Clotaire
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Dolmetscherin warnt Drogenhändler vor Ermittlern

Do, 15. Jan 2009, 11:02

Dolmetscherin gesteht, Drogenhändler vor Ermittlern gewarnt zu haben

Mimoza M. hat vor dem Landgericht München I sehr lange aus ihrem Leben erzählt, sie hat ausführlich von ihrer Arbeit als Dolmetscherin im Kosovo und in Deutschland berichtet, und sie hat am Ende auch gestanden, was ihr die Staatsanwaltschaft vorwirft: Mimoza M. hat für die Polizei die Telefongespräche einer Gruppe von Heroindealern aus München übersetzt - und im Juni vergangenen Jahres eben diesen Drogenhändlern verraten, dass ihnen die Beamten auf der Spur sind. Nur auf eine Frage konnte oder wollte sie keine Antwort geben: Warum sie die Dealer vor der Polizei gewarnt hat?

Mimoza M. ist 32, hat schwarze Haare und ein blasses Gesicht, angeklagt ist sie wegen Strafvereitlung in sechs Fällen. Sie ist selbst Kosovo-Albanerin und wurde in Kiel geboren. Seit 2002 besitzt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat eine Zeitlang Jura und Germanistik in Pristina studiert und schon 1999 begonnen, als Übersetzerin und Dolmetscherin zu arbeiten. Vom Landgericht Kiel, so erzählt sie, sei sie 2003 beeidigt worden, so dass sie fortan auch vor Gericht oder bei Polizeiverhören übersetzte. Ihre weitere berufliche Karriere ist bewegt: Mimoza M. arbeitet in der Schweiz für ein kosovo-albanisches Frauenmagazin, sie ist in Pristina im Wirtschafts- und Finanzministerium tätig, unterrichtet in dieser Zeit aber auch an einer Sprachenschule für Kinder, später ist sie für die Schweizer Botschaft tätig. Schließlich wird sie von der KFOR, der Nato-Schutztruppe im Kosovo, engagiert: Sie sei, erklärt sie vor Gericht, seit Juli 2006 die Dolmetscherin und damit so etwas wie die rechte Hand des damaligen Nato-Truppenbefehlshabers Roland Kather gewesen.

Im Mai vergangenen Jahres reist sie zum Urlaub nach Deutschland, wo sie mit einem Übersetzer in Kontakt kommt, der für die Polizei tätig ist. Dieser bittet Mimoza M., ihren Urlaub zu verlängern, da er dringend eine Übersetzerin für die kosovo-albanische Sprache brauche. Die Verlängerung wird genehmigt, sie reist nach München und beginnt die Arbeit für die Polizei. M. übersetzt SMS und Gespräche von abgehörten Telefonen. Es handelt sich um die Handys einer Gruppe von Heroindealern aus Albanien, die in München zwischen April und Juli 2008 knapp ein Kilogramm Heroin in München verkaufte.

Nach einem langen Arbeitstag Anfang Juni flaniert Mimoza M. über den Marien- zum Odeonsplatz, wo ein Bundeswehrorchester spielt - und entschließt sich, so berichtet sie, spontan dazu, die Rauschgifthändler zu warnen. Bei den Dealern angelangt, schreibt sie auf albanisch auf einen Zettel: "Tu die Karte raus, denn sie hören euch ab, die Polizei hört euch ab." Sie geht nach Hause und macht am nächsten Tag mit der Arbeit weiter. Nun sind die Leitungen quasi tot, in einem letzten Telefonat, das sie selbst übersetzt, ist von einem Vorfall mit einer Blondine die Rede - gemeint ist Mimoza M. selbst. Kurz darauf steht ein Polizist vor ihr und sagt: "Wir gehen davon aus, dass du es bist." Sie wird festgenommen.

Seit 225 Tagen sitzt die Frau, die selbst nie mit Drogen zu tun hatte und bislang ein unbescholtenes Dasein führte, nun in Untersuchungshaft. Warum sie es getan hat? "Ich weiß es nicht, ich habe weder Geld noch Drogen verlangt, als ich die Männer gewarnt habe", sagt sie. "Es war, als ob jemand gesagt hätte: Du gehst jetzt da hin und machst das." Der Prozess wird fortgesetzt.
http://www.sueddeutsche.de/254382/004/2 ... ch-ab.html
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Do, 15. Jan 2009, 12:33

na was soll ich dazu sagen, ich finde die Hauptverantwortung dafür trägt die Polizei. Es zeugt nicht gerade von professionalität eine Urlauberin, die zwar schon als Dolmetscherin tätig ist, aber sonst nichts mit der Polizeiarbeit zu tun hat, für einen solchen Einsatz, so spontan dazu zu holen. Ein Polizeidolmetscher sollte extra geschult werden, da es ja meistens so ist, dass er seine Landsleute ausspionieren muss so quasi, dass liegt nicht jedem und sollte vorher gut überlegt sein.

