DerImmune
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Zwischen zwei Stühlen fühlen

Do, 06. Feb 2014, 0:05

Johann Gottfried von Herder schrieb "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss".

Ich erlebe oft, dass sich Albaner und auch andere Secondos erklären müssen, hier wie dort, an den Pranger gestellt werden für Taten und Sätze, die für Andere an einem Verrat an der eigenen Heimat gleicht.


Darf man sich zwischen zwei Stühlen fühlen oder gibt es für uns Secondos nur eine Heimat?

Mit was verbindet ihr Heimat und welche Tat oder welcher Satz hätte für euch die Schlussfolgerung, dass jemand nicht diese Heimat lieben kann, lieben darf?

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Florim
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Do, 06. Feb 2014, 11:20

DerImmune hat geschrieben:Johann Gottfried von Herder schrieb "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss".

Ich erlebe oft, dass sich Albaner und auch andere Secondos erklären müssen, hier wie dort, an den Pranger gestellt werden für Taten und Sätze, die für Andere an einem Verrat an der eigenen Heimat gleicht.


Darf man sich zwischen zwei Stühlen fühlen oder gibt es für uns Secondos nur eine Heimat?

Mit was verbindet ihr Heimat und welche Tat oder welcher Satz hätte für euch die Schlussfolgerung, dass jemand nicht diese Heimat lieben kann, lieben darf?
Hallo "DerImmune"

Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, die im Westen und konkret in der Schweiz leben, empfinden die Heimat ihrer Eltern nicht wirklich als Heimat und sie zeigen das manchmal deutlich indem sie bspw. für gewisse Traditionen und Bräuche kein Verständnis haben oder diese mit ihren schweizerischen Überzeugungen nicht vereinbaren können.
Es gibt wiederum Jugendliche, die einen Pseudopatriotismus an den Tag legen und sich gerne Doppeladler auf die Arme tätowieren lassen, kennen dabei die grundlegendsten Ereignisse in der albanischen Geschichte nicht. Oft kennen sie die nahe Verwandschaft der Mutter oder des Vaters nicht.

Meiner Meinung nach sind die Jahre zwischen 10 und 16 Jahren die einprägendsten Erinnerungen, die man mit dem Wort "Heimat" in Relation bringt.
Von Jugendlichen, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind, kann und darf man nicht erwarten, dass sie die Heimat der Eltern als ihre Heimat sehen.

Gruess
Florim
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Strellci i Vertet
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Do, 06. Feb 2014, 15:09

DerImmune hat geschrieben:Johann Gottfried von Herder schrieb "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss".

Ich erlebe oft, dass sich Albaner und auch andere Secondos erklären müssen, hier wie dort, an den Pranger gestellt werden für Taten und Sätze, die für Andere an einem Verrat an der eigenen Heimat gleicht.


Darf man sich zwischen zwei Stühlen fühlen oder gibt es für uns Secondos nur eine Heimat?

Mit was verbindet ihr Heimat und welche Tat oder welcher Satz hätte für euch die Schlussfolgerung, dass jemand nicht diese Heimat lieben kann, lieben darf?

Wer ein Land liebt, der wird für dieses Land alles tun. ........Genau da beginnt die Abgrenzung. Genau da beginnt die andersartigkeit und dann ist es nicht mehr weit von Abneigung zum Hass und vom Hass zur Landesliebe und von dort zum Mord für die Landesliebe.
Kein einziges Land auf der Erde ist es wert geliebt zu werden. Ich liebe die Erde als Ganzes. Länder sind da um Grenzen zu schaffen.

Landesliebe? Nein Danke! Ich bin ein Erden Mensch und dies ist Abgrenzung genug. :wink:
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DerImmune
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

So, 09. Feb 2014, 21:00

Vielen Dank für eure Antworten.

@Florim: Interessanter Beitrag! Beim Lesen deines Beitrages sind mir augenblicklich Fragen durch den Kopf geschossen.
Bedeutet das für dich, dass wir einen ähnlichen Prozess wie die Italiener und Portugiesen durchmachen werden: Mit jeder weiteren Generation, die heranwächst, erleben wir ein Stück Abnabelung vom Albanerdasein? Bildet die höchste Stufe der Integration schlussendlich das vollständige Rückenkehren der einen "Heimat"?
Ist dieser Pseudopatriotismus von manchen nicht eine Art Zeugnis von innerlicher Heimatlosigkeit? Wenn man sich hier nicht "zuhause" fühlt, dann wenigstens dort. Diese Tattoos sollen ja nicht selten beim Gegenüber Eindruck schinden und gleichzeitig Dazugehörigkeit vermitteln. Ein visueller Schrei nach Akzeptanz und Identität. Das Skurille dabei ist, wie du schon angesprochen, dass die wenigsten sich mit Land und Leute beschäftigen.

