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Ikonen eingesackt

20. April 2013

Kirchenraub gibt es auch bei uns – da mal ein Opferstock geplündert, dort mal etwas Altarschmuck gestohlen. Dies passiert auch in Albanien, wo seit Jahren viele orthodoxe Kirchen geplündert werden. Viele liegen ausserhalb der Dörfer, praktisch alle sind nur durch Holztüren und Vorhängeschlösser gesichert.

Die Deutsche Welle berichtet über den Kunstraub in einem aktuellen Artikel. Braucht wirklich jede Kirche einen Wachmann? Waren religiöse Stätten zu Hoxhas Zeiten im Land ohne Religionsfreiheit wirklich besser geschützt als heute?

>> Kunstraub in Albaniens Kirchen

Gewichtheber

13. April 2013

Schaue gerade etwas Fernsehen. Auf »Eurosport« wird die Europameisterschaft im Gewichtheben übertragen. Dieser Anlass findet dieses Jahr in Tirana im »Sportpalast Asllan Rusi« statt.

Gewichtheben-Europameisterschaften 2013 in Tirana

Gewichtheben-Europameisterschaften 2013 in Tirana

Schweizer sind nicht dabei, dafür ist Gewichtheben eine Leidenschaft der Albaner, die mit 16 Athletinnen und Athleten antreten. Auch bei den Olympischen Spielen in London letztes Jahr waren mehrere albanische Gewichtheber dabei. Einer machte aber schlechte Schlagzeilen und musste schon vor dem Wettkampf wieder nach Hause, weil er des Dopings überführt worden ist.

Die Albaner haben auch schon ein paar Medaillien geholt. Romela Begaj gewann Silber im Reissen und Bronze im Stossen. Die erfolgreiche Gewichtheberin, die in den letzten Jahren bei fast jeder Europameisterschaft auf dem Podest stand und zu den erfolgreichsten albanischen Sportlerinnen zählt, bezeichnete den Anlass vor Heimpublikum als »sehr emotional«. Daniel Goldelli, ein junger Athlet aus Elbasan und ehemaliger Juniorenweltmeister, war ebenfalls erfolgreich und holte Gold im Stossen und Bronze im Reissen. (Alle Resultate auf Wikipedia)

Auch wenn der Widerhall in den albanischen Medien recht bescheiden ist, überrascht es also nicht, dass die Europameisterschaften in Tirana stattfinden. Zum fünften Man in Folge trift sich die Elite der europäischen Gewichtheber jetzt in Osteuropa. Die Organisation scheint reibungslos zu klappen: Was man so am Fersehen sieht, schaut ganz professionell aus. Bis jetzt wurden erst wenige internationale Sportanlässe in Albanien ausgetragen und wohl noch nie einer mit so vielen Teilnehmern, weit über 200 meldeten sich an. Wie bei den Berglaufweltmeisterschaften vor zwei Jahren sind die Sportler auch bei diesem Anlass in Hotels in Durrës Plazh untergebracht.

Vom Albanologen

7. April 2013

Robert Elsie ist ein bedeutender Albanologe, der in den letzten Jahren viele Bücher über die Geschichte und Kultur der Albaner verfasst hat. Viele seiner alten Texte, Fotos und Dokumente, die er bei seinen Forschungen entdeckt, macht er im Internet zugänglich – ein schöner Fundus für alle, die an Albaniens Vergangenheit interessiert sind.

Auf Elsies Blog lässt sich nachverfolgen, was er gerade wieder entdeckt und veröffentlicht hat:
>> Robert Elsie News

Mal wieder Bunker

4. März 2013

Zum Anschauen:
>> NZZ Foto-Tableau »David Galjaard: Bunker in Albanien«

Zum Lesen:
>> Wikipedia: Bunker in Albanien

Schwanger, aber wie?

17. Februar 2013

Wenn eine junge Albanerin schwanger wird, aber angibt, sich nicht zu erinnern, wie es geschehen ist, liegt die Vermutung nahe, dass sie nicht zugeben will, dass sie mit einem Mann ins Bett ist. Denn unehelicher Geschlechtsverkehr ist eine Schande für die ganze Familie. Die junge Frau droht, aus der Familie ausgeschlossen zu werden.

Florije war Opfer eines Unglücks, das ganz Albanien erschüttert hatte. Im Mai 2012 war bei Himara ein Bus verunglückt und in eine tiefe Schlucht gestürzt. Mindestens zwölf Studentinnen und Begleiter sind damals ums Leben gekommen. Florije wurde bewusstlos zur Behandlung nach Österreich gebracht und soll sich bis heute nicht ganz von den Verletzungen erholt haben, noch immer an Erinnerungslücken leiden.

In Albanien glaubt ihre Familie, dass Florije während ihres Klinikaufenthalts sexuell missbraucht worden ist. Die albanischen Behörden ermitteln.