Clotaire
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Do, 15. Jan 2009, 12:39

Sie ist durchaus nicht nur eine Urlauberin.
Seit 2002 besitzt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat eine Zeitlang Jura und Germanistik in Pristina studiert und schon 1999 begonnen, als Übersetzerin und Dolmetscherin zu arbeiten. Vom Landgericht Kiel, so erzählt sie, sei sie 2003 beeidigt worden, so dass sie fortan auch vor Gericht oder bei Polizeiverhören übersetzte.
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Do, 15. Jan 2009, 12:45

Clotaire hat geschrieben:Sie ist durchaus nicht nur eine Urlauberin.
Seit 2002 besitzt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist zweisprachig aufgewachsen, hat eine Zeitlang Jura und Germanistik in Pristina studiert und schon 1999 begonnen, als Übersetzerin und Dolmetscherin zu arbeiten. Vom Landgericht Kiel, so erzählt sie, sei sie 2003 beeidigt worden, so dass sie fortan auch vor Gericht oder bei Polizeiverhören übersetzte.
ohaa sorry mein Fehler, hab das offensichtlich überlesen. Gilt Grippe als Entschuldigung? :-) Trotzdem sie hätten sie zuerst besser einschulen müssen auf diesen bestimmten Fall. Also hier werden Polizeiübersetzer von einigen alb. Mitmenschen als Verräter angeschaut und niemand macht das sehr gerne, aber es wurde eine Zeitlang total überbezahlt.

Clotaire
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Do, 15. Jan 2009, 12:52

Estra hat geschrieben:ohaa sorry mein Fehler, hab das offensichtlich überlesen. Gilt Grippe als Entschuldigung? :-)
Aber natürlich doch. :lol:

In wie weit sie auf diesen Einsatz vorbereitet worden ist weiß ich leider nicht und im Artikel ist auch nichts erwähnt. Jedoch ist sie laut dem Artikel 2003 von einem Gericht beeidigt worden und durfte fortan für Gerichte und Polizei dolmetschen.
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Illyrian^Prince
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Do, 15. Jan 2009, 14:32

Zoti e rrujt nga tkqijat ket Goce ;)

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Do, 15. Jan 2009, 17:03

Maaaaan ich könnt echt kotzen!!Sie hat sich den Vorurteilen der Deutschen super angepasst. Eine Beamtin, die gleichzeitig für die Drogendealer arbeitet.

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besimi
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Do, 15. Jan 2009, 19:29

Estra hat geschrieben:na was soll ich dazu sagen, ich finde die Hauptverantwortung dafür trägt die Polizei. Es zeugt nicht gerade von professionalität eine Urlauberin, die zwar schon als Dolmetscherin tätig ist, aber sonst nichts mit der Polizeiarbeit zu tun hat, für einen solchen Einsatz, so spontan dazu zu holen. Ein Polizeidolmetscher sollte extra geschult werden, da es ja meistens so ist, dass er seine Landsleute ausspionieren muss so quasi, dass liegt nicht jedem und sollte vorher gut überlegt sein.
Genau Estra so sehe ich das auch, im nachhinein hat sie vielleicht einen schlechten Gewissen gekreigt und hat die Dealer gewarnt genau aus dem Grund weil sie für sollche Fälle nicht geeignet war.

Apropo Dolmetscher kenne auch eine wahre Geschicht. Mein Kolleg wurde vor zwei Jahren auf der Durchreise in München von der Polizei angehalten und sie haben ihn gefragt ob er Albanisch spricht und er musste ein SMS übersetzten, ich habe gedacht ich spinne als er mir das erzählt hat.
Wenn eine Frau schweigt,sollte man sie nicht unterbrechen.
Rechtschreibfehler absichtlich!

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Do, 15. Jan 2009, 19:57

Illyrian^Prince hat geschrieben:Zoti e rrujt nga tkqijat ket Goce ;)
vete e ka fajin... :lol:

djali i vores
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Sa, 17. Jan 2009, 11:01

Sie hat vielleicht ein fehler gemacht. Sie hat es aber nicht getan weil das kriminelle waren sonder weil es Albaner waren und opwohl sie sie nicht kannte und keinen Profit davon hatte. Ihr Verhalten war zum teil dumm und zum teil patriotisch. Ich hoffe sie bekommt eine milde Strafe.

Clotaire
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Sa, 17. Jan 2009, 11:15

djali i vores hat geschrieben:Sie hat vielleicht ein fehler gemacht. Sie hat es aber nicht getan weil das kriminelle waren sonder weil es Albaner waren und opwohl sie sie nicht kannte und keinen Profit davon hatte. Ihr Verhalten war zum teil dumm und zum teil patriotisch. Ich hoffe sie bekommt eine milde Strafe.
Eine wahre patriotische Heldentat. :roll:
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djali i vores
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Sa, 17. Jan 2009, 11:54

Also ich will jetzt die Dealer nicht verteidigen. Hier hat eine Albanerin ihre Landsmänner gewarnt obwohl sie sie nicht kannte und vieles dadurch riskiert hat. Dies zeigt das Albaner füreinander da sind.