@Strellci i vertet: Ich kann dir hierbei nicht zustimmen. Liebe kann niemals Hass bilden, die äusserste Form von Liebe kann niemals der Hass sein. Vielleicht ist das Gegenstück zur Liebe Gleichgültigkeit, aber wer Hassgefühle in sich trägt, hat nicht wirklich geliebt. Diese Menschen, welche ihren Rassismus durch die Landesliebe begründen, haben tiefere Komplexe und Persönlichkeitsstörungen, die nicht selten auch in ablehnende Haltungen gegenüber ihren eigenen Landsleuten enden. Wie kann jemand vernarrt in seine eigene Heimat sein während er die Menschen der jeweiligen Heimat kategorisiert und klassifiziert?

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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 14:54

DerImmune hat geschrieben:Vielen Dank für eure Antworten.

@Strellci i vertet: Ich kann dir hierbei nicht zustimmen. Liebe kann niemals Hass bilden, die äusserste Form von Liebe kann niemals der Hass sein. Vielleicht ist das Gegenstück zur Liebe Gleichgültigkeit, aber wer Hassgefühle in sich trägt, hat nicht wirklich geliebt. Diese Menschen, welche ihren Rassismus durch die Landesliebe begründen, haben tiefere Komplexe und Persönlichkeitsstörungen, die nicht selten auch in ablehnende Haltungen gegenüber ihren eigenen Landsleuten enden. Wie kann jemand vernarrt in seine eigene Heimat sein während er die Menschen der jeweiligen Heimat kategorisiert und klassifiziert?
Derimmune

Es gibt sehr komische Ideen und Vorstellungen von Liebe. Liebe kann in Hass umschlagen. Es kann bis hin zur Krankhaften Liebe gehen.........

Ich Zittiere: ''wer sein Vaterland liebt, der ist bereit sein Vaterland zu verteidigen bis zum Tode. Lasst uns den Feind überrennen und nieder machen.''

Liebe, Tod und unterschwelliger Hass in einem Fers.


Ich weiss nicht mehr wes es sagte aber es ging ungefähr so: Nur wer seinen Hass überwunden hat und seinem gegenüber verziehen hat, nur der jenige weiss, was wahrhaftig Liebe ist.

in meinen Erfahrungen mit Mitmenschen, sind nicht immer nur einschlägig gewesen sondern Fassadenreich und dieses Fassadenreichtum macht es mit unmöglich, da Grenzen zu ziehen, im praktisch angewandt Aspekt wie auch im Philosophischen Aspekt.


deffiniere den Begriff Liebe mein Lieber DerImmune

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liberté
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 15:38

Kein einziges Land auf der Erde ist es wert geliebt zu werden. Ich liebe die Erde als Ganzes. Länder sind da um Grenzen zu schaffen.

Landesliebe? Nein Danke! Ich bin ein Erden Mensch und dies ist Abgrenzung genug. :wink:[/quote]

bravo strellci, auf den punkt gebracht. ich bin als weltenbürgerin erzogen worden und erschrecke jedes mal, wenn ich auf geballten patriotismus knalle.

warum kann heimat nicht ein gefühl sein? von geborgenheit und wärme....ein bild, ein geruch, ein gefühl - aber nie eine identität.
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 16:00

Ich finde Schoppenhauers Zitat noch passend:
"Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein."

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Florim
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 16:21

Einen positiven Apekt hat die ganze Sache: Strellci und Tante Berta sind sich mal einig :D

Gruess len
Florian
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 16:39

Florim

ich und liberté sind uns schon in einigen Dingen einig, wir sind aber nicht die selbe Person und somit haben wir zu verschiedenen Sachen auch verschiedene Ansichten oder Meinungen, aber unter dem Strich sind wir beide Menschen und wir müssen zwangsweise auch Gemeinsahmkeiten haben :wink:

wie war es in US und A?

