro. für 7 tage die woche

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Darleen17
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Do, 05. Aug 2010, 12:53

Mein Mann ist dem von Liberte ziemlich ähnlich.

Einmal hat er in den letzten 5,5 Jahren 2 Tage krank gefeiert. Aber auch nur, weil er im Krankenhaus bleiben mußte, wegen Verdacht auf Herzinfakt, was sich aber zum Glück nicht bestätigt hat.

Ansonsten arbeitet er, wenn möglich, rund um die Uhr. Wobei sein Beruf auch wirklich mittlerweile sein Hobby ist. Er arbeitet gerne und für ihn ist es auch kein Streß, eben weil er es gerne macht.

Zur Zeit ist er wieder die ganze Woche auf Montage in Aachen und da fangen sie morgens um 6 Uhr an und arbeiten bis 19 oder 20 Uhr. Und wenn er Freitags heim kommt und das Telefon klingelt, fährt er auch Samstags wieder raus zum arbeiten.

Ein Leben ohne Arbeit wäre für ihn nicht sonderlich erfüllend. Er braucht eine Aufgabe. Aber ich denke auch, daß er das von Zuhause garnicht anders kennt. Meine Schwiegereltern arbeiten auch bzw. Schwiegermutter mittlerweile nicht mehr, hat es aber all die Jahre getan, als mein Mann Zuhause lebte. Schwiegervater arbeitet noch, geht aber in 3 Jahren in Rente, was er mit gemischten Gefühlen sieht, denn auch er opfert sich für seine Arbeit auf.

Einerseits hat es Vorteile, wir sind finanziell wirklich in einer entspannten Lage, andererseits fehlt die gemeinsame Zeit und darum genießen wir dann die freien Tage um so mehr.

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liberte
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Do, 05. Aug 2010, 13:01

ja bingo darleen, kommt mir bekannt vor. ich konnte meinen mann nur mit mühe und not von einem zweitjob abhalten.
ohne job ist er kein mensch.
und mein schwiegervater hat genau so geschuftet wie er. meine schwiegermutter zwar "nur" daheim, aber die hat auch 8 kinder geboren, garten, haus usw. - das mit den kindern funktionierte so: sie rief ihren mann, der musste wasser kochen, holte tücher, hockte hinter ihr. sie hat die nabelschnur durchtrennt, das kind versorgt, ging duschen und machte das abendbrot für ihre anderen kinder. mein mann hat sie in all den jahren nicht ein einziges mal außer gefecht gesehen.

ich bewundere das, aber ich möchte nicht so leben. und hocke auch gerade hier mit dickem schmerzenden fuß und eingeklemmten ischias (da wäre sie sicher auch noch munter umher gesprungen - wahnsinn....) :D

was ich an meinem mann aber toll finde ist, daß er trotzdem früh aufsteht und dinge mit uns unternimmt, damit er immer auch genügend zeit für die kids hat.

aber solche sachen wie z.b. urlaube machen wir ganz oft auch allein, weil er arbeitet :cry:
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Hogwash
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Do, 05. Aug 2010, 13:24

liberte hat geschrieben: hocke auch gerade hier mit dickem schmerzenden fuß und eingeklemmten ischias (da wäre sie sicher auch noch munter umher gesprungen - wahnsinn....) :D
oh je, Du arme. Gutte Besserung!
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liberte
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Do, 05. Aug 2010, 13:51

danke! ich hoffe auch, daß ich bald wieder fit bin - wir wollen nämlich noch ein paar tage urlaub machen....
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traurig077
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Do, 05. Aug 2010, 14:10

auch von mir gute besserung;-) kommt mir alles bekannt vor was ihr schreibt. aber wahnsinn was einige menschen für nen antrieb haben selbst bei den schlimmsten dingen zur arbeit zu gehen. ich dachte immer irgendwann kommt der punkt wo beijedem ende ist, aber wahrscheinlich erst mit halbem herzinfakt wie darleen schon beschrieben hat.
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saloni
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Do, 05. Aug 2010, 14:13

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lg
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liberte
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Do, 05. Aug 2010, 14:16

danke saloni und traurig!

ist so traurig, mein mann krümmt sich vor schmerzen (magen) und dann augen zu und durch. ich bin ja auch recht hart im nehmen und typisch deutsch diszipliniert, aber er schlägt mich um längen. immer ne gute halbe stunde mindestens von der arbeit da, immer bereit überstunden zu machen usw. - der traum eines jeden chefs;-)
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Koby Phoenix
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Do, 05. Aug 2010, 14:21

Gute Besserung Liberte

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Koby Phoenix
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Do, 05. Aug 2010, 14:24

traurig077 hat geschrieben:auch von mir gute besserung;-) kommt mir alles bekannt vor was ihr schreibt. aber wahnsinn was einige menschen für nen antrieb haben selbst bei den schlimmsten dingen zur arbeit zu gehen. ich dachte immer irgendwann kommt der punkt wo beijedem ende ist, aber wahrscheinlich erst mit halbem herzinfakt wie darleen schon beschrieben hat.
Ich weiß zum Beispiel von älteren albanischen Leute, das sie Krankheiten
und Schmerzen erst im Alter "verschoben" haben.
"Wenn man Jung ist kann man arbeiten und die Rechnung
kommt im Alter". Ich kenne einige Dörfler, die über 90 sind und immernoch
Ackerbau und Viehwirtschaft betreiben.

Mein Uropa hat sogar mit 116 Jahren die Kühe zu der Weide gebracht,
sie gemolken und den Stall aufgeräumt.

Außerdem sagen einige Forscher, das Menschen die mehr Belastung hatten
und haben,viel viel seltener krank werden, da ihr Imunsystem in der Zeit der
Belastung gefordert und gefördert wurde.
Zuletzt geändert von Koby Phoenix am Do, 05. Aug 2010, 14:28, insgesamt 1-mal geändert.

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liberte
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Do, 05. Aug 2010, 14:28

ich wundere mich wirklich oft, wie resistent mein mann gegen ansteckende krankheiten wie erkältungen, magen-darm usw. ist.

früher war ich auch immer gesund, aber seit wir kinder haben, steck ich mich öfter auch mal an. er nie!

meine tante, psychologin, meint allerdings, daß nur von sich abgespaltene menschen auch nie krank werden;-)

aber mein mann und auch meine schwiegereltern haben dafür den größten respekt.
mein dad war auch so. wurde einmal krank und seitdem nimmt es kein ende mehr - quasi als danke für ein arbeitssams leben:-(
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Darleen17
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Do, 05. Aug 2010, 14:37

116 Jahre?

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