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Artikel-Schlagworte: „Entwicklung“

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Samstag, 17. November 2012

Immer wieder muss ich mich entschuldigen, wenn ich in Albanien unterwegs bin, weil ich ständig erzähle, was sich hier gerade alles verändert hat im Vergleich zu früher. Das ständige Vergleichen mag vielleicht manchen Zuhörer nerven, aber andererseits ist die rasante Entwicklung schon immer wieder faszinierend. Nicht jede Veränderung der letzten 20 Jahre war positiv, was wohl auch nicht zu vermeiden ist, wenn diese so schnell von statten gehen.

Wo heute ganze Hochhausquartiere stehen, gab es früher nur Buschland. Wo man früher über ein löchriges Strässchen holperte, gibt es heute breite Asphaltpisten. In früher kaum erschlossenen Tälern rast man heute über breite Autobahnen. Verstopfte Kreuzungen wurden durch sechsspurige Überführungen entschärft. Hotelburgen ziehen sich fast lückenlos Stränden entlang, wo früher nur Pinienbäume zum Himmel strebten. Abgelegene Dörfer ohne Infrastruktur haben heute eine Zufahrtsstrasse, Läden und Bars – aber vielleicht nur noch eine zerfallene Schule und sicher keine Krankentstation mehr. Auch Müllhalden in der Landschaft sind Zeugen eines veränderten Lebensstils. Und in manchem Viertel mit alten Häusern finden sich fast nur noch Hochhäuser.

Auch auf dieser Website hatte ich schon die alten Zeiten wieder aufleben lassen, wie mit Luftaufnahmen von 1995 oder mit einem Fotovergleich aus Tirana.

Ich scheine aber nicht der einzige zu sein, der von den sich ändernden Dingen in Albanien beeindruckt ist. So stellte der Albanienreisende Klaus Wehr ein Büchlein zusammen mit Fotovergleichen von 1996 und 2006. Bei einer seiner Besuche in Albanien ist er an Orte zurückgekehrt, wo er 1996 Fotos geschossen hat. Aufnahmen von Alt und Neu stehen im Buch nebeneinander. Die Unterschiede sind zum Teil unterhaltsam, zum Teil ermutigend, manchmal auch schockierend: »Bilder aus Albanien: 1996 und 2006«

In zwei weiteren Büchlein berichtet er von früheren Reisen durchs Land, so von schönen Erlebnissen auf einer Wanderung von Durrës an die griechische Grenze im Südosten im Jahr 1996: »Zu Fuß in Albanien: 1996«

»Was das reiche Deutschland von Albanien lernen kann«

Samstag, 12. Mai 2012

Mal wieder etwas Beifang aus dem Internet. Ulrike Ruppel berichtet in der Berliner Zeitung über ihre Gedanken nach einer Albanienreise:

>> »Was das reiche Deutschland von Albanien lernen kann«

Zuerst Asphalt, dann das World Wide Web

Dienstag, 3. August 2010

Strassen, die die Welt bedeuten …

Heute morgen am Radio diskutierten sie darüber, wie die Welt in zehn Jahren aussehen könnte. Ich habe mir da überlegt, wie die Welt vor zehn Jahren ausgesehen hat – wie Albanien vor zehn Jahren ausgesehen hat – wie Albanien in zehn Jahren aussehen könnte. Mein Bild von der albanischen Zukunft möchte ich euch ersparen. Aber bei diesen Gedankenspielen ist mir aufgefallen, dass sich auch aktuell in Albanien einiges ändert.

Strassen, die die Welt bedeuten – die neu asphaltierten Strassen führen in Albanien zu tiefgreifenden Veränderungen. Zwar dauert es meist einige Jahre länger als versprochen, bis die zuvor erbärmlichen Feldwege, die bis anhin die einzige Verbindung mit dem Rest der Welt darstellten, nach und nach asphaltiert werden. Wenn es dann aber so weit ist und neue ländliche Gebiete plötzlich erreichbar sind, verändert sich das Leben dort rasch. Es werden neue Häuser gebaut, es entstehen neue Geschäfte und es gibt neues Leben.

Schön beobachten konnte ich das in den letzten Jahren in den Albanischen Alpen. Als ich dort vor ein paar Jahren zum ersten Mal unterwegs war, war Reisen eine mühsame Sache. Zwar kam ab und zu ein Bus vorbei, aber man reduzierte die Fahrten auf das notwendige Minimum. Entsprechend dürftig war zum Beispiel auch das Warenangebot.
Seitdem aber mehr und mehr Kilometer Strasse asphaltiert sind, verändert sich  auch das Dorfleben in den Bergen rasant. Nicht nur ist die Aussenwelt schneller erreichbar und man fährt mal schnell irgendwo hin. Nein, auch die Aussenwelt kommt einfacher in die Berge: Touristen sind unterwegs, aber auch Albaner auf Ausflügen. Überall wird gebaut, das Angebot in den Kneipen, die meist auch als Kleinstladen dienen, steigt. Und viele Waren werden auf den immer häufigeren Reisen aus der Stadt mitgebracht.