@Liberté

ich weiss noch als ich meinen Schulfreund der in die Rechtextreme Sczene schlitterte und ich diesen nicht los liess, an eine Szene.....da stellt sich jemand sich als krasser Nazi vor.........ich fragte ihn nach dem Namen....er hiess David.... :roll:


@Kleshtrimania

naja.....geht so.....50.3% in der Schweiz wollen sich abgrenzen :mrgreen:
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liberté
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 17:09

jau onkel floflo, auch wenn es oberflächlich nicht so scheint, schätze ich genosse strellc doch sehr, da die basis (sympathie) stimmt, macht auch ein wortabschlag freude, denn dies passiert meistens mit dem respekt, der entgegen gebracht wird.

und heute sogar mit schoppenhauer und klesh im boot - what a perfect day.

ich habe übrigens das erste mal bewusst gespürt, welche nationalität ich habe, als ich in polen wegen selbiger gemobbt wurde (man sammelte im haus unterschrifte, dass es unzumutbar ist mit einer deutschen unter einem dach zu wohnen). da gab es einen inneren widerstand und fast war ich vergnügt, denn zum ersten mal gehörte auch meine herkunft zu mir. ich denke das kann auch keiner von uns verneinen.

ich frage mich, wie es für meine kinder wird. noch ist es für sie vollkommen natürlich, daß sie eben halb deutsch / halb albanisch sind. sie bezeichnen sich selbst als glückspilze, denn sie haben ja zwei zuhause, eine große familie.

so lange man sich nicht entscheiden muss, kann man vll. wunderbar damit leben ein "secondo" (woher kommt eigentlich dieser begriff? könnt ihr euch damit gut identifizieren?) zu sein?
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Florim
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 19:26

Strellci i Vertet hat geschrieben:Florim

ich und liberté sind uns schon in einigen Dingen einig, wir sind aber nicht die selbe Person und somit haben wir zu verschiedenen Sachen auch verschiedene Ansichten oder Meinungen, aber unter dem Strich sind wir beide Menschen und wir müssen zwangsweise auch Gemeinsahmkeiten haben :wink:

wie war es in US und A?
Ciao Strellci

Das freut mich Strellci. Ich beneide euch für diese geduldige Ausdauer. :D

Ja, war nicht schlecht. Habe noch einen Blitzbesuch bei einem Cousin in Missouri gemacht, bin halt in diesen 8 Tagen viel rumgeflogen.

Viel geshoppt halt, Century21 :wink: :D

Gruess
Flöru
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Mo, 10. Feb 2014, 22:25

liberté hat geschrieben:j

so lange man sich nicht entscheiden muss, kann man vll. wunderbar damit leben ein "secondo" (woher kommt eigentlich dieser begriff? könnt ihr euch damit gut identifizieren?) zu sein?
Secondo kommt aus der italienischen Sprache und somit von der grössten Einwanderergruppe hier in der Schweiz und damit ist die zweite Generation der Einwanderer gemeint.

Also ich finde schon dass man ein Land lieben kann, warum nicht? Man kann auch mehr als ein Land lieben. Ich meine damit nicht den Nationalstolz, sondern die Liebe zu einem Land, zu dessen Natur und Landschaft, Kultur und Sprache, zu den Menschen. Halt dort wo man sich wohl und geborgen fühlt, muss aber nicht nur ein Land sein, respektive kann ja auch sein, dass man nicht zwischen den zwei Stühlen sitzt, sondern auf beiden, daran ist nichts falsch.

Strellci i Vertet
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Di, 11. Feb 2014, 10:04

Florim hat geschrieben:
Strellci i Vertet hat geschrieben:Florim

ich und liberté sind uns schon in einigen Dingen einig, wir sind aber nicht die selbe Person und somit haben wir zu verschiedenen Sachen auch verschiedene Ansichten oder Meinungen, aber unter dem Strich sind wir beide Menschen und wir müssen zwangsweise auch Gemeinsahmkeiten haben :wink:

wie war es in US und A?
Ciao Strellci

Das freut mich Strellci. Ich beneide euch für diese geduldige Ausdauer. :D

Ja, war nicht schlecht. Habe noch einen Blitzbesuch bei einem Cousin in Missouri gemacht, bin halt in diesen 8 Tagen viel rumgeflogen.

