Der Zauberer aus der Zadrima

Wohl mein aktuelles Lieblingsvideo, da es viel Bewundernswertes vereint:

Kochen – Leidenschaft – Spitzengastronomie – Genuss – ein grosses Diner – Perfektion – albanische Küche – Mut

Es ist eine hohe Kunst und braucht wohl auch einiges an Mut, an einem Gala-Diner während einer royalen Hochzeit für prominente Gäste aus aller Welt eine solch traditionelle Küche aufzutischen. Der Zauberer, Koch Altin Prenga vom Restaurant Mrizi i Zanave, hat die Gäste an der königlichen Hochzeit von Prinz Leka und Elia Zaharia dieses Wochenende in Tirana mit seinen Slow-Food-Köstlichkeiten verwöhnt und gewährt uns einen Blick über seine Schulter bei der Zubereitung der Speisen.

 

Bilder der Hochzeit

Mutter Teresa vereint Albaner und Schweizer 

Ein paar Impressionen von der Eröffnung der Ausstellung über Mutter Teresa im Staatsarchiv Luzern heute Nachmittag. Ein Raum voller Albaner und Schweizer.

Die Ausstellung vermittelt einen Überblick vom Leben der albanischen Ordensgründerin, Friedensnobelpreisträgerin und Heiligen und zeigt Dokumente, die ihre Beziehungen zur Schweiz dokumentieren, aus dem Staatsarchiv Luzern und anderen Sammlungen.

Schluss. Ende. Aus!

Strand in Saranda Ende August

Strand in Saranda Ende August

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die albanische Küsten anfangs September wandeln. Wo noch vor wenigen sich die Touristen tummelten, herrscht nun gähnende Leere. Kaum ein Mensch mehr am langen Strand. Die meisten Sonnenliegen, die vor kurzer Zeit sich eng aneinander reihten, sind bereits von den Besitzern  verträumt. Und sogar die Regale in manchem Minimarket stehen so leer wie die meisten Hotelzimmer.

Obwohl die Temperaturen noch angenehm warm sind und das Meer noch lange nicht abgekühlt hat, stellt sich das albanische Gastgewerbe bereits auf Winter ein. Die offizielle Badesaison (»sezoni turistik«) ist vorbei, die albanischen Gäste abgereist.

Weggeräumte Sonnenschirme in Dhërmi Ende August

Weggeräumte Sonnenschirme in Dhërmi Ende August

Nur ein paar wenige Ausländer sind noch anzutreffen: ein paar osteuropäische Abenteurer, ein paar westeuropäische Wohnmobile, die letzten Kosovaren, einige Backpacker in Saranda. Die ausgestorbenen Küstenorte müssen ihnen dabei fast wie gruselige Ghost Towns vorkommen: Vielen Läden geschlossen, die meisten Wohnungen  verbarrikadiert, die Strände nicht mehr gepflegt, Sehenswürdigkeiten verschlossen.

Dass die Hochsaison an der albanischen Küste nur wenige Wochen dauert von Mitte Juli bis Ende August ist Ausdruck der einseitigen Fokussierung auf einheimische Gäste sowie Albaner in den Nachbarländern und in der Diaspora. Albaner machen nur im Hochsommer Urlaub – in dieser kurzen Zeit muss Kasse gemacht werden. Entsprechend überteuert ist das Angebot vielerorts.

Nur an wenigen Orten mit mehr Ausländern wie Saranda oder einige Campingplätze herrscht auch ausserhalb der Hochsaison noch etwas Betrieb. Wer sein Haus mit nicht-albanischen Touristen füllt, hat über eine längere Zeit ein Einkommen.

Letzte Gäste in Shëndgjin im September

Letzte Gäste in Shëngjin im September

Zwar wird Albanien in West- und Osteuropa immer beliebter als Reisedestination. An der Küste hat dies aber noch kaum zu einem Wandel geführt. Dabei hätte das Land viel touristisches Potential – gerade auch in Kombination von Badeurlaub mit Aktivferien in den Bergen oder kulturellen Touren zu den historisch bedeutsamen Stätten und Städten.

Und so stapeln sich die Liegestühle bereits im September wieder in den Lagern und warten auch die verträumten Sonnenschirme auf die nächste Saison und träumt der unterbeschäftigte Kellner vom kommenden Sommer.

 

Hartes albanisches Sportlerleben (Rio 2016)

Poster des Nationalen Olympischen Komitees von Albanien

Poster des Nationalen Olympischen Komitees von Albanien

Diese Nacht wurden in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele 2016 eröffnet. Klein war das Grüppchen, das hinter der albanischen Fahne ins Stadion einlief – mit nur sechs Sportlern so klein wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dafür konnten zum ersten Mal Sportler aus Kosova an Olympischen Spielen teilnehmen. Mit acht Sportlern war diese Delegation sogar etwas grösser.

