Wenn der Papst auf Reisen ist …

… wird er in Tirana von Regierung und Zehntausenden von Gläubigen aller Religionen empfangen.

Vertreter von vier Religionen - Papst Franziskus in Tirana (Foto: Facebook Edi Rama)

Vertreter von vier Religionen – Papst Franziskus in Tirana (Foto: Facebook Edi Rama)

Als 1992 Papst Johannes Paul II. Albanien besuchte, brachte er den Albanern vor allem etwas mit: den Glauben und die Religion, was in Albanien während der kommunistischen Herrschaft über 20 Jahre verboten war. Als gestern Papst Franziskus nach Tirana reiste, wollte er der Welt eine Botschaft aus Albanien überbringen: das Beispiel einer toleranten Gesellschaft, wo Katholiken, Orthodoxe und Muslime in einem Klima von Respekt und Vertrauen friedlich zusammenleben. Dass die Albaner Frieden zwischen den Religionen gefunden hätten, sei ein gutes Zeichen für die Welt, erklärte er.

Dass Papst Franziskus gerade Albanien als erstes Land in Europa besuchte, ist kein Zufall. Ein Land an der Peripherie Europas, von Armut geprägt, mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit und lange ohne Religionsfreiheit, trotzdem aber ohne religiöse Differenzen. So sprach er sich in Tirana auch deutlich gegen jede Form von Extremismus aus: „Niemand soll meinen, er könne sich hinter Gott verstecken, während er Gewalttaten und Übergriffe plane und ausführe,“ erklärte der argentinische Pontifex.

Auch stellte Franziskus sich tapfer dem Extremismus entgegen. Trotz Drohungen aus Kreisen des „Islamischen Staats“ in Syrien und Irak suchte er den Kontakt zu den Gläubigen: Er fuhr im offenen Papamobil durch die Innenstadt und hielt immer wieder an, um Hände zu schütteln. 2500 Polizisten sorgten für die Sicherheit des Papstes; die Innenstadt war abgeriegelt, Passanten und Gäste wurden kontrolliert, Scharfschützen auf den Dächern observierten die Gegend.

Auf dem Mutter-Teresa-Platz vor dem Universitätshauptgebäude hielt er eine Messe, nachdem er mit diversen Politikern im nahem Präsidentenpalais zusammengekommen war. Zehntausende säumten den zentralen Boulevard, wo er winkend vorbeifuhr und wo die Messe auf Grossbildschirmen übertragen wurde. Danach folgte noch ein vollgepacktes Programm: Mittagessen mit albanischen Bischöfen, Austausch mit Vertretern aller Religionen Albaniens, Messe in der katholischen Paulus-Kathedrale mit katholischen Priestern und Ordensleuten, Begegnung mit den Kindern des Bethanien-Zentrums von Bubq westlich von Fushë-Kruja und eine kurze Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Tirana, wo er auch noch Edi Ramas neugeborenen Sohn segnete.

Der interreligiöse Dialog war dem Papst wichtig. So dürfte es ihn gefreut haben, dass neben Katholiken aus dem ganzen Land und aus den Nachbarstaaten auch Tausende Muslime seiner Messe zuhörten. Wichtig war für Franziskus aber auch, anderen zuzuhören, insbesondere von Personen, die während des kommunistischen Regimes wegen ihres Glaubens verfolgt wurden.

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