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Erdbebengefahr

Auch in Albanien gab es schon diverse folgenschwere Erdbeben - Zukünftige werden nicht ausbleiben

Im September letzten Jahres wurden die Türkei und Griechenland von schrecklichen Erdbeben heimgesucht. Erst vor einigen Jahren bebte in Italien wochenlang der Boden. Nicht nur die Nachbarn, sondern auch Albanien liegt in einer Zone verstärkter Erdbebengefährdung. Die Folgeprobleme solcher Naturkatastrophen (schon die griechischen und türkischen Behörden glänzten nicht gerade) würden wohl den albanischen Staat weit überfordern.

Das letzte grosse Erdbeben in Albanien liegt bereits 20 Jahre zurück. Am 15. April 1979 ereignete sich ein Beben der Stärke 7,2 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag zwar jenseits der Grenze im Süden Montenegros. Trotzdem waren in Albanien 35 Tote, 382 Verletzte und viele Tausend beschädigte und zerstörte Häuser zu verzeichnen. Die Zahl der Obdachlosen wurde mit 100'000 angegeben. Der damalige Staat war hingegen noch wesentlich besser organisiert als der heutige: 25'000 Menschen aus dem ganzen Land wurden zu Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten herangezogen. Das Ausland durfte nicht mithelfen. Die Sozialistische Volksrepublik hat hier wohl Erhebliches geleistet.

Nordalbanien wurde 1905 bereits von einem Erdbeben heimgesucht. Ein starkes Erdbeben zerstörte 1851 Vlora. Zahlreiche andere Ereignisse sind ebenfalls nachgewiesen. Schwache Erdbeben werden bei der Nachrichtenagentur »Albanian Telegraph Agency« (ATA) nur beiläufig, aber regelmässig gemeldet.

Historische Erdbeben in Albanien
1153 Butrint
1851 Berat, Elbasan, Tirana, Vlora
1879 Durrës
1906 Shkodër
1920 Tepelena
1927 Durrës
1930 Himara
1931 Korça
1962 Mittelalbanien
1967 Dibër, Librazhd
1979 Ulqin (Montenegro)

Sicher ist, dass irgendwann in der Zukunft ein weiteres starkes Erdbeben Albanien heimsuchen wird. Denn das Land liegt in einer Druckzone zwischen der nach Norden drängenden Afrikanischen Platte, die dabei auf die Eurasische Platte stösst. Dazwischen eingekeilt liegen die Anatolische Platte und der Adriatische Sporn.

Verheerende Folgen
Der Gefahr ist man sich auch in Albanien bewusst. Es besteht zur Zeit schon fast eine Panik, denn immer wieder wird in den Medien ein baldiges starkes Erdbeben prophezeit. Die Erde ist aber unberechenbar: Das nächste Beben kann schon heute stattfinden, es kann aber auch noch weitere 20 Jahre ausbleiben.

Die Folgen für Albanien dürften verheerend sein. Denn Albanien ist sicherlich noch schlechter auf Erdbeben vorbereitet als Griechenland oder die Türkei.

Stolz wurde im kommunistischen Albanien jedes Gebäude hervorgehoben, das »erdbebensicher« gebaut war. Stolz weist noch heute die Soros-Stiftung »Albanian Educational Development Project« darauf hin, dass die neu gebauten Schulhäuser erdbebensicher seien. Alle anderen Gebäude dürften es wohl nicht sein. Insbesondere die vielen illegalen Bauten der letzten Jahre entsprechen kaum den internationalen Standards für Riskogebiete. Ein wirklich starkes Erdbeben wird deshalb zu grossen Zerstörungen und einer hohen Zahl von Obdachlosen führen. Dabei fehlt es in Albanien sicherlich auch an den notwendigen Geräten (ob Schaufel oder Bagger), um in Trümmern nach Überlebenden suchen zu können.

Gering dürften die Aussichten von Verletzten sein, ausreichende medizinische Versorgung zu erhalten. Die albanischen Spitäler sind ja bereits für den »Normalbetrieb« unzureichend ausgestattet. Auf einen Ernstfall grösseren Ausmasses ist das albanische Gesundheitswesen jedenfalls nicht vorbereitet. Es dürfte allerdings schon an organisierten Rettungskolonnen fehlen, welche die Verletzten überhaupt rechtzeitig bergen könnten. Ausserdem fehlt in Albanien natürlich auch das Geld für einen raschen Wiederaufbau.

Sich der Gefahr bewusst sein
Mit diesem Artikel soll nicht Panik geschürt werden. Wichtig ist hingegen, dass man sich der Gefahr bewusst ist. Gefordert sind natürlich die albanischen Behörden, die erforderliche Bauvorschriften durchsetzen müssten, um Gebäude sicher zu gestalten. Aber auch ausländische Regierungen, Rettungs- und Hilfsorganisationen sollten sich Gedanken machen, wie im Falle einer solchen Katastrophe genügend rasch geholfen werden könnte - dieses Mal wird Albanien kaum mehr ausländische Hilfe ablehen - und was präventiv schon heute gemacht werden kann: Sei es bei der Umsetzung von Projekten (sicheres Bauen), sei es in der Aufklärung der Bevölkerung. Des Weiteren legitimiert die drohende Gefahr auch weitere Projekte in Albanien - gerade im Gesundheitsbereich.

Lars Haefner


Weitere Informationen unter http://www.seismo.ethz.ch/gshap/adria/


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