Dass nur sehr wenige albanische Sportler in der Weltelite mitkämpfen, liegt insbesondere an den schwierigen Bedingungen, die sie in ihrer Heimat antreffen. Sportförderung konzentriert sich fast ausschliesslich auf Fussball …

Die meisten Albaner sind nur dabei, weil sie eine Einladung erhalten haben; eine Gewichtheberin profitierte nachträglich vom Ausschluss der Russen. Beispielhaft ist die Geschichte der Schwimmerin Rita Zeqiri aus Prishtina. In ganz Kosova gibt es kein Schwimmbecken mit olympischen Massen. Lange Jahre musste sie zum Trainieren nach Skopje fahren, bis ihr Vater ein Hallenbad bauen liess. Chancen auf Medallien rechnet sich Zeqiri natürlich nicht aus, wie sie gegenüber der  Zeitung »Zeit« erklärte – dabei zu sein ist alles.

Aber auch die Profis, die durchaus um eine Medallie mitkämpfen können, haben es nicht einfach. Luiza Gega, die an den Europameisterschaften in Amsterdam vor einem Monat Silber holte beim Steeple-Lauf, findet in der albanischen Hauptstadt Tirana keine geeignete Trainigsmöglichkeit: Seitdem das Qemal-Stafa-Stadion abgebrochen worden ist, muss Gega im Park der Stadt trainieren, weil es in ganz Albanien nur noch in Elbasan und Korça Tartanbahnen gibt.

Szenen aus der Eröffnungszeremonie

Szenen aus der Eröffnungszeremonie

Am meisten Hoffnung auf Gold kann sich Majlinda Kelmendi ausrechnen. Die Judo-Weltmeisterin ist 2012 in London noch für Albanien gestartet – jetzt darf sie Kosova vertreten. Vielleicht gelingt ihr die Sensation, als erste Albanerin eine Medallie an Olympischen Spielen zu gewinnen.

Weitere Albaner treten heute für Länder an, wo sie bessere Trainingsmöglichkeiten vorfinden. Die Sportschützin Enkeleda Shehaj war 1996 noch im albanischen Team, 20 Jahre später vertritt sie jetzt die USA. Zwei albanische Ringer kämpfen in Rio für Australien respektive Bulgarien. Pensionierte Gewichtheber und Leichtathleten waren nach Griechenland abgewandert.

Die traditionell erfolgreichen Gewichtheber aus Albanien sind dieses Mal stark untervertreten. Nur zwei reisten nach Rio, da mehrere Spitzensportler wegen Doping gesperrt worden sind. Im Gewichtheben stand Albanien an den Olympischen Spielen 1972 in München kurz vor einem Erfolg: Ymer Pampuri gewann den ersten Wettkampf im Drücken. Zu seiner Überraschung kamen dann aber noch Durchgänge im Stossen und Reissen, was in Albanien nicht trainiert wurde, weshalb er auf den neunten Gesamtrang zurückfiel.

Allen albanischen Teilnehmern in Rio wünschen wir tolle Erlebnisse und viel Erfolg:

  • Gewichtheben: Briken Calja & Evagjelia Veli (beide Albanien)
  • Judo: Majlinda Kelmendi (Fahnenträgerin) & Nora Gjakova (beide Kosova)
  • Leichtathletik: Vijona Kryeziu (400 Meter, Kosova), Musa Hajdari (800 Meter, Kosova), Luiza Gega (1500 Meter, Fahnenträgerin Albanien), Izmir Smaijlaj (Weitsprung, Albanien)
  • Rad: Qëndrim Guri (Kosova)
  • Schiessen: Urata Rama (Kosova)
  • Schwimmen: Sidni Hoxha (50 Meter Freistil, Albanien), Lum Zhaveli (50 Meter Freistil, Kosova), Nikol Merizaj (100 Meter Freistil, Albanien), Rita Zeqiri (100 Meter Rücken, Kosova)


Das Freundschaftsspiel

Xhaka-Fan

Das EM-Spiel zwischen Albanien und der Schweiz am letzten Samstag wird in Erinnerung bleiben: als sehr emotionale Begegnung, als Brüderduell, als erstes Spiel Albaniens an einem Endrundenturnier. Es war aber auch ein Spiel der Freundschaft – nicht wirklich ein Freundschaftsspiel, aber ein Spiel der freundschaftlichen Begegnungen. Trotz der schwachen Leistung der Schweizer, trotz der unglücklichen Niederlage der Albaner war es eine »Begegnung«, wie man sie sich als Fussballfest wünscht.

