Ich musste beobachten, dass an meinem vier Jahre altem Jeep immer mehr unregelmäßige, kleinflächige Abhebungen der Decklackschicht auftraten. Die Stellen konzentrierten sich auf die Vorderkante der Motorhaube, die Außenkante der unteren Längsholme sowie die Kanten der Radkästenauschnitte. Bevor ich dies beim Hersteller reklamierte, wollte ich den Rat eines Fachmannes. Der grinste mich nach kurzem Blick auf die Stellen an: „Sie haben wohl vergessen, vor Benutzung ihres Kärchers die Betriebsanweisung zu lesen. Da steht drin, wenn sie die Düse in geringerem Abstand als zehn Zentimeter an den Lack bringen, verursacht das Lackschäden.“
Ich besitze überhaupt keinen Kärcher. Aber all die „Lavash“, die in den letzten Jahren in Albanien meinen Jeep gewaschen haben, arbeiteten it diesen Dingern. Das Problem liegt auf der Hand. Je dreckiger das Auto, um so näher bringen die unbedarften Waschjungen die Düse an den Lack. Der hartnäckigste Dreck beim Jeep nach einer Outback-Fahrt ist natürlich im Bereich unterhalb der Längsholme und in den Radkästen zu entfernen und da fliegt die Deckschicht des Lacks eben gleich mit weg.
Der Fachmann war auch gleich so freundlich, meine Reifen zu inspizieren: Etliche kleine, ausgezackte Löcher, wie von winzigen Meteoriteneinschlägen: „Typisch für Kärcher...“
Klarer Rat also, wer seinen Lack nicht abgeschliffen haben will, fährt nach einer Albanien-Outback-Expedition lieber mit Dreckkruste nach Hause, oder nimmt den Jungs den Kärcher aus der Hand und spritzt den Wagen nur notdürftig selber ab, denn moderne Waschanlagen gibt es in Albanien nicht.