>> Mehr zum Fall im Standard: Reha in Österreich: Missbrauchsverdacht bei albanischer Studentin

Sterne Albaniens

3. Februar 2013

Einst hatten in Albanien die roten Sterne überhand, heute sind es die silbrigen, die vorne auf Kühlhauben thronen. Allgegenwärtig beherrschen sie das Strassenbild und bereiten sicherlich jedem Mercedes-Liebhaber grosse Freude. Ihre grosse Dichte in einem solch armen Land hat schon manchen Ausländer erstaunt.

»Sterne Albaniens« – Buch-Cover

Kaum Probleme dürfte so der Fotograf Matthias Aschauer gehabt haben, Motive für sein Buch zu finden. Im neuen Bildband »Sterne Albaniens« hat er auf über hundert Seiten schwarzweisse Aufnahmen deutscher Luxuskarossen in Albanien zusammengetragen.

Obwohl sich das Buch primär an Mercedes-Fanatiker richten dürfte (in den Bildlegenden und im Inhaltsverzeichnis sind nur die Typen vermerkt), dürften auch an Albanien Interessierte Freude daran haben. Denn oft fahren oder stehen die Mercedesse an Orten, die sonst kaum von Kameras ins Visir genommen werden: ungewohnte Orte, ungewohnte Blickwinkel, ungewohnte Einblicke in den albanischen Alltag.

Gangnam Style Tirana

18. Januar 2013

Adaptierte Version für Albanien – hier als Werbevideo von LSI …

>> Gangnam Style Tirana (YouTube)

100 Jahre Unabhängigkeit – keine Selbstverständlichkeit

28. November 2012

Albanien feiert 100 Jahre Unabhängigkeit – die Festlichkeiten sind ausgelassen, das Land versinkt in Rot-Schwarz und alles, das irgendeinen Kontext zu den Albanern hat, wird patriotisch hochgejubelt. Etwas weniger euphorisch sind die Kommentare ausländischer Beobachter und Journalisten, die feststellen, dass nicht alles glänzt, das mit dem albanischen Staat zu tun hat: Nicht nur die schwierige Geschichte werden erwähnt, sondern auch auf die aktuellen politischen Missstände, wirtschaftliche Probleme, fehlende Aufarbeitung der Geschichte und grassierende Korruption wird hingewiesen.

Klar haben sie nicht Unrecht: Die letzten 100 Jahre albanische Geschichte waren vor allem ein Leidensweg, und die aktuellen Verhältnisse in beiden albanischen Staaten, in der Republik Albanien wie auch in der Republik Kosova, bergen viel Kritikpotenzial. Trotzdem ist das heutige Jubiläum wohl ein Tag, an dem man durchaus mit Stolz feiern kann. Denn der Weg war wie erwähnt nicht einfach, und es gehört viel Glück dazu, dass die Albaner heute trotz grosser Verluste überhaupt feiern können.

Als Ismail Qemali Bey Vlora am 28. Dezember 1912 mit ein paar Dutzend Verbündeten aus dem ganzen albanischen Siedlungsgebiet in Vlora einen unabhängigen Staat ausrief, war das eine aus der Not geborene Idee. Bis auf ein kleines Gebiet rund um Vlora war ganz Albanien von ausländischen Truppen besetzt und das Osmanische Reich, zudem man sich zugehörig fühlte – auch wenn immer wieder mehr Autonomie für die Albaner gefordert wurde – war am Auseinanderfallen. Die albanische Zukunft bot plötzlich nur noch zwei Optionen: Minderheit werden in den Nachbarstaaten Griechenland, Serbien, Bulgarien und Montengro oder einen eigenen Staat gründen. Bis anhin hatten nur sehr wenige revolutionäre Geister unter den Albanern überhaupt mit diesem Gedanken gespielt, aber jetzt war es die letzte Option.

Eigentlich war auch die Ausrufung der Unabhängigkeit eine aussichtslose Mission. Denn einerseits waren die Nachbarvölker bereit, sich mit Waffengewalt möglichst viel albanisches Siedlungsgebiet einzuverleiben, andererseits hatten die Albaner keine wichtigen Freunde, die sich für sie stark machen würden. So war wohl vor allem die Angst vor einem allzu mächtigen Serbien, dem die Italiener und Österreicher keinen Zugang zur Adria gönnen wollten, der Nährboden für den albanischen Staat. Wien und Rom setzten gegen die Interessen der Russen und Franzosen durch, dass Albanien als Pufferstaat zwischen Serbien und ihren eigenen Einflussbereichen international anerkannt wurde. Dementsprechend klein fielen die Grenzen des neuen albanischen Staats aus: Knapp gross genug für einen überlebenstauglichen Staat, aber ohne viele wichtige Zentren – das Siedlungsgebiet von rund der Hälfte der Albaner ging an die Nachbarstaaten und sorgte noch für die fast nächsten 100 Jahre für ungelöste Probleme, Vertreibung und Gewalt.

