Der amerikanische Präsident auf dem Sockel

Statue für Bill Clinton in Prishtina

Statue für Bill Clinton in Prishtina

Die Albaner haben eine Vorliebe, amerikanischen Präsidenten Denkmäler zu errichten.

Nicht ganz unbegründet sind wohl die Denkmäler, die eng im Zusammenhang stehen mit der Existenz der albanischen Staaten:

Woodrow Wilson (1856–1924) war 28. amerikanischer Präsident und durch seine Einflussnahme bei der Pariser Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg wesentlich verantwortlich, dass Albanien nicht unter seinen Nachbarn aufgeteilt wurde. Ihm zu Ehren wurde auf dem »Sheshi Wilson« im Zentrum Tiranas eine Statue errichtet – mitten in einem Kreisel stehend geht sie leider etwas unter im Verkehr. Anscheinendhatte  Ministerpräsident Fan Noli sogar ein Dekret erlassen, den Ort Shëngjin in »Wilson-Stadt« umzubenennen, was aber nie umgesetzt wurde und auch vollkommen in Vergessenheit geraten war, bis dort vor Kurzem eine Plakette angebracht worden ist.

Bill Clinton, 42. amerikanischer Präsident, wird in der kosovarischen Hauptstadt mit einem grossen Denkmal geehrt. Zwar nicht gerade an der attraktivsten Ecke der Stadt, aber zumindest für jeden Besucher, der vom Flughafen kommt, sichtbar. Bill Clinton war als Präsident mit seinem Entscheid zum Luftangriff gegen Serbien massgeblich an der Gründung des kosovarischen Staats beteiligt – erst der Kosovokrieg machte die Unabhängigkeit möglich. Und so grüsst er von seinem Sockel herunter die vorbeiziehenden Passanten und die im Stau stehenden Autofahrer oder seine Frau Hillary, die einen kurzen Halt einlegte, als sie als Aussenministerin Prishtina besuchte.

Statue für George W. Bush in Fushë-Kruja

Statue für George W. Bush in Fushë-Kruja

Als belustigend ist der Besuch seines Nachfolgers George W. Bush im Sommer 2007 in Albanien in Erinnerung ( Bericht zur Staatsvisite). Die Albaner feierten den ersten US-Präsidenten, der ihr Land besuchte, überschwenglich, während der umstrittene Politiker sonst kaum noch irgendwo in Europa willkommen war. Beim Bad in der Menge während eines kurzen Aufenthalts im Städtchen Fushë-Kruja ging dann auch noch Bushs Armbanduhr verloren. Der Ort kam so zu seinen fünf Minuten weltweiten Ruhms und dankte dies dem Gast mit einem Denkmal. Es steht zwar auf dem Hauptlatz von Fushë-Kruja, aber etwas zurückgedrängt: Die Platzierung könnte repräsentativer sein, die nebenstehende Werbesäule einer Bank überragt das Denkmal fast. Albanien gab nicht nur Briefmarken mit dem Portrait des US-Präsidenten heraus, in Tirana wurde auch eine zentrale Strasse nach ihm benannt, worüber sich insbesondere amerikanische Besucher amüsieren.

Wer ist der nächste amerikanische Präsident, der in Albanien ein Denkmal kriegt?

Wie lange würde es wohl dauern, bis Donald Trump von einem albanischen Bildhauer verewigt würde, würde er denn heute gewählt?

Büste für Hillary Clinton in Saranda

Büste für Hillary Clinton in Saranda

Seine Gegenkandidatin Hillary Clinton ist da schon einen Schritt weiter. Fast schon in vorauseilendem Gehorsam wurde diesen Sommer in Saranda eine Hillary-Büste eingeweiht. Der Grund dafür wurde nicht ganz klar. Die Bürgermeisterin von Saranda erklärte damals, dass das Monument die Verbindung zwischen Albanien und den USA zum Ausdruck bringen solle, dass man damit den Amerikanern und vor allem Hillary Clinton für wiederkehrende Unterstützung für das albanische Volk danken wolle. Das Denkmal nennt dann auch anstelle einer Würdigung prominent die Stifter: nebst der Stadt Saranda die US-Organisation »Diplomatic Mission Peace and Prosperity«. Auch der gewählte Ort für das Denkmal überzeugt nicht ganz: Das kleine Plätzchen im Zentrum der Stadt liegt eingeklemmt zwischen parkierten Autos, die Büste versteckt sich schon fast hinter viel Grünzeug. Wenn man nicht aufmerksam Ausschau hält, wird man das Monument vermutlich übersehen.

