Seite 1 von 1

Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: So, 08. Okt 2017, 13:15
von Alket
Bei den Albanern herrscht eine generelle Einstellung dass das orientalische Element (Kultur, Einflüsse usw) samt der islamischen Religion rückständig sei, und auch schuld an der katastrophalen Ereignisse anfangs des 19.Jhd ist, weswegen das orientalische Element, der Islam, zu überwinden gehört, um wieder in Mutter Europas Schoss platz nehmen zu können. (Die frage was oder wie Europa sei, hängt auch damit zusammen)


In diesem Wahn folgte man ganz der post-osmanischen (Inquisitions-)Tradition der modernen Nationalstaaten auf dem Balkan und tilgte sich, seine kultur, seinen geist, seine einflüsse, sein wissen und vielfalt aus, (die dadurch entstandene allgemeine soziale Gleichgültigkeit wird heute als Toleranz verkauft), und manch einer ging soweit und versuchte auch die Menschen ganz auszulöschen, wie vor 17 Jahren in kosovo.


Die meisten von euch gehören offiziell dem Islam an und auch wen ihr nicht praktizierend seid und nie etwas gelesen habt, so seid ihr zum teil muslimisch erzogen, so habt ihr islamische Einflüsse, die eine Quelle haben, von der wir so viel wie gar nichts wissen, oder weis jemand welche Richtung ihr und eure Familien angehört? Oder allgemein die Albaner? Nein, die aller meisten kennen die sunitische hanefisch-maturidische Jurispredenz nicht, geschweige den ihre Lehren, obwohl wir es in uns tragen, obwohl wir dieser angehören und von deren Gelehrten stark beeinflusst wurden.

Seit einem Jahr habe ich angefangen mich über den Islam und dem Orient zu interessieren, und es ist wie damals als ich mich für die albanische Kultur interessiert habe, nichtwissend und skeptisch ging ich heran, und entdeckte eine wunderschöne und reiche welt, und genau so ergeht es mir mit dem "Orient", je mehr ich lese, desto mehr verstehe ich auch die albanische Gesellschaft, aber auch desto mehr Fragen stellen sich, warum steht in allen Büchern das Gegenteil von dem was man gerade heute zu sehen und hören bekommt?

So lese ich gerade einen Ghazzali, dessen Einflüsse mir erst jetzt klar werden, und frage mich wie so eine grosse Kultur so degenerierende Züge annehmen kann?

Oder kennt jemand den poeten Rumi? Er gehört der hanafitischen Rechtschule an, er, sein Vater, sein Grossvater und sein Sohn und waren und sind hochangesehene Gelehrte unserer Jurispredenz.

Ja sogar von den Assassinen, den Ismailiten haben wir Einflüsse

Das sind nur kleine Beispiele bei denen ich mich frage, warum wissen wir nichts darüber? Warum lernen wir nichts darüber? Obwohl wir es in uns tragen, ein teil davon sind?

Wir glauben der Islam sei homogen und auch das "orientalische element", alles irgendwie "türkisch/arabisch" und "muslimisch" was aber nicht der Fall ist, die muslimisch Gemeinschaft bei den Albanern ist sehr heterogen und besitzt eine grosse theologische Vielfalt, so haben sich über 30 sunitisch orthodoxe sufi Orden im Viyalet angesidelt, zu denen wir auch angehören oder stark beeinflusst wurden, von dem wir aber nichts wissen. Wir haben Einflüsse aus dem Magreb, aus Ägypten, der arabischen Halbinsel, den Türken und vor allem aus Persien, Zentralasien, aus Usbekistan, Afghanistan, Indien. In der Religion, in der Sprache, in der Kultur, in der Literatur, in der Musik....


Das ist also unsere Basis, eine post-osmanische Gesellschaft, einst teil einer Welt die sich von Magreb bis Indien erstreckte, und aus dieser geboren, mit all seinen Farben und Facetten, leugned sich selbst.


Daher muss man sich nicht wundern, wen "unsere Kinder" die islamische Jurispredenz des sunitischen Islam verlassen und den wahabitischen Glauben annehmen, wen sie glauben dass die tugendenden im glauben, der Hass und die Ignoranz sei.

Weil wir es selbst nicht besser wissen.


