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Zu schwach für Albaniens Berge

7. Juni 2015

Jetzt, wo der meiste Schnee in den Albanischen Alpen dahingeschmolzen ist und bald wieder überall Wanderer unterwegs sind, sei hier mal eine Warnung ausgesprochen: Die nordalbanischen Berge sind hart und fordern viele Wanderschuhe.

Albanische Alpen

Schuhe bleiben draussen

So haben wir dort schon mehrere Wanderer gesehen, deren Schuhe mit Klebeband umwickelt waren – wohl ein recht verzweifelter Versuch, die sich lösenden Sohlen irgendwie am Rest vom Schuh festzumachen.

Aber auch wir hatten zu kämpfen. Stunden entfernt von der nächsten Strasse mussten wir bei einer Mitwanderin sich auflösende Schuhe feststellen – und hatten nicht einmal Klebeband dabei! In einem Unterstand fanden wir etwas Draht, mit dem wir versuchten, das Problem zu beheben. Denn noch waren viele Stunden Weg geplant. Zum Glück hatte der Schweizer wenigstens ein Armeemesser dabei. Und mit etwas Geduld waren Löcher gebohrt und der Draht so gewickelt, dass die Tour ohne grosse Beeinträchtigung fortgesetzt werden konnte.

Am übernächsten Abend in Theth wurde mit Zange und Hammer noch etwas nachgebessert. Die Albaner hier und dort betrachteten das Schuhwerk amüsiert. Während des Kommunismus hätten auch sie ihre Schuhe so repariert.

Als ich dann ein paar Tage später beim Packen im Hotel in Shkodra meine Wanderschuhe etwas genauer anschaute, merkte ich, dass die scharfkantigen Karstfelsen der Albanischen Alpen auch meinen Schuhen stark zugesetzt hatten. Und diese guten Begleiter waren wirklich noch nicht so alt. Aber eben: zu schwach für Albaniens Berge …

Und so wanderten an diesem Abend in Shkodra gleich zwei Paar Wanderschuhe in den Müll.

Neue Touristen auf neuer Strasse

20. Mai 2015

 

Ein Stück Afrika für albanische Handys

18. Mai 2015

Technologietransfer mal anders: Was in Kenia und vielen anderen afrikanischen Ländern funktioniert, sollte auch in Albanien gehen, meinte wohl der Mobilfunktelefonanbieter Vodafone. Die Voraussetzungen in Kenia und Albanien sind wohl ähnlich genug: ein schlecht entwickelter Bankensektor, wenig genutzte Zahlungsverkehrsmöglichkeiten, ein gutes Mobilnetz und viele Handys im Umlauf.

»M-Pesa« ist ein einfaches System, mit dem Geld fast wie ein SMS übers Handy verschickt werden kann. Eine elektronische Zahlungslösung für Arme: Für all diejenigen, die zwar kein Bankkonto haben, aber über ein Mobiltelefon verfügen. In Kenia, wo »M-Pesa« 2007 erfunden worden ist, hat sich das System sehr gut etabliert. Später wurde es in verschiedenen anderen afrikanischen und asiatischen Ländern eingeführt. Nachdem 2014 Vodafone »M-Pesa« nach Rumänien und somit erstmals nach Europa gebracht hat, kam jetzt im Mai der Sprung nach Albanien.

Das Handy in der Hosentasche der Albaner wird somit zum kleinen Konto. Anstatt viel Bargeld rumtragen oder Geld irgendwelchen Vermittlern geben zu müssen, sollen die Albaner jetzt auf einem sicheren Weg Zahlungen elektronisch ausführen. So sieht es zumindest Vodafone.

Bei den Geschäftsstellen von Vodafone und weiteren Agenten im ganzen Land kann man sich ein Guthaben für den elektronischen Verkehr ein- und auszahlen. Überweisungen sind von 100 bis 35.000 Lek (Fr./€ 260) möglich.

Mit dem »Mobile Banking« versucht sich die Telekomfirma, einen Kuchen vom Bankgeschäft abzuschneiden. Und die Albaner, sofern sie die bargeldlose Zahlung denn nutzen, können sich das Bankkonto sparen und gleich digital ihre Bankgeschäfte erledigen.

Mal schauen, ob der afrikanische Technologiesprung auch in Albanien gelingen wird.

Vodafone Albania: M-Pesa

Vodafone Albania: M-Pesa

Treppe ins Nirgendwo

10. Mai 2015

Wiedereinmal wollen wir eine nicht allzu bekannte Sehenswürdigkeit vorstellen.

Wenn man die südalbanische Stadt Përmet besucht, wird der Blick automatisch immer wieder vom »Stadtfelsen« angezogen. Der »Gur i Qytetit« ist ein mächtiger Block, der sich am Rand des Stadtzentrums über dem Ufer der Vjosa erhebt, vielleicht 30 Meter hoch. Wie er dahingekommen ist, bleibt ein Rätsel. Wie hingeworfen steht er da. Immerhin wurden im in den letzten 50 Jahren ein paar hässliche Wohnblocks hinzugestellt, so dass er nicht mehr als einziger Block in der Landschaft steht – noch immer ist er aber mit Abstand der grösste.

