Naja, die "normale" Sonntagswanderung auf ausgetretenen Wegen kann dir Albanien nicht bieten. Mit seinen vielen Bergen ist das Land ideales Terrain für Touren jeglicher Art. Aus eigener Erfahrung kann ich das aber nur erfahrenen und geübten Berggängern empfehlen.
Im Gegensatz zu den Alpenländern fehlen in Albanien Wegmarkierungen und vielerorts auch die Wege. Das Terrain ist meist anspruchsvoll mit vielen rutschenden Steinen und dergleichen. Jegliche vernünftige medizinische Versorgung ist meist Stunden entfernt und eine Bergrettung gibt es nicht einmal ansatzweise. Manch guter Weg kann schnell einmal zu einem gefährlichen Pfad werden. Abgesehen von ein paar Hirten ist sonst kaum jemand in den Bergen unterwegs.
Wer in Albanien unterwegs ist, muss sich gut vorbereiten (gute Ausrüstung für jedes Wetter, für Notfälle, genügend Verpflegung). Führer werden dringend empfohlen. Jede Region hat ihre Eigenarten: mancherorts sind die Pfade noch besser im Schuss, an anderen Orten gibt es weniger Wasser oder Ortschaften, im Norden ist die Gegend ein wenig unsicherer, im Nordosten droht Gefahr von Minen und Blindgängern.
Es gibt alte Karten im Massstab 1:50'000. Diese sind ganz nützlich zur Orientierung, helfen aber im Feld nicht gross weiter. Ein deutschsprachiger Wanderführer für Nordalbanien ist in Entstehung, wird aber frühestens nächstes Jahr erhältlich sein. Ein nützliches Buch ist "Trekking Through Southern Albania" von Benen Hayden (Toena 2005, ISBN 99943-1-023-2), ausserhalb Albaniens wohl am besten erhältlich über die
Butrint Foundation.
In Nordalbanien sind sie sich in einigen Orten bereits Wanderer gewohnt, so dass es ein paar wenige Hotels gibt oder sie vorbereitet sind, Touristen privat unterzubringen. Auch sonst ist Unterkunft in der Regel kein grosses Problem. Aber in den meisten ländlichen Gebieten Albaniens fehlt es fast an jeglicher Infrastruktur: Die Strassen sind kaum befahrbar, in den Cafés oder kleinen Läden sind meist nur Bier, Alkohol, Süssgetränke und ein paar wenige Grundnahrungsmittel erhältlich und meist sind Strom und Wasser noch unregelmässiger als in den Städten (ausser man hat eine Quelle angezapft) und Telefonempfang ist auch nicht garantiert.
Die albanische Bergwelt ist traumhaft und man kann dort noch eindrückliche Begegnungen mit den Menschen machen. Aber man muss sich bewusst sein, dass die Menschen in diesen Gegenden sehr arm sind. Und man darf die Berge noch weniger unterschätzen als die, die wir hier haben.
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