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Meine Albanien - Reisen - Anfang der 90er Jahre

Verfasst: Do, 04. Jun 2020, 17:00
von tonicek
Ich hab mich jetzt mal dazu entschlossen, aus meinem Gedächtnis heraus etwas zu schreiben, was mir noch in Erinnerung geblieben ist, als ich zwei Reisen, jeweils von Italien aus, nach Albanien unternahm.-
Schon lange vor meinen Reisen war mir bekannt, daß AL neben Rumänien eine der härtesten Diktaturen auszuhalten hat, in Rumänien war der Diktator Ceaucescu und in AL Enver Hoxha. Mir war auch bekannt, daß Individual-Reisen nach AL nicht möglich waren; nur geführte Gruppenreisen waren gestattet, und auch nur bestimmte, von den Regierenden festgelegte Hotels durften gebucht und genutzt werden. Desweiteren war mir seit längerem bekannt, daß der Privatbesitz an KFZ / PKW nicht gestattet war, der Güterverkehr wurde mit betriebseigenen LKW's abgewickelt, diese Betriebe waren in staatlicher Hand.-

Alles das war mir bekannt, mehr aaber auch nicht. Da ich ein absoluter Individualist bin, war es natürlich völlig klar, daß ich keine geführte Gruppenreise mit vorausgewählten, staatlich festgelegten Hotels machen werde. Das einzige Mal, daß ich so etwas mitmachte, war eine Wohnmobil-Reise nach Libyen, wir waaren eine Gruppe von Bekannten von 10 KFZ.-

Irgendwann Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hörte ich, daß AL seine Grenzen den individuell Reisenden öffnet, und noch dazu: Man braucht kein Visum. Das war für mich ein "gefundenes Fressen", ich marschierte in diverse Reisebüros, und schon kurze Zeit später war ich im Besitz eines One-way- Fährtickets von der Reederei ADRIATICA, Abfahrt von Ancone, Ankunft nach runden 20 Std. in Durres, ein KFZ + 1 Erwachsener in Einzelkabine - mit Verpflegung = runde 600 DM - da wurde nicht lange überlegt.- Ich glaube, das war so um die Zeit 1991 / 1992. Zu dieser Zeit schrieb ich noch keine Privat-Reportagen und zu den selbsternannten Reiseschriftstellern habe ich mich auch noch nie gezählt. Da ich prinzipiell nicht ohne sachkundige Reiseliteratur fahre, suchte ich nach Büchern - und, ja, von Leuten wie V. Grundmann https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/V ... 3861122937 oder den Holzmanns war weit und breit nichts, aber auch gar nichts zu sehen, geschweige denn zu lesen - so fuhr ich eben auf gut Glück mit der Fähre Richtung Balkan . . .

Versprochen hatte ich mir von der Überfahrt etwas Unterhaltung, gute Stimmung mit südländischen Menschen - nichts davon trat ein.
Ich hatte nicht gewußt, daß die Albaner zu 60 % Muslima und nur zu 17 % Katholiken sind, und, ja, Muslime gehen natürlich nicht zum Feiern in die Schiffsbar, dazu kommt noch, daß die muslim. Frauen da sowieso keinen Zugang haben - all das wurde mir erst später klar.

Was ich feststellte, war, daß ich mit einiger Sicherheit der einzige Tourist, und das ist hier im wörtlichsten Sinne zu verstehen, war - alles andere auf dem Schiff waren Albaner und die Fracht der Albaner bestand zu 95 % aus italienischen, kaputten, schrottreifen PKW's, die sie billigst in Italien vom Schrottplatz kauften, um sie dann in mühevoller Kleinarbeit in AL zu reparieren - eigentlich auch logisch, gewußt hatte ich es nicht, all das erfuhr ich von den Barstewards, die sichtlich zufrieden + erfreut waren, einen Kunden zu haben, der reichlich für Umsatz sorgt - selbstverständlich hatte ich auch nicht bedacht, daß die meisten Albaner zu diesem Zeitpunkt so arm sind, daß sie kaum in der Lage sein werden, teure Bargetränke mit typisch italienisch-hohen Preisen zu konsumieren.

Fotos habe ich damals [ fast ] keine gemacht, ich war nie ein Fan davon, meine "Bilder" trug ich in meinem Kopf mit mir - und, ja, es gab oder gibt kaum einen Bekannten, dem ich die Bilder evtll zeigen könnte - das Interesse der westeuropäischen Bevölkerung an AL war maximal gesehen rudimentär ausgebildet, ja, man erklärte mich sogar für verrückt, mit einem KFZ im Werte von 60.000 DM in ein solches Land zu fahren . . .

Auch die Saten meiner 2. Reise nach AL habe ich nicht mehr im Kopf, ich weiß nur, daß die Reise dieses Mal nicht von Ancona los ging, sondern in Triest, war aber auch egal . . .