Zumindest die Aussage der Bürgermeisterin, dass sich die Albaner den Amerikanern sehr verbunden fühlen, dürfte zutreffend sein. Neben Mexiko ist Albanien wohl das Land mit den meisten Denkmälern amerikanischer Präsidenten, auch wenn kaum eines davon richtig monumental ist.

Marubi-Ausstellung in Amsterdam

Die Marubi-Ausstellung im Amsterdamer Museum FOAM zeigt eine überraschende Vielfalt bisher unbekannter Abbildungen, Motive und Themen. Augenfällig sind natürlich die originalen Negativglasplatten, die anscheinend zum ersten Mal ausserhalb Albaniens zu sehen sind – und auch in Albanien bis vor Kurzem kaum zu sehen waren.

Ausgestellt sind aber auch zahlreiche Themenkreise, von deren Präsenz bis anhin kaum jemand wusste. Einige Fotos zeigen Krankheitssymptome, andere Verbrecher – auch zahlreiche Gruppenfotos von Schulklassen, Klosterorden und Karnevalsgruppen hängen an den Wänden neben Portraits von türkischen Soldaten, Selbstportraits der Fotografen und Aufnahmen ihres Studios, Collagen und natürlich den vielen bekannten Portraitaufnahmen, Landschaftsbildern und Fotos von historischen Ereignissen.

Die Ausstellung ist nicht besonders gross, aber weist eine erstaunlich hohe Zahl an Abbildungen auf. Zum Teil werden die Bilder auch an die Wand projeziert. Die Erläuterungen geben guten Einblick in das Umfeld, in dem die Marubi-Fotografen aktiv waren – auch hier findet sich manche neue Information.

Der Zauberer aus der Zadrima

Wohl mein aktuelles Lieblingsvideo, da es viel Bewundernswertes vereint:

Kochen – Leidenschaft – Spitzengastronomie – Genuss – ein grosses Diner – Perfektion – albanische Küche – Mut

Es ist eine hohe Kunst und braucht wohl auch einiges an Mut, an einem Gala-Diner während einer royalen Hochzeit für prominente Gäste aus aller Welt eine solch traditionelle Küche aufzutischen. Der Zauberer, Koch Altin Prenga vom Restaurant Mrizi i Zanave, hat die Gäste an der königlichen Hochzeit von Prinz Leka und Elia Zaharia dieses Wochenende in Tirana mit seinen Slow-Food-Köstlichkeiten verwöhnt und gewährt uns einen Blick über seine Schulter bei der Zubereitung der Speisen.

 

Bilder der Hochzeit

Mutter Teresa vereint Albaner und Schweizer 

Ein paar Impressionen von der Eröffnung der Ausstellung über Mutter Teresa im Staatsarchiv Luzern heute Nachmittag. Ein Raum voller Albaner und Schweizer.

Die Ausstellung vermittelt einen Überblick vom Leben der albanischen Ordensgründerin, Friedensnobelpreisträgerin und Heiligen und zeigt Dokumente, die ihre Beziehungen zur Schweiz dokumentieren, aus dem Staatsarchiv Luzern und anderen Sammlungen.

Schluss. Ende. Aus!

Strand in Saranda Ende August

Strand in Saranda Ende August

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die albanische Küsten anfangs September wandeln. Wo noch vor wenigen sich die Touristen tummelten, herrscht nun gähnende Leere. Kaum ein Mensch mehr am langen Strand. Die meisten Sonnenliegen, die vor kurzer Zeit sich eng aneinander reihten, sind bereits von den Besitzern  verträumt. Und sogar die Regale in manchem Minimarket stehen so leer wie die meisten Hotelzimmer.

Obwohl die Temperaturen noch angenehm warm sind und das Meer noch lange nicht abgekühlt hat, stellt sich das albanische Gastgewerbe bereits auf Winter ein. Die offizielle Badesaison (»sezoni turistik«) ist vorbei, die albanischen Gäste abgereist.

Weggeräumte Sonnenschirme in Dhërmi Ende August

Weggeräumte Sonnenschirme in Dhërmi Ende August

Nur ein paar wenige Ausländer sind noch anzutreffen: ein paar osteuropäische Abenteurer, ein paar westeuropäische Wohnmobile, die letzten Kosovaren, einige Backpacker in Saranda. Die ausgestorbenen Küstenorte müssen ihnen dabei fast wie gruselige Ghost Towns vorkommen: Vielen Läden geschlossen, die meisten Wohnungen  verbarrikadiert, die Strände nicht mehr gepflegt, Sehenswürdigkeiten verschlossen.

