Die versunkene Kirche

Die Kirche im Dezember 2016

Die Kirche im Dezember 2016

Da diese Kirchenruine öfters unter Wasser steht, ist es nicht erstaunlich, dass sie hier unter den »Ungesehenen Sehenswürdigkeiten« erscheint – ein vor wenigen Jahren entdeckter mittelalterlicher Bau, nur wenige 100 Meter von einer der wichtigsten und meistbefahrenen Verkehrsachsen des Landes entfernt gelegen, der meist links liegengelassen wird.

Gewisse Quellen datieren die kleine »Johannes-der-Täufer-Kirche« in Derven, Gemeinde Kruja, ins 9. Jahrhundert. Die Denkmalschutzbehörde gibt als Entstehungszeit das 14. oder 15. Jahrhundert an. So oder so ist das Kirchlein eine historische Sensation. Von den Wandmalerein aus zwei Epochen ist jedoch kaum mehr was zu sehen, stehen die Ruinen doch regelmässig unter Wasser, und auch das Schutzdach ist verschwunden. Nur ein paar Mauernreste tauchen aus dem trüben, dunklen Nass auf, so dass man nur grob abschätzen kann, wie klein der Kirchbau gewesen sein muss.

Die Kirche im Dezember 2016

Alles unter Wasser

Hier hätte eine kleine touristische Sehenswürdigkeit kreiert werden können. Es bräuchte vorerst nur eine Pumpe und ein Schutzdach und ein, zwei Wegweiser. Entdeckt wurden die Mauernreste erst 2006 bei Grabungen. Und so werden sie in keinem Reiseführer und auch in keinem Fachbuch über historisch bedeutsame Bauten oder Wandmalereien erwähnt. 2008 wurde die Ruine zum Kulturdenkmal erklärt – aber vermutlich ist es schon zu spät. Zu lange war sie Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Unter der Erde war sie besser aufgehoben …

Die Kirche steht mitten in der Ebene – ein paar Häuser sind in der Umgebung verstreut. Der Ishëm schlängelt sich unweit in Richtung Meer. Früher war dies eine sehr ungesunde, Malaria-verseuchte Gegend. Man kann sich nicht vorstellen, weshalb gerade hier eine Kirche erbaut worden ist. Auch heute ist es nicht gerade eine liebliche Region: topfflach, heiss im Sommer, feucht und frisch im Winterhalbjahr.

Neben dem Neubau hinterm Container verstecken sich die Ruinen

Neben dem Neubau hinterm Container verstecken sich die Ruinen

Die Kirche kann problemlos besucht werden – und mit etwas Glück ist auch ein Grossteil des Wassers versickert oder verdunstet, so dass von den Ruinen auch was zu sehen ist. Wer heute von Tirana nach Norden fährt, kommt ganz nah am Gebäude vorbei: In Fushë-Kruja beginnt die schnurgerade Neubaustrecke in Richtung Lezha. Nach fast fünf Kilometern geht vor dem Gelände einer der vielen Tankstellen links eine Schotterstrasse ab. Das kleine, handgeschriebene Schild »Kisha« entdeckt auch der Aufmerksamste wohl erst nach dem Abbiegen. Man kann hier das Auto auch stehen lassen und den Rest zu Fuss gehen, sollte man seinem Wagen die Schlaglöcher nicht zumuten wollen. Nach 500 Meter geht es rechts in ein noch schmäleres Weglein ab, und kurz darauf ist die Kirche erreicht. Von den alten Ruinen sieht man zuerst jedoch nichts – die verstecken sich hinter einer neu erbauten Kirche. Hierfür hat sich in Italien genug Geld gefunden, für den Erhalt der alten Mauern leider bis heute nicht.

Dabei wäre es ein Kulturdenkmal höchster Kategorie. Aber eben auch nur eines von vielen Beispielen, was in diesem Land noch an unentdeckten Schätzen verborgen ist.

 

Ein Heft voller Lyrik

Logo von »∃ për-7-shme«

Logo von »∃ për-7-shme«

Albanien ist ein vielfältiges Universum. Eine Welt darin, die ausserhalb des Landes nur wenigen vertraut ist, bildet die albanische Lyrik. Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu den Spezialisten in diesem Fach – umso schöner ist es, wenn einem dann ein unbekanntes Thema auf verständliche Art näher gebracht wird: Das Heft »Lyrik in Albanien« der Literaturzeitschrift »orte« ist eine liebevoll gestaltete Einführung in das literarische Schaffen in Albanien.

Einerseits werden sieben ausgewählte Gedichteschreiber vorgestellt. Aber auch all diejeningen, die wie ich nicht allzu viel mit Gedichten anfangen können, kommen nicht zu kurz: Ein Interview mit dem Übersetzer Hans-Joachim Lanksch und die ausführliche Einführung des Balkankenners Cyrill Stieger vermitteln dem Leser die Geschichte der albanischen Literatur und die Besonderheiten der Lyrik in albanischer Sprache. So wird zum Beispiel kurz erläutert, weshalb das Gegische ein Comeback feiert unter Lyrikern und Musikern.

