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Lars
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 21:25

Italien erlebt auch eine Rilindja fshatare der Bergdörfer: "dank" der Wirtschaftskrise und den Flüchtlingen.


Die Zweitwohnungen der "Griechen" (in GL wohnhaft, ob ethnische Albaner oder ethnische Griechen) ist überall in Albanien zu erleben - zumindest bis nach Mittelalbanien. Überall bauen sie ihre Heimathäuser aus und investieren zum Teil auch in Geschäfte, Tourismus etc.

Ganz krass fand ich Finiq diesen September: nur noch Alte und eine Handvoll junge Leute - aber eine endlose Reihe verschlossener und verrammelter Häuser, alle top ausgebaut und in bestem Zustand. Schlimmer als ein Walliser Bergdorf im November (ja, auch in der Schweiz haben wir das Problem der verlassenen Bergdörfer und der Zweitwohnungen).


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TiranaAlb
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Re:

Mi, 28. Okt 2015, 21:26

Lars hat geschrieben:Italien erlebt auch eine Rilindja fshatare der Bergdörfer: "dank" der Wirtschaftskrise und den Flüchtlingen.


Die Zweitwohnungen der "Griechen" (in GL wohnhaft, ob ethnische Albaner oder ethnische Griechen) ist überall in Albanien zu erleben - zumindest bis nach Mittelalbanien. Überall bauen sie ihre Heimathäuser aus und investieren zum Teil auch in Geschäfte, Tourismus etc.

Ganz krass fand ich Finiq diesen September: nur noch Alte und eine Handvoll junge Leute - aber eine endlose Reihe verschlossener und verrammelter Häuser, alle top ausgebaut und in bestem Zustand. Schlimmer als ein Walliser Bergdorf im November (ja, auch in der Schweiz haben wir das Problem der verlassenen Bergdörfer und der Zweitwohnungen).


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An der Küste ist es ja so. Das alles bebaut wurde unten und oben die Häuser leer sind im Dorf.

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 21:29

Wie ist es in Finiq meines Wissens ein von Griechen bewohntes Dorf ?

Die Gegend ist voller "Minoritar",

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 21:32

Irini Qiriako welche wunderbar singt ist ja eine Minoritare und dennoch singt sie gerne über Albanien.

volkergrundmann
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 22:03

TiranaAlb hat geschrieben:Wie ist es in Finiq meines Wissens ein von Griechen bewohntes Dorf ?

Die Gegend ist voller "Minoritar",
Finiq weiß ich nicht so genau, aber Mesopotam, nebenan, ist nahezu ein reines Griechendorf. Insgesamt ist mein Eindruck, dass insbesondere viele Dörfer etwas höher an den Hängen der Dropull-Ebene (also Gjirokastra) mehrheitlich von Griechen bewohnt sind (etwa Saraqinisht bei Antigonea). Dort findet man die von Lars beschriebenen Zustände sehr ausgeprägt: Viele Anwesen restauriert, aber Leben herrscht nur im Sommer. Die Leute waren übrigens nicht sehr freundliche Dorfbewohner dort, rechthaberisch und streitsüchtig (wegen des Auto Parkens). Fast hätte ich gedacht, es seien Deutsche.

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 22:11

Die ganze Gegend ist ja auschließlich Griechen. Die nach der Grenzziehung eben in Albanien blieben.

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 22:12

volkergrundmann hat geschrieben:
TiranaAlb hat geschrieben:Wie ist es in Finiq meines Wissens ein von Griechen bewohntes Dorf ?

Die Gegend ist voller "Minoritar",
Finiq weiß ich nicht so genau, aber Mesopotam, nebenan, ist nahezu ein reines Griechendorf. Insgesamt ist mein Eindruck, dass insbesondere viele Dörfer etwas höher an den Hängen der Dropull-Ebene (also Gjirokastra) mehrheitlich von Griechen bewohnt sind (etwa Saraqinisht bei Antigonea). Dort findet man die von Lars beschriebenen Zustände sehr ausgeprägt: Viele Anwesen restauriert, aber Leben herrscht nur im Sommer. Die Leute waren übrigens nicht sehr freundliche Dorfbewohner dort, rechthaberisch und streitsüchtig (wegen des Auto Parkens). Fast hätte ich gedacht, es seien Deutsche.

Saraqinisht ist eines wie ich weiss letztes Albanerdorf bevor alles griechische anfängt.

Sonst gibt es da kaum welche. Sonst wieder Gjirokaster.

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 22:13

Du hast Recht.Habs mit Libohove verwechselt.

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 28. Okt 2015, 22:18

Die letzten Albanerdörfer sind Libohove und Lazarat. Also du hast Recht ;).

Merkt man einfach das dort der Islam ist und unterhalb Lazarat bis Richtung Griechenland alles Christen.