Wenn der Schweizer Reisenden dann erfährt, dass man da hoch kann, gibt es natürlich fast kein Halten mehr. Die Wegbeschreibung, die er enthält, ist auch ganz simpel: Beim Gymnasium abbiegen, die städtische Sporthalle umrunden und dann einfach die Treppe hoch.

Kein Hinweisschild leitet einen zur Rückseite der Sporthalle, wo man sich schon mal etwas verlassen vorkommt. Und vor der Treppe wird dann zuerst mal leer geschluckt. Teile des Geländers fehlen, und die verrostete Metallkonstruktion scheint sich auf eine einzige, wackelige Stange zu stützen. Willkommen in Albanien! Hier gelten noch andere Regeln: Wem es nicht passt, kann ja vom Erklimmen des Felsens absehen. Etwas schwindelfreiheit braucht es schon, wenn man da hochsteigen will. Am oberen Ende der Treppe, schon auf dem Felsen, warten dann noch ein paar kleine verwachsene Kletterstellen. Gerade beim Abstieg ist da schon Vorsicht geboten, wenn Fels und Gestrüpp noch feucht sind von der letzten Nacht.

Auf dem Felsen erwartet den Besteiger ein nicht ganz ebene, aber doch erstaunlich flache Blumenwiese, vielleicht 25 Meter lang und 20 Meter breit. Etwas Gestrüpp erschwert die Übersicht, aber zwischen den prächtig blühenden Blumen – zumindest im Frühjahr – und in die Höhe schiessende Gräser windet sich ein Pfad. Zwischen all dem Grün tauchen ab und zu ein paar Mauerreste auf. Unter den Osmanen waren hier Soldaten stationiert. Wie die hochgekommen sind, möchte man sich gar nicht vorstellen. Die Leitern damals waren sicher nicht stabiler als die heutige Treppe.

Auf der gegenüberliegenden Seite lohnt es sich, sich nahe an die Felskante vorzutasten. Denn hier wird man für Schweiss und Ängste des Aufstiegs mit einer prächtigen Aussicht über das Städtchen Përmet belohnt. Auch wenn der Ort vor allem aus reizlosen Wohnblocks besteht (Përmet wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen bis auf die Grundmauern zerstört) – die Lage am Fluss und am Fusse einer mächtigen Bergkette ist piktoresk, wobei die Moschee mit Minarett das Bild vervollständigt. Auf der anderen Seite des Felsens ist sein höchster Punkt, von wo der Blick nach Norden ins grüne Tal der Vjosa geht, oder hoch die steilen Wände des über 2000 Meter hohen Dhëmbel. Im Osten liegt das hügelige Bergland des Hotova-Nationalparks, und im Süden hinter der Stadt gen Griechenland zu hat es noch mehr imposante Felswände und ein Weglein zieht sich nach Leusa hoch, wo mitten zwischen Bäumen ein kleines Kirchlein steht. Die abgelegene Region Përmet hat noch viel zu bieten: noch mehr alte Kirchen, osmanische Steinbrücken, Heilquellen, Schluchten, Tekken, verfallene Burgen und eine gute Küche.

Hierfür muss man aber zuerst wieder vom Felsen runterkommen. Schritt für Schritt tastet man sich zur Treppe vor, Stufe um Stufe vorsichtig runter. Die Konstruktion nochmals kritisch begutachtend war ich um jeden Meter froh, den ich dem Boden näher kam. Unten angekommen war die gute Laune rasch wieder da. Nochmals ein Blick zurück, nochmals ein Kopfschütteln. Ein Lächeln zieht sich übers Gesicht und zeugt von Zufriedenheit, als wäre einem soeben die Erstbesteigung gelungen. Schön war’s, da oben!

Impressions from Tirana

16. April 2015

Habe einen alten Film gefunden – ein paar Szenen aus Tirana im Jahr 2004.

Kaum zu glauben, wie sich die Stadt in den letzten zehn Jahren wieder verändert hat.

Neuerlicher Fussballfahnenzwischenfall

22. März 2015

Die albanische Fussballliga ist ja nicht allzu hochstehend – so sind es meistens negative Schlagzeilen, die die Runde machen. Die heutige Geschichte gehört aber mehr in die Abteilung »skuril«:

Heute spielten in Fier »Apolonia« gegen »Tirana«. In der 22. Minute soll Tirana einen Penalty schiessen, als ein Fan mit Albanien-Fahne das Spielfeld betritt und sich vor dem Tor aufstellt. Noch bevor der gemächlich antrabende Polizist eingreifen kann, entreisst von hinten der serbische Torhüter von »Apolonia« dem Störefried die Albanienfahne.