Und so lassen wir zu, dass der "Islamismus" bzw. der Wahabetismus das "muslimische Element" verdrängt, unsere Vielfalt, unser Reichtum, unsere Kultur.(bevor wir sie wieder-entdeckt haben)

Der Islam, mit all seinen Farben und Facetten und tausendjährigen Kultur, wird somit nicht nicht nur durch den albanischen nationalismus sondern auch den islamismus bedrängt und bedroh, (welch ironie, wo sich der nationalismus und der islamismus wiederfindet)


Aus diesen und anderen Gründen habe ich meine Meinung zum Laizismus grundlegende verändert, die albanische Gesellschaft muss die Verantwortung über sich übernehmen, der Glaube gehört zu den Menschen, und diesen muss man seinen gebührenden Platz einräumen, wir müssen den "Islam", das orientalische Erbe verteidigen, nicht ignorieren und verdrängen.

Aus der Ohnmacht heraus ein Spielball der Realität zu sein, schrieb man einst "Schau nicht die Kirchen und Moscheen, den die Religion der Albaner ist das Albanertum", was für mich heute eher nach einer Kapitulation klingt, den ich meine, die Albaner sollten mehr den je auf ihre Moscheen und Kirchen schauen, denn diese gehören weder Riad, Istanbul, Belgrad, Athen noch dem Vatikan, sondern den Menschen, und diese zu schützen, bedeutet sich selbst zu schützen, bedeutet eine reiche und vielfältige Kultur zu beschützen.

All die Diskussionen heute, der Extremismus, die Missverständnisse, die Gräben, ( Die degeneration und missbrauch der Religion bei den muslimen, katholiken, orthodoxne) meiner Meinung nach ein Ergebnis der mangelnden demokratischen Grundwerte. Die Freiheit muss auch erst erlernt werden.


ich bin übrigens nicht religiös

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: So, 08. Okt 2017, 14:27
von Skygo
Ich war in Albanien, im Kosovo und schon in Griechenland.

Kosovo war das einzige Land wo ich weitgehend gesehen habe wie gefestigt die Menschen in ihren Glauben sind. Also das man im Kosovo den Islam als rückständig ansieht, dieser These stimme ich nicht zu. Überall Hallal Imbisse und Döner, sowas findet man in Albanien vergeblich. Dafür findet man im Kosovo kein Schweinefleisch.

In Albanien und in Griechenland jedoch ist das der Fall. Vor allem in Albanien wo ja viele meinen das es ein islamisches Land ist trifft dies zu. Es hat mich stark gewundert. Als Deutscher kennt man den Islam kaum und habe mehr islamisches Leben in Albanien erwartet.

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: So, 08. Okt 2017, 15:10
von Alket
Ich sehe das nicht als These, sondern als Tatsache die sehr präsent ist, siehe zBsp. die Mutter Theresa Katedrale in Prishtina an, das grösste religiöse Objekt ist eine katholische Kathedrale, bei 3-5% katholiken.

Ja, dem ist so, die menschen in Albanien kannten ja aufgrund dem Kommunismus nicht mal das wort Gott, deswegen gibt es die Probleme von heute.


Ich denke nicht dass man an Döner Ständen den Glauben und jahrhundertealten Einflüsse ablesen kann.


Natürlich ist Albanien muslimisch

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: So, 08. Okt 2017, 15:40
von Skygo
Alket hat geschrieben:Ich sehe das nicht als These, sondern als Tatsache die sehr präsent ist, siehe zBsp. die Mutter Theresa Katedrale in Prishtina an, das grösste religiöse Objekt ist eine katholische Kathedrale, bei 3-5% katholiken.

Ja, dem ist so, die menschen in Albanien kannten ja aufgrund dem Kommunismus nicht mal das wort Gott, deswegen gibt es die Probleme von heute.


Ich denke nicht dass man an Döner Ständen den Glauben und jahrhundertealten Einflüsse ablesen kann.


Natürlich ist Albanien muslimisch



Diese Hallal Esskultur findest du in Albanien nicht. Albanien ist muslimisch wie Kosovo christlich ist.

Ich als Deutscher der oft in Albanien war lese eines heraus, und das ist deine Kenntniss über das albanische Volk. Dieses türkische Element wie im Kosovo, findest du in Albanien vergeblich.