Das war die Einführung zum Bericht meiner beiden AL - Reisen, beide beginnend in Italien, und wer gerne wissen möchte, warum gerade AL - dem sage ich mal:
Ich hatte als Seemann immer 6 Mon. Urlaub / Jahr - und die mußte ich ja irgendwie ausfüllen, und ja, mich faszinierte meine Neugier, was sich in einer der härtesten kommunist. Diktaturen zu sehen bekomme.

Hier mal ein gerettetes Bild von damals, nicht digitalisiert, nur abfotographiert:
20200531_183039 (Kopie).jpg
Fortsetzung folgt.

P.S.: Kurzmitteilung an die Administration & evtll auch Moderation:
Nach meinem Bericht vom 25.05. hier betr. "HOBO-Team / Holzmann" wurde ja gleich der heiße Draht zu Holzmann geschalten - das kann jetzt auch gleich wieder erfolgen - nur mal so mein Hinweis, daß da nichts vergessen wird in der Schnelllebigkeit der Zeit . . . Und wenn jemand von den Holzmanns fragen sollte, wann ich die nächsten Bücher kaufen werde - tut mir leid, habe leider keinen Bedarf mehr. Der Führer von R. R. Braun übertrifft in Qualität und Quantität alles das, was ich vorher betr. Albaniens in den Händen hielt. Nur mal so meine persönliche Meinung . . .

Die besten Quellen in Albanien

Verfasst: So, 14. Jun 2020, 17:49
von tonicek
Lars hat geschrieben: . . .und heute möchte bestimmt niemand mehr an dieses Kapitel erinnert werden. https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9204763.html
Ein interessanter Artikel, erinnert mich an meine ersten beiden AL - Reisen mit Privat-PKW. Diesen Satz hier hab' ich sehr deutlich zu spüren bekommen:

" Privatautos waren in Albanien bis 1990 verboten. . . "

Ich hab das deswegen sehr deutlich zu spüren bekommen, weil es keine Tankstellen gab - für wen auch? Privatautos waren verboten, die anderen KFZ waren volkseigen u. hatten ihre eigenen Tankstellen in den staatl. Betrieben - woher also bekomme ich meinen Diesel für mein KFZ ?

Lang, lang, ist's her . . . und, ja, überlebt hab' ich's auch . . .

Re: Meine Albanien - Reisen - Anfang der 90er Jahre

Verfasst: So, 14. Jun 2020, 20:14
von Illyrian^Prince
Warste auch nach dem ende des Kommunismus in Albanien?

Ich glaub damals tranken die Albaner eher weniger, egal mit welchem religiösen Hintergrund.

Meine Albanien - Reisen - Anfang der 90er Jahre

Verfasst: Di, 16. Jun 2020, 15:49
von tonicek
Was heißt: Nach dem Ende des Kommunismus? Selbstverständlich NUR nach dem Ende des Kommunismus - vorher oder während des Kommunismus war eine individuelle Privat-Reise nicht möglich; all das wüßte ich sehr genau, auch, daß der Privatbesitz an KFZ verboten war. Es waren NUR Gruppen-reisen erlaubt - mit einer strengen Auswahl an Hotels - in diese Hotels durften keine Albaner hinein, und die Gruppen wurden genauestens geführt, hatten wohl keinen oder nur minimalen Privat-Ausflugsbereich. Im Großen und Ganzen war das damals zu 99 % so, wie es heute noch in Nord-Korea u. Turkmenistan ist.-

Deswegen horchte ich ja sehr genau hin, als es um 1990 hieß, AL öffnet sich u. kann bereist werden!
Ich nix wie Reisebüros abgeklappert, Fährverbindungen ausgekundschaftet, One-way - Ticket Ancona - Durres mit ADRIATICA-LINES bestellt und nix wie los - Ergebnis:

Ich kam mir vor wie der einzige Tourist auf dem Dampfer. Der Italiener bei der Ticketkontrolle auf dem Schiff sagte:
" Oh, ein Deutscher, wie geht denn so etwas? Und Sie haben ja eine Einzel-Innenkabine! Dann raunte er mir zu: Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen gerne eine Einzel-Außenkabine, und das ohne Aufpreis." Ich nahm das Angebot gerne an, obwohl mir egal ist, ob Außen- oder Innenkabine für eine Nacht.
Alles andere schrub ich ja bereits . . .

Re: Meine Albanien - Reisen - Anfang der 90er Jahre

Verfasst: Di, 16. Jun 2020, 18:47
von heinz1950
2004 war ich zur Olympiade in Athen, und auf der Rückreise wollte ich mit dem Motorrad durch Albanien. Das ist gründlich daneben gegangen. Die BMW bzw. ihr zentrales Federbein hat die albanischen Straßen nicht verkraftet. Ein Ersatzteil gab es auch nicht, also musste ich zurück nach GR. Leider gabs auch da kein Federbein, also gings per Fähre nach Triest und dann mit kaputtem Federbein über die Autobahn nach Hause.

2006 kam dann der nächste Versuch einer Albanien - Durchquerung mit neuem Federbein, und der ist gelungen :-)