Viel geshoppt halt, Century21 :wink: :D

Gruess
Flöru

ich hätte nicht gedacht, dass mir New York so zu sagt.....hatte eigentlich eher eine negative Meinung über US-A.....die Einkaufscenter sind dort echt gigantisch.....rückgabe recht auf fast alle Kleidungsartikel hat mich auch sehr erstaunt. War in Macy’s ein par male.......aber das war klein in verhältniss zu einer mall in new jersey......da hätte man den ganzen Tag gebraucht um sich alles an zu sehen...

andere orte in usa kenn ich nicht.....oh doch da war noch diese Casino Stadt atlantic city. :wink:
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Florim
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Di, 11. Feb 2014, 11:16

Strellci i Vertet hat geschrieben: ich hätte nicht gedacht, dass mir New York so zu sagt.....hatte eigentlich eher eine negative Meinung über US-A.....die Einkaufscenter sind dort echt gigantisch.....rückgabe recht auf fast alle Kleidungsartikel hat mich auch sehr erstaunt. War in Macy’s ein par male.......aber das war klein in verhältniss zu einer mall in new jersey......da hätte man den ganzen Tag gebraucht um sich alles an zu sehen...

andere orte in usa kenn ich nicht.....oh doch da war noch diese Casino Stadt atlantic city. :wink:
Hallo Strellci

Hoffentlich hast du bei Macy's auch die 10% Visitor-Karte bekommen, das sichert dir über alle Artikel 10% zusätzlichen Rabatt.
Yap, das ist die Jersey Gardens Mall, die haben wir auch gerne. :D

In Down Town Manhattan, in der Nähe des 9/11 Memorial gibt's auch ein Einkaufszentrum, Century21 heisst's. Ist echt billig dort.
Vorerst bleibt das meine letzte Reise in den USA. Will mich eher auf Afrika und Asien konzentrieren. Mal sehen, wo die Reise hinführt :D

Gruess
Flörzi
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Di, 11. Feb 2014, 15:51

DerImmune hat geschrieben:Johann Gottfried von Herder schrieb "Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss".

Ich erlebe oft, dass sich Albaner und auch andere Secondos erklären müssen, hier wie dort, an den Pranger gestellt werden für Taten und Sätze, die für Andere an einem Verrat an der eigenen Heimat gleicht.


Darf man sich zwischen zwei Stühlen fühlen oder gibt es für uns Secondos nur eine Heimat?

Mit was verbindet ihr Heimat und welche Tat oder welcher Satz hätte für euch die Schlussfolgerung, dass jemand nicht diese Heimat lieben kann, lieben darf?
Meine Oma hat immer gesagt:
Heimat ist wo dein Herz zuhause ist. Und da ich meine Kinder alle gleich liebe finde ich es auch nicht schwierig mich in D genauso zuhause zu fühlen wie in MK.
Es ist vielleicht auch nur ein Problem für Menschen die halt von anderen unter Druck gesetzt werden so nach dem Motto:
Drüben ist alles besser, du hast deine Identität total verloren, du bist kein richtiger Albaner mehr....
Du allein entscheidest über dein Herz und deine Gefühle und was man selber für sich als richtig empfindet sollte man sich von anderen nicht schlechtreden lassen.
Und genau wie estra sagt man kann auch auf zwei Stühlen sitzen.

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liberté
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Di, 11. Feb 2014, 18:19

Estra hat geschrieben:
liberté hat geschrieben:j

so lange man sich nicht entscheiden muss, kann man vll. wunderbar damit leben ein "secondo" (woher kommt eigentlich dieser begriff? könnt ihr euch damit gut identifizieren?) zu sein?
Secondo kommt aus der italienischen Sprache und somit von der grössten Einwanderergruppe hier in der Schweiz und damit ist die zweite Generation der Einwanderer gemeint.

---- danke estra, ich kann ja italienisch, aber wunderte mich, warum ausgerechnet albaner diesen begriff benutzen. so ist es natürlich logisch.