Die Szene erinnert an die Ereignisse in Belgard vom letzten Oktober. Die Sitution beruhigt sich aber rasch wieder. Ein Mannschaftskollege nimmt dem Torwart – vermutlich mit ein paar bissigen Kommentaren – die Fahne wieder ab, der Polizist führt den Zuschauer vom Platz. Noch ein paar Diskussionen zwischen den Spielern, dann könnte das Spiel weitergehen. Der Trainer entscheidet sich aber, den Torwart auszuwechseln. Tirana gewinnt das Spiel am Schluss 0:2.

Vilson Caković, der serbische Torhüter von »Apolonia«, spielt seit 2013 in Albanien. Der 24-jährige ist langjähriger Torhüter der serbischen U-Nationalmannschaften. Zur Zeit spielen bei mehreren albanischen Clubs serbische Söldner.

Lapidari: In Beton gegossene Ideologie

8. März 2015

Während des Kommunismus wurden im ganzen Land verstreut Denkmäler errichtet – schon fast wie die Bunker. Die meisten dieser Denkmäler gedachten dem Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg und halfen, die nationalen Ideologie des kommunistischen Regimes in die hintersten Ecken des Landes zu verbreiten. Denn zu finden sind sie noch heute überall: oft am Strassenrand in der Landschaft, an zentralen Plätzen von Städten, in kleinen Dörfern oder auch an schwierig zu erreichenden Orten. Eine gewisse Ähnlichkeit weist meist der Stil der Bauten auf: viel Beton, klare Linien, oft an Obeliske erinnernd, aber häufig auch viel, viel grösser.

Die Albaner haben bis heute die Jahre des Kommunismus nicht aufgearbeitet. Auch ihr Verhältnis zu diesen »Lapidare« genannten Denkmälern ist zwiespältig. Denn trotz des nationalen Bezugs wird gerne ausgeblendet, was mit den Kommunisten im Zusammenhang steht. Nur an wenige Orten wird gelegentlich noch der Helden oder Ereignisse von damals gedacht. Und auch das Verhältnis zu den Gegnern von damals – Italiener und Deutsche – hat sich grundlegend geändert.

Und so kommt es, dass viele der Denkmäler in Vergessenheit geraten sind. Viele wurden auch zerstört oder beschädigt, verfielen, wurden übermalt oder verschwanden hinter Neubauten.

Kein Wunder, dass der Impuls zur Erinnerung an die Lapidare aus dem Ausland kam. Das Produkt traf diese Woche bei mir in der Post ein: Drei umfangreiche Bücher. Eine kleine Gruppe, getrieben von ein paar »verrückten« Ausländern, hatte sich auf den Weg gemacht, alle Lapidare zu suchen, zu dokumentieren, zu fotografieren. Entstanden ist ein umfangreiches Werk mit vielen Fotos, Tabellen, aber auch weiterführenden Texten zum Hintergrund der Monumente.

Die Autoren verstehen dieses »Lexikon der Monumente« zwar nur als Basis für ausführlichere Untersuchungen. Aber sicher mal nicht schlecht, dass sich jemand dieses Themas angenommen hat, bevor noch mehr Lapidare verschwinden. Vermutlich wird wohl niemand so schnell wieder mehr als 7500 Kilometer durch Albanien fahren und allen 657 Lapidaren – und noch ein paar fehlenden – nachjagen.

Die Bücher können auch im Internet heruntergeladen werden.

Wenn die Luftwaffe Drogen transportiert

2. Februar 2015

Die Überraschung war gross, als letzter Dienstag in Südspanien ein abgestürzter Hubschrauber gefunden wurde. Pilot und Co-Pilot starben beim Unfall, nachdem sie bei ihrem nächtlichen Flug mit einem Strommasten kollidiert waren. Die beiden hatten eine Ladung von fast einer Tonne Haschisch – vermutlich aus Marokko – nach Europa geflogen.

Beim Piloten handelt es sich um einen Instruktor der albanischen Luftwaffe. Die Untersuchungsbehörden fahnden jetzt nach den Auftraggebern. Hat der Major die Hintermänner bei einer Ausbildung im November in Grossbritannien kennengelernt? Oder steckt sein Schwager dahinter, der schon wegen Drogendelikten in der Schweiz und Italien im Gefängnis sass?

Somit gerät wieder einmal eine Institution ins Wanken: Im Sommer war aufgeflogen, dass sich ein Mitarbeiter der Nationalbank Albaniens jahrelang in den Tresoren bedient hatte. Jetzt ist es ein erfahrener Major der Luftwaffe, der sich als Drogenkurier einen Zusatzverdienst verschaffen wollte. Trotz Nato-Mitgliedschaft: Albaniens Militär hat noch einen weiten Weg zu gehen, um wieder als Autorität für Ruhe und Sicherheit im Land gelten zu können.