Auf beiden Seiten spielten zahlreiche Schweiz-Albaner – sehr viele Spieler kennen sich gut. Man sprach auch vom Spiel »Kosova 1« gegen »Kosova 2«. So folgte auf die Hymnen nicht das übliche Abklatschen pro forma, sondern herzliche Handshakes. Während des Spiels wurde dem Gegner zwar nichts geschenkt, aber nach dem Schlusspfiff gab es wieder respektvolle Aufmunterungen und Umarmungen.

2 Herzen in einer Brust

Zwei Herzen in einer Brust

Die Fairness wurde aber nicht nur auf dem Spielfeld gelebt. Auch auf den Rängen, auf den Strassen und in den Public Viewings von Frankreich über die Schweiz und Prishtina bis Tirana gab es keine Gehässigkeiten. Keine Szenen wie in Marseille oder Nizza, wo sich die – angeblichen – Fans prügelten. Wie auf den Platz, wo mehr mit- als gegeneinander gespielt wurde, liessen sich die albanischen Fans die Laune von der Niederlage nicht verderben. Auch wenn der Schmerz und die Enttäuschung vieler Albaner gross war: Es wurde weiter gefeiert, zur Not halt mit den Schweizern.

Die Stimmung blieb überall entspannt – wie in Zürich, wo an der Langstrasse ein Polizeiauto mit Albanienflagge gesichtet wurde. Schweizer und Albaner begegneten sich auf der Strasse und diskutierten sachlich den Spielverlauf. Gründe für dieses friedliche Fest mag es viele geben: Manche sehen darin die zwischenzeitlich doch sehr gelungene Integration der Albaner. Vielleicht fehlt unter den Albanern auch eine Hooligan-Kultur. Oder es lag am frühen Start des Spiels am Nachmittag oder am geringen Alkoholkonsum der muslimischen Fans. Und vielleicht liegt es auch daran, dass nicht nur Mutter-Xhaka, sondern auch viele andere zwei Herzen in der Brust haben. Anderswo war von Trotz die Rede – man wollte sich die Freude über die EM-Teilnahme nicht verderben lassen.

Albanien-Fans in Zürich

Albanien-Fans in Zürich

 

Auf dem Lastwagen

Vor Kurzem war ich mit 200 anderen Freiwilligen aus Tirana unterwegs, um im Lura-Nationalpark Bäume zu pflanzen. Aufgrund der schlechten Strassen waren wir innerhalb des Nationalparks auf 4×4-Fahrzeuge angewiesen – die meisten landeten aber auf einem alten Mercedes-Lastwagen.

Lastwagen waren früher in ländlichen Gebieten Albaniens das verbreitetste Fortbewegungsmittel. Unvergessen ist die Szene aus Gianni Amelios Film »Lamerica«, als ein Lastwagen vollbeladen mit italienische Canzoni singenden Albanern im Bild auftaucht.

Gesungen wurde auch bei uns auf dem Lastwagen, als wir unterwegs zu den in der Höhe gelegenen Bergseen waren.

 

Die Ironie der Geschichte: Während wir unterwegs waren, um Bäume zu pflanzen, wurden wohl früher mit diesem Lastwagen gefällte Bäume ins Tal gebracht. Aber immerhin stecken jetzt 500 kleine Bäumchen mehr in der kahlen Erde rund um die Lura-Seen – eine grossartige Landschaft, wenn man über den Makel weitflächig fehlender Vegetation hinwegschaut.

Alle Fotos

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25 Jahre Demokratie – eine schwierige Reise

Heute vor 25 Jahren fanden in Albanien die ersten Mehrparteien-Wahlen statt. Das Land hatte sich auf den Weg hinaus aus der kommunistischen Diktatur zu einem demokratischen System begeben – eine holprige und lange Reise, wie sich zeigen sollte.

Erste Wahlen vor 25 Jahren

Sali Berisha an einer Wahlveranstaltung 1991 in Kavaja

Sali Berisha an einer Wahlveranstaltung 1991 in Kavaja

Schon die ersten Wahlen am 31. März 1991 waren alles andere als reibungslos: Die neuen Parteien waren deutlich benachteiligt. Der Sieg ging nochmals an die Kommunisten. Die neuen Kräfte hatten die Bevölkerung auf dem Land nicht überzeugen können. Den Demokraten wurde die Schuld gegeben für die gewaltsamen Proteste im ganzen Land, und die Bauern befürchteten, dass die Grossgrundbesitzer von früher wieder ihre Ländereien zurückerhalten würden. In den Städten gewann aber die »Demokratische Partei«, der für den landesweiten Wahlkampf nur sechs Fahrzeuge zur Verfügung gestanden waren. Trotz der Niederlage sollte vor allem Sali Berisha profitieren, der die Gunst der Stunde geschickt zu nutzen wusste. Der abtrünnige Kommunist und Kardiologe, ehemals Arzt von Enver Hoxha, war neben den streikenden Studenten die treibende Kraft der Demokratiebewegung. Er hatte die Zeichen der Zeit erkannt und mutige Schritte gegen das alte System gewagt.