GjergjD
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Gurakuq (Kreis Librazhd)

Mo, 02. Nov 2015, 22:11

Wenn Marin Mema mit seine Reportagen so weiter macht, hat er in ein paar Jahren alle abgelegenen Dörfer besucht. Ob die Zuschauer in Albanien allerdings am Ball bleiben, ist fraglich. Es gibt doch immer wieder die gleichen bekannten Probleme zu vermelden. Es ist auf jedem Fall sehr ambitioniert, so eine Doku für die Orte ohne Zukunft zu schaffen. Und für die Einwohner mag es ein Moment der Hoffnung sein, wenn sich einmal jemand ihrer Sorgen annimmt, auch wenn dies nicht viel bringen mag.
Heute begeben wir uns ins Dorf Gurakuq im Kreis Librazhd, Koordinate 41.291569, 20.186301, das ist hinter Orenje, wo neuerdings eine Unterkunft in einem schönen Gästehaus besteht (Villa Balla, siehe Gästehäuser). Das Dorf sei nur schwer zu erreichen, die Straße endet hier, die Schule ist in ruinösem Zustand, die Gesundheitsstation funktioniert nicht, die Einwohner versuchen, sich mit dem Sammeln von Kastanien über Wasser zu halten. Immer noch besser als die Nachbarorte im Bermudadreieck Martanesh Librazhd, zu denen überhaupt kein Fahrweg führt.
https://youtu.be/xwP3cdxdzXA

volkergrundmann
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mo, 02. Nov 2015, 22:30

So was nennt man zeitgeschichtliche Dokumente generieren. Er hat zwar derzeit finanziell nicht viel davon, am Ende wird er wohl ein zweiter Marubi werden, in hundert Jahren wird es eine Kino-Gedenkmuseum für ihn geben, und seine Filme werden nationales, wenn nicht Welt-Kulturerbe.

GjergjD
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Spinarica

So, 20. Dez 2015, 21:24

In der jüngsten Reportage von Marin Mema geht es um den einstmals bedeutende Handels- und Militärhafen Spinarica an der albanischen Küste.
Es ist nicht geklärt, wo diese Stadt, die 1205 das erste Mal erwähnt wurde, lag, vielleicht an der Mündung der Vjosa.
https://youtu.be/dFBAUcfaQkU

GjergjD
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Allgjata (Großgemeinde Tirana)

Mo, 28. Dez 2015, 22:31

Mema berichtet heute aus dem abgelegenen Dorf Allgjata (Großgemeinde Tirana), nur ca. 15 km vom Zentrum von Tirana entfernt. Die Zufahrt ist schlecht, aber ein Auto hat dort eh kaum einer, Koordinate 41.319452, 19.706641
https://youtu.be/ZOxzOPAVDj4

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Re: Allgjata (Großgemeinde Tirana)

Mo, 28. Dez 2015, 22:50

GjergjD hat geschrieben:Mema berichtet heute aus dem abgelegenen Dorf Allgjata (Großgemeinde Tirana), nur ca. 15 km vom Zentrum von Tirana entfernt. Die Zufahrt ist schlecht, aber ein Auto hat dort eh kaum einer, Koordinate 41.319452, 19.706641
https://youtu.be/ZOxzOPAVDj4
Der Ort gehört zu den Standard-Zielen der Tirana-Hash-Gemeinde. Ich war selber mal mit und fand ihn nicht herausragend schlecht, ganz ähnlich wie etwa Peza. Eigentlich sehen alle Dörfer in Tiranas Umkreis irgendwie so aus: Etwas ärmlich, aber man sieht auch, dass die Einwohner irgendwie ihr Auskommen haben und der Ort nicht entvölkert ist.

TiranaAlb
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Di, 05. Jan 2016, 0:37

Memeliaj. Sieht so richtig kaputt aus.

GjergjD
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Überflutete Dörfer am Stausee von Banja

Fr, 27. Mai 2016, 17:54

Durch den Stausee-Bau von Banja am Devoll bei Gramsh verlieren die Bewohner des Tales ihre Heimat, sie wurden entschädigt und haben ihre Grundstücke verlassen. Nicht so im Dörfchen Driza, dort wollten die Leute ihren Besitz nicht verlassen, man habe ihnen zu wenig zahlen wollen, damit könnten sie sich nichts Neues aufbauen.
https://youtu.be/Imv3nCxUOR8?t=2m8s
https://youtu.be/JHWYWKJyamw
Schon länger hatten die Häuser kein Leitungswasser mehr und es wurden teilweise improvisierte Fähren benutzt.
Auf Luftbildern findet man die Häuser bei 40.928220,20.121990 (auf Google Maps) in 161 Metern über dem Meer, sie werden nach der vollständigen Flutung bis zu 15 Meter unter dem Wasserspiegel liegen.
Heute wurden die Leute zwangsumgesiedelt und die sechs Häuser abgerissen. :? Die Bewohner sollen sich jetzt erst einmal eine Mietwohnung suchen und über die Abfindung wird später verhandelt.
http://infoelbasani.al/2016/05/27/grams ... tin-drize/