Auch wenn der junge albanische Staat die erste Hürde nahm und von der internationalen Gemeinschaft mit dem Ende des Ersten Balkankriegs anerkannt wurde, gab es noch zahlreiche weitere Hürden zu nehmen. Es sollte viele Monate dauern, bis sich die ausländischen Armeen aus albanischem Territorium zurückgezogen hatten. Der von den Grossmächten eingesetzte deutsche Prinz, der Albanien regieren sollte, erwies sich als recht unfähig und machtlos. Auch viele mächtige Albaner versuchten oft und zum Teil auch mit Gewalt, mehr ihre eigenen Interessen durchzusetzen als der noch fremden Idee eines geeinten Albaniens zu folgen. Im Ersten Weltkrieg war Albanien gleich wieder Tummelplatz ausländischer Soldaten. Nach dem Krieg sollte Albanien oder Teile davon unter den Besatzungsmächten aufgeteilt werden – sie waren aber wohl zu kriegsmüde, um sich in Albanien festzubeissen. Die für einmal geeinten Albaner schafften es, die fremden Truppen aus dem Land zu jagen und eine eigenständige Staatlichkeit zu etablieren. In der Folge anerkannte der Völkerbund Albaniens Unabhängigkeit, die Albaner konnten die Eigenstaatlichkeit für ein paar weitere Jahrzehnte retten. In Kosova litten die Albaner aber schwer: Hundertausende Muslime wurden vertrieben.

Die Zwischenkriegszeit war zuerst geprägt von sich laufend abwechselnden Regierungen, die sich zum Teil gewaltsam ablösten, bis sich der junge Ahmet Zogu mit geringer Rücksichtnahme auf Verluste etablieren konnte. Er liess sich erst zum Präsidenten, später zum König ausrufen und setzte seine Interessen vehement durch, aber schaffte allmählich stabile Verhältnisse, ein Staatsverständnis unter seinen Untergebenen und einen einigermassen funktionierenden Staatsapparat. Er führte das Land aber auch in eine gefährliche Abhängigkeit zu den Italienern. Mussolini überfiel dann auch im April 1939 Albanien und gliederte es dem Italienischen Königreich ein. Die albanische Unabhängigkeit wurde mal wieder zu Grabe getragen. Wiederum meinte es das Schicksal recht gütig mit den Albanern. Als Italien kapitulierte, mussten die Deutschen diese Flanke sichern. Ihnen fehlten aber die Soldaten, um Albanien zu unterwerfen. Also wurde ein grossalbanischer Staat ausgerufen, und die Wehrmacht kümmerte sich nur um die allerdringlichsten Angelegenheiten. Nach dem Krieg, als die meisten Albaner aus Griechenland vertrieben wurden, entstand in den alten Grenzen die Sozialistische Volksrepublik Albanien. Das Land entwickelte sich rasch, als Hoxha noch Hilfe von den Sowjets annahm, verfiel aber immer mehr, je mehr der paranoide Diktator das Land von der Aussenwelt isolierte. Auch zu den Albanern in den jugoslawischen Grenzgebieten bestand kein Kontakt mehr.

1991, als das nationalistisch-diktatorische Regime kommunistischer Couleur in Albanien aufgab und die Demokratie eingeführt wurde, war das Land am Boden. Die Bewohner hätten es alle am liebsten verlassen und für die Nachbarn wäre es leichte Beute gewesen – aber die wollten nicht mehr. Mit internationaler Hilfe wurde Albanien wieder aufgepäppelt und die Albaner in ihrem Land zurückgehalten. Eine Pseudo-Demokratie mit viel Korruption und gefälschten Wahlen etablierte sich, die Menschen waren aber mehr mit dem Überleben beschäftigt. Als man langsam einen Silberstreifen am Horizont sah, kam der nächste Schlag: ein grosses System von Pyramidenfirmen stürzte Land und Leute in den Ruin. Danach stabilisierte sich Albanien aber deutlich dank verstärkter ausländischer Einflussnahme, verstärkter ausländischer Hilfe und sich verbessernder politischer Verhältnisse.

Den Albanern in Kosova ging es aber bald wieder sehr schlecht. Die serbische Repression war schlimm und provozierte bewaffneten Widerstand. Nur die späte Intervention der NATO konnte noch Abhilfe schaffen. Nach dem Kosovokrieg erlangten auch die Albaner in Kosova ihre Selbstbestimmung und konnten 2008 einen eigenen Staat ausrufen. Zwar gibt es in Südserbien, in Mazedonien und in Montenegro auch noch albanische Minderheiten, die Konflikte der letzten Jahre haben aber auch hier nachgelassen.

Die Eigenstaatlichkeit, von der die Albaner heute zwei haben, war also während der letzten Jahre von vielen glücklichen Umständen begleitet. Dass die Albaner unter diesen Umständen immer noch in Unabhängigkeit leben können, ist somit alles andere als selbstverständlich und durchaus ein Grund zum Feiern!