Hans-Joachim Lanksch erklärt, weshalb er gerade dieser Sprache verfiel:

»An albanischer Lyrik fasziniert mich die Verknappung der dichterischen Mittel. Die Konzentration auf Wesentliches. Das Vertrauen der Dichter auf die Kraft des Wortes, jedes einzelnen Wortes.«

In einem Zusatzartikel schildern die Redaktorinnen ihre Eindrücke von den Begegnungen mit den Schriftstellern in Tirana. Ein weiterer Artikel widmet sich der Zeitschrift » për-7-shme«, die kurz nach der Wende in den Jahren 1991 und 92 die neuen Freiheiten ausprobierte, die sich albanischen Dichtern bot. Der Titel der Zeitschrift findet sich auf dem Cover des Albanienhfets. Auch Ismail Kadare, der in jungen Jahren viel Lyrik verfasste, kommt auf ein paar Seiten sein Fett weg.

Den Ausflug in diese selten beschriebene Welt kann ich jedem empfehlen: Das orte-Heft »Lyrik aus Albanien« bietet reichlich Stoff für Literaturliebhaber und zugleich eine gute Einführung für Neugierige, die mit dem Thema weniger vertraut sind.

orte Dezember 2016: Lyrik aus Albanien

Politik mit Farben

Dass sich mit Farben gut Politik und PR machen lässt, hat ja schon sein Vorvorgänger Edi Rama bewiesen. Erion Veliaj folgt dem Vorbild: Am Sonntag wurden in Tirana Fussgängerstreifen zu Farbspielen.

Als Begründung für die spielerische Aktion an der Kreuzung beim staatlichen Fernsehen wurde angegeben, dass man für mehr Freundlichkeit in der Stadt und mehr Rücksicht auf Kinder im Strassenverkehr werben wolle.

Nur eine Kreuzung weiter wurde vor dem Kunstgymnasium schon früher ein Zebrastreifen in Notenstreifen umgestaltet.

Tirana ist jedenfalls schon lange nicht mehr die graue, eintönige Stadt, als die sie malverschrieen war – eine farbenfrohe Stadt des stetigen Wandels.

 

Der amerikanische Präsident auf dem Sockel

Statue für Bill Clinton in Prishtina

Statue für Bill Clinton in Prishtina

Die Albaner haben eine Vorliebe, amerikanischen Präsidenten Denkmäler zu errichten.

Nicht ganz unbegründet sind wohl die Denkmäler, die eng im Zusammenhang stehen mit der Existenz der albanischen Staaten:

Woodrow Wilson (1856–1924) war 28. amerikanischer Präsident und durch seine Einflussnahme bei der Pariser Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg wesentlich verantwortlich, dass Albanien nicht unter seinen Nachbarn aufgeteilt wurde. Ihm zu Ehren wurde auf dem »Sheshi Wilson« im Zentrum Tiranas eine Statue errichtet – mitten in einem Kreisel stehend geht sie leider etwas unter im Verkehr. Anscheinendhatte  Ministerpräsident Fan Noli sogar ein Dekret erlassen, den Ort Shëngjin in »Wilson-Stadt« umzubenennen, was aber nie umgesetzt wurde und auch vollkommen in Vergessenheit geraten war, bis dort vor Kurzem eine Plakette angebracht worden ist.

Bill Clinton, 42. amerikanischer Präsident, wird in der kosovarischen Hauptstadt mit einem grossen Denkmal geehrt. Zwar nicht gerade an der attraktivsten Ecke der Stadt, aber zumindest für jeden Besucher, der vom Flughafen kommt, sichtbar. Bill Clinton war als Präsident mit seinem Entscheid zum Luftangriff gegen Serbien massgeblich an der Gründung des kosovarischen Staats beteiligt – erst der Kosovokrieg machte die Unabhängigkeit möglich. Und so grüsst er von seinem Sockel herunter die vorbeiziehenden Passanten und die im Stau stehenden Autofahrer oder seine Frau Hillary, die einen kurzen Halt einlegte, als sie als Aussenministerin Prishtina besuchte.

Statue für George W. Bush in Fushë-Kruja

Statue für George W. Bush in Fushë-Kruja

Als belustigend ist der Besuch seines Nachfolgers George W. Bush im Sommer 2007 in Albanien in Erinnerung ( Bericht zur Staatsvisite). Die Albaner feierten den ersten US-Präsidenten, der ihr Land besuchte, überschwenglich, während der umstrittene Politiker sonst kaum noch irgendwo in Europa willkommen war. Beim Bad in der Menge während eines kurzen Aufenthalts im Städtchen Fushë-Kruja ging dann auch noch Bushs Armbanduhr verloren. Der Ort kam so zu seinen fünf Minuten weltweiten Ruhms und dankte dies dem Gast mit einem Denkmal. Es steht zwar auf dem Hauptlatz von Fushë-Kruja, aber etwas zurückgedrängt: Die Platzierung könnte repräsentativer sein, die nebenstehende Werbesäule einer Bank überragt das Denkmal fast. Albanien gab nicht nur Briefmarken mit dem Portrait des US-Präsidenten heraus, in Tirana wurde auch eine zentrale Strasse nach ihm benannt, worüber sich insbesondere amerikanische Besucher amüsieren.