5 Prozent des Kosovo sind Katholiken, dafür wurde eine Kirche gebaut. Das sind 100.000 Christen. Es ist eine Kirche in Prishtina soweit ich informiert bin und nicht eine von vielen.
Diese Debatte zeigt wie sehr du dich beleidigt fühlst. In Albanien gäbe es sowas nicht über Gotteshäuser und wieviele davon in Tirana rumstehen oder in anderen Teilen Albaniens. Albanien ist somit fortschrittlicher in Sachen Religion und nicht erst seit dem Kommunismus.

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: So, 08. Okt 2017, 17:16
von Skygo
In Albanien gibt es anders im Kosovo kein traditionelles Zusammenleben mit den Türken. Zudem leben bei euch im Kosovo eine große Zahl von Bosniaken die ebenso wie die Albaner mit den Türken im Kosovo sympathisieren. Man bezeichnet sich gegenseitig als Bruder und Schwester da ihr den selben Glauben habt.


Und du willst aller ernstes erzählen, dass Albanien muslimisch ist.

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Mo, 09. Okt 2017, 11:22
von Lars
Skygo hat geschrieben:Überall Hallal Imbisse und Döner, sowas findet man in Albanien vergeblich.

Es gibt zahlreiche Orte, wo in Albanien Hallal-Essen angeboten wird. Aber meistens finden sich diese Imbisse nicht in touristischen Zonen – eher gewisse Stadtteile der Grossstädte oder einige muslimisch geprägte Kleinstädte Mittellalbaniens.

Skygo hat geschrieben:Als Deutscher kennt man den Islam kaum und habe mehr islamisches Leben in Albanien erwartet.

Allgemein gibt es in Albanien ja nur wenig religiöses Leben. Der Glaube wird wohl immer noch stark als Privatsache angeschaut: Man muss keinen Glauben nach aussen demonstrieren, um akzeptiert zu werden, und akzeptiert die Andersgläubigkeit der Mitmenschen. Das sind schöne Züge der Albaner und der albanischen Gesellschaft.

Dass es in Albanien wenig islamisches Leben gibt und das orientalische wenig gewertschätzt wird, liegt sicherlich auch an der Geschichte des Landes. Neben dem Religionsverbot im Kommunismus kommt die 500-jährige osmanische Besatzung dazu. Fortschritt und Entwicklung kam in Albanien immer aus dem Westen – von den Türken war nichts zu erwarten. Das prägt.

Ich denke schon, dass die Albaner noch etwas stolzer auf ihr osmanisches Erbe sein dürften. Es gibt viele Monumente aus der Türkenzeit, die zu wenig Wertschätzung erfahren. Auch hier spielt wieder die Geschichte mit rein.

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Mo, 09. Okt 2017, 11:29
von Skygo
Lars hat geschrieben:
Skygo hat geschrieben:Überall Hallal Imbisse und Döner, sowas findet man in Albanien vergeblich.

Es gibt zahlreiche Orte, wo in Albanien Hallal-Essen angeboten wird. Aber meistens finden sich diese Imbisse nicht in touristischen Zonen – eher gewisse Stadtteile der Grossstädte oder einige muslimisch geprägte Kleinstädte Mittellalbaniens.

Skygo hat geschrieben:Als Deutscher kennt man den Islam kaum und habe mehr islamisches Leben in Albanien erwartet.

Allgemein gibt es in Albanien ja nur wenig religiöses Leben. Der Glaube wird wohl immer noch stark als Privatsache angeschaut: Man muss keinen Glauben nach aussen demonstrieren, um akzeptiert zu werden, und akzeptiert die Andersgläubigkeit der Mitmenschen. Das sind schöne Züge der Albaner und der albanischen Gesellschaft.

Dass es in Albanien wenig islamisches Leben gibt und das orientalische wenig gewertschätzt wird, liegt sicherlich auch an der Geschichte des Landes. Neben dem Religionsverbot im Kommunismus kommt die 500-jährige osmanische Besatzung dazu. Fortschritt und Entwicklung kam in Albanien immer aus dem Westen – von den Türken war nichts zu erwarten. Das prägt.