Auch die Kommunisten hatten begriffen, dass sich im heruntergewirtschafteten Land etwas ändern muss. Und obwohl sie im neu gewählten Mehrparteienparlament die Mehrheit hatten, konnten sie den Lauf der Dinge nicht wirklich in ihrem Sinne steuern. Das Parlament blieb ohne Einfluss, die neuen Kräfte mussten eingebunden werden, und die Regierung konnte sich nicht lange halten. Denn die Massenproteste im ganzen Land dauerten an und immer mehr Albaner verliessen ihre Heimat, suchten Zuflucht im Westen oder im benachbarten Griechenland. Die Menschen hungerten, die Wirtschaft lag darnieder.

Langsamer Aufbau einer Demokratie

1990er Jahre in Albanien: Postauto überholt Pferdewagen – wohin geht die Reise

1990er Jahre in Albanien: Postauto überholt Pferdewagen – wohin geht die Reise

Als es 1992 zu Neuwahlen kam, gelangten die Demokraten unter Berishas Führung an die Macht. Mit viel westlicher Hilfe stabilisierten sich die Verhältnisse allmählich – aber nicht für lange. Berishas Demokratieverständnis war noch nicht allzu weit ausgereift: Die Justiz wurde beeinflusst, unabhängige Medien hatten es schwer, Wahlen wurden gefälscht. Im korrupten Umfeld konnte sich auch eine betrügerische Energie entwickeln, die 1997 zum Zusammenbruch des Staatswesens führte: Pyramidenfirmen versprachen irrealistische Zinsen, und als das System kollabierte und grosse Teile der Bevölkerung ihr ganzes Geld verloren, richtete sich der Volkszorn gegen die Regierung und den Staat. Erneut wurde zerstört, gekämpft, gemordet. Nur dank ausländischen Truppen gelang es, die Ordnung einigermassen wiederherzustellen. Eine weitere Regierung musste im Chaos abdanken, einen Scherbenhaufen zurücklassend.

Kleine Schritte vor und zurück

Seit 1997 hat sich Albanien komplett verändert. Es wurde viel erreicht, auch wenn die einzelnen Schritte oft bescheiden sind. Kaum ein Stein steht mehr am gleichen Ort. Man muss deshalb aufpassen, dass man über all die prächtigen Neubauten, aufgeräumten Innenstädte und glitzernden Reklameschilder nicht die Realität hinter der Fassade vergisst: Weder die Wirtschaft noch die Politik sind wirklich stabil.

Der Entwicklungsprozess des Landes war immer wieder von herben Rückschlägen geprägt. Noch immer ist die Korruption ein allgegenwärtiges Übel – kein Wunder in einem Land, das dermassen arm ist, dass auch Menschen mit Arbeit oft noch ums Überleben kämpfen müssen. Am traurigsten ist aber die Unfähigkeit der Politiker, sich in einem sachlichen Dialog den Problemen des Landes anzunehmen. Es wird nicht diskutiert, sondern nur die Gegenpartei mit Vorwürfen überschüttet. Die fehlende politische Kultur resultiert in schädlicher Kompromisslosigkeit und persönlichen Gehässigkeiten; der Staat wird noch immer oft als Mittel zur ungerechtfertigten Bereicherung angesehen, von der Dank Ämterpatronage auch der Familienclan und Parteigänger profitieren. Politische Blockaden bremsen immer wieder die Entwicklung. Einigung wird meist nur durch Vermittlung ausländischer Diplomaten gefunden. Der Weg der Demokratisierung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Enttäuschte Hoffnungen

Als die Menschen vor 25 Jahren zur Urne ging, hofften sie, in kürzester Zeit im Wohlstand und stabilen Verhältnissen zu leben. Die Versprechungen der Parteien waren schon damals gross – und noch heute ist nicht alles erreicht. Die Transformation eines ehemals kommunistischen Landes ist ein langwieriger und komplexer Prozess.

Viele Menschen sind enttäuscht, dass nicht mehr erreicht worden ist. Aber auch eine Generation später hört man immer noch den Vorwurf, dass der Staat zu wenig für die Menschen tue. Für alles wird den Politikern die Schuld gegeben. Dabei muss zuerst ein jeder selbst die Verantwortung übernehmen für korrekte Verhältnisse in seinem Umfeld.

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