roland hat geschrieben:noch so ne Autofahrer-Region
Vor meiner Persien-Reise mit dem Mopped vor einigen Jahren wurde ich von einem Perser bzgl. der Verkehrssitten "aufgeklärt": "Zum Glück wollt ihr nicht weiter bis nach Pakistan, denn dort fährt man mit Berührung."
Was diese stufenweise Änderung der Verkehrssitten zwischen Mitteleuropa und Vorderasien bedeuten sollte, habe ich dann selbst erfahren: Istanbul ist im Gegensatz zum SZ-Bericht ein Kindergeburtstag, denn das Tempo in der Stadt ist nicht besonders hoch. Man braucht eine sehr kräftige Hupe. Das größte Risiko ist der extrem glatte Asphalt besonders im Bereich vor Kreuzungen und Ampeln. Etwas kritischer ist es in (Ost-)Anatolien, denn dort muß man wirklich damit rechnen, daß Einzelne fahren, als hätten sie ihren Führerschein noch nicht mal gekauft. Dort beginnt man dann weiterhin zu lernen, daß Schilder am Straßenrand i.A. eine unverbindliche Verkehrsempfehlung darstellen. Im Iran wird's lustiger je weiter man nach Osten kommt. Die unverbindlichen Verkehrsempfehlungen erwähnte ich schon, dazu zählen spätestens ab Teheran auch Ampeln, wobei es davon gar nicht mal so viele gibt. Kreisverkehre sind viel besser, denn da hat jeder Vorfahrt. Also jeder, der nicht bremst. Gewöhnt man sich dran, auch als Moppedfahrer, denn es wird wirklich nicht auf Berührung gefahren. Der Sicherheizabstand wird anerkannt und ggf. auf wenige cm reduziert. Das ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Meshhed im NO vom Iran ist eine weitere Vorstufe zu pakistanischen Verkehrsgepflogenheiten, mischen doch dort noch etliche Touristen bzw. Pilger aus den zentralasiatischen Ländern im Verkehrsgewühl mit. Es wird selten aggressiv und bleibt ohne Berührung, Rückspiegel außen gibt es keine mehr, nach hinten schaut keiner, aber wenn man mal 1cm Vorsprung vor dem anderen hat, dann wird das respektiert. Ganz im Gegensatz zu .de, .ch oder .at. Und dann wird auch nicht erwartet, daß man noch nach hinten schaut, was man aber als Moppedfahrer aus Europa trotzdem (heimlich) tut.
Leute, erzählt viel über den Verkehr in Albanien, aber übertreibt nicht! Ich habe auch dort problemlos per Mopped das Land bereist. Wenn wir mit den Moppeds schneller fahren wollten als die Einheimischen in den Autos, dann hat man uns das gegönnt und uns nicht beim Überholen behindert (wie in .de, .ch oder .at). Wollten wir langsam fahren zwecks Sightseeing oder wg. der für Moppeds ungünstigen Bodenverhältnisse, dann wurde auch das respektiert, z.B. Baustellen-Schotterstrecken, die per Wasser aus dem LKW zur schmierigen, aber staubfreien Piste gewandelt werden. Das ganze Verkehrsgeschehen ist recht kalkulierbar. Nur einen Unfall mit einem albanischen Fahrzeug mit einem erkennbar ehemaligen deutschen Kennzeichen möchte ich nicht haben, denn diese sind häufig genug nicht gültig und somit die Fahrzeuge offensichtlich gar nicht versichert.
Gruß, Ralf