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Archiv für Mai 2009

Volkswagen zum Zweiten

Montag, 25. Mai 2009

Volkswagen ist am Samstag nicht nur mit dem VfL Wolfsburg deutscher Fussballmeister geworden, sondern auch mit dem KF Tirana, dem Traditionsclub aus Tirana, in Albanien. Die albanische Meisterschaft hat sich wie in vielen anderen Ländern auch erst dieses Wochenende entschieden. Der Wettbewerb blieb spannend bis in die letzte Minute: Ein knappes 2:1 gegen den Tabellenzweiten Vllaznia Shkodra war ausschlaggebend.

KF Tirana – Meister 2008/09

KF Tirana – Meister 2008/09
(Bild: Federata Shqiptare e Futbollit)

Der Sponsor aus Wolfsburg scheint auf einer Erfolgswelle zu reiten, trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen der Verein aktuell gerade steckt. Die deutschen Medien haben das Meisterschafts-Rennen in einen Wettbewerb der Autostädte verwandelt. In Albanien gibt es keine Autostädte (nur Traktoren waren einst Tiranas Stolz), und VW ist wohl die einzige Autofirma, die einen Sportverein unterstützt. Das Engagement scheint sich auszuzahlen – aber auch notwendig zu sein. Zumindest die Konkurrenten mit dem Stern auf der Kühlerhaube aus Stuttgart und Umgebung brauchen keine Werbung, sondern gelten bei den Albanern als Inbegriff qualitativen Autobaus.

Tour d’Albanie

Dienstag, 19. Mai 2009

Wenn man Albanien mit Sport verbindet, denkt man wohl meist an Fussball, vielleicht noch an Volleyball oder Basketball oder manchmal an ehemalige albanische Leichtathleten, die heute für Griechenland Medallien sammeln. An albanische Fahrradfahrer denkt wohl kaum jemand. Zwar gehören Zweiräder durchaus zum Stadtbild jeder albanischen Stadt – aber meist sind es eher ältere Herren, die äusserst gemütlich durch die Gegend fahren.

Deswegen war auch ich immer wieder erstaunt, wenn immer wieder auf stark befahrenen Landstrassen am Strassenrand oder in der steilsten Steigung am Llogarapass plötzlich Radrennfahrer auftauchten. Es gibt sie auch in Albanien, die wahren Helden des Asphalts – in diesem Land sind es wirklich richtige Helden, die sich meist auf alten, einfachsten Rädern über schlechte, rauhe, schlaglochdurchsetzte, randlose Strassen und durch stinkende Abgaswolken alter, mit Diesel aus Ballsh gefütterter westeuropäischer Gebrauchtwagen kämpfen.

Rreth i Shqipërise

Rrethi i Shqipërise – Radrundfahrt auf dem Boulevard in Tirana (Bild: Tirana Kulturore)

Die albanischen Radrennfahrer sind nicht nur in Vereinen, sondern auch in einem nationalen Verband organisiert. Und dieser Verband organisiert auch eine nationale Rundfahrt, den Rrethi i Shqipërise. Dieses Wochenende startet die Albanien-Rundfahrt zum 66. Mal. 1925, als Albanien noch ein junger Staat war und kaum Strassen hatte, wurde das Rennen zum ersten Mal ausgetragen. Seit 1946 wird das Rennen jährich ausgetragen. Nur 1992, als die Armut in Albanien am Schlimmsten war, konnte es nicht durchgeführt werden. Gelegentlich nahm auch das deutsche Team Profiline teil (Bilder von der Tour 2008) – dieses Jahr ist ein Team aus Griechenland mit am Start.

In sechs Etappen geht es dieses Jahr durch den bergigen Süden des Landes: Am Prolog sind 20 Runden auf dem Boulevard in Tirana zu bestreiten. Die erste Etappe führt von Tirana nach Elbasan. Tags darauf geht es von Elbasan nach Korça. Die dritte Etappe führt von Korça nach Përmet, die nächste wieder zurück. Am Folgetag steht ein Einzelzeitfahren von Korça nach Bilisht und zurück auf dem Programm. Die Schlussetappe führt von Korça zurück nach Tirana.

Aber Radfahren ist in Albanien eben doch nur Nebensache. Dies beweist die kurzfristige Verschiebung des Starts der Tour vom Samstag auf den Sonntag. Der Grund war das am Samstag anstehende Fussballspiel zwischen dem Stadtclub K.F. Tirana und Vllaznia Shkodra. Es treffen die beiden Spitzenteams der albanischen Meisterschaft aufeinander, die sich am Samstag auch entscheiden wird. Die Radfahrer waren dem Fussballfest im Wege und wurden kurzerhand auf den Sonntag vertagt. Eine Radrundfahrt um einen Tag verschieben – in Albanien sagen sie da nur: S’ka problem!

Unberührte Küste zu entdecken

Montag, 11. Mai 2009

Die schönen, bekannten Adriastrände sind in den letzten Jahren oft zu unschönen Betonwüsten und lärmigen Rimini-Kopien verbaut worden. Die rasante Tourismus-Entwicklung der letzten zehn Jahre hat wohl Arbeit und vielen Gebieten infrastrukturellen Fortschritt gebracht, aber leider keine Rücksicht auf die Landschaft und Natur genommen.

Es gibt anscheind aber doch noch ein paar Strände und Küsten entlang der Adria, die Ruhe und Erholung versprechen und wahres Strandgefühl aufkommen lassen. Der Strand von Lalëz scheint dazu zu gehören – noch. Die Bucht Gjiri i Lalëzit ist eine langgestreckte Bucht nördlich von Durrës. Ein paar Dörfer verlieren sich in diesem abgeschiedenen Streifen Schwemmland zwischen Adria und den Hügeln. Der Strand ist noch fast unberührt – nur einfachste Restaurants mit vorzüglichem und güstigen Sea Food sind vorhanden, wie Fiona aus Australien von ihrem Ausflug berichtet.

Aktuell werde an einer neuen Strasse zum Strand gebaut, die von der Autobahn zwischen Shijak und Vora abgeht, berichtet sie. Zudem seien noch Fragen ungeklärt, wem das Land überhaupt gehöre. Der Strassenbau dürfte dem bis jetzt abgelegenen Strand zu einer schnellen Entwicklung verhelfen, da die Fahrzeit von Tirana dann keine 45 Minuten betragen sollte. Und wenn die rechtlichen Auseinandersetzungen geklärt sind, wird es wohl mit der Ruhe endgültig vorbei sein. Der albanische Staat plant jetzt bereits, eine Segel-Marina für mehrere Millionen Euro bauen zu lassen. Und im Internet finden sich Pläne, wie die Dünenlandschaft hinterm Strand mit 100 Ferienhäuschen, Appartementhäusern und Hotels inklusive Golfplatz überbaut werden könnte.

Kepi i Rodonit

Kepi i Rodonit und links der Gjiri i Lalëzit

Landschaftlich und touristisch noch reizvoller dürfte die nördlich angrenzende Halbinsel mit dem Rodon-Kap sein. Unweit des Kepi i Rodonit finden sich eine alte byzantinische Kirche und Befestigungsanlagen aus Skanderbegs Zeit. Auf der mehrere Kilometer spitz ins Meer hinaus führenden Halbinsel liegen zerstreut ein paar Bauerndörfer – kaum erschlossen. Hier liesse sich problemlos die Ruhe geniessen, die Gegend zu Fuss erkunden.

Vielleicht werde ich es noch schaffen, das Kepi i Rodonit zu erkunden, bevor auch hier eine neue Strasse erbaut ist und viele unschöne Hotels entstanden sind.