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Re: Überflutete Dörfer am Stausee von Banja

So, 29. Mai 2016, 13:04

GjergjD hat geschrieben:Durch den Stausee-Bau von Banja am Devoll bei Gramsh verlieren die Bewohner des Tales ihre Heimat, sie wurden entschädigt und haben ihre Grundstücke verlassen. Nicht so im Dörfchen Driza, dort wollten die Leute ihren Besitz nicht verlassen, man habe ihnen zu wenig zahlen wollen, damit könnten sie sich nichts Neues aufbauen.
https://youtu.be/Imv3nCxUOR8?t=2m8s
https://youtu.be/JHWYWKJyamw
Schon länger hatten die Häuser kein Leitungswasser mehr und es wurden teilweise improvisierte Fähren benutzt.
Auf Luftbildern findet man die Häuser bei 40.928220,20.121990 (auf Google Maps) in 161 Metern über dem Meer, sie werden nach der vollständigen Flutung bis zu 15 Meter unter dem Wasserspiegel liegen.
Heute wurden die Leute zwangsumgesiedelt und die sechs Häuser abgerissen. :? Die Bewohner sollen sich jetzt erst einmal eine Mietwohnung suchen und über die Abfindung wird später verhandelt.
http://infoelbasani.al/2016/05/27/grams ... tin-drize/

Und dann sieht man Menschen welche ihre Mistmusik abspielen und Shqiperia Etnike feiern.

Aber auf sowas eingehen wollen sie nicht - es interessiert sie einfach nicht. Traurig und es ist immer das selbe.

GjergjD
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Re: Kardhiq

Sa, 11. Jun 2016, 22:39

GjergjD hat geschrieben:Das Dorf Kardhiq mit seiner Burg im Kreis Gjirokastra hat eine bewegte Vergangenheit, am 15. März 1812 wurde der Ort mit mehr als tausend Häusern von Ali Pasha zerstört, dabei starben 730 Bewohner! Heute ist der Ort auch weitghend verlassen, wie man auf der Erkundungsfahrt von Marin Mema erfährt. Nur noch zwei Familien leben dort, einer der Bewohner kommt auch zu Wort. Dorfschule, Laden, Kulturhaus und Gesundheitszentrum, alles ist geschlossen, die Bewohner sind nach der Wende abgewandert. Am Ort soll die neue Straße nach Delvina vorbeiführen, aber der Ausbau ist schon seit Jahren eingestellt (ich hatte an anderer Stelle darüber geschrieben). Nach Kardhiq kommt man nur mit einem SUV, der Weg ist schlecht.
https://ssl.panoramio.com/photo/52721546

http://youtu.be/WHpwPdpAnxM
Der Ausflug zur festung und ins Geisterdorf ist nicht schwer, einfach kurz hinter dem Ende der Asphaltstraße parken und hochwandern. Dort ist schon lange kein Auto mehr gefahren, aber 4x4 möglich. Sehr schöne Aussichten und relativ frisches Ruinendorf.

GjergjD
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mo, 10. Dez 2018, 22:09

Leider sind auch Orte im Umfeld der Großstädte nicht vor Leerstand geschützt. Ein Beispiel ist das schöne Narta bei Vlora (passt auf die Liste von Tobi). Von den einstmals 3.000 Bewohnern leben dort noch 300 Menschen, die Alten sind zurückgeblieben um nach dem Rechten zu sehen. 90% der Häuser im Dorf stehen leer. :cry: https://youtu.be/q80agxaP37c

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Lars
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Re: "Geisterstädte" in Albanien

Mi, 12. Dez 2018, 15:31

GjergjD hat geschrieben:Leider sind auch Orte im Umfeld der Großstädte nicht vor Leerstand geschützt. Ein Beispiel ist das schöne Narta bei Vlora (passt auf die Liste von Tobi). Von den einstmals 3.000 Bewohnern leben dort noch 300 Menschen, die Alten sind zurückgeblieben um nach dem Rechten zu sehen. 90% der Häuser im Dorf stehen leer. :cry: https://youtu.be/q80agxaP37c
Der Reiz von Narta hat sich mir noch nicht erschlossen. Eine elendlange, schmale Strasse mit unzähligen Schwellen zwischen hohen Mauern. Im Zentrum, das von der Strsse umfahren wird, hat es vielleicht in noch engeren Gassen ein paar nette Häuser. Aber von "Schönheit" würde ich nicht sprechen.

Narta gilt als nörldlichstes, von Griechen bewohntes Dorf Albaniens. Die sind jetzt halt alle in Griechenland (wie im Film erwähnt) …
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