Dass die Hochsaison an der albanischen Küste nur wenige Wochen dauert von Mitte Juli bis Ende August ist Ausdruck der einseitigen Fokussierung auf einheimische Gäste sowie Albaner in den Nachbarländern und in der Diaspora. Albaner machen nur im Hochsommer Urlaub – in dieser kurzen Zeit muss Kasse gemacht werden. Entsprechend überteuert ist das Angebot vielerorts.

Nur an wenigen Orten mit mehr Ausländern wie Saranda oder einige Campingplätze herrscht auch ausserhalb der Hochsaison noch etwas Betrieb. Wer sein Haus mit nicht-albanischen Touristen füllt, hat über eine längere Zeit ein Einkommen.

Letzte Gäste in Shëndgjin im September

Letzte Gäste in Shëndgjin im September

Zwar wird Albanien in West- und Osteuropa immer beliebter als Reisedestination. An der Küste hat dies aber noch kaum zu einem Wandel geführt. Dabei hätte das Land viel touristisches Potential – gerade auch in Kombination von Badeurlaub mit Aktivferien in den Bergen oder kulturellen Touren zu den historisch bedeutsamen Stätten und Städten.

Und so stapeln sich die Liegestühle bereits im September wieder in den Lagern und warten auch die verträumten Sonnenschirme auf die nächste Saison und träumt der unterbeschäftigte Kellner vom kommenden Sommer.

 

Hartes albanisches Sportlerleben (Rio 2016)

Poster des Nationalen Olympischen Komitees von Albanien

Poster des Nationalen Olympischen Komitees von Albanien

Diese Nacht wurden in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele 2016 eröffnet. Klein war das Grüppchen, das hinter der albanischen Fahne ins Stadion einlief – mit nur sechs Sportlern so klein wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dafür konnten zum ersten Mal Sportler aus Kosova an Olympischen Spielen teilnehmen. Mit acht Sportlern war diese Delegation sogar etwas grösser.

Dass nur sehr wenige albanische Sportler in der Weltelite mitkämpfen, liegt insbesondere an den schwierigen Bedingungen, die sie in ihrer Heimat antreffen. Sportförderung konzentriert sich fast ausschliesslich auf Fussball …

Die meisten Albaner sind nur dabei, weil sie eine Einladung erhalten haben; eine Gewichtheberin profitierte nachträglich vom Ausschluss der Russen. Beispielhaft ist die Geschichte der Schwimmerin Rita Zeqiri aus Prishtina. In ganz Kosova gibt es kein Schwimmbecken mit olympischen Massen. Lange Jahre musste sie zum Trainieren nach Skopje fahren, bis ihr Vater ein Hallenbad bauen liess. Chancen auf Medallien rechnet sich Zeqiri natürlich nicht aus, wie sie gegenüber der  Zeitung »Zeit« erklärte – dabei zu sein ist alles.

Aber auch die Profis, die durchaus um eine Medallie mitkämpfen können, haben es nicht einfach. Luiza Gega, die an den Europameisterschaften in Amsterdam vor einem Monat Silber holte beim Steeple-Lauf, findet in der albanischen Hauptstadt Tirana keine geeignete Trainigsmöglichkeit: Seitdem das Qemal-Stafa-Stadion abgebrochen worden ist, muss Gega im Park der Stadt trainieren, weil es in ganz Albanien nur noch in Elbasan und Korça Tartanbahnen gibt.

Szenen aus der Eröffnungszeremonie

Szenen aus der Eröffnungszeremonie

Am meisten Hoffnung auf Gold kann sich Majlinda Kelmendi ausrechnen. Die Judo-Weltmeisterin ist 2012 in London noch für Albanien gestartet – jetzt darf sie Kosova vertreten. Vielleicht gelingt ihr die Sensation, als erste Albanerin eine Medallie an Olympischen Spielen zu gewinnen.

Weitere Albaner treten heute für Länder an, wo sie bessere Trainingsmöglichkeiten vorfinden. Die Sportschützin Enkeleda Shehaj war 1996 noch im albanischen Team, 20 Jahre später vertritt sie jetzt die USA. Zwei albanische Ringer kämpfen in Rio für Australien respektive Bulgarien. Pensionierte Gewichtheber und Leichtathleten waren nach Griechenland abgewandert.