Wer ist der nächste amerikanische Präsident, der in Albanien ein Denkmal kriegt?

Wie lange würde es wohl dauern, bis Donald Trump von einem albanischen Bildhauer verewigt würde, würde er denn heute gewählt?

Büste für Hillary Clinton in Saranda

Büste für Hillary Clinton in Saranda

Seine Gegenkandidatin Hillary Clinton ist da schon einen Schritt weiter. Fast schon in vorauseilendem Gehorsam wurde diesen Sommer in Saranda eine Hillary-Büste eingeweiht. Der Grund dafür wurde nicht ganz klar. Die Bürgermeisterin von Saranda erklärte damals, dass das Monument die Verbindung zwischen Albanien und den USA zum Ausdruck bringen solle, dass man damit den Amerikanern und vor allem Hillary Clinton für wiederkehrende Unterstützung für das albanische Volk danken wolle. Das Denkmal nennt dann auch anstelle einer Würdigung prominent die Stifter: nebst der Stadt Saranda die US-Organisation »Diplomatic Mission Peace and Prosperity«. Auch der gewählte Ort für das Denkmal überzeugt nicht ganz: Das kleine Plätzchen im Zentrum der Stadt liegt eingeklemmt zwischen parkierten Autos, die Büste versteckt sich schon fast hinter viel Grünzeug. Wenn man nicht aufmerksam Ausschau hält, wird man das Monument vermutlich übersehen.

Zumindest die Aussage der Bürgermeisterin, dass sich die Albaner den Amerikanern sehr verbunden fühlen, dürfte zutreffend sein. Neben Mexiko ist Albanien wohl das Land mit den meisten Denkmälern amerikanischer Präsidenten, auch wenn kaum eines davon richtig monumental ist.

Marubi-Ausstellung in Amsterdam

Die Marubi-Ausstellung im Amsterdamer Museum FOAM zeigt eine überraschende Vielfalt bisher unbekannter Abbildungen, Motive und Themen. Augenfällig sind natürlich die originalen Negativglasplatten, die anscheinend zum ersten Mal ausserhalb Albaniens zu sehen sind – und auch in Albanien bis vor Kurzem kaum zu sehen waren.

Ausgestellt sind aber auch zahlreiche Themenkreise, von deren Präsenz bis anhin kaum jemand wusste. Einige Fotos zeigen Krankheitssymptome, andere Verbrecher – auch zahlreiche Gruppenfotos von Schulklassen, Klosterorden und Karnevalsgruppen hängen an den Wänden neben Portraits von türkischen Soldaten, Selbstportraits der Fotografen und Aufnahmen ihres Studios, Collagen und natürlich den vielen bekannten Portraitaufnahmen, Landschaftsbildern und Fotos von historischen Ereignissen.

Die Ausstellung ist nicht besonders gross, aber weist eine erstaunlich hohe Zahl an Abbildungen auf. Zum Teil werden die Bilder auch an die Wand projeziert. Die Erläuterungen geben guten Einblick in das Umfeld, in dem die Marubi-Fotografen aktiv waren – auch hier findet sich manche neue Information.

Der Zauberer aus der Zadrima

Wohl mein aktuelles Lieblingsvideo, da es viel Bewundernswertes vereint:

Kochen – Leidenschaft – Spitzengastronomie – Genuss – ein grosses Diner – Perfektion – albanische Küche – Mut

Es ist eine hohe Kunst und braucht wohl auch einiges an Mut, an einem Gala-Diner während einer royalen Hochzeit für prominente Gäste aus aller Welt eine solch traditionelle Küche aufzutischen. Der Zauberer, Koch Altin Prenga vom Restaurant Mrizi i Zanave, hat die Gäste an der königlichen Hochzeit von Prinz Leka und Elia Zaharia dieses Wochenende in Tirana mit seinen Slow-Food-Köstlichkeiten verwöhnt und gewährt uns einen Blick über seine Schulter bei der Zubereitung der Speisen.

 

Bilder der Hochzeit

Mutter Teresa vereint Albaner und Schweizer 

Ein paar Impressionen von der Eröffnung der Ausstellung über Mutter Teresa im Staatsarchiv Luzern heute Nachmittag. Ein Raum voller Albaner und Schweizer.

Die Ausstellung vermittelt einen Überblick vom Leben der albanischen Ordensgründerin, Friedensnobelpreisträgerin und Heiligen und zeigt Dokumente, die ihre Beziehungen zur Schweiz dokumentieren, aus dem Staatsarchiv Luzern und anderen Sammlungen.

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