Also ich finde schon dass man ein Land lieben kann, warum nicht? Man kann auch mehr als ein Land lieben. Ich meine damit nicht den Nationalstolz, sondern die Liebe zu einem Land, zu dessen Natur und Landschaft, Kultur und Sprache, zu den Menschen. Halt dort wo man sich wohl und geborgen fühlt, muss aber nicht nur ein Land sein, respektive kann ja auch sein, dass man nicht zwischen den zwei Stühlen sitzt, sondern auf beiden, daran ist nichts falsch.
---- das hatte ich ja so ähnlich auch schon geschrieben. ein gefühl für ein land. egal ob es das der herkunft der eltern ist, das in dem man lebt und erfahrungen sammelt oder ein wildfremdes, das einen aber auf eigentümliche weise anspricht und anzieht. wichtig ist, für mein empfinden, das man es nicht zur identität werden lässt, sondern es nur als einen kleinen teil von dem ansieht, der einen ausmacht. ich bin z.b. sehr gerne deutsche und liebe mein land. ich kann mich mit vielem hier identifizieren. das war allerdings so gar nicht in die wiege gelegt, sondern hat sich mit den jahren so ergeben. trotzdem empfinde ich keine vaterlandsliebe wie ich es von vielen albanern kenne.
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Do, 13. Feb 2014, 15:31

Man darf und soll sich zwischen zwei Stühlen fühlen.

Entweder man ist ein vollkommenes Produkt seiner Umgebung und seiner biologischen Funktion, (wobei man bis zu einem Grad zwangsläufig immer ein Produkt seiner Umgebung ist) oder ein Produkt seines bewussten selbst, den schlussendlich entscheidet jeder für sich selbst wie und was er denkt und somit auch ist, "du denkst, also bist du".

Damit will ich sagen, dass einige Secondos sich selbst entschieden haben sich auszugrenzen.

Und "Heimat" wird überbewertet, nach 10 Jahren Gefängnis wird auch die Zelle zur "Heimat" und die freie Welt fremd.

Ich für meinen teil habe mich entschieden dass das einzige Etikett das ich trage, durchsichtig ist, und nicht bemalt mit nationalen Flaggen, politischen Färbung, oder religiösen Zeichen, und ich fühle mich nirgendwo "fremd" weil ich versuche mit offenen augen und armen auf die Welt zu zugehen. Ich sehe es als Bereicherung dass ich zwei Gesellschaften kenne.

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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Fr, 14. Feb 2014, 11:49

Alket hat geschrieben:Man darf und soll sich zwischen zwei Stühlen fühlen.

Entweder man ist ein vollkommenes Produkt seiner Umgebung und seiner biologischen Funktion, (wobei man bis zu einem Grad zwangsläufig immer ein Produkt seiner Umgebung ist) oder ein Produkt seines bewussten selbst, den schlussendlich entscheidet jeder für sich selbst wie und was er denkt und somit auch ist, "du denkst, also bist du".

Damit will ich sagen, dass einige Secondos sich selbst entschieden haben sich auszugrenzen.

Und "Heimat" wird überbewertet, nach 10 Jahren Gefängnis wird auch die Zelle zur "Heimat" und die freie Welt fremd.

Ich für meinen teil habe mich entschieden dass das einzige Etikett das ich trage, durchsichtig ist, und nicht bemalt mit nationalen Flaggen, politischen Färbung, oder religiösen Zeichen, und ich fühle mich nirgendwo "fremd" weil ich versuche mit offenen augen und armen auf die Welt zu zugehen. Ich sehe es als Bereicherung dass ich zwei Gesellschaften kenne.

schöner Text Alket...wo hast du diesen Abgeschrieben.. :lol: nein. im ernst...viele vergessen, dass sie die freie wahl haben zu fühlen, wie sie wollen. :idea:
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Fr, 14. Feb 2014, 22:28

An all diejenigen die auf Spieler wie Januzaj, Shaqiri usw. stolz sind mit der Begründung das dieser den Ruf den Albaner bzw. Kosovaren verbessern, dürfen sich auf die Wortwahl eines eingeladeten Gastes in der schweizer Sendung Radio Suisse Romande freuen der Kosovaren als Diebe bezeichnet. Dadurch wird nochmal klar das einzelne Personen nicht den Ruf eines Volkes retten können.

Alket
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Re: Zwischen zwei Stühlen fühlen

Sa, 15. Feb 2014, 21:25

Ich möchte euch einen Bekannten zu diesem Thema vorstellen

Atanasio Vince Formosa

In der 3. Generation, seit ca. 100 Jahren in Amerika, ursprünglich aus Italien wo seine Vorfahren vor 500 Jahren aus nordgriechenland einwanderten

Schaut mal seine Facebook Seite an : )

https://www.facebook.com/atanasio.formosa?fref=ts


Ein Ameriko-Italo-Albanese, man kann also auch auf drei Stühlen stehen, sehr gut sogar : )

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