Die traditionell erfolgreichen Gewichtheber aus Albanien sind dieses Mal stark untervertreten. Nur zwei reisten nach Rio, da mehrere Spitzensportler wegen Doping gesperrt worden sind. Im Gewichtheben stand Albanien an den Olympischen Spielen 1972 in München kurz vor einem Erfolg: Ymer Pampuri gewann den ersten Wettkampf im Drücken. Zu seiner Überraschung kamen dann aber noch Durchgänge im Stossen und Reissen, was in Albanien nicht trainiert wurde, weshalb er auf den neunten Gesamtrang zurückfiel.

Allen albanischen Teilnehmern in Rio wünschen wir tolle Erlebnisse und viel Erfolg:

  • Gewichtheben: Briken Calja & Evagjelia Veli (beide Albanien)
  • Judo: Majlinda Kelmendi (Fahnenträgerin) & Nora Gjakova (beide Kosova)
  • Leichtathletik: Vijona Kryeziu (400 Meter, Kosova), Musa Hajdari (800 Meter, Kosova), Luiza Gega (1500 Meter, Fahnenträgerin Albanien), Izmir Smaijlaj (Weitsprung, Albanien)
  • Rad: Qëndrim Guri (Kosova)
  • Schiessen: Urata Rama (Kosova)
  • Schwimmen: Sidni Hoxha (50 Meter Freistil, Albanien), Lum Zhaveli (50 Meter Freistil, Kosova), Nikol Merizaj (100 Meter Freistil, Albanien), Rita Zeqiri (100 Meter Rücken, Kosova)


Das Freundschaftsspiel

Xhaka-Fan

Das EM-Spiel zwischen Albanien und der Schweiz am letzten Samstag wird in Erinnerung bleiben: als sehr emotionale Begegnung, als Brüderduell, als erstes Spiel Albaniens an einem Endrundenturnier. Es war aber auch ein Spiel der Freundschaft – nicht wirklich ein Freundschaftsspiel, aber ein Spiel der freundschaftlichen Begegnungen. Trotz der schwachen Leistung der Schweizer, trotz der unglücklichen Niederlage der Albaner war es eine »Begegnung«, wie man sie sich als Fussballfest wünscht.

Auf beiden Seiten spielten zahlreiche Schweiz-Albaner – sehr viele Spieler kennen sich gut. Man sprach auch vom Spiel »Kosova 1« gegen »Kosova 2«. So folgte auf die Hymnen nicht das übliche Abklatschen pro forma, sondern herzliche Handshakes. Während des Spiels wurde dem Gegner zwar nichts geschenkt, aber nach dem Schlusspfiff gab es wieder respektvolle Aufmunterungen und Umarmungen.

2 Herzen in einer Brust

Zwei Herzen in einer Brust

Die Fairness wurde aber nicht nur auf dem Spielfeld gelebt. Auch auf den Rängen, auf den Strassen und in den Public Viewings von Frankreich über die Schweiz und Prishtina bis Tirana gab es keine Gehässigkeiten. Keine Szenen wie in Marseille oder Nizza, wo sich die – angeblichen – Fans prügelten. Wie auf den Platz, wo mehr mit- als gegeneinander gespielt wurde, liessen sich die albanischen Fans die Laune von der Niederlage nicht verderben. Auch wenn der Schmerz und die Enttäuschung vieler Albaner gross war: Es wurde weiter gefeiert, zur Not halt mit den Schweizern.

Die Stimmung blieb überall entspannt – wie in Zürich, wo an der Langstrasse ein Polizeiauto mit Albanienflagge gesichtet wurde. Schweizer und Albaner begegneten sich auf der Strasse und diskutierten sachlich den Spielverlauf. Gründe für dieses friedliche Fest mag es viele geben: Manche sehen darin die zwischenzeitlich doch sehr gelungene Integration der Albaner. Vielleicht fehlt unter den Albanern auch eine Hooligan-Kultur. Oder es lag am frühen Start des Spiels am Nachmittag oder am geringen Alkoholkonsum der muslimischen Fans. Und vielleicht liegt es auch daran, dass nicht nur Mutter-Xhaka, sondern auch viele andere zwei Herzen in der Brust haben. Anderswo war von Trotz die Rede – man wollte sich die Freude über die EM-Teilnahme nicht verderben lassen.

Albanien-Fans in Zürich

Albanien-Fans in Zürich

 

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