Tomcat
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Sa, 17. Jan 2009, 12:20

djali i vores hat geschrieben: Dies zeigt das Albaner füreinander da sind.
Na klar. Und vor lauter Dankbarkeit und Solidarität wurde die Dolmetscherin ja auch gleich am nächsten Tag von den Dealern so schwer belastet, dass Sie festgenommen wurde und seit ein Paar Monate im Knast sitzt:


Nun sind die Leitungen quasi tot, in einem letzten Telefonat, das sie selbst übersetzt, ist von einem Vorfall mit einer Blondine die Rede - gemeint ist Mimoza M. selbst.

djali i vores
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Sa, 17. Jan 2009, 12:24

Die Dealer haben fahrlässig gehandelt nicht weil sie ihr absichtlich schaden wollen. Das sie dumm sind da kann es keinen Zweifel geben den zwei von ihnen haben ja mit den Drogengeschäften weitergemacht bis sie festgenommen wurden

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Sa, 17. Jan 2009, 12:58

Also bitte, eine Heldentat Dealer (für mich Mörder) nicht zu verraten???
echt nicht!!!
Ich denke eher dass sie Angst bekam, dass man rausfindet, dass sie bei der Polizei arbeitet und hat dann lieber in Kauf genommen mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, als mit den Dealern.
Ps, ich hätte es von Anfang an abgelehnt, Dealer sind für mich das Letzte und die schrecken vor nichts zurück!

djali i vores
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Sa, 17. Jan 2009, 15:09

Das denke ich nicht das sie Angst vor den Dealern hatte. Sie kannten sie doch gar nicht. Sie wussten nichts von ihr und hätten es auch nie erfahren. Sie wäre in wenigen Tagen ins Kosovo zurückgekehrt. Daran hat es mit Sicherheit nicht gelegen. Natürlich sind die Dealer kriminelle die nur an ihrem Profit denken. Aber im Vergleich zu anderen Straftaten wie z.B. Mord geschieht das auf Einverständnis beider Seiten also den Käufern. Den Dealern ist es egal was aus den Kunden wird. Für sie zählt nur das Geld. Wenn die Kunden selber so Dumm sind und sogar Geld dafür bezahlen um ihr Leben wegzuwerfen, wenn ihnen selbst ihr Leben nicht lieb ist kann man von den Dealern nichts erwarten. Mitleid mit den Dealern habe ich nicht wenn sie in Albanien festgenommen werden. Ich schätze aber trotzdem die Tat von dieser albanerin indem sie vieles riskiert hat, die sie für ihre unbekannte Landsmänner getan hat, nicht weil diese kriminelle waren und sie sympathie mit ihren Beruf hatte sondern weil es Albaner waren. Auch der Vater würde sowas in den meisten Fällen für seinen Sohn tun auch wenn er kriminell ist.

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daylight
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Sa, 17. Jan 2009, 15:26

djali i vores hat geschrieben:Ich schätze aber trotzdem die Tat von dieser albanerin indem sie vieles riskiert hat, die sie für ihre unbekannte Landsmänner getan hat, nicht weil diese kriminelle waren und sie sympathie mit ihren Beruf hatte sondern weil es Albaner waren.

du hast ja merkwürdige ansichten :shock:

djali i vores
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Sa, 17. Jan 2009, 15:40

Ok es hängt auch von der Straftat ab die geschieht außerdem hängt es an dem Menschen da jeder unterschiedlich ist. Nehmen wir an eure Kinder klauen irgendwo Geld. Das euch das nicht gefällt was sie tun daran besteht kein zweifel. Aber sind sich alle hier 100% sicher das sie ihre Kinder nicht vor der Polizei decken würden.

Estra
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Sa, 17. Jan 2009, 21:07

tja so verschieden können Ansichten sein. Nein sicher nicht, wenn eins meiner Kinder klaut und ich komm dahinter, dann gehen wir dahin zahlen das Geld retour, es muss sich entschuldigen und die Kosequenzen tragen, ob nun Anzeige erstattet wird oder etwas anders. Ich helfe dem Kind nicht indem ich es decke bei einer Straftat, aber ich helfe dem Kind, indem ich sage wir stehen das zusammen durch.

djali i vores
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Sa, 17. Jan 2009, 21:26

Ja was ist wenn es eine Straftat wäre wo er mit eins bis zwei Jahre Gefängnis rechnen muss. Würdest du seine Mutter ihn tatsächlich ins Gefängnis schicken wo ihn nichts gutes erwartet? Wenn ich ehrlich bin ich weiss nicht wie ich handeln würde.

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