Ich denke schon, dass die Albaner noch etwas stolzer auf ihr osmanisches Erbe sein dürften. Es gibt viele Monumente aus der Türkenzeit, die zu wenig Wertschätzung erfahren. Auch hier spielt wieder die Geschichte mit rein.


Dafür das in Albanien Muslime leben, findet man es aber dennoch kaum. Überall wird Schweinefleisch verzehrt. Vereinzelt gibt es aber sowas. Albanien hat zwar eine türkische Vergangenheit aber muslimisch kann man das Land nicht bezeichnen, es fällt mir schwer vor allem im Vergleich zum Kosovo oder Bosnien.

Das Einzige aus dem Orient stammende sind die vielen Süßwarenstuben in Albanien. Man findet überall orientalische Leckereien. Man kann sagen schon sagen dass es diese im Überfluss gibt. Ich habe mich auf jedenfall satt gegessen :wink: .

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Di, 10. Okt 2017, 17:41
von Alket
Tiranalb, was soll ich da noch sagen? Du bestätigst unteranderem das was ich meine. Ein verrückter Nationalist der alles arabische, islamische hasst und mit der realität, so wie Albanien ist, total überfordert ist.

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Mi, 11. Okt 2017, 0:38
von Skygo
Hass auf Islam ? Albanien ist kein islamisches Land, das ist alles. In Albanien leben bis zu 30 % Nicht-Muslime. Diesen Islam von dem du redest, findet man in Albanien vergeblich. Anders als im Kosovo oder bei Kosovo-Albanern in Deutschland. Wieso werfen viele immer uns Deutschen Hass vor, wenn man über den Islam redet ?



Als Deutscher habe ich eben meine Eindrücke gesammelt und auch alle Familien die ich kenne, lebend in Deutschland halten nichts von Religion. Also sowas muss mir nicht unterstellen lassen. Und was meinst du mit TiranaAlb ?

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Mi, 11. Okt 2017, 19:34
von Alket
Tiranaalb, weil kein rechtsradikaler und islamophober deutscher nach Albanien gehen würde

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Do, 12. Okt 2017, 12:50
von Skygo
Was sind das für Vorwürfe ?

Du schreibst, dass Albanien muslimisch ist und das kritisiere ich zutiefst.

Das ist eben nicht der Fall und wenn ich sowas höre, kommt es meistens von Albanern stammend aus dem Kosovo oder eben von Leuten die Albanien nicht kennen aber meinen es reiche aus Albaner zu sein.

Was meinst du genau mit TiranaAlb ? Was habe ich mit diesem User gemeinsam ?

Re: Der Islam - das orientalische Element

BeitragVerfasst: Mo, 16. Okt 2017, 16:41
von Alket
@TiranaAlb, isch schon gut


Zurück zum Thema:

Gestern schrieb ich einen in den Medien bekannten Imam aus Albanien an, der Grund war seine eher abwertende und des-informative Aussage zum Sufismus (tasawwuf), dass in allen Rechtsschulen im Sunnitentum fest verankert ist (Sharia besteht aus der weltlichen und den geistlichen Zielen, sprich dem tasawwuf-sufismus).

Auf meine Frage, welcher Rechtsschule er den angehöre, meinte er Hanbali, welche ca. 5% aller Sunniten ausmachen und mehrheitlich in Saudiarabien, Katar, Ver. Arab. Emirate zu finden sind, aber nicht bei den Albanern, und darüber hinaus gehört der tasawwuf auch zur hanbali rechtschule.

Was ich für problematisch erachte ist die Tatsache dass einige unserer Kleriker die letzten 10 Jahren ihre Glaubenslehren gewechselt haben, ohne das wir darüber öffentlich diskutiert haben.

Die saudischen Kleriker die zum Opferfest in Tirana zu vorderst sind, sind ein klares Zeichen der "hanbali rechtschule" auf den Führungsanspruch, und alle Islamisten/Wahabiten berufen sich auf die hanbali Rechtschule, wobei die Rechtschule sie aber nicht akzeptiert, aber die Grenzen sind so schwindent, und in einem Umfeld wie die der albanischen Gesellschaft, wo der Islam wenig Experten kennt, kann man den Leuten jeden quatsch erzählen.