Noch vor vier Jahren gab es in den Bergen kaum Mobiltelefone. Es gab keinen Empfang – zumindest nicht ohne weitere technische Hilfsmittel. Zwischenzeitlich wurden neue Antennen errichtet und auch das Festnetz erreicht allmählich die Berge. Und so kam es, dass ich vor ein paar Wochen die ersten Bekannten aus den Bergen auf Facebook traf. Nein, nicht solche, die in Shkodra in einem Internetcafé sitzen. Jetzt gibt es tatsächlich auch Internet in den abgelegenen Bergdörfern.

Bald wird also auch das ländliche Albanien teil der virtuellen Welt sein – das World Wide Web wird dann auch in den albanischen Bergne zum Alltag gehören.

Die Strassen haben aber auch ihre ganz handfesten Nachteile: Der frische Asphalt verleitet zu schnellem Fahren, was so manchen zusätzlichen Unfall zur Folge hatte. Und den Holzfällern wird das illegale Zerstören der Bergwäldern noch einfacher gemacht.

Luxus macht sich breit

Sonntag, 2. Mai 2010

Geld auszugeben ist selten ein Problem. Etwas anspruchsvoller stellt man sich dies vielleicht in Albanien vor. Schwer getäuscht! Dass es in Albanien viele Reiche gibt, wurde ja immer schon vermutet – allein schon wegen der Dichte von Luxuskarossen. Woher das Geld kommt, will man oft lieber nicht wissen. Wo es landen soll, wird jetzt immer klarer.

Zahlreiche neue Einkaufstempel in und um Tirana mit Läden internationaler Marken und kleine Boutiquen, die Armani-Pullover für € 200 verkaufen, lassen den Kapitalismus hochleben: Für Geld ist alles zu kriegen. Früher beschränkte sich das Luxussegment auf ein paar wenige Hotels, die Zimmer zu europäischen Standardpreisen boten und mit überteuerten Läden und Restaurants ihre Gäste in eine fremde Welt entführten. Mittlerweile macht sich diese fremde Welt in Albanien langsam breit.

Und nicht nur für italienische Mode wird Geld ausgegeben. Auch andere Industrien steuern gezielt die Reichen Albaniens an. »Lufthansa City Center« möchte seine Dienstleistungen im Luxus-Segment ausbauen, wie das Reisebüro der Lufthanasa letzthin bekannt gab. Als einer von vier ausländischen, über den ganzen Globus verstreuten Standorten, wo LCC dies umzustzen plant, wurde Tirana genannt.

Ob diese Rechnung aufgehen wird, wird sich zeigen müssen. Denn auch Albanien leidet unter der Wirtschaftskrise. Die Gastarbeiter im Ausland senden viel weniger Geld in die Heimat. Abgesehen von den angesagtesten, hipsten Lokalitäten bleibt denn auch vieles bedenklich leer. Das Luxusrestaurant im 21. Stockwerk wird nur von ein paar herumstehenden Kellnern bevölkert. Die Verkäuferinnen in den Boutiquen telefonieren vor Langeweile oder spielen Karten am Computer. Und bei der grossen Mall weit draussen vor der Stadt ist vor allem die Auswahl an freien Parkplätzen grenzenlos.

Massig deutsche Hilfe

Donnerstag, 15. April 2010

Mir ist zufällig ein Artikel von Cafébabel vom letzten Sommer wieder in die Finger gekommen. Dort steht, dass Deutschland in den letzten 20 Jahren mehr als € 800 Millionen in die Entwicklungszusammenarbeit für Albanien gesteckt hätte. Das sei – pro Kopf im Empfängerland – mehr als für sonst ein Land auf der Welt. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Jedenfalls hat Albanien sicherlich viel Entwicklungshilfe erhalten – nicht nur aus Deutschland. Und das Land hat sich auch rasant entwickelt und verändert. Leider nicht immer zum Guten. Das Bruttoinlandprodukt sei jedenfalls von US$ 654 im Jahr 1990 auf über US$ 4000 gestiegen, schreibt Cafébabel. Und während damals praktisch noch jeder in Albanien ums Überleben, ums tägliche Brot und Heizmittel kämpfen musste, gelten heute nur noch rund ein Achtel der Bevölkerung als arm, schreibt die Weltbank. Aber vor allem in den ländlichen Gebieten und in den Bergen ist die Armut noch viel grösser als im Wirtschaftszentrum Tirana.

Der Streit um das Ding in der Mitte

Dienstag, 6. April 2010

Tiranas zentraler Platz, der den Namen des Nationalhelden Skanderbeg trägt, müsste den Eindruck erwecken, die Zentrale der Macht in Albanien zu sein: Mitten in Tirana, umgeben von Ministerien und anderen Prunkbauten, im Herzen der albanischen Wirtschaftsmetropole, der Hauptstadt und des kulturellen Zentrums des Landes.

