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Archiv für März 2011

1 Pyramide weniger

Samstag, 26. März 2011

Das Kommen und Gehen von Pyramiden hat schon wiederholt die albanische Geschichte geprägt. Mitte der 1990er Jahre kamen die Pyramidensysteme – Schneeballsysteme, die Verderben über Albanien gebracht, das Land ins Chaos geführt und die Ersparnisse fast der ganzen Bevölkerung in Luft auflösten.

Der, der damals Präsident im Lande war und dem vorgewurfen wurde, zu wenig gegen die Pyramiden gemacht zu haben, unterstützt jetzt das Verschwinden einer anderen Pyramide: Mitten in Tirana steht noch heute das Enver-Hoxha-Museum. Der Bau, der anfangs der 1990er Jahre mal irgendeinen anderen Namen erhalten hat, als ihm auch die Funktion eines Museums entzogen wurde, wird von allen nur Piramida genannt. Er beherbergte die eine oder andere Messe und diente auch als Disco und Bar. Seit ein paar Jahren steht der Bau aber vor allem leer.

Jetzt soll die Piramida verschwinden. Dass dieses Symbol des kommunistischen Terrorregimes verschwinden soll, überrascht eigentlich nicht – überraschend ist eher, dass es sich zusammen mit der ehemaligen ungenutzten Hoxha-Villa im Blloku überhaupt während 20 Jahren Demokratie erhalten konnte. Ersetzt werden soll es durch ein Symbol der neuen Herrschaft. An seiner Stelle wird jetzt ein neues Parlament geplant.

»Das Design soll >demokratische Werte wie Offenheit, Transparenz und öffentliche Mitbestimmung< verbinden,« erklärt der österreichische Architekt Wolf D. Prix, der mit seinem Architekturbüro »Coop Himmelblau« den Wettbwerb für den Neubau gewonnen hat, gegenüber der Wiener Zeitung »Der Standard«. Wie die albanische Variante von Offenheit, Transparenz und Mitbestimmung in dreidimensionale Formen gepresst aussehen wird, lässt uns mit grosser Spannung dessen Vollendung erwarten.

Auf wenig Zustimmung trifft das Projekt bei der Opposition, die sich vor allem über die hohen Kosten von mehreren Hundert Millionen Euro beklagt und vielleicht auch ein wenig der alten Piramida nachtrauert.

Jury bei der Vorstellung der Projekte des Architekturwettbewerbs

Die Jury bei der Vorstellung der Projekte des Architekturwettbewerbs

 

Liebe Mutter

Sonntag, 13. März 2011

Mitunter sammle ich ja auch alte Ansichtskarten aus Albanien. Diese Postkarten sind nicht nur Zeitzeugen, die uns Einblick in den albanischen Alltag von damals geben, sondern oftmals findet sich auch ein interessanter Text, der ebenfalls einiges über die damaligen Verhältnisse zu vermitteln mag.

Diese Karte wurde im Mai 1938 von Shkodra nach Meiningen im Süden Thüringens verschickt. Das Motiv zeigt die Berge bei Theth. Anscheinend war der damals noch kaum zugängliche Ort – der erste Fahrweg wurde erst zwei Jahre zuvor fertiggestellt – schon berühmt für seine schöne Landschaft. Die vorderseitige Beschriftung ist auf Französisch, was nicht gerade alltäglich war für Albanien zu dieser Zeit. Auf der Rückseite finden wir eine Briefmarke mit dem Kopf des Königs Ahmet Zogu – seine Tage sollten gezählt sein – und den folgenden Text:

(Skutari, 10. Mai 1938)
Liebe Mutter, vermutlich braucht die Post etwas lang von hier nach hause, deshalb möchte ich schon heute Dir zum Muttertag meine herzlichsten Grüsse senden. – Die Fahrt hierher ging erst noch überm Blauen Meer hin bis zur Cattaro-Bucht, dann auf schwindeligen, halsbrecherischen Strassen durch die Schwarzen Berge und drüber hinunter zum Skutari-See Albanien. Das Treiben hier ist mehr als orientalisch. Da ist Dubrovnik zahm und nüchtern dagegen. – Am Sonntag werden wir wohl, leider, nach Venedig zurückkkommen, in Ragusa ist’s eben sehr schön. Dir und den Tanten herzlichste Grüsse

Auslandsstudium in Tirana

Montag, 7. März 2011

»Die Zeit« berichtet von deutschen Studenten in Tirana – Anektoten wie »mit dem Wintermantel in der Vorlesung« oder »die Hilfsbereitschaft der Professoren war unglaublich«.

>> Keine Angst vor Tirana