Alles andere als diesen Eindruck erlangte, wer in den letzten Jahren auf dem Skanderbeg-Platz stand oder mit dem Auto darüber fuhr. Während ganz Tirana in neuem Glanz erstrahlte – nicht nur die Hauptstrassen wurden neu asphaltiert, sondern auch Häuser, Parks, Gehsteige und Plätze erhielten ein frisches Gesicht –, nahm die Qualität des Strassenbelags auf dem Skanderbegplatz laufend ab. Die Fahrt über den Platz ist ein grauenhaftes Geholpere und auch sonst strahlt der Platz wenig Pomp aus.

Der Grund für die Stagnation liegt einerseits in Plänen der sozialistischen Stadtverwaltung Tiranas, die Innenstadt von Tirana komplett umzugestalten, andererseits in den politischen Verhältnissen im Land. Denn die Regierung Albaniens von der konkurrierenden Demokratischen Partei möchte sich selber ein Denkmal setzen und verhindert, dass die Stadtverwaltung mit den Bauarbeiten beginnen kann. Edi Rama – Bürgermeister von Tirana und ehemaliger Künstler – plant nicht nur die Erneuerung des Skanderbegplatzs, sondern möchte auch die nähere Umgebung mit diversen schlecht genutzten Flächen miteinbeziehen und dem Platz durch diverse hohe Bauten im Hintergrund mehr Würde verleihen.

Nach langem Zuwarten hat die Stadtverwaltung jetzt mit den Bauarbeiten begonnen (Bilder auf Facebook von Alket Islami). Die Landesregierung hat dagegen sofort Einspruch erhoben und die Stadt Tirana gebüsst: 2 Millionen Lek – rund 20’000 Franken – soll die Stadt bezahlen, weil keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege.

Ohne Worte: Golem & Vora 1995

Sonntag, 28. März 2010

Habe gerade in alten Alben geblättert und dabei eine Seite mit zwei Luftaufnahmen gefunden, die ich im April 1995 aufgenommen hatte.

Das erste Foto zeigt den Strand von Golem – das Südenede der Bucht von Durrës – und Kavaja im Hintergrund. Das zweite ist eine Luftaufnahme von Vora zwischen Tirana und Durrës bevor die Autobahn gebaut worden war (Pläne gab es schon damals).

Ganz ohne Worte kann ich das nicht stehen lassen – ein kurzer Kommentar für all diejenigen, die die Gegend nicht kennen: Das war, bevor der grosse Bauboom angefangen hat.

Bild: Dropull

Dienstag, 27. Oktober 2009

Fortsetzung unserer Serie »Bilderbeschreibung«
Dieses Bild ist für mich das »typische Albanien«: Berge, schönes Wetter, etwas apere Vegetation, eine eher schlechte Strasse, die von einer Herde Schafe gekreuzt wird. Natürlich darf auch der obligate Bunker nicht fehlen. Aufgenommen wurde dieser Schnappschuss ganz im Süden Albaniens auf dem Weg nach Labova e kryqit.

Homepage Gjirokastra Schafe

Strasse in Dropull

Angesichts der schnellen Veränderungen in Albanien stellt sich die Frage, wie lange solche Bilder noch zum albanischen Alltag gehören werden. Wie lange wird es noch Hirten geben, die mit ihren Herden durchs ganze Land ziehen? Wie lange wird es dauern, bis die Strasse nach Labova e kryqit und ähnliche Landstrassen asphaltiert sein werden? (Wegen der schönen Kirche von Labova hoffentlich nicht mehr allzu lange.) Wann werden Bunker nur noch in Museen zu sehen sein?

Aktuell scheint sich Albanien noch schneller als früher zu entwickeln. Strassen werden auch in abgelegenen Gegenden asphaltiert, was zuvor kaum erreichbare Dörfer zugänglich macht. Mit der Strasse kommen weitere Projekte und Güter und Leute aus den Städten. War es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zuerst vor allem Tirana, das sich veränderte, gefolgt von einigen anderen Städten in Mittelalbanien und allmählich im ganzen Land, sind es jetzt die Dörfer, die mit beängstigender Geschwindigkeit sich zu wandeln beginnen. Zuerst war diese Entwicklung vor allem entlang der Küste und in einigen anderen touristisch interessanten Gegenden festzustellen. Sie wird sich aber sicherlich noch mehr ausbreiten.

Beängstigend, weil in Albanien mit der Erschliessung oft auch Unschönes einhergeht. Es entstehen hässliche Bauten, der Müll breitet sich immer weiter aus, die Natur leidet unter dem Druck der Menschen wie zum Beispiel Holzfällern, die immer weiter vordringen.

Wenig verängstigt waren übrigens die Schafe. In einem nicht enden wollenden Zug kreuzten sie ganz gemächlich vor unserem Auto die Strasse. Nur wenn ich Gas gab, um eine Lücke zum Weiterfahren nutzen zu können, beeilten sich auch die Schafe, die Lücke möglichst schnell wieder zu schliessen.